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Central-Verein-Zeitung · 1922-06-22 · 8 (22.6.1922) · p. Seite 98

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1 (1922)
Issue
8 (22.6.1922)
Date
1922-06-22
Page
Seite 98 (sequence 2)
Language
German
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98» Nahrung znzuführcu. Die das tun, handeln gewissenlos! Wer nicht bloß nfit Phrasen, sondern mit E r it st u n d G e w i s s e n h a s t i gkei t Politik treibt, der muß jetzt mehr als je bestrebt sein, alle konsessionellen, Partei- und wirtschaftlichen Treunungspnnkte znrückzustellen. hinter das eine große Wort: Leid einig, einig, e i n i g!" Ter dentschvleibende Teil Oberschlesiens umfaßt ungefähr 1 0 000 jüdi sch e See l e n. Bei weiten! die größte jüdische Gemeinde ist Ben th e n mit 0400 Seelen, in dem sich neuerdings das Letretariat des Landesverbandes Oberschlesien des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens befindet. Gleiwitz mit 2000, H i n d c n b n r g mit 1200. Oppeln und R a t i b v r mit je 1000 Seelen sind blühende jüdische Gemeinden, in denen sich, wie in den kleineren, Neiße, K r e n z b u r g , G r oß - S t r e h l i tz , K o 1 e l und N c n st a d t, Deutschtum und Judentum in inniger Harmonie verbinden. Ter Vorsitzende des Landesverbandes in Oppeln hat hier bereits eine mustergültige Organisation geschaffen und wird, wenn nach dem Abzug der interalliierten Kommission die öffentliche Bereinstätigleit wieder gestattet ist, mit den allzeit nrbeitssrendigen Führern der Ortsgruppen diese O r g a u i s a t i o n e r - w eite r n und s e st i g e n , d a m i t s i e v o r b i l d l i ch s ü r d a s g e s a m t e ü b r i g e D e u t s ch l a n d w e r d e. Die Gftjuüen in Deutschlanö unö -je antisemitische Reaktion. Von Dr. Paul Nathan. Das Reichsministerium des Innern hat dem Deutschen Reichstag eine „D eu ksehrift über die Einu n d 51 n s ro a n d e r u n g n a ch b z w. a n s D e u t s ch l a n d in den I a h r eit 19 19 bis 1 9 2 0" überreicht. In dieser Denkschrift findet sich auch ein Abschnitt über die Einwanderung der Ostjuden nach Deutschland. Die Angaben beruhen im wesentlichen ans einer Darstellung des „Arbeitexfürsorgeamtes der jüdischen Organisationen Deutschlands". Die Richtigkeit dieser Ausführungen wird -bestätigt durch die Feststellungen und Beobachtungen, die über die gleiche Materie von dem Preußischen Ministerium des Innern borgenonunen worden sind. Airs dieser Grundlage baut sich eine „große Anfrage" auf, die seitens des preußischen Abgeordneten Dr. Dr. Kaehler (Greifswald) gleichzeing im Namen der übrigen Mitglieder der 'Fraktion der Teutschnationaten Volkspartei an das Preußische Staatsminifterium gerichtet worden ist. Es wird zweckmäßig fein, diese „Große Anfrage" im Wortlaut mitzntcilen. Die Anfrage des Abgeordneten Tr. Dr. Kaehler uub Genossen lautet-/ „Tos Ncnchsmrnisttrnun des Innern har dem Reichstag eiue Deulschrift Nr. 1084 über die Einmtb Auswuudeeuug vorgelegt. Nach deren Angaben befanden sich vor dem Kriege schätzungsweise .'>0 000 Oftjuden als Arbeiter in Deutschland. Dazu sollen während des Krieges und später noch etwa 105 000 Ostjudeu als Arbeiter 'hinzugekommen sein, von denen 55 WO in Teutschlatid geblieben fein sollen. Nach sachverständiger Ansicht müssen diese Zahlen hinter der tatsächlichen Zuwanderung erheblich Zurückbleiben, da in ihnen nur die Arbeiter gerechnet.find, der größere Teil der Ostjuden aber schwerlich als Arbeiter sein Brot in. Teulfchlaud sucht. ' Diese Einwanderung der Ostjuden nach Deutschland, insbesondere nach Berlin, ist vom Standpunkt der deutschen Bevölkerung im höchsten Grade unerwünscht. Borschristen, welche zu einer Eindämmung dieser Einwanderung hätten benutzt werden können, bestehen bereits soweit sie nicht ausreicheu, müssen sie entsprechend ergänzt werden. Wir fragen das Staatsministerium: Wie ist es möglich, daß trotz des Bestehens dieser Vorschriften die Eimvauderwtg diesen Umfang annehmen konntet Welche Schritte gedenkt das Staatsministerium zu tun, um 1. unerwünschte Gäste abzuschiebeu, eine schärfere Kontrolle auf diesem Gebiete durchzuführeu? B e x l i n , den 24. Mai 1922." ‘' Von dieser Anfrage kann man sagen, daß sie wohl als ein Unikum m a n g e l n d e r S a ch k e n n t n i s itnd agitatori s ch e r Leichtfertigkeit in einer ernsten Angelegenheit bezeichnet werden kann. In der Anfrage wird hervorgehoben, daß vor dem Kriege schätzungsweise 59 090 Ostjuden als Arbeiter in Deutschland anwesend gewesen sind, und daß während des Krieges und später weitere „105 000 Ostjuden als Arbeiter hinzugekommen seien, von denen 55 000 in Deutschland geblieben fern sollen". 