Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1 (1922)
- Issue
- 12 (27.7.1922)
- Date
- 1922-07-27
- Page
- Seite 153 (sequence 5)
- Language
- German
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gemeinden (Parochiech nur austreten kann, lver gleichzeitig aus der [ Kirche überhaupt austritt, ist durch das preußische Aus'trittsgeseh I vom 30. November 1920 die 3.llöglrchkeit geschaffen, daß jemand ohne i weiteres aus der ö r t t i ch e n Synagogen gemeinde austritt, r der jüdischen Religionsgemeinschaft, dem Judentum, aber auch | weiterhin angehört. Er ist demnach in -der Lage, Jude Alt bleiben, l sich jedoch durch einfache gerichtliche Erklärung seiner Beitragspflicht gegenüber dem öffentlich-rechtlichen Verbands, 31t dem \*v feinem Wohnsitz nach gehört, 51t entledigen. Wollte .man nun die Abzn-gsfühigkeir der Syuagogonsteuern nicht anerkennen, so ergäbe sich die folgende Sachlage: Tritt jemand aus der öffentlich-rechtlichen Synagogengemeinde seines Wohnortes ans und schließt er sich einem privaten Reliaiousverein an, so würde er für die Beitrage an den letzteren ohne weiteres in den Genuß des Steuerprivitegs treten. Verbleibt er jedoch in dem ö f f e n 11' t ch - r c ch t l i ch e n Synagogetwerband, so steht ihm dieser Vorzug nicht zu. Mit anderen Worten: die öffentlich-rechtlichen Korporationen, denen Art. 137 R.-V. eine b e v 0 r z u g t e Stellung wahren will, würden gegenüber den Privatvereinigungen benachteiligt, die Dinge also auf den Kopf g e st e l l t werden. Anders gesprochen: es würde eine P r ä rn i e a u f de n Austritt aus den öffentlich-rechtlichen Religionsverbandeu gesetzt und diesen damit die materiellen Grundlagen ihrer Existenz untergraben werden. III. Im Einklang mit den vorstehenden Darlegungen ist bei den Beratungen des Einkommensteuergesetzes die Anwendbarkeit der in Rede stehenden Bestimmung auf die Steuern -der Religionsgesellfchaften ausdrücklich ausgesprochen worden. Der Abgeordnete D. Oft um nt erklärte in der zweiten Lesung: „Selbswerstündlich find unter külturfördernden Einrichtungen <iud* die Relig i onsoeie!l-schaften zu verstehen.- Dieselben tverden es in den kommenden Zeiten hinsichtlich ihrer Jinanzgebarnna unaemein schtoer hahen. rnl'd es UoÜr-e auch nach dieser Seite hin fördersam. wemr dieser Antrag Annahme finden könnte", lSitzung der Natronalversanunluna vom 1. Marz im, Sten. Ber. S. 4rW). Derselbe Abgeordnete führte bei der dritten Lesung ans. daß unter „Beiträge an kultnr fördernde Bereinigungen natürlich die Religionsgesellschaften und die an sie 51t zahlenden Steuern eiraiefduofjini" seien. Weder bei der zweiten noch bei der dritten Lesung wurde von irgendwelcher Seite, sei es von den Regierungsvertret'ern, fei cs aus der Micke der Versammlung heraus, dieser Auffassung widersprochen. IV. Mit Rücksicht auf die oben dargelegten Gründe und die Eutstehungsgeschichte des Gesetzes habe ich bereits am 9. Juni 1921 im „Berliner Tageblatt" die ssrage der Abzngsfühiqksic der Kirchen- und Synagogensteuern bejaht. Der von "mir uertreteue Standpunkt hat damals in der Tages presse fast ausuahmslos Zustimmung gefunden und *andj in der ^Fachliteratur ist ' ihrn' beigepflichtet worden. Der R e t ch sfiua n z m t n i st e r hatte jedoch von vornherein einen entgegengesetzten Standpunkt etngenomrnen und die Finanzämter mit entsprechender Weisung der sehen. Gegenüber denn oben dargelegten Standpunkt hat er sich daun an den ReichsfinauZhof gewandt und diesen um ein Gutachten erstecht. Dieses Gutachten ist unter denn 30. November 1921 von dem 3. Senat erstattet worden. Es hat zwar die sachliche Berechtigung des oben dargelegten Standpunktes anerkannt, jedoch erklärt, daß dieser Standpunkt nur de lege ferenda Berücksichtigung