Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1 (1922)
- Issue
- 8 (22.6.1922)
- Date
- 1922-06-22
- Page
- Seite 99 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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99 und dazu weitere 105 000 Oftjuden aus der Zeit während des Krieges und nach dem Kriege ergeben, sondern daß es sich überhaupt nur um die während und nach dem Kriege eingewanderten O'ftjuden handelt, während Die r u s f ische n Ostjnden aus der Zeit vor dem Kriege Deutschland seit 1914 bereits verlassen hatten. Herrn Dr. Dr. Kaehler und Genossen ist diese -Zahl erklärlicherweise viel zu gering. Sie kann einem Agitationsbedürsnis nicht genügen, das in der reaktionären Presse und in Volksversammlungen mit einer „Ueberschwemmung" Deutschlands durch Ostjuden operiert. Aber auch diese 105 000 Ostjuden sind außerordentlich zufammcngeschmolzen, sehr zum Leidwesen antisemitischer und reaktionärer Agitatoren. Ein Teil der während des Krieges und nach dem Kriege nach Deutschland gekommenen Ostsuden ist, sobald sich die Verhältnisse in den russischen Randstaaten und in Rußland etwas beruhigt hatten, wieder in ihre alte Heimat zurückgewandert. Ein anderer Teil ist aus Deutschland nach Westen, überwiegend nach überseeischen Gebieten weiterexpediert worden, und dieser Abtrrnsport ist vor allem ein Verdienst des „ArbeiterfürsorgeanÄes" der jüdischen Organisationen Deutschlands," das in aller Stille die oftjüdische Kolonie bei uns von Halbjahr zu Halbjahr ganz wesentlich durch Förderung solcher Abwanderung herabgemindert hat. Nach vorsichtigster «Schätzung kann behauptet werden, daß die Zahl der Ostjuden in Deutschland, und zwar Arbeiter wie Angehörige anderer Berufsftände, die Zahl von 55 000 heute nicht mehr ü b e r st e i g t. Von diesen 55 000 Ostjnden, die sich heute in Deutschland befinden, ist ein erheblicher Teil Arbeiter im deutschen Sinne; ein kleiner verschwindender Teil setzt sich aus begüterten Personen zusammen, die vor dem Bolschewismus aus Rußland erklärlicherweise geflohen sind. Diese begüterten osteuropäischen Juden verzehren ihre mitgebrachtcn Kapitalien bei uns. Die alte Nationalökonomie würde sagen, sie bringen Geld ins Land. Bei einer Volkswirtschaft, wie der deutschen, ist zwar ein solcher Zufluß an Kapitalien nicht von sehr großer Erheblichkeit; aber auch er ist immerhin nützlich. Diese begüterten Ostjnden werden aber auch ein weiteres Band zwischen Deutschland und Rußland schaffen helfen. Sie werden das Wirtschaftsleben zwischen Deutschland und Rußland ihrerseits beleben, sobald sie in ihr altes Vaterland wieder zurückkehren können. Und das wird in absehbarer Zeit schließlich geschehen. Freilich nur unter einer Voraussetzung kann solche günstige Wirkung eintreten. Nämlich dann, wenn man diese Flüchtlinge vor dem Sowjetterror nicht so miserabel in Deutschland behandelt, daß sie mit Haß und Erbitterung im Herzen gegen Deutschland nach Osten znrückkehren. ' Die Reaktionäre des Preußischen Abgeordnetenhauses würden natürlich in ihrer politischenlWeisheit eine ersprießliche Entwicklung in der angedeuteten Richtung absolut unmöglich machen. Ihre Politik hat vor dem Kriege Deutschland in der Welt die Sympathien aufgeklärter, verständiger Ausländer verkümmert, und das Ergebnis des letzten