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Central-Verein-Zeitung · 1922-06-22 · 8 (22.6.1922) · p. Seite 105

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1 (1922)
Issue
8 (22.6.1922)
Date
1922-06-22
Page
Seite 105 (sequence 9)
Language
German
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105 Woichen nueber in Berlin wohnen, und vom Tiensiag an wird jcbm Tag zwischen 1 und 3 es mir eine Freude sein, Herrn Slommsti, falls er nicht schon nach Warschau zurückgelehrtist, in Berlin zn .empfangen und Ihnenden Ausbnlck der innigen Hochachtung mündlich zu erneuern, die Ihren schonen früheren loisseuschaftlichen Bestrebungen gebührt. Ew. Hochivo hl geboren gehorsamster Alexander v. Humboldt. Potsdam, deu 12. September 1858." Aus der ersten Feit der Bekanntschaft Stouimskis mit Humboldt verdient eine lustige Episode mitgeteilt zu werden. Alexander v. Humboldt, der bekauutl'ich der Intimus Friedrich Wilhelms IV. war, wußte den König für den jüdischen Gelehrten dermaßen zu interessieren, daß der Monarch ihn zueiner Privataudienz entbot. Humboldt selbst benachrichtigte hiervon Slommsti und gab ihm den FeitpuulL an, an dem er ihn beim König einführen werde. Slvnimsti trug damals die polnisch-jüdische Tracht; da er mir vorübergehend in Tentschland rveilte, sah er sich nicht veranlaßt, die „traditionelle" Kleidung mit einer moderu-enropäischeu zu vertauschen. Allein vor dein König mochte er doch nicht so erscheinen. Er verschaffte sich daher schien- * nigst einen schwarzen Gehrock, weiße Binde, und alles andere, was zmn „Modennmscheu" gehört. Zur bestimmten Zeit erschien' er bei Humboldt; dieser war nicht wenig erstaunt, einen völlig umgewandelteu Slommsti vor sich zu seheir. „Aber lieber Herr' Slonimski/' sagte er lächelnd, „was fällt Ihnen denn ein, sich zu Maskieren. Ter König ist gerade ans den Forscher im Kaftan neugierig." Slommstimuhte nach Hause eilen, den neuen „Modemenschen" ans und den alter: „Kastanjuden" wieder anziehen. So wurde — vielleicht zun: ersten Male — rin- Kaftaujude von einem Preußischen König in Privat au di euz empsan gen. Musiker. Sie teilen unsere llederzruguilg, daß Bruno Walters Abgang von München aus antisemitische Angriffe zurückzilführen ist, Meiseln aber daran, daß seine Beruiuua zum Diriaenten der ^taatskapAienkouzerte unterblieb, weil er Jude ist. .Wir können Ihnen aus glaubwürdigster Onelle Mitteilen, daß dies der Fall war. Einflußreiche Mitglieder der ^laarskapelle erklärten, „das Orchester tonne unmvalich n n re r t> v c i jüdi s ch e n Dirig e u t e n s v i e l c n". Woraus hervorgeht. daß die Staatstavelle sowohl den GLueralmnsitdirettor Leo Blech, wie auch den ersten Kapellmeister der Over, Tr. Friß Stiedry. als Inden dctrachwl, trotzdem beide es längst nicht mehr sind. K. Ltcitthaacn, Berlin. Sie wandten sich—-veranlaßt durch unseren Artikel „Bayerische Sommerfrischen", — au den bayerischen Gastwirt, bei dem Sie im Vorjahre übersommertcn. mir der Anfrage, ob ^ie Ihre Zimmer auch Heuer beziehen' könnten. Daraus erhiellen Sie das folgende uns in dankenswerter Weise zur Verfügung geswllle Schreiben, das hosseutuch viele von der Reise nach Bayern zurückhält: „Sehr geehrter Herr! Im Besitze Ihres Schreibens vom 28.. bedauere ich, Ihnen d o ch a b rate n z u m