finden könne, nach dem Wortlaut des Gesetzes aber die Abzugsfähigkeit, die sie nicht ausdrücklich.ausgesprochen, im allgemeinen stls. zulässig nicht zu erachten sei. Lediglich für die sogenannten Realsteueru sei sie auzuerkennen, für dir Persvualstenern aber nicht. Die Entscheidung des R eichöfina n zh 0 fs, -- aus die hier nicht näher eingegangen io erden soll -- ist in manchen. Punkten geradezu befremdlich ablvegig und im garrz-en alles.andere als überzeugend. Da sie aber für die Praxis Oeftinrmenb wurde, ergab sich die "Notwendigkeit, den Konsequenzen des darin zum Ausdruck gebrachten Standpunktes durch eine authentische Interpretation im Wege der Gesetzgebung zu begegnen. Tie erforderlichen Schritte wurden unmittelbar nach der Bekanntgabe der Entscheidung.' oingeleitet. Sie haben numnehr zu dern gewünschten Ergebnis geführt. Anläßlich der Be-ratung der jüngsten Novelle" zum N -e i ch s e i u k 0 m m c n ft c u e r g-e s-e tz ist in der Sihutlg des Steueransschusses vom 7, Juli "d. I." der' Antrag gestellt worden, in Art. 13 ituter 6a als abzngssähig einzusügen: " „Sie rt e r n a n d r e i m A r t. 13 7 id e r dl c t ch ö 0 e -r - f a s s u n g gen a n n t e n K ö r p e r sch asten, s 0 weit di e s e S te ue r n i n b e in n a ch § 2 9, A bsatz 1 f ü x d i e B e r a tx - laguug maßgebenden Kalenderjahre fällig geworden sind." Der Antrag wurde in erster und zweiter Beratung hn Ausschuß angenommen, der Reichstag ist ihm bei der zweiten unb dritten Losung der Novelle (15. und 17. Juli) be i g e t x e t e n. Am. 19. Juli hat and) der Reichs rat 3 u g e ft t m m t. Damit ist der Antrag G e - setz geworden und Klarheit über eine Frage geschaffen, die für - die NeLigwnsgesellschaften im allgemeinen von außerordentlicher Wichtigkeit ist, für die Syllagogengemeinden nach dem oben Dargelegten aber geradezu eine Existenzfrage bedeutet. ^\ws «ew, jf* jüMfchtB^ckn Die deutschjttdische Wifferrschaft in besähe. Aus k ö tt i g s b erg wie aus Berlin erfahren wir. das; dort dem bekannten jüdischen Gelehrten Professor Perles, hier verschiedenen Dozenten der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums verlockende Angebote vom J e w i s h l n s t i tute 0 f Rc iigion in N ew-Yor k gemacht worden sind. Den Dozenten der Hochschule soll das Anerbieten unterbreitet fein, abwechselnd einige Monate hn Winter in New-Uor? Vorlesungen zu halten. Professor Perles (Königsberg) soll den Nllf bereits a n gen om men haben. Von den. Gelehrten, die an der Berliner Hochschule tätig sind, sott als erster der angesehene Geschichtsforscher Professor I. Elbogen die Reise nach Amerika üutveteu. Wir haben keinen Zweifel, daß die Angaben unseres Gewährsmannes i tu w e s e n t l i ch e n z u t x e f f e n d s t n d. Von -anderer beachtlicher Seite ist uns noch die naheliegende Befürchtung ausgesprochen worden, die valutakräftigen Amerikaner hegten die Hoffnung, unsere führenden jüdischem Gelehrten uns f ü r i m m e r zu entreißen. Was das für die jüdische Wissenschaft und für die jüdische Geisteskultnr in Deutschland bedeutet, darüber ist wohl kein Wort zu verlieren. Nimmt man uns -unseren geistigen Besitz, verliert die deutsche Judenheit ihre wissenschaftticheu Führer, -wer soll dann unsere Rabbiner und Lehrer würdig ausbitden -und die Schätze der jüdischen Wissenschaft auf deutscher Erde pflegen und vermehren? Allerdings sind die deutschen Juden nicht ohne schuld, daß es so gekommen ist. Die jüdischen Institute, an denen die Wissenschaft des Judentums hochgehalten wird, klagen ausnahmslos über v v 11 i g .lt n z u t eichend e 11 n t e r st ü tz tt u g. Die Beitrüge der Großunb Mittelgemeinden dafür sind zrrm allergrößten Teile durchaus -unbedeutend. Der Einzelspender sind wertige. "Ist es