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Central-Verein-Zeitung · 1922-07-13 · 10 (13.7.1922) · p. Seite 132

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1 (1922)
Issue
10 (13.7.1922)
Date
1922-07-13
Page
Seite 132 (sequence 12)
Language
German
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132 Der §ynagogenty|>U0 ösr MchkriZgsZLit. Von Professor Dr. Ing. A l f r e d Grotte, ArchitM (B. D. A.) in Breslau. Zwei der grösikeo deutschen Genrein-derr rüsten sich znm Ban größerer Synagogen: B e r l i n lt n d Bre s l a u. In beiden Städten aus gleicher Ursache. War schon vor denr Kriege der vorhandene Betraurn nicht nnsreichend, so ist er jetzt umso knapper geworden, als der Zuzug aus den an Polen gefallenen preußischen Gebietsteilen sich in erster Linie auf diese Gemeinden erstreckte. Diesen in der Zelt schlimmster Teuerung und maßloser Geldentwertung in Aussicht genonrinenen Synagogendauten dürfte — falls die Ausführung nicht aus rein geldlichen Erwägungen noch scheitern sollte — eine technisch-architektonische und -kunstgeschichtliche B e d e n f it n g üeso n d e r e r A r t zu kommen, wie nachstehend erläutert werden soll. Das jüdische Bethaus — von feiner Urtype, der „Quaderhalle" in dem Niesenkomplex des Nationalheiligtums. bis 51t den Prachtbauten der Vorkriegszeip — ist, wie jedes andere Bauvorhaben irgendwelcher Art, einer bestimmten Programmforderulng entsprossen. Aber während die Kirche rill au reu eine stetige, aufsteigende Entwicklung zeigen, eine i rmner großartigere Lösung e irres .ursprünglich schlichten Programms, vermissen wir bei den Synagogen jedwede Stetigkeit. Kann rnan die Entwicklung des katholischen Kirchenbangedankens von den Kapellen in den Kaitaikouliben bis zu St. Peter als ^einAr Siegeszug ohuc-gleicheu bezeichnen, so prägt sich in dein Ban der Synagogen die LeidellZgeschichte des jüdischen Volkes ans. Sprunghaft, in weit voneinander obliegenden Epochen entstehen -einzeln-e Bauten. Ihre Erstellung ist einzig und allein den meist nur -kurze Zeit währenden R-egierrrngszeiten gönnerhaster Grnndherren zu verdanken. Worms, Prag, Metz, MiUenberg, Negensbnrg usw. sind steinerne Zeugen lichtvoller Episoden jüdisch-mittololterlicher Geschichte. Die Prager Synagogen des Markus Meysl, und die unzähligen Holz- und Stcinbethüusern Polens illustrieren die Humanität Rudolfs II. llzw. der Jagellouen.' Die reizvollen Kleinstadt- und Dorfsynagogen Nordwostböhmens -wioderrun zeigen sich denr Forscher so recht als Truhbarcken der selbstherrlichen üö-himischeu Feudalbesitzer gegenüber der Unduldsamkeit einer Maria Theresia. Zwischen diesen Episoden aber liegen Jahrhunderte, liegen auch räumliche Abstände, die eine Bautradition nicht auftornmen lassen konnten. Aehnlich liegen die Verhältnisse auch beim Kirchenban des Protestantismus mit seinen Bethäusern und „Gnadenkirchen". Aach hier ist Stetigkeit zu vermissen, entstehen die Gotteshäuser in früher Zeit je noch der Gnade des Grundherrn oder in einfachster, rein zwecklicher Fora- und entwickeln sich erst zum Typus nach Festigung des Glaubensbekenntnisses in politischer Hinsicht. Diese eigenartige Entwicklung des synagogalen Bauwesens läßt gleichwohl die Ausbildung bestimmter Type u nachweiseust. Sind deren erste und früheste als Anpassung streng jüdisch-kultlicher Forderungen an das Stil- und Raum empfinden der (zumeist) katholischen, im Kirchenb-au geübten Baumeister anzusehen, so zeigen die polnischen Typen, als deren Hersteller mehrfach jüdische Architekten und Maler nachgewiesen sindy, sehr beachtliche Ansätze zu eineuc typisch-jüdifchen und originalen Gotteshause. Wenn aber die nichtjüdischen Kunstsorscher erstaunt sind, daß die Emanzipation nicht endlich — wie es so naheliegend sein mochte — einen endgültigen TYP für das jüdische Gotteshaus schuf, so erkennen wir in diesem Umstande so recht den Spiegel der oft ins Maßlose gesteigertien Anpassungssucht eines damaligen, von der Sonne der Freiheit geblendeten Jndentnms. Es zeigt sich gerade damals das rückhaltlose Streben nach Imitation des Kircheu'bauech Kanzeln und selbst Glocken (!) werdennachgeah-mt, der schlichte „heilige Schrein" wird zum pompösen „Hochaltar", das Betpult zur „Mensa". Rücksichtslos wird der Almemor entfernt. Und gerade dadurch, durch Elimi-nieren dieses charakteristischsten und stimmerngsvollskeu Einrichtungsgegenstandes der traditionellen Syniagoge, verliert diese ihr ureigenstes Gepräge, nähert sich der Bon k\ seiner räumlichen Wirkung immer mehr jenem zurzeit allgemein üblichen Typus: der Kombnlation Zwischen katholischer Psarr- und protestantischer Predigtkirche. Aber m-ch die innere Ausstattung entbehrt fast jedes jüdischen Gepräges; denn Hexagramme an allen uw glichen -und unmöglichen Stellen, rar Ileberfluß und aufdringlich angeordnet, können nicht überzeugen, daß der R«rm nicht ebensogut als Kirche erbaut sein konnte, von der zu. unterscheiden in erster Linie der leider bei Neubauten fast stets unterl) Veral. d. Vers. „Synagogen ... kel-Verlua. In Kommission bei Louis Lamm, Berlin. entypen vom XI. bis XlX. Jahrhundert. DEÜ4SCWER MWWUMWMH mm Für die Bezirke Rheinisch-Weiisäiisches Zndustriegev et, Sachsen, Thüringen. Schlesien, Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg, daher«, Württemberg, Baden. Pfalz und veffen sucht alles eingeführtes Kölner Engrosgeschärt je einen rührigen, bei Ledrrhändiern, Schttbfabriken und größeren Schuhgeschäften emgesührten Vertreter. Branchekenntnisse erforderlich. Ausführliche Angebote mit Angabe der bisherigen Tätigkeit, Referenzen nsw. erbeten nnter 1£. I*. 5:57:5 an tHuDolf Mosse, Köln a. Nh. 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