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Central-Verein-Zeitung · 1922-06-22 · 8 (22.6.1922) · p. Seite 103

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1 (1922)
Issue
8 (22.6.1922)
Date
1922-06-22
Page
Seite 103 (sequence 7)
Language
German
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völkische m Boden st ehe, ganz abgesehen davon, daß cs in jeder Versammlung der Deutschnationalen Volksparteiunter jubelnder Zus't-immuncjzu s ch a r s e n j u d e n g e g-n e r i s ch e n A n - «rissen fommt. Niemand wird bestreiten, daß in der Partei auch Persönlichkeiten sitzen, die den Judenhaß, besonders in der Form der Knüppel-Kunze, Dinker und Genossen, ablehnen. Es ist aber besonders bedauerlich und durchaus bezeichnend, daß diese Persönlichkeiten, deren Namen zum Teil guten Klang haben, nicht die Kraft besitzen, dem übermächtigen deutschvölkischen Einfluß innerhalb der Partei ein Paroli zu bieten. bayerische Sommerfrischen. E r ivi L c r n n g a u s die Zuschrift „F a l s ch e Logi t\ Der E. ^.-Einsender glaubt in meiner Schlußfolgerung, die Sommerfrischen des bayerischen Oberlandes zu. ’ meiden, eine ,4 a l s d) c L o g i t" erblicken zu müssen. Ich weiß nicht, wo Herr E. S. seinen Wohnsitz hat; jedenfalls kennt er die ganz besonderen Verhältnisse unseres Münchener Abweyrkampfes nicht, sonst tonnte er nicht annehmen, mit der Aufklärung seines Schlierseer Gastroirtes inehr zur Betämpfung des Antiseinitisnms getan zu haben, als nwnn mau ,,schmollend" den schönen Bergen den Rücken kehrt, yjcein lieber Herr E. S., ich bin geborener Münchener und liebe meine bayerischen Berge wie meine ganze deutsche Heimat. Menu aber auf Schritt und Tritt diese deutsche Heimat verekelt uud verschmutz: w-rd, wenn das ganze Jahr das amtliche Organ des Miesbacher Bezirks in der unflätigsten Weise gegen die Juden loszieht, wenn aus dort Nivtorbooteu des Chiemsees die flatternde Hakenkreuzsähne grüßt, daun wächst in jedem anständig fühlenden deutschen Juden eine B erbittern n g, die so wenig mit dem Ausdruck „Schmollen" bezeichnet noerden kann, als wenn Sie eine Ohrfeige eine Unhöslichleit nennen wollen. Ihre Erfahrungen liegen vordem Kriege: wenn Sie Schliersee wieder aussuchen'wollen, dann ist das Ihr selbstverständliches Recht. Ich habe ja auch in meinen Ausführungen betont, daß nur solche Gäste, die „sich nicht durch jahrelanges Wohnen au ihre Mwtherren gebunden fühlen", nicht ins bayerische Oberland gehen sollen. Unser Abwehrkampf sieht nicht aus die Form, ihm ist vor allem um die Ä i r k n n g zu tun! Ihre persönliche Aufklärung in Ehren, aber sie dünkt mich nicht wertvoller, als wenn ich in der Bahn mit einem Fremden einen Disput über die Judenfrage führe. Wenn unsere Juden nur eine Saison lang T i s z i P l i n halt e n wollt c u und den judeuseindlicheu Bezirken sernbleibeu würden, dann merken die Gastwirte dieser Plätze, wer ihnen die Suppe eiugebrockt hat! Sie werden schon aus der Neberzeugung des eigenen Geldbeutels zu deukere anfauaeu, cmd sich entschließen, den erbärmlichen Auslassungen ihrer judenscindlichen Organe entgegenzutreten. Das ist keine Theorie, das ist Praxis! Ich weiß aus bester Quelle, daß einzelnen Hotelbesitzern des Oberlandes an de;; Psingstseiertagen vor der Mehrzahl ihrer leeren Ziunner etwas schwül geworden ist: sie mögen mit recht gemischten Empfindungen über die wirtschaftlichen Zusammenhänge zwischen Fremdenverkehr und Judenhetze nachgcdacht haben, denn, sehr verehrter Herr IT 8.. ich selbst und einige meiner Freunde haben nicht verfehlt, diese p e r - s 0 u l \ ch e A u s t l ä r u u g nachdrücklichst zu besorgen! H ct n § G n g g c n h c i m e r. Es sind uns zu diesem Gegenstand noch zahlreiche Schreiben zugekommen. Wir schließen die Diskussion vorläufig mit der nachstehenden Zuschrift der I n n u n g der Ga st w i r t e , Al e tz g e r n n b Brauer in Gar m i sch - Parte u k i r ch e n. Diese schreibt uns: „lins wird die Nr. 4 Ihres geschätzten Blattes vom 26. Mm zugeschickt, in welchem der Artikel „Bayerische Sommerfrischen" enthalten ist. Wenn auch leider in Bayern sich eine kleine Gruppe Unvernünftiger darin gefällt, antisemitische Hetze zu betreiben, Hakenkreuze an allen möglichen uud unmöglichen Orten anzubringen, so dürfen Sie das nicht so tragisch nehmen. Besonders -in den Kreisen der Hoteliers und der Interessenten im Fremdenverkehr weiß mau ganz genau, b a ß n> i r in