glaublich, daß henke'nochergraute Gelehrte, zu denen man Verehrungsvolt aufsieht, w e d e r ei u e fest e A it ft c l i u n g tt 0 ch P e n s i 0 u s - be r e ch t i g.n n g b e s itze tt? Bei dieser Sachlage ist es dringende Pflicht aller berufenen Jusditutionen. sofort darauf hinzu arbeiten, daßchnese unwürdigen Zr:stände -abgestellt werden, damit wir unsere jüdischen Gelehrten nicht verlieren. Ein detttsches Judentum ohne die Wissenschaft vom Judentum, i st z u m g e t st t g e n Tode v e t - Die-TkÄr-erfeier für den verstorbenen Kommerzienrat Dr. Carl Leopold Netter fand am 2V. Juli unter außergewöhnlich großer Beteiligung statt. Die Jüdische Gemeinde Berlin ließ ^in der S t) tt a g 0 g e F a \ a tr e n fr r a ß e durch ihren Borsihendett. Geh. Sauitärsrar S te r n. dem Entschlafenen warme Abschiedsworte Nachrufen: denn Earl Netter hatte lange Jahre dem Vorstände der größten jüdischen Gemeinde des Vaterlandes angehört ltnb ein reiches Maß seiner großen Arbeitskraft ihr zur Verfügung gestellt. Herr Rabbiner Tr. B ar ck gedachte in herzoeioeaendeu Worten des unvergeßtieheu- Entschlafenen. Auf dem F r i e dH 0fe i u W eißensee klagte eine stattliche Anzahl jüdischer und christlicher Deutscher über den schweren Verlust, den so viele maßgebende'Organisationen dttrch den Tod Retters erfahren haben. Geheimrat B l a tt (Frankfurt a. M.j sprach im Namen der Jca und des Hilfsvereius der deutschen Juden, Geheimrat Ober neck im Namen des Jüdischen Krankenhauses der Berliner Getueiude, eins der ureigensten Schöpfungen Retters; Sanitätsrat Bradt (Berlin) im Namen der Akademie für die Wissenschaft des Jttdonttlms: Geheimrat H eins h e t in e r (Heidelberg) int Namen des S eminars für sozialwirtschaftlichesNecht. das dem Weitblick und der Freigebigkeit Netrors sein Dasein verdankt^Konunerzienrat Norbert Lev'h im Namen der Metallbörse und industrieller Orgamfationen: der B ü r g e r m e i ft e r 0 v n .B ü h l i. Baden im Namen der Gebnrrsstadt des Entschlafeuen, deren Ehrenbürger Earl,Netter gewesen ist. und dann e i ix B e r t r e i e r der A r b c i t c r ) chn f t der NNterschen Unternehnumgen, der den sozialen Sinn des verstorbenen Chefs anerkannte und feierte. Tür -den C e n t r a l - B e r e i u deutscher 'Staats D ü x g e r jüdischen Glau b e n s sprach Justizrat B r o d u r tz. Er tennzeichnete lUettev als den Ideal typ des jüdischen Deuffchen, der mit heißer Liebe seinem Vaterland zugetan war, der aber auch sein Judentum im Herzen trug uu.d beiden seine Lebensarbeit gewidmet hatte. -.Durch alle Reden klang die Erkenntnis, daß Retter nie einer Jnü-iturion oder einem Verein mit lauem Herren' angehvrre. sondern daß er alten aus der Fülle seiner Liebes seines Eifers und seiner großen Erfahrung heraus das Beste gab. Dis „jüdische" SowjctherrschafL. Wie unsinnig die Behauptung der Jndenbetzer ist. daß der Bolschewismus eine „jüdische Atache zttni Vorteil des Judentums" sei. beweist chic Ateldnng der „Königsberg er Allgemeinen Zeitung", wonach die Sowietrogievuug die Ü 0 uf i s ka 11 0 n de r i n de n S n n a g 0 g 0n be f ind l iche n Wer kgegenstände angeordnot hat. Den Vertretern der jüdischen Bevötkerrillg Petersburgs wurde erklärt, daß sie sofort außer den bereits abgelieferten Gegenständen noch 310 Pud Silber (zirka 12 Zentner) cköznliefern Hütten, wobei die Hauptsyuagoge dieselben Mengen zu leisten habe wie die Karausche Kathedrale und die kleineren Synagogen so viel wie die entsprechenden Petersburger Kirchen. — In diesen Zusamm-ephang^gehört auch die Bestimmung dos neuen Krim i u a I! 0 d c x d e r 0 w j e t x e a i e r u n g. wonach Personen, die Kindern ödest Minderjährigen R e i i -g i 0 n S u n t e r r i ch t et* teilen, mit Zwangsarbeit bis zu einem Jahr bestraft werden.