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Central-Verein-Zeitung · 1922-07-20 · 11 (20.7.1922) · p. Seite 145

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1 (1922)
Issue
11 (20.7.1922)
Date
1922-07-20
Page
Seite 145 (sequence 9)
Language
German
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145 Unsere Lodrrtiendstrn Deutschen, wie F r i e h x i ch -der Große und Bismarck, lehntenjede Judenhetze -ab. Und lvenn sich die sogenannten Antisemiten, wie sie es heute mit Vorliebe tun, aus Bismarck berufen, so mögen sie ans den neuen-, wertvollen Veröff-m-tlichnng-en über diesen großartigen, so merkwürdig verkannten Mann lernen, wie vorsichtig und verarttwortungsbowußt er seines ArnLes gewaltet hat. Mit J-udenfeiudfchast hat er nichts zutun gehabt Dazu liebte er sein Vaterland zu stark und war zu klug dazu. Er erstrebte außerdem immer nur das Erreichbare. Wer sich übrigens einen kurzen-, äußerst lehrreichen lleberblick über die Geschichte und Eigenart der Juden uerschasf-en will, der lese in dem bedeutsamen, istvollen Buche „Weltgeschichte in Umrissen" vom rasen Forck von Warten bürg den Abschnitt: „Die Kinder Israel." Mir ist es bisher noch nicht gelungen-, von Lieber m n nü von Sounenberg bis hinab zum neuesten Judenhetzer eine Antwort ans die Frage zu erhalten: „Was haben Die bisher erreicht: was wollen Die erreichen, und was glauben Sie zu erreichen; welchen sttcheu bringen Die dem deutschen Volke tt Vielleicht wird der unglückliche Tod von Nathenau dem deutschen Volke die Augen öffnen über die verderbliche, sinnlose Fudenhetze, die wirtlich nichts Heldeuhastes darsteltt. Ein Unglück, sei es noch so groß, ES trägt e i n Glück in stimm Schoß. Hochachtungsvoll v. C. Eine fehlenöe Mklags. Geehrte SchrififeItung! Die Anklagerede des Herrn Dr. Wiener in der „E. D.-Zcitung" der Ermordung Rathenaus wegen hat jeden, der als deutscher Jude fühlt, erschüttert. Er hat aber eine Anklage übersehen oder vielleicht absichtlich nicht ausgesprochen. Und deshalb soll sie, sicher tun Sinne vieler Mitglieder unseres Central-Vereins, hier ruhig offenbart werden: Uns selbst müssen wir auch a n k l a g e n. Hat auch in der Großstadt wie im kleinsten Dorf die Erkenntnis von der so bebentungsvollen Arbeit des Central-Dereins stark zugenommen, hat er auch nach dem Bericht der „C. V.-Zeitung" viele neue Mitglieder gewonnen — gestehen wir es nur ein, auch wir haben oft seine Warnungen nicht ernst genug genommen. Wir waren lässig im Besuche seiner Versammlungen. Wir haben nicht die Zahlreichen Schriften des Philo-Verlages studiert. Wer hat sie unter seinen christlichen Freunden verbreitet? Haben wir auch genug Geldmittel für die Tätigkeit des Vereins, zur Verfügung gestellt? Sicher, nein!- Das ist doch das mindeste, was wir für den Verein tun können, daß wir tüchtig in den Beutel greifen. Ich habe unter meinen Bekannten auch umgehört. Jetzt sind ihnen die 'Schuppen von den Augen gefallen. Sie sehen jetzt klar, daß unter dem Mantel der deutschvölkischen Bewegung sich alle Bestrebungen zusammenfanden, die auf Meuchelmord, auf Sturz der Verfassung, auf Judenverfolgung hin anslausen. Ihre Bekämpfung ist die wichtigste. Deshalb müssen wir, wollen wir nicht unter die' Näder kommen,' den Central-Verein ganz -anders noch als bisher unterstützen. Beginnt damit sofort. Lchon viel zu lange ist gesäumt worden. E. Levy, Hamburg. O „Dunkle EMenzen." . Geehrte Schriftlettunch In der Rr. 4 Ihres Blattes, die ich leider erst heute durchz-lsehen in Der Lage