Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1 (1922)
- Issue
- 9 (30.6.1922)
- Date
- 1922-06-30
- Page
- Seite 114 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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114 NU^v . a Ein katholischer Priester Liber den Judenhaß. Auf einem voll unserer O r t s g r n p P e I n g o l st a d t veranstalteten Vortragsabend ergriff ^-Oberstudienrat Professor Hofs mann, der katholischer Geistlicher ist, in der Diskussion das Wort und sagte Kndes: Es ist mir -eine Ehre, in Ihrer Mitte weilen Zu dürfen. onnnt alles darauf an, wie man die Kürzung „Accum" erklärt, und darum müssen wir jene fragen, die den Schulchan-Aruch als ihr Gesetzbuch anerkennen, unb nicht jene, die das Wort fanatisch und ver-hetzerisch auslegen. Als Lehrer der Kirchengefchichte habe ich ja viele Fragen zu behandeln, die auch Zugleich die Ihrigen sind, und seien Sie versichert, daß ich als Unsinn bezeichne, was mir als Unsinn vorkommt. Z. B. daß die Juden schuld seien an Seuchen, Pest usw. Auch als Lehrer, des Hebräischen im Gymnasium hatte ich Gelegenheit, die Fragen in dem einne zu behandeln, den der Redner diesen Stellen unterlegt hat. Auch das berüchtigte Dinter-Buch habe ich gelesen und m i t E n t r ü st u n g wieder w e g g e l e g t. Ich kann nicht verhindern, daß meine Studenten diese oder andere Bücher auch lesen, aber ich möchte sie dagegen wappnen, daß sie solche Dinge als W ah rh eit hinnehmen. Es wird gelogen wie a ed ruckt. Ich möchte aber auch Ihnen empfehlen, auch gegnerische Schriften zu lesen. Ich brauche auch, wenn ich nach den: heutigen Vortrag nach Hause gehe, mir nicht vorzunehmen, meinen Unterricht anders Zu fassen als bisher. Ich erinnere mich an ent Fest, das einstmals zu Ehren eines Fürsten gegeben wurde, an dem ein protestantischer Geistlicher einen Toast aus die gegenseitige Toleranz ausbrachte, worauf der katholische Geistliche ebenfalls zu ei nein Toast ausgesordert wurde. Dieser kam dem Verlangen mit folgenden Worten nach: „Ach kann meinem Herrn Vorredner nicht ganz beipslichten. Er feiert die gegenseitige Toleranz. Toleranz aber heißt!ich gegenseitig ertragen. Ich möchte sagen: Es lebe die gegeneitige Hochachtung und L i e b e!" Ein gefälschtes Zitat. In der „Deutschen Handels wacht", dem Organ des Deutschnationalen Handlungsgehilsenverbandes, vorn 17. Mai d. I. findet sich folgende stelle: „Wenn wir dann noch der „Roten Fahne" folgenden Aussprllch Ferdinand Lassalles ans Herz lenen: „Die Arbeiterbeweauna hat sich frei zu halten von Kapitalisten und Juden; wo diese als Leiter und Führer austreten, da verfolgen sie auch eigene Zwecke." Dieses Zitat ist — was bei den Freunden Alfred Roths nicht Wunder nehmen wird — eine Fälschung. Lassalle hat einen solchen Ausspruch nie. getan. Wir sondern hiermit die „Deutsche Handelswacht" Zu einer Berichtigung auf, — die sie uns voraussichtlich schuldig bleiben wird. „Die jüdische Fälschung", den Aufsatz Maurenbrechers aus der „Deutschen Zeitung", der jüngst hier an leitender Stelle hon Ludwig Holländer niedriger gehängt wurde, haben wir im Original mit Holländers Gegenaussatz und einem Anschreiben einer Anzahl geeigneter Regierungsstellen in Berlin und dem Reiche sowie verschiedenen bekannten' Politikern und Industriellen zugesandt, damit diese Maurenbrechers unglaubliches Machwerk und unsere Stellungnahme dazu kennenlernen. OZISIV« Die „Organisation zur Bekämpfung innerer Verhetzung" (OZBIV) tritt neuerdings wieder an Mitglieder von uns heran, um für die Verbreitung einer Broschüre „Ter Antisemitismus — Deutschlands Verhängnis" Gelder zu sammeln. Das Unternehmen ist ein rein geschäftliches. Wir bitten alle unsere