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Central-Verein-Zeitung · 1922-07-20 · 11 (20.7.1922) · p. Seite 141

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1 (1922)
Issue
11 (20.7.1922)
Date
1922-07-20
Page
Seite 141 (sequence 5)
Language
German
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141 den Glauben an den unbedingt guten mxb den unbedingt schlechten Kern bestimmter Arten. Denn man übersehe nicht das grundlegende Wertgefühl, das von Haus aus gerade in der populär wissenschaftlichen Auffassung und Ausdeutung des Rassenproblems steckt: Daß stärker als die Empfindung der starr umgrenzten Eigenart mit festgefügtem WesensgehalL die Ueberzeugung von dem guten oder bösen, vom himmlischen oder teuflischen Sinn der Rassen sich geltend macht. Triebhafte Instinkte, Vorurteile, di-e an das Märchen erinnern, wo es nur Lichtgestalten und dunkle Dämonen gibt, wurden so „wissenschaftlich" Zu einer Art von metaphysischem Dualismus verklärt, dessen Opfer ja nicht bloß wir sind, sondern viel »lehr das deutsche Volt. Das ist das Requisit des Märchens, an welchem das Kind seine Freude hat; denn das Kind kennt nur schwarz und weiß, gut und böse. Der reife Mensch weiß, daß die Erscheinungen des Lebens in einem Halbdunkel eingebettet sind, daß alles Wirkliche Mischung aus Strahlendem und Trübem ist. Wenn das deutsche Volk von dieser kindlichen Betrachtungsart, die beim gereiften Menschen ein schwerer geistiger Defektest, gesundet, dann wird gewiß eine Quelle des Antisemitismus verstopft sein. §ür öie HzmgemöM Zn öer Ukrainsl In unserer Zeitung sind wiederholt die grausigen Pogrome und Verwüstungen geschildert worden, deren Opfer die Juden in den Städten- und Städtchen der Ukraine während des Bürgerkrieges wurden, der dort seit dom Herbst 1917 tobte und bis heute noch nicht zur Ruhe gekommen ist. Seit etwa anderthalb Jahren hat sich zu den bisherigen ein neuer furchtbarer Feind hinzugesellt: die Hungersnot, von der ein sehr großer Teil Rußlands heimgesucht wird und die auf der jüdischen Bevölkerung doppelt schwer lastet, weit sie, ausschließlich aus Städtern bestehend, schon lange vor dem Ausbruch der allgemeinen Hungerkatastrophe unter der Blockade der Städte zu leiden hatte, die seit 19.17 das Kennzeichen dos wirtschaftlichen Lebens Rußlands bildete. Der Bauer hatte infolge des Stillstandes der industriellen Produktion aufgehört. Lebensmittel an die Stadt zu liefern, da er keine Jndustriegegenstände für sie eintauschen konnte. Aber während ein großer Teil der christlichen Stadtbevölkerttug in nahen Beziehungen zum Bauerntum stand und daher von diesem immerhin nicht ganz ohne Lebensmittel gelassen wurde, war das bei den Juden nicht der Fall. F it r s i o b e g a n n et 1 s o d a s g r o ß e F a st e n it ngefäh r z w ei Ja h r e vor der a l t g e m eine n Hungersnot. Auch lange nachdem diese hereinaeü rochen war, konnten die Bauern in der Ukraine auf dem Lande und mit ihnen Qin beträchtlicher Teil der christlichen Städter von den enormen Vorräten dieses reichen 'Landes zehren, aber den Inden kam das ix a t ü r U ch n ich t z u gu t e. Das Sterben vor Hunger unter den Juden der Ukraine ist denn auch grauenhaft. Wir werden in anderm Zusammenhänge hierüber ausführliche Daten bringen.