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Central-Verein-Zeitung · 1922-07-13 · 10 (13.7.1922) · p. Seite 123

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1 (1922)
Issue
10 (13.7.1922)
Date
1922-07-13
Page
Seite 123 (sequence 3)
Language
German
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123 Haben die deutschen Korps und Burschenschaften das alles vergessen? Jyaft muß man es glauben. Muß sich traurig vor der Tatsache beilgen, daß die studierende deutsche Jugend ihre große ilnd schöne Vergangenheit verleugnet. Das Gestern, das Ueberwundene ist ihre Sehnsucht. Ihre Ohren sind von pathetischen S-chlagwortm erfüllt, und sie hören deshalb den schritt der Geschichte nicht. In ihren Herzen wohnt der Haß gegen die neue Gegenwart, in ihrem Sinn der kindliche Wahn, diese Gegenwart vernichten, die Zeit zurückstchrauben zu können, wenn ein Paar leitende Männer aus dem Wege cjevämnt würden. Dieser Haß, dieser Wahn führt sie immer werter von ihren: Wege ab, bis in das Dickicht, in dem Meuchelmörder ihre finsteren Pläne spinnen. Die Mörder Erzbergers waren fuuge, dem Hörsaal entlaufene, im Kriege an Blutvergießen gewöhnte Menschen, solche waren es, die den Mord an Rathenau vorvereiteu und durchführen halfen. Auch der Mörder selbst wird einer der ihren sein. Die wahre Schuld liegt nicht auf ihm, nicht auf seinen. Genossen. Die trifft jene Gewissenlosen, dorren solch katastrophale Verführung und Verderbung der deutschen Jugend Parteitattik ist. Die solch wüstes Treiben schüren, selbst aber im sicheren Stübchen „schreiben" und Valutahonorare einstreichen. __ ' .. An sie allein müßte sich das besorgte Mahnwort des Ministers richten. Denn sie sind heute die „Erzieher" der Jugend. Die Fruchte dieser Erziehung vergiften das dentsche Volk aus Jahre. —W\. Schmörmg ösr $e$er. D i e Na ch w i r k u n g e n des R a t h e n a u - M ordes im Spiegel der Pressc. Es ia\m nicht Aufgabe inneres Blattes sein, aus Parlament und Presse wahllos StuftdjU-it und Urteile über das Verbrechen an Rathenau a nein ander nireihen. die Zeit u n a s l e s e r »t bekannt sein müssen. In diesen: Artikel sind daher, wie des Thema ankünd iah. aus der Netr-rfülle von Zitaten nur -einche unter einem aanr bestimmten Gesichtspunkt zusalmnenaestettt. Der Vers. Der Nassen-, Gassen- und Kasseuantisemitismus kommt auch heute noch, nach dem Morde an Nathenau, völlig auf die Kofteu, wem: er feine — nicht nur die bayerische — Presse liest. Tapfer, wie diese Sorte von Blättern mm einmal ist. Laßt sie jetzt Angriffe auf die Republik — in Bayern sind auch-" diese noch -erlaubt — sehen beiseite undio e t -te r t mit d o p p e l t -e m Eise r gegen die I u d e n. Deshalb klingt es wie Selbstironie, wenn der edle G r a f N e v e n t l o w in der ersten Nummer feines ,.N e i ch s w a r t" nach der Ermordung Rathenaus also die Sprache wiedersindet: „Der „Reichswart" hat von: Rechte der .Kritik Gebrauch gemacht und wird es weiter tun. Ebenso wird er sich auch fernerhin erlauben, einen Juden einen Juden zu nennen und zu sagen, was er von der Tätigkeit des Juden hält, wer der Betreffende auch fein mag. Einen 'Juden einen Juden Zu. nennen, das ist nämlich der Kern des Pudels. Wer die Blätter der Linken der vergangenen Woche mit