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Central-Verein-Zeitung · 1922-07-13 · 10 (13.7.1922) · p. Seite 124

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1 (1922)
Issue
10 (13.7.1922)
Date
1922-07-13
Page
Seite 124 (sequence 4)
Language
German
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124 ftnnbme Worle send, um uus gla-ub-en Zu machen, daß er mit dem Bolle' suhle und leide? Wo vor ollem bleibt der Kaiser, er, der doch nicht gekargt hat, von seinem Recht Gebrauch.zu machen und Zu Zeigern daß auch er Anteil nimm-t an dem Geschick, das uns bewegtst Es ist nicht bekannt geworden, ob er der Familie Rathenau, mir der er, wie es heißt, einst befreundet war, auch nur sein Beileid ausgesprochen hatte. ... Auch darüber sollte programmatisch Klarheit geschaffen werden, daß die Partei des deutschen Liberalismus mit dem AntisemirBmus nichts gemein haben will. Führer wie Stresemann baden nie mit den Elementen geliebäugelt, die sich heute ebenso zu l Unecht deutschvölkisch nennen, wie sie sich früher unter Stöcker und Ahlwardt, dem „Rektor aller Deutschen",^ deutschnational nannten. Aber viele deutsche Inden scheuen den Anschluß an eine Partei, die sich Zn ihnen nicht fnit und nicht warm verhält, der im besten Falle, so meincu sie, die Iudenftaae ein heißes Eisen sei, woran mau nicht rühren mag. Rßichdem der Jude Nathenau den Märtyrertod gestorben, kann diese bequeme Halbheit nicht länger dauern, für versiert len Antisemitismus darf in der liberalen Deutschen Volkspartei lein Raum fein. Auch der Judenhaß schändet unsere völkische Ehre, denn der A'.ttisemmsmus ist nichts als das Ventil eines von Leidenschast überspannten Kessels, durch das Neid, Begehrlichkeit und D-n nun heit stinkend entweichen. Er ist, wie ein politisch rechtsstehender. 'ehr kluger Alaun, der 1908 gestorbene Allgewaltige im preußischen Kuttusministerinm, Friedrich Althosf, einmal sagte, „der Sozial ismus der Dummlöpse". In einem Leitartikel in'der „Zeit" vom 26. Juni wendet sich der Führer der Deutttteu Volkspartei, Gustav S t r e s e m a n n, gegen die Rasseuverhetznug in der folgenden entschiedenen Weise: „In England hätte mau einen Mann wie' Rathenau längst zum - Minister^ oder Mitglied des Oberhauses gemacht, als Botschafter oder^Gesandten 'verwendet und wie reichen Kräfte, die ihm unzweifelhast eigen waren, für das Land gebraucht — im alten Deulschland scheiterte er-bereits an der Klippe des Reserveoffiziers und gab sich der Schriststellerei wohl nicht aus innerster ueberzengnug hin, d.e ihn weit eher Zn positiver Betätigung gelockt hätte. Man spricht von der. interuational-en und antrnationalen . Gesinnung des Judentums. Hat man denn , je davon gehört, daß England oder Frankreich sich darüber beklagt hätten? Dort hat man die P er söW ich ketten, die in der Lage waren, dem Land zu näßen. Zu entscheidender Mitarbeit herangezog-en und hak dadurch den AsstmilationsproZeß /mit dem eigenen Volke so gefördert, daß das brnnaho völlige Insgehen in den -ciaeneu nationalen Emps Nt dun gen gewährleistet war. Und wenn, die Fama 'davon sprach, dnß- Rathenrm gefährlich sei, weih er engste Beziehungen mit dem ütternatronattn Judentum halte, so möchte ich einmal fragen, was ■ d-uiu .das Deutsche Reich in seiner gegenwärtigen Lage 'mehr brauchte als enge Beziehnumm zu. den internationalen Finanz, krönen, dw jedenfalls auch ein Faktor und. der für den Wiederaufdam D-entichlands nützbar gemacht werden kann." Interessant ist der Kommentar, den das Z e n t r um § o r c\ a it ™ E s s e rw die „E f s e n e r Volks.zei tu n g", am 30. Juni 1922 ben Ltresenkannschen Ausführungen gibt: ,, . .diu deutliches Wort spricht" Stresemann mich gegen die Ragenverheßung. Auch hierin folgen nur ihm neun Rach seiner auennniq galten die Schüsse in erster Linie dem"Juden Rathenau. Das rir Heger richtig, lind wir unsererseits fugen noch hinzu, daß die intellektuelle Urheberschaft auch bei denjenigen liegt, die den V-uat!M)?n Amrumntlsmns gezüchtet haben. Blätter vom Schlaue des „Deutschen Tageblattes" haben den Mord genährt." REt Genugtuung stellen wir ferner fest, daß die' Polemik der ...Kölnischen V otkszeitn ng" in ihrer Rr. 492 gegen die Deutschnationalen an Entschiedenheit und Deutlichkeit nichts.zu wünschen übrig ließ, wenn dicies führende Zeutrnmsblatt, bas oft schon manches Indengeguorische brachte, den Tentschuation-alen entrüstet zürnst: „Warum dulden sie (Me Deunchuationalenh daß der deutschvölli'.che Radikalismus sich politisch unter ihrem Darbe I)öU? Warum darf ein Wrrlle bei ihnen im Reichstag sibeu? Oder weis; NMN ans der Rechten Nichts von der ganzen deutschvölkischen Haßpropaa-auda, von ihrer gerademl zvuttcheu Vertretung