Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1 (1922)
- Issue
- 8 (22.6.1922)
- Date
- 1922-06-22
- Page
- Seite 100 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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100 Der demolierte Rrrrippel-Runze. Die Deuts ch it a t i o u a i c n x n cf c u n b. — E t n v c x n t ch - tendes C h a x akte x b i l d. Wir haben den ubelbekannten Helden von Gardelegcn immer einen Hetzdemagvgen imb Volksverdnmmer genannt. Doch dieses Urteil konnte leicht mit politischer Gegnerschaft erklärt und deshalb ungerecht und übertrieben genannt werden. Allein es zeigt sich, daß seine nächsten Freunde nicht anders über ihn denken. Unsere Meinung findet eine unerwartet gründliche Bestätigung und Bekräftigung in einem Artikel des „D e u t f ch nationalen Bolkssrenndes", dem amtl. Organe der Deutschnatio-' nalen Bolkspartei Groß-Berlins, vom l. Juni d. I., der entschieden verdient, niedriger gehängt }it werden. Unter dem Titel „H e r r K u n z e a l s P o l'i t r s ch e r C h a r a k t e r" wird die ganze politische Lebensbeschreibung dieses Herrn aufgerollt, und wir erfahren, wie frühzeitig er sich darin übte, den Mantel nach dem Wind zu drehen und seine Anhänger von gestern für ein Paar Silberlinge, oder auch mehr, zn verkaufen. Als kleiner Lehrer begann er. Bald aber wußte er sich in Schöneberg zum Vertreter der Mieter zu machen, als solcher in die Stadtverordnetenversammlung zu gelangen. Hier angekommen, erwarb der Ehrenwerte ein Hans, schloß sich der Hausbesitzersraktion an und verriet natürlich schleunigst seine Wähler. Achnlich trieb er es weiter und treibt er es noch. Doch wir wollen jetzt lieber das Wort dem „Detttschnationalen Vvlkssrermd" selbst geben. Tort heißt es weiter: „Es ist bezeichnend für Kunze, daß viele seiner P a r t c i g t'i u g c r n a ch f u v 3 e r Z eit s i ch v o n i h m a b iv a n d t e n. Kunze besitzt eine glänzende Rednergabe, der aber die innere NeberzeugunMraft fehlt. Während des Krieges tauchte Kunze in Schömberg wieder aus. Er war zum Heeresdienst eingezogen und betätigte sich als Dolmetscher im Gefangenenlager zn Garde legen. Wegen dieser Tätigfeit schwebt ein Beleidigungsprozeß, den Kunze gegen das „Berliner Tageblatt" angestrengt hat. Auffa l l e n de r w e i se ist es z u r V ex - h a n d I n h g n v ch n i ch t g c f o m m e h , d a St j e d c s ui n l d i e Berta g n n g des T e x u\ i n s h e r b e i z n f it h r c it v e r st a n d em hat. Roch Ausbruch der Revolution nahm K. seine kommunalpolitische Tätigkeit in Schöneberg nneder auf und schloß sich der deutschuakioualen Partei an. Gr wurde Stadtverordneter in Schöneberg. Bei den Wahlen k929 zur Groß-Berliner Stadtverordnetenversammlung wurde Kunze von der Deutschnationalen Partei n i ch t m c h r a u s g e stell t. A w ch h i c r z eigt e j i ch rv i e d e r , dß e r i n n e r h a l b der P a r t e i s i ch e i n e S t e t t u n g n i ch t v e r s ch a f s e n t o n u t e, so daß er zur Begründung der sogenannten Denlschsozialen Partei überging. Im. Bereich des Landesverbandes Berlin selbst brachten die Stadtverordneternvahlen Richard Kunze einen vollen Fehlschlag. Seine Hanptersotge errang er in Spandau, Schömberg und Charlotkenbura, wo inan ihm nicht rechtzeitig entgegerigetreten rvar. In Spandau gelang es ihm sogar, fünf Bezirtsmw ordnete durchzuvringen. Die kurze Tätigkeit der Spandauer Bezirksverordnetenversammlung .enthüllte schon die zersetzende T e it d c n z d e r k u n z e f ch c n P a r t e i. Wie Herr Kunze in der Berliner Stadtvervrdneteuversamurluug oft mit der doch durch und durch jüdischen, kvminuuistischen Partei Hand in.