Weltkrieges ist für solche nnbelshrbaren Gemüter viel zu unerheblich, als daß sie eine Revision ihrer Anschauungen eintreten lassen wollten. Die Sympathien der aufgeklärten Menschheit in der Welt sind ihnen „schnuppe". Ihr Wahlspruch bleibt das geistreiche: „Immer feste druff". Weit ungeheuerlicher wäre aber noch die Abschiebung jener Ostjnden, die als Arbeiter Beschäftigung in Deutschland gefunden haben. Vor mir liegen eine Anzahl Berichte von sozialdemokratischen Gewerkschaften und von demokratischen H i r s ch - D u n ck e r s ch e n G e w e r k v e r e i n e n , die sich über die Zusammenarbeit deutscher Arbeiter mit ostjüdischen Arbeitern äußern. Nirgends wird eine Abschiebung der ostjüdischen Arbeiter verlangt. Das Verhältnis dieser eingewanderten Arbeiter zu den deutschen Arbeitern ist ein gutes. Nirgends haben sich ernstere Störungen bemerkbar gemacht. Der deutsche Arbeiter, der mit Ostjuden sechsmal in der Woche den ganzen Tag über zusammen schafft und schuftet, verlangt nicht die Austreibung des Kollegen. Solche Gedankengänge finden sich nur in der Fraktion der Deutschnationalen Volkspartei des Preußischen Abgeordnetenhauses, und in ihr befindet sich schwerlich ein Mitglied, das jemals in Fabriken seine acht Stunden täglich gearbeitet hat. lSchtuft folgt) Cttttrat-vcftin" Innere Organisation. Folgende Ortsgruppen ftrtb in den letzten Monaten gegründet oder neu organisiert worden: Norden, Emden, Rummelsburg (Pom.),, Forst (Lausitz), Grünstadt (Pfalz), Belgard (Pom.), Sprendlingen (Hesfen), toorau (N.-L.), Esch weiter lBez. Aachen), Bernstadt (Schles.), Höchst (Odenwald), Lätzen (Ostpr.), Nh e i nh e i m-Gr.-.Bi eb er a u (Hessen), R e iche l sh e i m- Fr ä n ki s ch E r u mba ch (Hessen), Hof bei Kassel, Stralsund, Treuchtlingen (Bay.), Ortelsburg (Ostpr.), Köln-Ehrenfeld, Köln-Nippes, Burg bei Magdeburg, Niedenstein bei Kassel, Falkenburg (Pom.), Hachenburg (Westerwald), Luckenwalde, Rimbach (Odenwald), Beerfelden t. O., Jever (OldbgJ, Gesecke-Büren-Salzkotten (Wests.), Salzuflen-Schötmar, Bad Wildungen, Northeim, Kreuzburg (O.-S.), Straubing (Buy.), Ober-Namstadt- Noszdorf, Wittmund (Ostsrieslaud), Treptow (Rega), Greifenberg (Pom.). Wenn es auch bisher bei uns üblich war, das; nur Ortsgruppen mit 50 Mitgliedern auf der Hauptversammlung Stimmrecht haben, so sind wir angesichts des regen Interesses, das manche unserer kleinen Ortsgruppen — denen wir übrigens meist den Namen „Ortsausschuß des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" vergeblich vorgeschlagen haben — für unsere Bestrebungen zeigen, nut unseren Landesverbänden übereingekommeu, auch Ortsgruppen mit weniger als 50 Mitgliedern die Organisation und die Rechte einer Ortsgruppe nicht oorzu enthalten. Mehrere kleinere Gruppen schließen sich aber zweckmäßig zusammen. Um den Ortsgruppen ihre Arbeit zu erleichtern und bei ihren Landesverbänden auf kürzerem Wege Rat und Hilfe Zu bieten, haben wir für den Landesverband Pommern einen hauptamtlichen Syndikus angestellt, für Ostsrieslaud, Hannover und Oberschlesien je einen nebenamtlichen Syndikus gewonnen. Für die Organisation in der Provinz Sachsen wurde jüngst iu Magdeburg ein Syndikat eingerichtet. Zur engeren Fühlungnahme der Gruppen innerhalb eines Landesverbandes fanden Delegiertentagungen