Freunde dringend, bevor sie irgendeine Spende der Organisation zuführen, unser umfangreiches Material ein-Zu,sehen-. MtrralmordgerüchL in Polen. Schon seit längerer Zeit reist ein polnischer Agitator in der früher preußischen Provinz Posen umher und hetzt mit der alten RiLualmordlüge gegen die Juden. Die Früchte sind nicht aüsaeblieben. In einem kleinen Posenschen Orte verschwand plötzlich das Dienstmädchen eines alten jüdischen Ehepaares. Nach etwa zehn Tagen zurückgekehrt, beschuldigte sie ihren Dienstherren, sie versteckt gehalten und versucht zu haben, ihr Blut abzuzapsen, wie schon während ihrer Abwesenheit ein Verwandter von ihr die alten Leute eines an ihr begangenen Mordes beschuldigt hatte. Polnische Zeitungen bemächtigten sich des Falles, die Bevölkerung wurde unruhig; -der alte Mann wurde verhaftet, freigelaffen und wieder verhaftet. Ein in Berlin ansässiger Sohn wandte sich -um Hilfe an den Centräl-Verein, der sofort das Beweismaterial für die Lügenhaftigkeit der Nitualmordbeschnldibung zur Verfügung stellte und entsprechende Ratschläge erteilte, die auch befolgt wurden. Hoffen, wir, daß dieses Lug- und Truggespinst des jinstersten Mittelalters vor dem Tageslichte einer gewissenhaften gerichtlichen Untersuchung wieder in das Nichts zerfließen wird, wohin es die berühmtesten Lehrer und größten Würdenträger der christlichen Kirche schon längst gewiesen haben. Landesverband Oberschlcsien. Vom 5. bis 16. Juni unternahm im Austrage unserer Berliner Zentrale Herr Artur Schweriner (Berlin) eine Orientierungsreife durch das bei Deutschland bleibende Oberschlesien. Er besuchte die Ortsgruppe in Beuthen, wo eine bereits anberaumte Ortsgruppenversammlung infolge des Belagerungszustandes abgesagt werden mußte. In Gleiwitz, Hindenburg, Ratibor, Oppeln und Kofel fanden Vorstandssitzungen statt, in Groß-Strehlitz wurde nach dem Stadtverordnetensitzungssaal eine Gemeindeversammlung einberusen, in der die G r ü n d u n g einer Ortsgruppe des Central-Ver- «ns mit Herrn Rechtsanwalt Dr. Naumann als Vorsitzenden, nach Referaten des. Herrn Syndikus Referendar Dr. Reichmann (Beuthen), des Landesverbandsvorsitzenden Rabbiner Dr. Braun« s ch w e i g e x (Oppeln) und des Herrn Schweriner (Berlin) vorgenommen wurde. Ueber die ausgezeichnete Stimmung in diesen Orten hat Herr Schweriner bereits im Leitartikel der letzten Nummer berichtet. Die vorliegende Nummer unserer Zeitung werben wir ineiner besonders großen Anzahl in die Kreise unserer christlichen Volksgenossen bringen. Außer den Neichstagsabgeordneten und Vertretern der.Regierung, die die Zeitung von Beginn an regelmäßig. erhalten, werden wir sie darüber hinaus vielen im öffentlichen Leben stehenden Persönlichkeiten der Politik, der Literatur, der Wissenschaft, des Handels und der Industrie senden, weil wir Wert darauf legen, daß die maßgebenden christlichen Kreise Deutschlands unsere Stellungnahme zum Tode des großen Deutschen Rathenau erfahren. Wir bitten auch unsere Mitglieder, ihrerseits diese Nummer in ihrem christlichen Bekanntenkreise weiterzugeben. Wo die Zeitung bei Zeitungshändlern nicht erhältlich ist, erbitten wir Nachricht, damit wir weiteres veranlassen können. Der Ausammenfthluß öer preußischen Spnagogengemeinüen. Die Gründung des P r e u ßische n Landesve rLandes e i n st im m i g beschlösse u . Ter Vorstand der Berliner Gemeinde hatte die Vertreter der preußischen Synagogengemeinden nach Berlin geladen, um ihren Z u s a m m c u s ch laß zu einer össentlichi-rechtlichen Organisation zu ermöglichen. Ter Zwang der Verhältnisse und di-e Not der ' Zeit, die nur. enger Zusammenschluß nach innen mildern kann, ließ die Bedenken, daß ein Landesverband