Baye r n g e r a d e d c u I n d c n T n n k s ch u l d e n , die uns einerseits durch Lieferungen und anderseits durch ihren Besuch den gewaltigen Fremdenvertehrsausschwung, in Bayern ermöglichten. W i r w ü r d e n u n c n d l i ch b e d a u e r u , wenn durch den Artikel des Herrn Guggenheimer sich Ihre Kreise veranlaßt fühlen würden, Bayern zu meiden. Indem wir bitten, diese unsere Erwiderung in Ihrem sehr geschätzten Blatte ansuehmcn zu wollen, zeichne im voraus bestens dankend mit vorzüglicher Hochachtung'! chstncrschris?.)" ZrLMöerrhüß rmö Antisemitismus. Bian muß die Roheit unserer „Völkischen" einmal nur eigenen Leibe spüren, um den Schaden zu ermessen, den diese „Patrioten" dem guten Ruf Berlins und Deutschlands zufügen. Mit einem deutfch-amerikanifchen Ehepaar besuchte ich eine früher gut bürgerliche Gastwirtschaft in der Ausbacherstraße 55 in Ehariotrenburg. Im Lokal ein rücksichtsloses Lärmen einer als Akademiker kenntlichen Gesellschaft von etwa zehn bis zwölf, Leuten, die sich benahmen, als ob sie vollkommen allein wären. Kaum hatten wir Platz genommen, so fingen sie am Rebentisch mit antisemitischen Provokationen an, schimpften dann über englische Blätter und, als all das auf uns noch nicht genügend wirkte, zwangen sie uns durch „Hepp, Hepp"-Ruse dieses gastliche Lokal zu verlassen. Als ich dem Wirt erklärte, daß ein anständiger Mensch bei ihm nicht mehr verkehren tonne, da er den Rüpeleien dieser Leute ausgesetzt sei, entschuldigte er das Verhalten mw der „allgemeinen Verrohung". ES waren nicht etwa unreife, junge Leute, sondern misgewachsene Männer, die sich auch durch die Gegenwart einer Dame, übrigens einer Protestantin und geborenen Bäuerin, nicht von der Betätigung ihres Rowdytums abhalten ließen. Der Eindruck dieses Treibens auf meine Freunde war für mich beschämend und betrübend znleich. Ich mußte ihnen bekennen, daß Fremdenhaß und AntiemitiSmus sich gerade in gewissen akademischen Kreisen Deutschlands besonders fest inrnjemfiet haben. „Wer mit einer Schwarzen oder einer Jüdin verheiratet ist, ist nicht würdig, deutscher Burschenschafter zu sein," so ungefähr lautet doch einer der vorjährigen Beschlüsse dos A. D. E.-Tages zu Eisenach. Das ist der Geist, der nicht nur in den burschenschastlichen, sondern in allen deutsch-völtisch-akademischen Kreiseil umgeht und sich bet Gelegenheit in entsprechenden Taten umsetzt. Ich selbst habe, als früherer Burscheuschastcr schon 1897 mein Band als „Alter Herr" Zurückgeschickt, da ein damaliger A. D. C.-Beschluß gegen die Aufnahme von Juden mir das zur Pflichr machte, und ich eine Besserung der Anschauungen in absehbarer Zeit nicht erwartete. Leider hat mein Pessimismus recht behalten: es ist während und nach dem Kriege, in dem die deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens ihre Pflicht voll und ganz erfüllt haben, nur noch schlimmer geworden. Mit Recht beherrichr uns Deutsche das Gefühl der Verbitterung und Empörung über die Behandlung, die uns, den Besiegten, entgegen allen Versprechungen und allen" Menschheitsrechten, seitens der Sieger und ihrer Mitlänser zuteil wird. Aber dieses Gefühl darf nicht zum Haß und zu Uujiiitigteitcu gegen Angehörige anderer Nationen ausarten. Von einem alten Burscheuschastcr, einem unserer ersten Chirurgen liier, einem Manne aufrechter demokratischer Gesinnung, christlicher Konfession, wurde mir neulich erzählt, daß Heidelberger Burschenschafter amerikanische Reisende, die das Schloß besichtigten, durch Aupöbeleien hinausgegrault haben. Es ist beschämend für jeden Zur Hautpflege*Körperpflege rSdiönheftspflege £jjp Babypflege < für hfajjage > fürSpoptrteufoltecs^l r«>T»v jßS#Z>z, Spitzenhaus 9?osa Pxiauher, 'TQünchen cTheatinerstvasse 35. Brautausstattungen. Spezialität: ächte Spitzenvorhänge und =decken. Ger+erbeschan München: Halle HI, Räum-84;' i, •* ii «;!•(!♦ .r 4 :.*■ >14 i! i; 4 il ♦ II *ii *i!•!!♦!I ♦ : Facette-Spiegel _ _ _ mmmmmmmmmmmmmmmm TT T ~T ~ da Kristall und 3/4 weiss, ltu&el. Facette- M s ßla’ir ~ gebogene Scheiben tn Zeder Grötze und Form Liefert prompt M S MieldeuWe Spiegelfabrik Marcus & Kochmann S gg «:aö!ch>i?crci ». Belege re i: Bcrltn S«, »itterftt.li. — Fernspr.: Mpl. 16564. W EIBBBg^BKSaiSaSBBB^BBgBHBBBaMMBSgBBIi Nordseebad Norderney. S»Ä8 Hossrnanns Hotel Falk lluter Aussicht des Vereins zur Förderung ritueller Speisehäuier.

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