oder erloeiterte Dorstandssitzungen der Landesver- - bände statt, und zwar für Mittel- und Niederschlesien in Breslau, für Pommern in Stargard, für die Pfalz in Landau, für Rheinland (Linksrheinisch) in Köln, für Hessen-Nassau und Hessels in Gießen, für OstwesLfalen und Lippe in Herford, für Rheinland- Westfalen in Hagen, für die Arbeitsgemeinschast Kurhessen und Watdeck in Kassel, für die Pfalz in Neustadt a. b. Haardt, für Bayern in Bamberg, für Hannover in Hannover, für Ostpreußen in Königsberg, für Sachsen in Chemnitz, für die Grenzmark in Schneidemüht. Andere Tagungen sirrd in Aussicht gestellt. „Die Gefahren der antisemitischen Propaganr-a für den wirtschaftlichen Wiederanfban Deutschlands" nennt sich eine Broschüre, die wir soeben zur Aufklärung von. Handel und Industrie und der entsprechenden Regierungsstellen herausgebracht haben. Nicht mit leeren Worten, sondern an der Hand wichtigen und bisher teilweise unbekannten Materials weist sie nach, wie unsere Handelsbeziehungen, insbesondere nach dem Osten, durch die judengegnerische Propaganda politischer Art nur geschädigt werden können, und welche Bedeutung auf der anderen Seite der Handel nach dem Osten für unseren wirtschaftlichen Wiederaufbau hat. Eine Tatsache, die von Wirtschastspolitikern aller Richtungen anerkannt wird. Wir haben diese Broschüre einer großen Anzahl in Handel und Industrie stehenden Persönlichkeiten zugesandt, und senden sie gern all jenen unserer Freunde zu, die sich'verpflichten, sie in geeignete Hände zu leiten. Ein antisemitischer Badearzt. Der Badearzt Krone (Sooden/Werra) veröffentlicht in der „Balueologischeu Zeitung" Nr. 4 vom 4. Februar dieses Jahres eine Buchbesprechung, aus der seine antisemitische Gesinnung deutlich hervorgeht. Wieder eine Fälschung rdrs Schutznnd Trutzbundes. In einem Flugblatt des Deutschvölkischeu Schutz- und Trutzbundes", überschrieben „Deutscher, wache auf!", war die Behauptung ausgestellt, „der in Saus und Braus lebende Sowjetjude und Bluthund Apfelbaum, der sich fälschlicherweise den Namen Smowjew zugelegt hat", habe einer Abordnung hungernder Arbeiter gesagt'. ,,Jch kenne keinen- Hunger, -ich werde ihn erst dann anerkennen, wenn die Mütter ihre Säuglinge "aitffreffen und die Einwohner sich um eine halbverfaulte Ratte die Köpfe entzweischlageu." Obwohl uns Aussprüche auch jüdischer Sowjetanhänger als Juden nicht interessieren, müssen wir angesichts des deutschvölkischen Systems, uns mit Aussprüchen und Taten völlig Fernstehender Zn betasten, stststellen, daß Smowjew -einen derartigen Ausspruch nie getan hat. Krregerehrmrg. Erfreulicherweise erhalten wir zahlreiche Berichte über Einweihung von Gedenksteinen oder Tafeln zu Ehren der gefallenen jüdischen Soldaten. Wir senden stets eine Abschrift derselben an die Kriegssammlung der preußischen Staatsbibliothek sowie an andere Institute. Der Schriftsteller Hans Sommer, Mürrcherr, Schettinastraße 41. gegen den wir eine Pri-Vatklage erhoben baden. konnte polizeilich nicht ermittelt und ihm daher die PrivaMage nicht zu ge stellt loerden. Falls einer Ortsgruppe -der jchige Ausentbalt Sormnerers bekannt sein sollte, bitten wir, Herrn Rechtsanwalt Levinger. München, F r-a u e n p la tz 2, Nachricht Zn den'Akten Brobrritz gegen Som-m-er und Eckart zu geben.