-Hand geht, so haben es sich auch seine Spand-aner Freunde nicht nehmen lassen, wiederholt mit den Sozialisten zusammen zu. stimmen. Ans der arideren Seite aber hat Herr Kunze den Antisemitismus in Erbpacht genommen. In seinem „Deutschen Wochenblatt" finden sich immer wieder Angriffe ans die De nt schnationale Bolkspartei, die angeblich nicht deutschvölkisch genug ist. Unser Berliner Landesverband fühlt sich durch diese Angriffenickst getroffen. Aber gerade weil Herr Kunze neuerdings seine Hauptkätigkeit ans Berlin erstreckt, ist es notwendig, unsere Mitglieder ans die hohe Gefährlichkeit,, die in der Denis ch s o z i a l c n Z c r splirt e v u n g s p a rtei l i e g t, a u f m erk j a m z u nt n ch e it. Die Zeit ist schließlich zu ernst, als daß die nationale Einheitsfront von Leuten ge n a r r t werden dürfte, denen nach dem ihnen innewohnenden politischen W a n d e r t r i e b jede F ü h r e r q u n 1 i f ä t s e h l t. Herr Kunze ist in der Politik dasselbe, was der R alte n sä n g e r v o n Hameln in der deutschen Sage ist. Durch sein Pfeifen lockt er politische Kinder an sich, um sie in die unergründliche Höhle kommunistischen Unsinns zu führen. Bon solchen Leuten kann Deutschland bestimmt nicht gerettet werden! Das ist allerdings auch unsere Ansicht. Dieses eine Mal teilen wir völlig die Anschauungen des derrtschnakionalen Blattes und wünschen ihm s in seinem Streben, diese n Schü dl i n g en d g ü l t i g zu erledigen, den besten Erlolg, Smi» cm Antiscmitischc Versammlungen. Herr K n n ppet - Knuze begab sich jüngst, nach Oldenburg, wo er am 9. Juni unter dem großsprecherischen Titel „Der Weg zur Rettung" deln dortigen Publikum Beweise seiner politischen Einsicht zu geben versuchte. Wie vorausznseheu war, hielt der Inhalt seiner Rede nicht im mindesten das, rvas der Titel versprach. Rach einigen Alis fältelt gegen Heu Versailler Schaudvertrag geriet er 'sehr rasch in das Fahrwasser seiner bekannten lügnerischen Verleumdungen gegen die Juden. Schon zahlreiche Zwischenrufe belviesen ihm, daß das Publikum keineswegs feiner Meiultng per, und mehr als diese Zwischenrufe ärgerte ihm offenbar, daß gleich der erste Diskussionsredner das Verhalten Kunzes i n G a rdel e gen aus s ü h. r l i ch b e h a n delt e und die Frage an ihn richtete, weshalb er denn den Prozeß, der diese Dinge klären sollte, dauernd v e r f ch I e p p e. Kn uze kam in arge Bedrängnis, schrie immerfort „Lüge, Lüge" und erhielt endlich von den Herrtm Graeger und Professor Tr.' Hermauu gründliche imb sachliche Abfuhr. — Richt viel anders ergiuges d-enr Referenten P r e ß l der d e il t s eh s o z i a l e n P a r t e ider in Eberswalde eine Versammlung einberufen hatte, mit auch hier zn „begründen", daß an den heutigen Zuständen in Deutschland einzig mtb allein die Inden schuld trügen. Die Diskussionsredner, die ihm entgegentraten, eutkrüstigterr seine Behauptungen nachdrücklichst und bctmrtem alle die Unaufrichtigkeit und Schädlichkeit der dentschfozialen Partei, die sich bisher immer nur als Schrittmacher mittelalterlichen Rückschritts erwiesen habe. Die Clternbciratswahlcn. an hm Hötzercrr Schulen Grost- VerNn ergaben ziemliche Erfolge der ch r i st l i ch - n n p v l i t i - scheu Listch die jüdisch' Tritt sch' von vornherein ausschloß. Nur dort, wo nnsere Freunde sich, mit Eifer der Wahl annahmen und d'nrch Rtlndschreiben und andere Drittel die jüdischen Wähler anfeuerten, g-elang es auf verschiedene Weise, eimvandsreie christliche und auch jüdische Tentsch