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Central-Verein-Zeitung · 1922-06-22 · 8 (22.6.1922) · p. Seite 101

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1 (1922)
Issue
8 (22.6.1922)
Date
1922-06-22
Page
Seite 101 (sequence 5)
Language
German
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—.' 101 - Ln Zukunft bei Abhaltung ähnlicher Versammlnnger» der Werkgemeinschaft. wie es die bisherigen waren, für ehtu» vertvnnnerrde Ausschreitnuger» jede Verantwvrtrrng ablehrren." Verurteilung Gustav Windmeiers. Wir haben uns erst kürzlich mit den bösartigen Verleumdungen dieses Herrn, der in Frankfurt a. Main die „Völkische Rundschau" redigiert, beschäftigt, und müssen es heute »nieder tun. Denn Herr Windmeier unternimmt es i»inner »nieder, seinem Publimn» . abenteuerliche Sensationsnachrichten anautischen, in denen natürlich die Huden stets übel wegtommen. Aber er wird dieses Treiben vielleicht einstellen, wenn er noch einige Riale all so einsichtsvolle Richter gerat loie kürzlich in N-ainz. Bor dem dortigen Schöfstmgerickst stand am 13. Mai d. I. die Klage zur Verhandlung, die der Frauenarzt Dr. S. Wallerstein gegen Windmeier angestrengt hatte, in dessen Blatt der genannte Arzt nicht mir znm Helden eines roiderlichen Ehebruchs- "und Raushandels gemacht, sondern überdies beschuldigt wurde, er habe sich im Kriege feige gedrückt rnid sich an der Praris seiner im Felde stehenden Kollegen bereichert. Bei der Verhandlung war der Verleumder Windmeier, wie schon so oft, auch diesmal nicht in der Lage, den g e r i t» g st e n W a h r h e i t s b e w e i s z u e r b r i n g e n, und es wurde überdies sestgestellt. dast Herr Dr. 'Wallerstein als einziger der Mainzer Frauenärzte auf dem östlichen Kriegsschauplatz Bataillonsarzt war. I n s o l g e d e f f e u wurde der V e r l e u m der G n st a v W i n d m e i e r z u e i ne r Geld st rase v o n 1 5 0 0 0 M a r t n n d zu r Trag»! n g s ä m tlich e r K o st e n v e r n r t e i l t.' Sedan und Schwarz-roi-gold. In der ..Lckdenbnraischen Landeszeitnng" lesen wir folgende Erinnerung: ..Am 8. September, dem Tage nach der Schlacht bei Sedan, begab sich der Generalststdmarschall Gras Wrangel, die Siegesdepesche hoch über dem Haupte haltend, zu Fuß in das Palais der Königin. Gleich nachdem Graf Wrangel eingetreten war, erschien die Königin aus dein Balkon und empfing einen guten Morgen, wie ihn schöner und herzlicher noch keine Königin von dein Volke erhalten hat. Dazwischen gelang es einem Jtmgeu. dc»s Monument Friedrichs des Großen zu' besteigen und aus dessen Spitze unter dem Jubel des Volkes eine s ch »o a r z - r o t« g'o l de n e Fahne zu befestigen, sowie den» grasten König selbst einen Lorbeerkrauz aufs Haupt zu setzen. Da- Beispiel fand sofort Nachahmung, insbesondere, nachdenr die Königin den ersten kühnen Turner in das Palais beschieden und ihm ein Geichenr übergeben hatte." Das war der „Indenlappen" von 1870: Geführt von einem 'preußischen Feldmarschall, befestigte ihn das deutsche Volk unter allgemeinem Jubel am Denk mal -eines Königvon Preußen und Preußens regierende Königin ehrte andem Herzen heraus das grvßdentsche Einheitszeichen voll 1848. Wechsel im Vorsitz des neutralen Jngendverbandes. Ans der Pfingsttagung des neutralen Jngendverban.dein Bonn legte Tr. Alfred Äpfel den Vorsitz des Verbandes nieder.. An seiner Stelle wurde Fräulein Tr. Eora B e r l i n e r zur e r st e n V o r - sitzenden des Verbandes gewählt. Wie man auch über die Tätigkeit von Tr. Apfel urteilen mag, er hat mir nie versagender Hingabe für die .Jugend unendliche Arbeit im Verbände geleistet, so daß seineur Wollen niemand die Anerkennung versagen wird. Aas der Düsseldorfer Gemeinde. Ter langjährige Vorsitzende des Vorstandes der Synagogengemeinde Tnsteldorf, Herr Sanitätsrat Tr. Nt a v e