Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1 (1922)
- Issue
- 12 (27.7.1922)
- Date
- 1922-07-27
- Page
- Seite 150 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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innerlich nach ihrer demagogischen Auffassung vcm Politik und Staat mit den leitenden Männern der Partei wenig gemein haben, muß dabei in Kauf genommen werden." Und keiner glaubt doch etwa, das leidige Geld, über das deutschvölkische Unternehmungen zweifellos in erheblichem Maße verfügen- —- nach bet „Zukunft" hat allein der „Deutsche Herold" und seine Freunde für das Wulle-Blatt zwei Millionen Mark aufgebracht —, führe die Deutschnationalen vorn richtig erkannten Wege ab. Soweit kann der schonungslos bekämpfte „jüdisch-materialistische Geist" doch nicht vorgedrungen sein. Mögen sich darüber die deutschnationalen Führer die Köpfe zerbrechen. Für uns steht unverrückbar fest, was die amtliche Par t e i e r kl är u n g der letzten Tage einwandfrei ausspricht: n-;*:•»*.-? 1. Die Partei und ihre Politik ist und bleibt nach wie vor p o i i t i v v ölkif ch eingestellt. 2. Bei dein Ausscheiden des Abg. Henning aus der Fraktion bandelt es sich ganz und gar nicht um feine Stellung in der völkischen -Bewegung, sondern allein um seine persönliche politische Betätigung. ll. Die Erklärung der Herren v. G r a e § e und W alle ändert daran nicht das Mindeste und auch nichts an der völkischen Einstellung unserer Partei und ihrer Politik. Der Kurs bleibt der alte! Die Deutschnationale V o l k s p a r t e i denkt a l s o n i ch t i m entfernte st e n daran, die dents chvöLkis che Wühlar beit a u fzu geben. Sie wird sie weiter offiziell und inoffiziell kräftig fördern; denn „der Kurs bleibt der alte". Tie Kämpfe in ihrer Reichstagsfraktion, die nach der „Vofsischen Zeitung" beinahe in Tütlichkeiterr ansgeartet sind, haben mit einer völligen Niederlage derer geendet, die das Verantwortungsgefühl gegenüber Volk und Vaterland über selbstsüchtige Parteierwägungen stellten. Scharf beleuchtet die Lage, daß die sonst so zurückhaltende „K reuzzeitung" „die konservative Tendenz als wohl vereinbar mit dem gesunden völkischen Gedanken" beweist. Der hier schon genannte deutschnationale Politiker P a n l F u h r m an n schreibt: „Bringt die Partei hierzu (zur Scheidung zwischen sich und den Deutschvölkischen) nicht die Kraft auf, dann kann sie ans die Dauer sich gegnerischer Angriffe, die sie mit einer gewissen Verantwortlichkeit für die Auswirkung der antisemitischen Agitation belasten, schwer erwehren!" Zieh: die Deutschnativnale Volkspartei also zwischen sich und den Deutschvölkischen nicht einen haarscharfe n Trennungsstrich, verbannt sie nicht jede deutschvölkische Propaganda aus ihren Reihen, so werden alle, denen Volkswohl und Vaterland im Herzen leben, sie auch weiterhin mit d e r f u r ch t b a r e n V e r a n t w o r t n n g für die F o i g e ir d e u tsch v ö l k-i scher v e tz e b e f a st e n n: ü s s e n. Ilm diese Verantwortung ist sie nicht zu: beneiden. Tr. Alfred Wiener. 8 An die Mitglieder des C. V.! Wenn Ihr Verlobungen, Vermählungen, Geburten in weitesten Kreisen bekanntmachen wollt, benutzt die familitruTinzeUrm der C. O.^ettiing die in über 60 000 Exemplaren erscheint und überall im Reiche gelesen wird. — Wir gewähren Mitgliedern für derartige Anzeigen wie auch für Stellengesuche einen Ravätt von 50°/o auf den Zeilenpreis. Setzt also alle Familien, Nachrichten in die CV.--Zeituna! Zhr spart Geld und unterstützt Euren Verein. Rüthsnaus Toö rmö die evtmgelisthe Rüche. Bon H. Francke, Pastor am Hcilig-Kreuz zu. Berlin. - Der Mord au Rachcnau hat auch die evangelische Kirche zu einer Stellungnahme veranlaßt. Der Deutsche Evangelische Kirchenausschuß, das ist die oberste Vertretung der zu einem Verband zusan:mengeschlossenen deutschen evangelischen Landeskirchen, hat sich an die Protestanten aller deutschen Länder mit einer Kundgebung gewendet, die mit dankenswerter Entschiedenheit die „meuchlerische Tat als eine Schändung des deutschen Namens" brandmarkt. Das ist insofern erfreulich, als die osfizielten Vertreter der evangelischen Kirchen in früheren ähnlichen Fällen 31: oft geschwiegen haben und sich dabei wohl von der ängstlichen. Rücksicht leiten ließen, im Konflikt der politischen Gegensätze nur ja nicht Partei zu ergreifen. Diesmal klingt es aus der Kundgebung des Kirchcnausschnsses deutlich heraus, daß es sich um „eiue Tat politischer Leidenschaft" handelt, und daß solcher Leidenschaft nicht die mildernden Umstände einer entschuldbaren Verirrung zugebilligt werden dürfen. S i e iv t r b a l