- Hier sei nur so viel bemerkt, daß mehrere hunderttausend Juden, Männer, Frauen und Kinder, seit Jahren von den gräßlichsten Hunger- . quälen gepeinigt werden. In Odessa z. B., dieser ehemals so genußfrohen und üppigen Großstadt, \v erde u jede n M o r gen am Hungertode gestorbene I uden jedes Alters gesunden. Die Ueberlebendeu sind so entkräftet, daß sie die Leichen tagelang unbeerdigt liegen lassen. . . Die Mittel der Svwjetregierung sind zu geringfügig, um Nennenslvertes ausrichteu zn können. Auch die amerikanische Hilfe reicht bei weitem nicht aus und * ist überdies vollständig von der Wolgagegend in Anspruch genommen. In Berlin hat sich ein „H ilfskomiteefürdieh u ngernde j üdi sche Be vö lk er ung in R u ß land u n b der Ukra t rt c" gebildet, bestehend aus Persönlichkeiten, die aus jenen Ländern stammen. Es sind das: der Rabbiner von Kiew Samuel A r o n - f o n, > Dr. R it b i n Blank (Petrograd), Frau E u g e n i a B r o d s k h aus Kiew, Abraha.m G o r d o n (Charkow), D a v i d Margolin (Kiew). Das Komitee wendet sich zunächst an seine Landsleute, die sich in Deutschland .altshalten, sodann an alle Glaubensgenossen, die ein Herz für die entschlichen Hungerqualen langsam dahinsterbender Kinder, Frauen und Greise haben. Hier ist unmittelbare grauenhafte Not, der abgeholsen werden soll. Hier gilt es. Zehn taufen de von Kindern vor d e m H u n g e r t o d e z u r e t t e n. E s g i b t k e in dringenderes Werk der N ä ch st e n - u n d Bruderlieb e. Die Anschrift des Komitees ist: Hilfsverein der deutschen Juden, Berlin!W 35, Steglitzer Straße 9. Auch die A g u d a s IIsroel bittet in einem erschütternden Ausrufe dringend um Spenden für die russischen Juden (siehe Nr. 8 unserer Zeitung). Die Zentralsammelstelle für Deutschland ist der Gruppenverband der Agudas Jisroel in Halberstadt. Postscheckkonto: Berliin 18901, *©"11*0** . C- V.-KorresPoud-enz. Am 15. Juli ist die erste Nummer der E. V. -Kor r e s p o n d e n z über 900 detttschen Zeitungen zngegangen. Neben der „C. D. - Z e i t n n g", die sich in. einer Auslagenhöhe von über 60 000 Exemplaren wöchentlich au unsere Mitglieder und an viele unserer christlichen Volksgenossen r neu der, neben den „M i t t e i l u n g e n des S y n d i k u s", die. nach Bedarf erscheinend, über 2000 unserer näheren Freunde mit besonderem Kampfosmaterial versehen, voird die C. V.-Korrespondenz in stärkerem Maße, als es bisher geschehen konnte, die einwandfreie Aufklärung der Presse über das deutsche Judentum in die Hand nehmen, insbesondere den ständigen Verleumdungen unserer Gegner postwendend die Wahrheit entgegenstetten. Ihre Aufsätze und Notizen sind pressetechnisch so hergerichtet, daß sie jeder Schriftleiter ohne weitere Mühe verwenden kann. Wir hoffen in der E. V.-Korrespondenz ein neues wichtiges Mittel unserer Aufklärungsarbeit geschaffen zu haben. Mn unsere Mitgliederk 1. Die Versendung einer Zeitschrift von über- 60 000 Exemplaren kann natürlich im Anfänge nicht reibungslos vor sich gehört. Es haben sich infolgedessen manche Schwierigkeiten in der Bestellung ergeben. Verschiedene Mitglieder beschweren sich, daß sie die Zeitung gar nicht oder verspätet erhalten. Wir bitten, in solchen Füllen sich nicht bei der Zentrale, sondern bei dem zuständigen Postamt zu. beschweren, vor allen Dingelt aber nicht ztt erwarten, daß Beschwerden über ausbleibende Zustellung unverzüglich ihre Erledigung finbeix können. Dieselben kommen auf dem vorgeschriebenen Wege zur Bearbeitung, und es dauert daher einige Zeit, bis die Lieferung der Zeitung eintritt. Sollte dies trotzdem nach etwa drei Wochen nicht der Fall sein, so bitten wir, sich an uns zu wenden. Das Gleiche gilt für Anschriftänderungen. 