Aufmerksamkeit gelesen hat, wird finden., daß die ganze Raserei nur ein Auftakt ist zum eigentlichen Thema: Den dentsch-eu Kampf gegen das Judentum mit Gewalt zu ersticken. Die Richtigkeit dieser Behauptung wird sich wahrscheinlich sehr bald zeigen ... . . . Als -erste Opfer'wurden am 27. Juni zwei Blätter verboten: Das „Deutsche Wochenblatt" und die „Fackel". Tie jüdische Presse registrierte diese Tat mit Genugtuung und nannte sie antisemitische Hetzblätter, während sie 'programmgemäß hätte sagen müssen: 'Antirepublikanische Blätter. --"Wie gejagt: Die Katze ist voreilig und vorlaut aus dem Sack gesprungen . . . Die deutschvölkische Mordtat an Erzberger und das Attentat auf Scheidemann sind noch in frischer Erinnerung, als daß der Herr Gras mit derlei Katzbalgereien Eindruck machen könnte. Hier wie dort richteten sich Revolverschüsse und Blausäure gegen die Republik. Auch der Herr Graf dürfte um eine Antwort verlegen sein, wenn man ihn fragt, wen er Lieber habe: die Juden oder d i e R e P u b l i k. Ein flüchtiger Blick in die Presse unserer Tage genügt, um fc-stzustellen, daß trotz Neventlow und Mulle das unglückselige Drama in der Kolonie Grunewald eine Scheidung de r G e i st e r herbeigeführt hat. Der dentschnationale Parteiausschuß hat es zwar abg e t e h n t, den Teutschvöltischem um Mulle die Tür zu weisen. Aus w a h l t a k t i s ch e n Gründen besteht angesichts der drohenden Reichstagsauslösung die politische G-emeinschast zwischen Berufs- und (es klingt fast paradox) A m a t e u r judenhassern wacker fort. Wer aber die Rede Düringers im Reichstag anzuhören Gelegenheit hatte, mußte klar erkennen, daß sich auch in der deutschuanonnlen ReichstagZfraktwm die Düringer zum offiziellen Redner bestellt hatte, die Geister geschieden haben müssen. Düringer war durch den übermächtigen Einfl'uß der Wulle-Leute längst Zum ulten Eisen geworfen worden. Es spricht ferner Bände, wenn der „D e u t s ch e V o l k s io i l l e" in Nürnberg in seiner Nummer vom 29. Juni in seinem Nachruf sagt: „Wir vermögen in diesen Tagen aber auch nicht uns.zu verkriechen und mit jenen zu plärren, die nun alles, was an v ö l f i s ch e r A r b e i t b i s h e r g e l c t ft e t wurde, f ü rver - lore n g l a u 0 e n. O I h r K l e i n g l ä u b *1 g c n! I h r S ch w a ch h e r z i g e n! Als ob eine Saat rückläufig gemacht werden könnte, die mit deutschem Herzblut und mit deutschem Edelwollen gesüet ivurde. Ntag man uns nun auch hetzen und peinigen: Aus der: Wehen dieser Tage wird uns neue Kraft geboren werden und neuer Trotz zur Behauptung des Erreichten und'zur Erringung des Gottgewollten, des arischen Heils." Auf der einen Seite also nach wie vor unentwegte Mordlüsternheit, wie sie sich in einem Ans sprach des Telegraphendiretto-rs W i H a t am Telegraphenamt Ai o a b i t in Berlin deutlich bekundet hat, der am Fernsprechamt die Ermordung Ratyenaas mir den Worten mitgeteilt hatte: „H e u t e m ittag gibt' s I üben 0 rügen, meine Dame n, Ratheu an ist im Grnnewald ermordet", --- auf der anderen Seite verhetzte Menschen, die die Mordtat zur Besiummg asb rächt und „schwachherzig" gemacht hat. Daß Leider die „g e v l d e L e n" Kreise der deutschvöitischen Bewegung, die S t u d e n t e n , nicht in das Lager