'Beginnen, wir mit einigen Entgleisungen von geringerer Erheblichkeit. In der Denkschrift des Reichsamts des Innern wird nicht von 59 000 Ostjuden vor dem Kriege gesprochen, sondern von 45- bis 59 000. Die Anfrage des Abgeordneten Kaehler macht bezeichnenderweise allein die oberste Grenze namhaft, um natürlich zu agitatorischen Zwecken mit größeren Zahlen operieren zu können. Es ist aber mich nicht richtig, daß diese 45- bis 50 000 Ostjuden der Vorkriegszeit „Arbeiter" gewesen sind in jenem Sinne, den unsere deutschen Statistiken festhalten. Die Familienhänpker waren vor allem Kaufleute und kaufmännische Angestellte. Und Liese Kausleute und kaufmännische Angestellte, die zum Teil mit ihren Familien hier wohnten, hatten eine -außerordentlich wichtige, wirtschaftliche Funktion für den deutschen Handel zu verrichten.- In ihrer -Hand lag in sehr erheblichenr Umfange der deutsche Export nach dem zarischeu Rußland. Sie waren die Vermittler zwischen den deutschen Exporteuren und den Importeuren in Rußland für deutsche Waren und für außerdeutsche Waren, die über Deutschland nach Rußland gingen. Da das kaiserliche Deutschland einer übertriebenen Judenfreundlichkeit nicht geziehen werden konnte, so wurde dieser Schar von Agenten die Anfenthaltserlarrbnis aus deutschem Boden von der Zeit des antisemitischen Ministers Puttkamer bis zu dem Kriege nicht ans Judenfreundlichkeit, sondern ans enmr ivohlverstandeueu! deutschen Interessenpolitik heraus gewährt. Unsere östliche!? Handelskammern sahen sich oft genug gezwungen, gegen Ausweisungen solcher Personen seitens übereifriger Lokalbehvrdcn zu protestieren, um einen Schaden von der deutschen Wirtschaft abzuwehren. Diese Verhältnisse sind denn Abgeordneten Dr. Tr. Kaehler unbekannt, oder er wünscht an sie nicht zu erinnern. Unvergleichlich schlimmer ist es, wenn die „Große Anfrage" von der Tatsache keine Notiz nimmt, daß bei Beginn des Weltkrieges die in Deutschland lebenden Russen fast ohne Ausnahme, also natürlich auch die russischen Juden, das deutsche Reichsgebiet unmittelbar verlassen mußten. Sie wurden nach Rußland abgeschoben iu Sonderzügen, die meist über Schweden nach Rußland geführt wurden. Jene 45 bis 50 000 Ostjuden, die vor dem Kriege iu Deutschland vorhanden sein sollten, gab es also während deö Krieges schon nicht mehr iu Deutschland, und diese Elemente sind auch nach Lern Kriege nach Deutschland in alter Zahl nicht zurückgekehrt. Tenn ein Handel stoischen Deutschland und Rußland von irgendwie neunensiverter Bedeutung ist zurzeit nicht vorhanden, und damit war dem größten Teil der früher in Deutschland angenedelten jüdischen Agenten aus dem Zarenreiche die Eristenzmöglichkeit geraubt. Der Herr Abgeordnete Dr. Dr. Kaehler rechnet aber diese 50 WO Ostjuden ohne iveiteres den während und nach dem Kriege ^eingewauderten etwa 195 909 Ostjuden hinzu, um io einen schein von Berechtigung für die reaktionär-antisemitische Behauptung aufstellen zu können, daß das heutige Deutschland von Ostjuden überschwemmt sei. Es ist also festzustellen, daß die vorsichtigsten Ermittlungen nicht eine Anzahl von 50 000 Ostjuden aus der Vorkriegszeit -Üll)' '--!!!> <ti!!n >W' >W.'!!,'!!> '!!!!!'.,!!!!' -Hk!!' #1»-!W. <!!!!!' »ü!!i« | An die Mitglieder des & 23.! § f Wenn Ihr Verlobungen, Vermahlungen, Geburten ff? in weitesten Kreisen bekanntmachen wollt, f | benutzt öie Zamilien-ftnzeisen j 4 öer £♦ V.-Zeitung § f die in über 6 0 000 Exemplaren erscheint und ff G überall im Reiche gelesen wird. ff K Wir gewähren Mitgliedern für derartige Anzeigen, f f wie auch für Stellengesuche, einen G J Rabatt von 50% f f auf den Zeilenpreis. ff d Seht also alle Kamiliennachrtchten in die \ 2 C.V.-Zeitung! 2? 2hr spart Geld und unterstützt Euren Verein. J ä> •illin -Üll» *ill!l> 'IIIJK »illli* 'U!ll> 'illlä' ‘Silin ■llffii ‘lilH* *!|||l"l|||l> -W!“H>|I> <I)|Ü' ‘WIK ‘Ü

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