2. Wir bitten w le!d erholt und dringend, Mitteilungen über Vereiusattgelegenheiten nicht au den Syndikus oder dessen Stellvertreter persönlich ztr adressieren. Verzögerungen in der Erledigung solcher Mitteilungen sind dadurch unvermeidlich. Die Anschrift „Central- Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens E. V., Berlin SW. 68, Lindenstraße 13" genügt vollkommen, und das Bureau ist angewiesen, Mitteilungen, die den Shndiktts oder seinen Stellvertreter besonders angehen, an den Betreffenden woiterzttleiten. 3. Wir machen darauf aufmerksam, daß seit dein 15. Juli unsere Fernsprochnummern solgendermaßett lauten: Dönhoff 3594, 3595, 3596. „Die Gefahren der antisemitischen Propaganda für den hvirtschaftLichen Wiederanfban Deutschlands", eine Broschüre, über die wir bereits in Nr. 8 berichteten, und die von der Zentrale und den Landesverbänden einer großen Anzahl führender christlicher Persönlichkeiten des Handels und der Industrie zugestellt worden ist, ist nunmehr auch in der zweiten Altflage vergriffen. Ein Nettdruck ist in der Presse. Wir bitten daher alle Besteller dieser Broschüre, sich noch einige Zeit ztt geduldet!. — Die gleiche Geduld erbitten wir von den Bestellern der Broschüre von Paul Rreger „Vom Heimatrecht der deutschen Juden" und von B ulascho w „Die Nutznießer des Bolschewismus". Die Fertigstellung der zweiten großen Altflage der Riegerschen Broschüre hat sich leider durch widrige Umstände stark verzögert. Wir hoffen aber, daß sie in allernächster Zeit bestimmt ausgedruckt ist. Staatsanwalt v. TLaNsewitz. Wir berichteten J)or einiger Zeit über die eigenartige Stellung des Staatsanwalts v. C lause - Witz gelegentlich der Klage eines jüdischen Herrin der bei den antisemitischen Demonstrationen auf dem Kurfürst-endannn schwer beleidigt wurde und durch fortwährende Aufreizungen, tätlich gegen ihn vorzugehen, in Lebensgefahr schwebte. Staatsanwalt v. Clausew i tz fand damals, trotz einwandfreier Zeugenaussagen, daß der Tatbestand der Aufreizung nicht gegeben sei'und verwies den .Kläger auf den Weg der Privatklage. Dieser führte bei der Vorgesetzten Behörde des Staatsanwalts Beschwerde mit dem Erfolg, daß der Generalstaatsantoalt beim Kannuergericht die Staatsanwaltschaft I nun angewiesen hat, das Verfahren aufzun e h m e n. G Die Zeitung „Deutscher Bolkswrtte" brachte in einem Nachruf für den verstorbenen Generallandschaftsdirektor Kapp am 22. Jttni 1922 eine Notiz, die wir auszugsweise hier aufführen: „Vom Juden wollte er sein Land befreien. Vom Tyrannen. Und am Juden ging Kapp Zugrunde. Am Juden zerbrach sein ehrlich Wollen. Wer mit dem Juden sich vom Juden befreien will, kommt nicht ans Ziel. Weil Kapp aus den „Ausnahmejuden" baute, hat er sich selbst vertan. Darum ging er arn Juden zugrunde. Kapp ist tot. Im Krankenhaus in Leipzig starb er als Blindgewordener. Unter dem Messer eines Augenarztes. In unseren Tagen sterben viele. Geheimnisvoll ist das Sterben jener, die am Juden keine Freude haben." — Da in gewissen Kreisen jeder judenseindliche Blödsinn Gläubige findet, möchten wir ausdrücklich feststellen, daß Kapp im Krankenhaus St. Georg in Leipzig von seinem Schwiegersohn Profesior Dr. K ü r sch. n e r und Professor Dr. Hell e r operiert worden ist. Beide sind weder Juden noch jüdischer Abstammung.

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