r, wurde am 25. Nkai dieses Jahres anläßlich fernes Scheidens ans dem Amte, irr einer feierlichen Sitzung der Repräsentanten und des Vorstandes verabschiedet. In Würdigung dieser Verdienste wurde Herr Sanitätsrat Dr. Nt a h e r znm Ehrenmitglied der Gemeinde ernannt und ihm der erste Platz in der Synagoge als Ehrenplatz aus Lebensdauer überlassen. Der Völkerbund und die russischem FLüchtliuge. Ter Vertreter des „I.E.B." hatte Gelegenheit, in einen Bericht des Völkerbundswuunissariats für russische FLüchliuge Einblick zu nehmen, in welchem die Unternehmungen des Oberkommissars des Völkerbundes Dr. Frithjofs Nansen im Interesse der russischen Flüchtlinge ausgezeichnet find. Ta eine Massenrückwanderung der Flüchtlinge nach Rußland derzeit unmöglich ist, hat der Obertommissar seine ganze Aufmerksamkeit darauf konzentriert, die Flüchtlinge ans solche Länder zu verteilen, loo sie eine ihren Fähigkeiten und Kenntnissen angemessene Beschäftigung finden können. Der Oberkommissar wandte sich an die im Völkerbund vertretenen Regierungen mit einem Aufruf, die Mittel für die Uebersiedlung der Flüchtlinge bereitzustellen. Hinrichtung von Pogromtei lnehmern irr Wolhynien. Wie die hiesigen Zeitungen berichten, wurden in Zitonür elf Mitglieder der sogenannten Lissir-Pogrourbanden, Die ihre Mordbrennereien in den; Kiew er und dem polnischen Gebiete getrieben hatten, laut denn Urteil des revolutionären Tribunals erschossen. Die Jndensrage im tschechischen Parlament. In der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 30. Mai beantwortete Ministerpräsident Be ne sch eine auf die Indens rage gerichtete Anfrage dahin, daß während des .Krieges gegenüber der» Juden keinerlei Verpflichtungen übernommen.worden seien. Auch im Friedensvertrage sei der jüdischen Frage keine Erwähnung.getan, da die Verfassung der tschechoslowakischen Republik und der in dieser Republik herrschende Geist solche Bestimmungen überflüssig mach ein Organisation öes preußischen Iuöentums. Tr. I s m a r F r e u n d (Berlir»). i I. ^Tcm» preußischen Judentum fehlt es zurzeit an einem das gesamte Staatsgebiet umfassenden organischeil Zusammenschluß seiner Glieder. Dem war nicht immer so. Bis zur Einbürgerung der preußischen Inden gab es einen derartigen Verband. Er war freilich polit is chP r Natur und diente lediglich dem Zwecke der gemeinsamen Aufbringung der de»» Inden der Monarchie anserlegten staatlichen Steirern. Ter von dem Staatsminister voll S ch r ö t i e r im Jahre 1808 entworfene Plan einer Reform der Jndengesetzgebnng sah einen kirchlichen Znfammenschtnß vor, indem er den Vorschlag »nachte, einen Oberraöbiner „zur Aussicht in religiöser» Angelegenheiten über alle jüdischen Kirchengenieinder» in der Monarchie" einzusetzen. Gegen eine derartige Regel»n»g wandte sich jedoch insbesondere der damalige Ehef der Knltussektrou, Wilhelm von Humboldt, indem er nreinie, inan ßorge sür airsgetlärle und gelehrte Rabbiner, bestelle aber ja keiner» Oberrabbiner, als »»»sofern es die Jude»» selbst tun, mache die Bande z»vischer» derr einzelnen jüdische»» Kirchen recht locker, führe ruckst eine eigene Orthodoxie unter den Juden eil», so»»dern befördere drrrch natürliche und billige Toleranz vielmehr Schismen, rrnd die jüdische Hierarchie wird von selbst zerfallen 1 >. Tie Schrotterscheu Vorschläge wurden nicht Gesetz. Vielmehr sah das Edikt von» 11. Marz 1812 von einer Regelung der kirchlicher» Verhältnisse völlig ab. So ergab sich, daß mit der Beseitigung der bürgerlichen Sonderstellung der Inden und der daraus sich ergebende»» Aushebung der bis dahin vorhanden gewesene»» politischer» Sonderorganisatio»» jeder Z»»san»menschlnß der einzelnen preußischen Gemeinden zu einer höheren Einheit in Fortfall kam. Als nun» in» Jahre 18-10 von »reuen» an eine' Resorm der preußischen