Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1 (1922)
- Issue
- 7 (15.6.1922)
- Date
- 1922-06-15
- Page
- Seite 92 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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wisimschoftlicher (vrfemthitfjc anzuerkennen oder zu widerlegen. Es entbehrt niemals eines Zuges der Lächerlichkeit, wenn junge, unerfahrene Menschen, sonst 31t allen Streichen aufgelegt, sich als Antiseiniten bezeichnen oder sich antisemitisch gebärden. Wenn ein Gymnasiast — seiner „Meinung" nach, wohlbegründet — das Hakenkreuz trägt, während -er sonst nichts als Dummheiten im Kopfe hat, so läßt sich, mtt Hilfe des Analogieschlusses kein allzu , schlneichelhastes Urteil über den Antisemitismus finden. Und wie oft und wie feierlich ist in unzähligen antisemitischen Versammlungen und Schriften der staunenden Außenwelt berichtet worden, daß diese unerfahrene, unfug-endliche Jugend der Stolz der antisemitischen Bewegung sei und daß man, gerade weil ' sie sich zum Antisemitismus bekenne, auf sie die größten Hoffnungen setzen dürfe. Die antisemitische Bewegung, wie sie heute ist, basiert in der Tat — und das ist kennzeichnend — auf einer lebensuukuttdigen, unreifen, unwissenden Jugend. Ans jener Jugend, die das Hakenkreuz trägt und oft noch nicht einmal weiß, was es eigentlich bedeutet, die sich mit angeblich logischen Theorien besaßt, die sie zur Unlogik erziehen, einer Jugend, die das Leben und die Menschen nicht kennt, aber über sie urteilt und die -oft das Studium der angeblich so wuchtigen verschiedenen Blutmischungen dem gerade ihr bitterlich notwendigen Studium elementarer, kultureller Begriffe und Dinge gerne vorzieht. i Wahrlich jede — auch die antisemitische — Bewegung kann sich -freuen und stolz sein, wenn sie eine Jugend hat: denn dann hat sie die Zukunft. Wenn die eben geschilderte Jugend aber die Zukunft sein soll, so wird sich mancher im Interesse des deutschen Vaterlandes und im Interesse der deutschen Kultur für solch eine Zukunft herzlich bedanken. Der junge Mensch, der mit dem notigen Ernst an das Leben und an die in Frage kommenden Dinge herantritr und nach -langer — naturgemäß weit über die Ghmnasialjähre hinansireichender — Prüfung zu einem — wenn auch falschen — Urteil kommt, erzwingt die dem ehrlichen, vorurteilslosen Gegner gebührende Achtung. Wenn ein solcher Mensch auch auf Grund seiner Weltanschauung Antisemit geworden ist, so wird er doch Niemals dem radikalen Antisemitismus cmhängen; mit ihm wird man reden und ihn wird man auch schließlich überzeugen können. Wenn aber ein so schwerwiegendes und nur auf Grund von wirklicher Kenntnis des Lebens und der Dinge nach der einen oder der anderen Seite zu entscheidendes Problem, wie es die sogenannte „Judenfrage" nun einmal ist, von einer halbwüchsigen, durchschnittlich unerfahrenen, mit schwerwiegenden Problemen unvertrauten Jugend entschieden wird, so kann'man nur sowohl die Bewegung, die einen so einschneidenden imb gefährlichen Dilettantismus fördert, als auch diese Jugend herzlich bedauern. Aber diese Jugend muß nicht nur bedauert, sondern auch im Interesse der deutschen Kultur, des deutschen Geistes -und der deutschen Zukunft entschieden bekämpft werden. . Sie ist gemeingefährlich für Volk und Vaterland-sie ist undeutsch! Die Jugend aber, die den Antisemitismus erleidet, muß nicht nur bemitleidet, sondern auch gestärkt werden. Tagtäglich ist sie von Seiten ihrer unkameradschaftlichen Kameraden Anfeindungen, Vorwürfen, Verleumdungen und Verhöhnungen ansgesetzt, die sie weder vermöge ihres eigenen Wisiens tmb Alters selbständig entkräften noch bekämpfen kann. Und das ist nötig: denn die Jugend kann am besten und leichtesten von der Jugend belehrt und bekehrt loerden! Hier hat vornehmlich das Elternhaus einzugreisen und mit Bestimmtheit und Scharfe ihren Kindern zu lehren, wie mau solchen Angriffen taktvoll und wirksam entgegentritt. Eine schwere und verantwortungsvolle aber auch heilige Pflicht und Aufgabe i der Eltern nicht zuletzt ihren Kindern gegenüber, die nicht nur so altsgeübt loerden darf, daß man den Kindern sagt, lvas sie aus bestimmte Angriffe Zu entgegnen haben, sondern so, daß man ihnen nach und nach ganz von selbst eine Art Unterricht gibt, in dem sie lernen, ltm was es sich eigentlich handelt imb um was es geht. Werden sie so -aufgeklärt, erfahren und begreifen sie das, so loerden sie sich auch selbständig in mancher Situation zu helfen wissen. Vor allem ist es aber in ihrem 'eigenen und im Interesse der ganzen Abwehrbewegung dringend notwendig, daß man den Kindern gegenüber nicht lange aus falsch angewandter Vorsicht und Sorgfalt mit der Wahrheit hinter dem Berge zurückhält, daß man nicht 31t einem kriecherischen Duckmäusertum, sondern zu einem stolzen, selbstbewußten Auftreten erzieht. Man kann über die Tatsache Schmerz empfinden, daß unerfahrene, lebenslustige junge Menschen auf diese Weise so frühzeitig den Ernst des Lebens kennen lernen und sich mit ihm auseinandersetzen müsfeir. Denn die Jugend, die solche Kämpfe zu bestehen hak, wird frühzeitig eine frohe, sorgenlose Kindheit verlieren und viel- , Zur Hautpflege'Körperpflege'Schönheitspflege Zur Babypftege > für hiaflage > furSportrleute' IfeSi Zhtfkr.. 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