war, finde ich in einem Artikel: „Bayerische Sommerfrischen!" folgende Wendung: „Münchens Bevölkerung ließ dunkle E x i st e n z c u, wie Levien, Wadter u n d Genos s e n Zn unseliger Führung gelangen . . ." Ich erfülle einem Dolen gegenüber eine Freundespslicht, wenn ich Sie bitte, öffentlich Dr. E u genLevi n e von der infamierenden Bezeichnung „dunkle Eristenzen"auszunehmen. Levien und Wadler kenne ich nicht, hatte aber die verletzende Bemerkung rnindestens für überflüssig. Was Wadler, gleichgültig nach welchem Geschmack man sich richtet, auch verbrochen haben mag, er muß es fürchterlich sühnen. Er ist Politischer „Verbrecher", und deswegen können P e r s ö n I i ch e Werturteile sehr fehsgehen. Roch deplazierter ist die Einbeziehung „und Genossen". Ich bin weder Jude noch Bolschewist oder Kommunist, wohl abev durch zehnjährige Bekanntschaft mit dem Menschen Eugen Levinä verbunden gewesen. Erstens war er keine „dunkle Existenz", sondern' ein ehrlich hungernder Schriftsteller, und er war jederzeit bereit, für die Sache, die er für heilig hielt, alles emzusetzen. Mehr als e i n m ß l hat er Freiheit und Brot eingesetzt und verlöre n. Jederzeit war er bereit, sein Leben einzusetzen, und er hat es o f t getan; nur en-^aal konnte er es verlieren. Und einmal'hat er es verloren. Die Standrechtskugeln haben scholl den richtigen Mann getroffen. Wenn man den Juden persönliche Feigheit nachsagt, so können sie mit Stolz aus Engen Levinö verweisen. So stirbt ein Held der Freiheit. Ganz nebenbei erwähne ich noch, daß Leviuo nicht Bolschewik?, sondern linker Sozialrevolutionär war. Ergebenst H e r m a n u Merkel M. d. 5R* Solingen. Wir geben der Zuschrift des Abgeordneten Merkel gern Nauru und hegen keinen Zweifel darüber, daß sich auch unter den Führern der Münchener Nätezeit solche befanden, die ihre Handlungsweise von ehrlicher und ideal-politischer Ueberzeugung leiten ließen. Unbedingtes Erfordernis jeglicher Politik scheint uns das Ueberlegen dep Folgen jeder Handlung zu sein. Diese Ueberlegung haben die Führet der Münchener Rütezeit aufs schwerste vermissen lassen. Deshalb haben sie sich, indem sie Bayern in blutige Unruhen stürzten, schwer am deutschen Baterland-e versündigt, eine Tatsache, die auch durch die ideale und ehrliche Gesinnung und den persönlichen Mut des einzelnen nicht aus der Welt geschasst werden kann. Zur Hautpflege' Körperpflege 'Schönheitspflege Zjup Babypflege 'für hiaflage > färSportfleute' Soeben erschienen; Ais lies Miiiis des EL laiirMerls. Philosophische Aufsätze von Professor Dr. Julius Goldsieiti (Darmstadt). Preis 40 Mark. Inhalt: Ueber ästhetische Weltanschauung / Schillers Lebensproblem / Euchens „Wahrheitsgehalt der Religion“ / William James/Moderne Religionsphilosophie / Henri Bergson und die Sozial Wissenschaft / Zur Soziologie der Technik / Das Irrationale und die Volksbildung. Der Verfasser hat diese geistvollen Aufsälze letzt zu einem Buch vereinigt, das als ein bedeutsames Dokument zur Zeit- und Kulturgeschichte angesprochen werden darf: Aufsätze, die vielleicht der Stimmung nach auf die Vergangenheit hinweiseii, in ihrer Fassung aber Dingen des Tages gehören.— Kan wird dieses Buch mit Genuss lesen und aus den gehaltvollen Betrachtungen gerade in unserer bewegten Zeit viel Nutzen ziehen. — Zu beziehen durch den Philo - Verlag und Buchhandlung Berlin SW 68, Lindenstrasse 13. Sei Bestellungen bitten wir auf die „C V> - Zeitung" Bezug zu nehmen I. 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