s Frev e l und Sünde Denn: teilt. Damit rückt der Kirchenausschnß hörbar von der Gepflogenheit ab, den: Fanatismus unduldsamer Menschen den Ninlluls einer, wenn auch verblendeten, so doch begreiflichen Begeisterung zu belassen. Dieser Nimbus wird ihnen wie eine Maske vorn Gesicht gerissen: und da dabei diesmal deutschvölkische und dcutschnationale Gesichter zum Vorschein kommen, so ist die Kundgebung des Kirchenausschusses beinahe eine mutige Tat zu nennen. Sie hätte nur noch deutlicher und noch direkter sagen sollen, daß d i e B e t o n u n g des Völkischen u n d N a t i o n a I i st i f cf) c n bei politischen P a rteie r: eine Verheer l i ch u n g v o n I n st i n k t e n i st, d e n e n >g e r a de das C h r i st e n t u in d e n s ch ä r f st c n K a m p s ansagen m ü tz t e. Nationalismus ist weiter nichts, als der dem Individuum ausgetriebene Egoismus, der sich min ins Volksganze geflüchtet hat. Das Christentum aber -duldet keinerlei Egoismus. Es verlangt Altruismus, Nächstenliebe, auch inr Verhältnis der Völker, Rassen und Klassen untereinander. Und noch eins hätte der Kirchcnausschuß aussprechen sollen. Er hätte die feige Tat der Grunewald-Mordbuben als einen Ausfluß des Antisemitismus charakterisieren sollen; und er hätte bei diesem Anlaß seinen Konfeffionsgenossen darlegen sollen, welch eine Verhöhnung christlicher Grundsätze i n d e r Neberhebung! desjenigen Teils unserer Bevölkerung liegt, de r den: n i ch t ch r i st l i ch e n T e i l d i e G l e i ch-w e r t i g k e i t a b f P r e ch e n möchte. Unsere Deutschtümler schelten die Juden Schädlinge. Hier lag der Fall besonders klar, aus welcher Seite die „Schädlinge am deutschen Volk" zu suchen sind. Drei bornierte deutsche „Heldenjünglinge", deren Intelligenz vielleicht gerade so weit reicht, um von einen: fahrenden Auto aus ein Maschinengewehr zu bedienen (— als Sportleistung wahrscheinlich eine beträchtliche Leistung?! Ich weiß es nicht —) schießen einen Rathenau nieder, weil sie in ihrem maßgeblichen Sachverständnis zu dem unbeirrbaren Urteil gelangt sind: dieser Jude verrät uns an unsere Femdeh Er Pflegt internationale Beziehungen und hat „universale" Gesichtspunkte, — zu einer Zeit, wo jeder teutsche Mann engstirnig nur zu seinesgleichen hält, die Wiederkehr der Hohenzollern vorbereiten mutz und sich widerspruchslos in die einzig mögliche Front, die Front der Fremdenhasser einreiht! Nicht wahr, diese Jünglinge haben doch noch Idealismus? In denen lebt das Bewußtsein, daß in Zeiten internationaler Aequinokt-ialstürme jedes Volk nur an sich zu denken hat! Nationale Selbstbehauptung! Welches Blatt der Geschichte Predigt uns nicht die Herrlichkeit dieser wunderbaren Zielsetzung! Za wahrhaftig, ne wagen cs, sich Idealisten zu nennen, diese Menschen, deren Wissen zu dürftig und derer: Denken zu abhängig ist, um sich über „Königsverherrlichung! und Dynastengeschichte" das Urteil zu bilden, das ne verdienen, ^ie haben kein Empfinden für den Unfug und das Unheil, das der Byzantinismus über die Welt gebracht hat. Sie ahnen nicht, wieviel M'mschenentwürdigung mit ölten Prärogativen und Privilegien verbunden war. Sie finden auch die Völkergeschichte leidlich erträglich, den Gegensatz der nationalen Staaten, der nach und neben den dynastischen Interessen innner wieder zur Selbstzerfteischung der Menschheit geführt hat. Es verschlägt ihnen nichts, das; dieser Wahnsinn'Jahrtausende erfüllt hat: sie wollen ihm weitere Jahrtausende widmen. Diese Menschen sind so wenig sitlicher Empörung' fähig, daß sie den Schlendrian der sogenannten Vvlkeraeschichte.mit Behagen in unsere Gegenwart sortsetzen möchten, statt lieber dann au Sinn und Gerechtigkeit der Geschichte überhaupt zu verzweifeln und sie sinnt allen Beteiligten zum Teufel zu wünschen. Nein, nur danken für diese Sorte Idealisten. Der Fall Rathenau hat sie in ihrer ganzen Verdienstlichkeit und Neberwertigkeit besonders hell beleuchtet. Die ch r i ft l i ch e K i r ch e a b e r sollte ihre Auhän g e r vor d er G emeinschaft mit ihne n w a r n e n. Be s o n d e r s d i c I n g end sollte sie so lch e n E i n f t ü s s e n c n t z i e h e n , d i e i h r den P s e u d o - Id e a -! i s m ii § it n i c x c c „V öUi s ch c n" tu i r ge n b w i e v e r s ü hr e r i s ch e n: L i ch t e e r s ch e i n e n l a s s e n. Sie sollte den Gegensatz der ivahren christlichen Ideale gegen jene erlogenen Ideale geltend machen. Sie sollte die Ideale der Ncenschenversöhnung, der Völkerverbrüderung, der Feindesliebe den unchristlichen Idealen der Selbstbehauptung, des Freurdenhasses und des nationalen Dünkels gegeuüberstellen.