in den- Eltcrnrat zu bringen, ^o in Berlin- Weißensec, wo die Wahlbeteiligung 99 Prozent betrug; in einigen Schulendes Berliner Nordens-, in Neukölln urtd au anderen Stellen. Wemr auch die Bedeutung der E-tterubeiräte nicht überschätzt werden soll, so muß anderseits bedauert lverden, daß die Glerchg ü l t i g k e i t jiidischr Eltern den christlichnnpolitischn Listen vielfach zunt Siege verhelfen hat. Lernen wir für das nächste Mal! Kampfansage der «ngarischen Sozialisten an die Arttrsemitctt. Tie Sozialdemokratie wird diesmal inr ungarischen Parlament als die stärkste oppositionelle Partei erscheinen, daes ihr gelang, 25 Mandate zu erringen. Das hervorragende Mitglied der parlamentarischen Fraktion der Sozialdemokraten, Dr. Emmerich G N ö r k i, äußerte sich ans die Frage des J.-C.-B.-Korrespmldentett, was das ungarische Indtmtnm vom Parlamentarischen Wirken der Sozialdemokraten zu erwarten habe, nne folgt: „Die sozialdemokratische!: Abgeordneten, die im Prinzip keinen Unterschied'zwischen Rasse, Komession. und Nationalitäten kennen, werden' sofort nach Eröffnung der Nationalversammlung den K a m p f f ü r d i e v ö l l i g e W i e d e r h e x st e l l u n g -d e r b ü r g e r l i ch e n Üt e ch t s frei h e i t u u d R e ch t s g l e i ch h e i t anfnehlneu. Wir können nicht gestatten, daß ganze Schichten der arbeitenden Bevölkerung als unzuverlässig an den Pranger gestellt werden, bloß weil sie der jüdischen Konfession angehören. Wir rvcrden schon bei der ersten Gelegenheit einen Sturm g e g e n d a s s ch ä u o l t ch c S y st e m d e s n u m eins clausus nute r n e h m e n. Es ist ein K u kt n r sk an d a l, der die Ausmertsamkeit der ganzen Welt verdient, daß man das Recht zn lernen den Söhnen einer Konfession vorenthält. Bis die Regierung nicht das Schandgesetz des umnems clausus aus den Gest'tzbüüsern entfernt, bekommt sie die Indemnität nicht belvilligt. Als zweitstärkste Partei in der neuen Nationalversammlung geben wir der Regierung kein e r I e i K x e d i t e r m ä ch t ich n n a, bevor sie diesen Knltnrskandal nicht einstellt. Ebenso lverden wir gegen die unrechtmäßige Revision der Schank- und Tabakverkausslizeuzen kämpfen. Daß die Regierung Leute vom konfessionellen oder Klassenstandpunkte ans klassifiziert, darf nicht weiter Vorkommen. In diesem Kampf um das Recht wird uns niemand und nichts hindern." Abfuhr der „Deutschen Werkgemcinschaft^. Tie antisemitische Agitation in Franken und ^chivaben wird zurzeit am Heftigsten von der sogenannten „D e n t s ch cn Werkge m eiu - s ch a f t" betrieben, als deren Redner der Turnlehrer Dr. Dickel ans Augsburg und der Bottsschnltehrer S t r e i eh n e r ans Nürnberg anftrcten. Wegen des aufreizenden Inhalts der Vorträge dieser beiden wurde vor einigen Monaten eine Wiederholung vom Stadtrat in Augsburg verboten, weil die Reden, eine unmittelbare Gefahr für die öffentliche Ordnung und Sicherheit bilden. Das Verbot wurde ans'eine Beschwerde hin von der Kreisregierung und vom Ministerium des Innern bestätigt. Neuerdings hat auch der Stadtrat Kitzingcn am Main als oberste Polizeibehörde nachstehenden Beschluß gefaßt: „Der Stadtrat m i ß b i l l i g t e i n st i m m t g die hetzerische Propaganda, die die Werkgemeinschast betreibt, und faßt nach ausführlicher Aussprache folgenden Beschluß: Es sind zn verbieten alle jene Versammlungen, die den hetzerischen und aufreizenden Raffenlind Klasfenhaß pflegen und iusolgedeffen Ausschreitungen befürchten lassen. In der Anssprache wurde besonders von Vertretern der sozialdemokratischen Fraktion betont, daß sie