der „Kleingläubigen" übergeschweult sind, zeigt mit erschreckender Dentlichkeit eine studentische R a t h e n a u - F e i e r in K a r l s r it!; e, in der eine „Grabrede" gehalten wurde, die ans folgenden Schluß hiuauslies: „P l o tz l i ch k a m ei u g r o ß e x G e st a n i auf d i e H t m ut c l st ü r e z u u n d P e t r u s f v a gte : ,.W a s i st das?" E s w ri r d e i h m g eant w o r t e t : „D a s i ft Nathenau!" B r a v o , riefen die Engel, l) o f f e n t l i ch ko mm t W i r t l) a nch b a l d!" Selbst ein e o a n g e l i s ch e r Geistlicher, der ehrenwerte Pastor Boß aus Büttel, hatte bei einer Zusammenkunft der Oldenburger Mord Me uzt er keinen besseren Nachruf als den: R a t i) e n ci u 's e i ein Verbrecher gewesen, den sei u S d) t cf s a l e r eilt h et t. Sehr beklagenswert ist es auch, daß ein großes, angesehenes, der Schwerindustrie nahestehendes Blatt, wie die in Essen erscheinende „R h e i n i s ch - W e ft f ä l i s ch e Z e i t n n g" am 25. Juni 1922, also 'unmittelbar nach der Mordtat, schreiben konnte: „Der heuchlerische Unfug, der sich seinerzeit an die Ermordung Erzbergers heftete, scheint nickst albern genug gewesen zu sein, um den geschäftlichen Klüngel, der damals mit lautem Geschrei die Gelegenheit wahrnahm, davon abzuhalten, sich aus Anlaß des Falles Rathenau wieder in den Vordergrund zu drängen. E s >i st w e i te r nicht s g e s ch e h e n , a l s d a ß e i n M i n i st c r , d e s s e u Ge - s ch ä f t s 'f it h r n n gznbitte r c u K l a g e n A n l a ß g a b, v o n e i n e m u u b e t a n u t e n M a nne c r m ordet io n r d e." Wenn ivir jedoch solchen bedauerlichen Ergüssen Pressestimmen, o f f i z i e l l e r O r g a n e de r D e n t s ch e n B o l k s Partei und Leitartikel ihrer Führer rntgegenhalten, steht erfreulicherweise die „Rheinisch-Westfälische Zeitung" ziemlich e i n s a m a u f w eite r Flur. Während auf deutschnationaler Seite der Riß künstlich verkittet worden ist, hat der Rathenau-Mord im deutschvolkspar t e i l i ch e u Lager eine erfreulich starke Selbstbesinunng hervoraerustn. Einige wenige Beispiele für viele: Die ,,k ö in t s ch e Z c i t u n g" schreibt in einem aussehenerregen, den Leitartikel vom 2. Juli 1922: . . Wo aber bleiben die Männer, die dazu geboren und erkoren sind, für das alte Heer, das Heer der Befrei ungs- und der Einigungstriege und für das Heer des glorreichen Untergangs eine Lanze zu brechen' Wo sind die Männer, die die Ehre hatten, dieses Heer in die schlackst zn führen, und mm berufen wären, mit dem deutschen Volk gegen die Befleckung seines Andenkens durch Mvrderhände flammenden Einspruch zu erheben, Tie sind stumm geworden wie die Hunde? Wo bleibt der Kronprinz, der noch jüngst so vori' An die Mitglieder des C. V.! Wenn Ihr Verlobungen, Vermählungen, Geburten in weitesten Kreisen bekanntmachen wollt, vmutzt die famUien-JInzelöen der C. v. Zeitung die in über 60 000 Exemplaren erscheint und überall im Reiche gelesen wird. — Wir gewähren Mitgliedern für derartige Anzeigen wie auch für Stellengesuche einen Rabatt von 5o°/o auf den Zeilenpreis. Seht also alle Familiennachrichten in die C.V.-Zeitung! Ihr spart Geld und unterstützt Euren Verein.

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