der preuhischn Gemeinden eine Gefährdung der Gesamtorganisation bedeuten könne, in den Hintergrund treten. Dieser Gedanke war es auch, der die Ausführungen der meisten Redner, durchzog. Geheimrot Stern, der Vorsteher der Berliner Gemeinde, richtete ernste Begrüßungsworte au die Versammlung, in der das preußische Judentum vom äußersten Osten bis zum Rhein und von der Ostsee jbiB Oberschlesien vertreten war, an die Vertreter des R 6 i ch s m i n i st e r i u m s d e s I n n e r n , des Preußischen Finanzministeriums und des Ministers für Unterricht, Erziehung und Volksbildung und an die geladenen großen jüdischen Beamteuorganifationen. Unter H i n t a n setzu n g a U er Sonder in t e r e s s e n solle mall das Gebot der Stunde erfüllen und durch die Bildung des preußischen Landesverbandes dem Beispiel, folgen, das eine große Anzahl anderer deutscher Länder gegeben hätte. Keine Schwächung der Gesamtorganisation sei. zu befürchten, vielmehr eine B e - | ch l e unigung ihres^ Zustandekommens. Dr. Jsmar Freund, der Verfasser der Denkschrift und des Verfassungsentivurfes, schilderte eingehend die Gründe, die den Entschluß veranlaßt hätten, ohne jedes längere Zögern den Zusammenschluß der preußischen Synagogengemeinden herbeizusühren. Die G e s a mt or ga n is a t i o n sei- und bl -e ib e d i e S e h n - sucht des deutschen Judentums, aber unter der Verzögerung ihrer Verfassungsgenehmigung dürfte die Erfüllung der praktischen Aufgaben nicht leiden. Alle st a a t l r ch en St e l l e n, die für die Genehmigung der preußischen Landesvertretung in Frage kommen — das Neichsnriniste.ri.um des Innern, das ' Preußische Finanz- und Kultusministerium — hätten ihre Zust i m m u n g zu dem Plane erklärt und wohlwollende Förderung zugesagt. Vor allem sei die Erklärung des Finanzministers zu beachten, der versprochen habe, noch in dem Etat für 1923 einen Posten für die Unterstützung hilfsbedürftiger jüdischer Gemeinden emzusetzen, falls ihm bis August die notwendigen Unterlagen zur Verfügung ständen und eine autoritative Vertretung des preußischen Judentums vorhanden sei. Aus dem Wege über die Landesverbände werde auch der Reichsverband lebendig wirken können. Es sei ein Akt der Selbstachtung der preußischen Gemeinden, nicht hinter den Gemeinden anderer deutscher Länder, die ihren Zusammenschluß seit langem vollzogen hätten, zurückzusteheu. Den großen Ausgaben gegenüber solle man das Trennende überbrücken und das Einigende hervorheben. Auch von der Orthodoxie hoffe er, daß sie dem Verbände beitreten werde. Wenn auch der preußische Landesverband gegründet werden soll, so wollen wir doch kein preußisches Judentum, genau so wenig, wie wir, ein bayerisches, sächsisches oder anhaltinifches Judentum wollen. Was wir erstreben und was wir fördern wollen, ist das deutsche Judentum. Im Anschluß an die mit großem Beifall aufgenommenen Ausführungen des Referenten überbrachten die Vertreter der Ministerien die Grüße ihrer Chefs. Besonderen Beifall ries eine Aeußerung des Vertreters des R e i ch s m i n i st e r des Innern hervor, der. erklärte, der Minister halte den Zusammenschluß der preußischen Gemeinden für einen wichtigen Schritt auf dem Wege der GesaMtorganisaLion. Von dem Zusammenschluß der deutschen Juden heit verspräche er sicheine wesentliche Förderung des Gedankens der nationalen Ern heit des deutschen Volke s. Der Vertreter des Preußischen Finanzministeriums bestätigte das, was Dr. Freund über die Einstellung eines Postens für die jüdischen Gemeinden in den Etat für 1923 mitgeteilt hatte. . Die lange Reihe der Diskussionsredner erössnete ein Vertreter der Gemeinde Berlin, der die Bereitwilligkeit des Berliner Vorstandes