ü s f c n , tz e v z u k o m m c u. Wir persönlich haben durchaus nichls gegen Gäste indischen Glaubens und batten auch imi vergangenen Jahre solche, ohne daß es Zn ernsten Zwischenfällen gekommen wäre, doch hat sich die Stimmung hier wesentlich verschärft, so daß w i r a u ß e r st a n d e sind, i v g e n d w e! ch e G a r a n t i e \i 3 u ü b e r n e h m e n. Ich werde infolge Ihres Schreibens die Zimmer anderwärts vergeben. Ergebenst i 111iterfrt>r S\ttttnrfrcund. Aus der A U c n b a u m b n r g bei Bad Münster am -Stein ist im Fremdenbuche, beeile 450, folgendes zu lesen: „Walter Oi'atlwnau. Dieses Schwein gehört mit Blansänre vergiftet. Tenrschvöltisch immerdar-". Folgt ein Hakenkreuz — aber keine lUstenchrist. Der tapfere Jüngling zog es vor, anonym zubleiben. 'Allein der Staatsanwalt sollte sich doch für seinen Namen interessieren. Angesichts dcs jüngsten Scheidemann-'AtLentats wäre es vielleicht aujschlnßreich zu erfahren. wer die Leute sind, denen Blausäure als das gebotene Politische Kampfmittel erscheint. Turner in München. Euer „Turnverein Jahn" huldigt — wie übrigens alte zum ..Deutschen Tunwrbnnd" gehörigen Vereine — denlschvöltischen, also antistm!Nischen Tendenzen. Das hinderte ihn aber keineswegs, Einladungen zu einer sporllich-künstleriicheu BeranstaltumH am 20. Mai (Eintrittspreis 10 und- 50 Mark) auch oh zahlreiche jüdische Mitbürger zu versenden. Don den weitaus meisten wurde ihm die gebührende Abfuhr zuteil. Aber noch scheinennicht olle jüdischen Turner .zu wissen, daß ihr Platz entweder in den Kreisen der „Tont schon T u -x n erschas T — die den -Antisemitismus entschieden ablehnt — oder im „Jüdischen Turnverein 1W5" ist. Vereinsnachrickttn. Zentralvcrbünjüdischer Handwerker Tcntschland^. Siü Berlin. Geschäfte stelle: W. Marcus, Vorsitzender, Berlin-Neukölln, Bürknerstraße 4. Telephon Moritzplah 16504. Laut Beschluß des Verbandstages erscheinen sämtliche Veröffentlichungen unseres Verbandes ab 1. Juli alle 14 Tage an dieser Stelle. Ich bitte die ungeschlossenen Vereine davon Kenntnis zu. nehmen und alle ihre Verösfcntlichungen an unsere Pressestelle, Herrn Max Silberberg, Berlin E, Spandauer Brücke 6, zu senden. An alle jüdischen Handwerker in Teustchlluzd richten wir die' dringende Bitte, sich unserem- Verbände oder, wo in den betreffenden Gegenden Ortsgruppen bestehen, sich unseren Ortsgruppen auzuschließen. Tie heutige Zeit erfordert es unbedingt, daß alle in Tentschland vorhandenen Kollegen sich fest orgenisiereu, um so ein starkes Bollwerk gegen die antisemiNsche Gefahr ,\n sein. Bohnenkaffee gebrannt, ungcmahlen von prima Qualität, zollfrei: Brasil... 75?Aark Java ......... so Mark Sanios, ....... 85 Mark Sanios exkra. . .. . oo Mark Guatemala...... 95 Mark Tee: Iava.so Mark Ceylon.90 Mark pro Pfund franko Siaiion in Postpaketen von 8 Pfund gegen Voreinsendung des Äetrages auf Postscheckkonto 252 45, Berlin oder per Einschreibebrief. Lei allen Anfragen ustv. genügend Rückporto beilegen. Georg Schnitzlern Kaffee- und Liebesgaben-Versandhaus Tilburg (Holland), Postbus, Vad Nauheim Exeelfior-Hotel Hohenzollern!R«u renoviert <33.cOterig Srflktasfige KücheZ dlC.$üHtfi£6thxpn4r92 d7^£fct7tff&n 14 ifhtüttmtH- WO Mchä 13 IftiitHt 70

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