antichrisitteher Tendenzen: weiß man nichts davon, wie ioaar in allerhand Schrifttn die völkische Rassenllebnng durch Mord"verlarigt wird? So zum Beispiel in einer Broschüre des sattsam befonnten Hammer- Brrlags. Und dicke Brwchüre führt den Titel „Anti-Rathenan". Und wenn das Z e n t r u m s o r g a u in Schneidemühl,' „D iw Grenzwacht", das vor Monaten noch dem Boykott jüdischer Aerzle und Rmvätto nicht abgeneigt sehien, am 8. Juli einen geradezu vorbildlichen Aussaß „D i e I n de n s r a g e v o ru k a t ho l i - s ch e n S t a u d p u n t t" veröffentlicht, iu dem unter anderem mit dem Märchen von der minderwertigen jüdischen Moral in überzeugender Art und Weise aufgeräumt wird, dann kann mm?, ohne sich übertriebenen Hoffnungen hingebou zu wollen, annehmen, daß man in katholischen Kreisen die Wahrheit des Schlußsatzes in dem obenerwähnten Aussatz endlich allgemein erkennt: „Die Erfahrung lehrt aber auch noch eins: Antisemitismus und Anchkatholizismus entspringen gewöhnlich demselben Boden." Pfarrer Kor eil, der bekannte Demokrat, hat vor der demokratischen Jngend in Berlin das Wort geprägt: „Wenn sich die Geister reinlich scheiden, dann ist R a t h e n a u nicht umsonst gestorben." Möge Rathenau nicht umsonst gestorben sein. A.‘ Sch. Die falschen Hehauptungen -es Generals v. Wrisberg. Antwort des Generals auf den offenen Brief Dr. Ludwig Holländers. In Nr. 5 unserer Zeitung hatte Dr. Ludwig Holländer einen offenen Brief an den General v. W r i sb er g gerichtet und diesen aufgesordert, verschiedene, erweislich falsche Behauptungen über die Juden und ihre Rolle im Kriege zu berichtigen. Auf diesen Brief trifft nun an Dr. Holländer folgendes Schreiben des Generals ein: Herr Syndikus! In meinen „Kriegserinnerungen" habe ich die Statistik über die Teilnahme der jüdischen Soldaten am Heeresdienst veröffentlicht, weil die Frage während des Krieges eine große Rolle gespielt hat. Ich habe auch die Gründe angegeben, weshalb sie seinerzeit ausgestellt worden ist. Der jedem aufmerksamen Leser sofort in die Augenfallende Druckfehler ist von wir berichtigt. Es ist falsch, wenn gesagt wird:'ich hätte die Behauptung aufgestellt, die Machenschaften unserer früheren Feindei seien unterstützt worden durch das internationale Judentum. Ich habe wörtlich gesagt: „Am 29. 7. 1914 schrieb der ftanzösische Sozialist Jearr Jaures an den belgischen Sozialisten Bandervelde: Es läge in der Macht der französischen Regierung, den Krieg zu verhindern. Aber man suchte den Krieg, den man schon - lange schürte. Hier treiben alle schädlichen Kräfte zum Kriege, den man zur Erfüllung eines krankhaften Ehrgeizes führen will, und weil die Börsen von London und Paris auf Petersburg spekulieren." „Es wäre eine dankenswerte Aufgabe, so fuhr ich fort, zu untersuchen, inwieweit der Hauptträger des Börsentums, das internationale Judentum, am Weltkriege schuldig ist." Ebenso falsch ist die Behauptung, ich hätte gesagt, es sei nachgewiesen, daß die Oberleitung des jüdischen'Volkes in der Zerstreuung nach der WeltherrschafL des Judentums strebe und als angeblichen Beweis den Ausspruch des Juden Rathenau angeführt, daß 300 Männer die Geschicke der Welt leiteten. Ich habe gesagt: „Dabei (nämlich im Anschluß an weine vorher erwähnten Worte) wäre auch zu klären die Frage der Rolle des jüdischen Volkes in der Zerstreuung, von der Herr Walter Rathenau in der „Neuen Freien Presse" am 25. 12. 09 schreibt. . ." Im Anschluß hieran habe ich auch die ungefähre Zahl der Juden angegeben, die an der Konferenz in Genua teilgenommen haben sollen. Ich habe nicht gesagt: um dieses Ziel der Weltherrschaft zu erreichen, sei die Niederwerfung Deutschlands unbedingt erforderlich gewesen. Daß ich die ganze Frage zur Klärung empfohlen habe, kann meines Erachtens nur im Belange des Judentums liegen. Was den gesperrt gedruckten Schlußsatz anlangt*), so verstehe ich diesen Ton nicht. Zum mindesten hätten Sie sich überzeugen'müssen, ob die Ihnen hinterbrachten Worte auf Wahrheit beruhten. Mit demselben Recht könnte ich meine Ausführungen mit den Worten schließen: „Sollten Sie aber wider Erwarten auch weiterhin fortfahren, mir unwahre Behauptungen in den Mund zu legen, so stehe ich nicht an, Sie, den Herrn Syndikus, mit einem dem von Ihnen beliebten ähnlichen Ausdruck zu bezeichnen." Ich tue das nicht, bevor die Tatsache nicht feststeht. Das gebietet mir der Takt. Mit vorzüglichster Hochachtung v. W r i s b er g , Königl. Prenß. Generalmajor a. D. *) Er lautete: „Sollten Sie aber wider Erwarten auch weiterhin derartige Behauptungen aufstellen, so stehe ich nicht an, Sie, den alten Offizier, einen Verleumder zu nennen."

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