Judengesetzgetnmg heranging, lebte auch die Frage der Schaffung einer organischen Veroindnng der einzelnen Gemeinden wieder auf. Ter preußischen Staatsregiernng wurde »r. a. ein Gesetzentwurf unterbreitet, der die Zusammenfassung der örtlichen Shnagoge»»ge»ne'mden zu Provinzialverbänden und der Provinzialverbände zu einem Landesverband vorsah. Eine derartige Regelung' kan» jedoch nicht zustande, vielmehr hielt das Gesetz von» 23. Juli. 1847 an dem bisherigen Zustande fest: Es blieb also dabei, daß jede örtliche Gemeinde einen selbständiger» Organismus bildete, und von einer Zusammenfassung dieser Einzelgebilde z»» höheren Ernheiter» abgesehen wurde. Einer» Ansatz z»» einer Gesamtorgar»isation enthielten zloar die U 33 bis 57 des Gesetzes, welche die Bildung einer ans Vertretern sämtlicher Provinzen von der» Staatsbehörde»» ei»»zusetzenden und unter ihrer Leitung wirtenden Kornrnissivn vorsahen. Ter Zweck dieser Konunifsion erschöpfte sich aber ir» der Schlichtung, etwaiger in einer Synagogengemeinde entstehender Knltnsstreitigkeiteu. Sie war and) »nelst als eine ständige Einrichtung gedacht, sondern sollte nur von Falt zu Fall ins Leber» treten, 'und tatsächlich »st sie , niemals prallisch geworden. II. Durch der» Gedanke»» einer Gesamtorganisation des deutschen Judentums ist die Frage in letzter Zeit in der» Hintergrund getreten. Damit ist sie jedoch nicht gegenstandslos geworden. Denn arrch nach der neue»» Reichsversassnng ist die Regelung des Staatstirchenrechts ir» der Hauptsache den Ländern verblieben. Nur gewisse einheitliche Grundsätze sir»d von Reichs wegen ausgestellt, die Regelung aller Einzelsragen hingegen, sowie die zur Durchführung der reichsrechtlichen Grundsätze etwa »rotwendigen Maßnahinen ist der Laudesgesetzgebung zugewiesen »vorder». So besteht die Notwendigkeit einer preußischen Landesorganisation unverrnindert fort. Baden, Württemberg, Birkenfeld, Mecklenburg-Schwerin, Nkecklenburg-Strelitz und L»ppe-Tet»nold besitzen solche Organisationen ans Grund staatlicher Regelung schon seit langem. Tie bayerischer» Gemeinden haben sich a»»s eigenen» Entschluß in» Jahre 1019 zu einem Landesverbände z»rran»mer»geschlosse»r. In allerjür»aster Zeit ist hierzu, ein thüringischer und arrhaltischer getreten: mit der Bildung eines sächsischen Landesverbandes ist ir» absehbarer Zeit z»» rechnen. Nach alledem ist es ein unhaltbarer Zustand, daß nur Preußen, der größte Bundesstaat, »»och weiterhin eines derartiger» Z u s a m nt e ns ch l u s s e s e r m a tt g e (t. Die Dringlichkeit der Schaffung einer derartige»» Organisation ist um so größer, als eine Reihe wichtigster Fragen"zur Entscheidung drängt, für deren Lösung das Vorhandensein einer preußischen ^Landesorganisation unerläßliche Voraussetzung bildet. Der katastrophale Notstand der jüdischen Beamtenschaft,' der sich zu der ernste;» Gefahr eines völlige»» Zusammenbruchs des religiösen Lebens in den deiner» Gemeinden ausgewachsen hat, die bevorstehende Neuregelung des Verhältnisses zur»» Staat, die jeden Augenblick die preußischen' Gemeinden vor folgenschwere Entschließungen stellen kann, die Frage der Staatsbeihilfen, ohne die wirksame Abhilfe nicht geschaffen werden kann, wichtigste organisatorische Fragen, »oie die des Unterrichts rrnd der religiösen Versorgung der kleine;» Gemeinden durch Schaffung von Bezirksrab'binaten u. dgl., dies alles drängt zu ungesäumtem Handel»». Dazu kounnt, daß die G e s a m t o r g a »»i s a t i o n d e s d e r» t s ch e n Jude »»tu »ns, au deren Notwendigkeit sich nichts geärrdert .hat, ohne Schasfrmg eines preußischen La»»desverbandes in absehbarer Zeit nichts zu verwirkliche»» ist.. Ter bayerische Landesverband hat I Vgl. Freund. Entaneipativn der Inden in Preußen II, S. 236 u. 276.

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