Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1 (1922)
- Issue
- 12 (27.7.1922)
- Date
- 1922-07-27
- Page
- Seite 157 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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157 Ferner fürchte ich — imb ich glaube nicht ohne Grund —, daß die in dem genannten Aufs aß vertretene Meinung nur ein Glied in einer Kette ähnlicher Erscheinungen auf anderen Gebieten darstellt, denen entgegenzutreten mir notwendig erscheint. Mit wenigen Worten gesagt: Es handelt sich um die Gefahr der immer weiter fortschreitenden Isolierung unserer jüdischen'Deutschen gegenüber ihrer Umgebung. Dein: was hier für die Jugend ansgeführt wurde, das wird genau so aud) auf die „Alten" übertragen. Turnvereine, Sportklubs, Schützengilden, Gesangvereine, Sanitatskolonnen und Geselligkeitsgemeinschaften — die Liste kann beliebig verlängert werden —, sie alle stehen im Zeichen der langsamen, aber sicheren Flucht ihrer jüdischen Mitglieder. Das ist leider — keine Hefter* treibung und scheint denen, die nur das Großstadtleben kennen, nnbedeutend zu sein. Wir wissen doch aber alle, daß die Zukunft der deutschen Juden nur in den Mittel- und Kleinstädten verankert ist. Und hier tonnen die von mir aus-gestellten Behauptungen wohl kaum bestritten werden. Seien wir doch offen gegen uns selbst. Wie steht es denn in unseren Mittel- und Kleinstädten heute mit dem geselligen Verkehr unserer Glaubensgenossen? Wieviel nichtjüdische Mitbürger zählt denn eine jüdische Familie heute zu ihrem Verkehrs Verschwindend wenig! Und wie war es ehedem? Zweifellos besser als wie jetzt! Nun muß man ja zugeben, daß es in unseren Tagen viel schwerer fällt, die Pflege harmloser Geselligkeit zu betreiben, wie einst in besseren Zeiten. Aber es liegt ein gewisser Teil der Schuld auch an uns selbst. Und wieder wollen wir es frei heraussagen: Wir sind in dem uns ausgezwungenen Kamps etwas zu „nervös" und verärgert geworden. Wir stehen den. Dingen nicht so unvoreingenommen gegenüber, wie es trotz alledem heute immer noch möglich ist. Wir sehen — ganz wie unsere Gegner — der Feinde zu viel. Das Wort „Jude", in der Oeffentlichkeit ausgesprochen, stört schon die Gemütlichkeit. Demgegenüber wage ich den Satz auszusprechen: Soweit mir Gegenteiliges nicht bekannt ist, halte ich meinen nichtjüdischen Mitbürger immer noch nicht für deutschvölkisch verseucht. Wenn mir da aber entgegengehalten wird: nur brauchen doch niemanden nachlaufen, so ist dies natürlich me gemeint. Anderseits muß aber unbedingt gefordert werden, sich nicht länger derart abzuschließen, wie es herrte schon der Fall ist. Ganz allmählich und mit dem richtigen Taktgefühl können schorr jetzt die verlorengegangenen Beziehungen wieder ausgenomuren werden. Und es gilt der Satz, den unser bewährter Syndikus Dr. Holländer ebenfalls in der Eröffnungsnummer llnserer „E. V.-Zeitung" an die Spitze seiner Ausführungen gestellt hat: Fort mit der Abwehr!, d. h. Herstellung und Erhaltuilg des Friedenszustandes, wo immer es nur angängig ist. Geht aber diese Vereinsamung unter uns so weiter, dann werden Ewiftiiiiitiiiuimii gatt! icfy foa.ö's Ich weiß mir bei den teuren Fieischpreisen zu helfen: Tludefn und. Ttlaä&aroni sind ein leckeres Gericht, dabei bekömmlich, wohlschmeckend und viel billiger wie fleisch und Gemüse. - Teigwaren sind gegenwärtig Helfer in der Not, dabei in den Zubereitungsmöglichkeiten unbegrenzt. llltltllltUlllttliülillHilülllllllüilUlimtiltlHtiillt 41I4!)4H4H4II4;;4C fc^x Spitzenhaus 9iosa Klauber, 'TUünchen CTheatinetstrasse 35. Brautausstattungen. Spezialität: ächte Spitzenvorhänge und * decken. Gewerbeschan München: Halle HI, Raum 84: '4M# II4 U4 U4 J!4 t»4 U4 »14 »4 II4 II 4N4H4!14lf 4 II m 4it ♦4♦ ü auch die letzten Stützpunkte nacheinander anfgegeben, die unsere Stellung noch schützen. Denn in wieviel Fällen beruht der Antisemitismus unserer Mitbürger einzig und allein auf der Tatsache, daß sie einen Juden persönlich gar nicht kennen. Und wie oft beruht das (Eintreten christlicher Volksgenossen für unsere Sache einzig und allein auf der Tatsache, daß sie aus Persönlicher Erfahrung wissen: wir jüdischen Deutschen sind nicht das, als was uns unsere Feinde Hinstetten. Aber inan inöge mir nicht erwidern: Uns kennen ja 'unsere Mitbürger zur Genüge, wenn sie bei uns kaufen, wenn Nur sie als Aerzte behandeln, ihre Prozesse führen oder ihnen als Arbeitgeber gegeuübertreten. So wertvoll diese Beziehungen auch seilt mögen — sie müßten mir noch besser nach der persönlichen Seite hin gepflegt werden nc genügen aber nicht. Denn wir wissen aus der Erfahrung, daß zwischen „dienstlichem" und „außerdienstlichem" Verkehr immer noch ein gewaltiger Unterschied besteht. Deshalb: Fort mit dem Geist der Isolierung! — Ich weiß, dast gleiche imb ähnliche Auchührnngeu schon oft gemacht worden sind. Ich wiederhole sie trotzdem, weil sie immer nuebet in Vergessenheit geraten und diese Unterlassungs-snude heute gefährlicher wirkt als je zuvor. Referendar I u l ins C h a r i g, Frankfurt a. O. J Der echte Goethe. Sehr geehrte Schristlei'nng! Anläßlich der Ausführungenin der „E. V. - Zeitung" über „das Zitat als politisches Kampfmittel" und des darin gestreiften Themas „Goethe und die Juiden" erlaube ich mir, auf ein Goethe-Zitat hinzu weisen, dein ich bisher in der Diskussion über dieses Thema nicht begegnet bin. Ich finde die Stelle in der bekannten sechsbändigen Ausgabe des Insel-Verlages, ausgcwählt und herausgegebenvon Erich Schmidt, 1910, Seite 26 im sechsten Bande, Biographisches übep Schiller. Goethe bespricht die Bühneneinrichtung von' LcssingZ „Nathan", die Schiller vorgenommen hatte, und fährt dann, fort: „Möge doch die bekannte Erzählung, glücklich dargestellt, das deutsche Publikum aus. ewige Zeilen erinnern, daß es nicht mit 'berufen wird, mit zu. schauen, sondern auch, um zu hören und zu vernehmen. Möge Zugleich das darin ausgesprochene göttliche Dubdungs- und Schonungsgefühl der Nation heilig und wert bleiben." H a n s S o b e NQ:Ländsberger 92. LTChäusseeU. Brunnen 196. NW:WH$näcker15. Turm?fc j