Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1 (1922)
- Issue
- 7 (15.6.1922)
- Date
- 1922-06-15
- Page
- Seite 89 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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80 an den Unimcklub nmndten, ob diese neue Rermsarbe bei ihm eingetragen ist und feine'Genehmigung findet. Das Sekretariat des' Unionklubs richtete Hiernils arn 30. Mai folgendes Schreiben an den E. V.: „Dem Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens teilt das Generalsekretariat in Beantwortung des Schreibens vom 24. Mai ergebenst mit, daß als Farben von Herrn Erich Vongehr, Wolfsdorf bei Oschke, Kreis Niederung, folgende Farben in den Registern des Generalsekretariats eingetragen sind: „s ch m a r z, weiße Nähte lt n d K r e u z". Unter dem 10. Mai teilte der Tilsiter Rennverein hierher mit, daß Herr Vongehr ans der Bluse seines Jockeis auf Brust und Rücken je ein großes Hakenkreuz hat anbringen lassen. Die Oberste Nennbehörde richtete darauf an Herrn Vyugehr unter . dem 16. Mai folgendes Schreiben: „Nach Mitteiluna des Tilsiter Rennvereins haben Jbre Nennsarben bei den Nennen r»u Tilsit am Sonn lag, den 7. Mai. öffentliches Neraernis -erregt. Namens der Obersten R-ennbehörde -ersriebe ich daher Euer Hochwohlgeboren. die Forin des Kreuzes in den Rennfarben Euer Hochwohlaeboren e n t s p r e ch e n d z u ä n b c r n." Gleichzeitig wurde dem Tilsiter Nennverein von diesem Schreiben an Herrn E. Vongehr Mitteilung gemacht. Ob Herr Vongehr am 14. Mai in Königsberg wieder die gleichen Nennsarben benutzt hat, entzieht sich der Kenntnis des Generalsekretariats. Mit vorzüglicher Hochachtung folgt Unterschrift." Oberst a. D. Holm Kcwirr v. Metzsch. Ein Oberst dieses Namens hatte es im Herbst v. I. für nötig befunden, -im Fremdenbuch einer Pension in Oberbärenburg (Erzgebirge) seiner Freude dadurch Ausdruck zu geben, daß d i e f n i ch t m i r ,,J ub e n - nasen" au s sta ff i-e r tfei wie ein Hotel, in dem er früher verkehrt habe. Eine Aufforderung nuferer Ortsgruppe Dresden, dem Wohnsitz des Herrn Obersten, von derartigen Kundgebungen künftighin iin Hinblick darauf abzusehen, daß die Juden im Weltkriege ihre Pflicht dem Vaterlande gegenüber genau so treu erfüllt hätten wie die christlichen Mitbürger, wurde von diesem Edelmann k e t n er A n t w o r t g e w ü r d i g t. Wir bitten um Mitteilung, sofern sich dieser Herr Oberst neuerdings antisemitisch betätigt. Ein antisemitisches Bankhaus. Wir berichteten in Nr. 5 unserer Zeitung über antisemitische Tendenzen des Bankhauses Eichborn & Co. in Breslau. Unsere Ortsgruppe Hirschberg ersucht uns nun mitzuteilen, das; nachträglich ein Mitinhaber der Firma Veranlassung genommen hat, der Sache auf den ©nmb zu gehen und zu erklären, daß die Wiederholung derartiger Vorfälle in Zukunst vermieden werden wird. Verein „Reichsslagge". In Nürnberg hat sich vor einiger Zeit ein Verein dieses Namens gebildet. Vorsitzender ist ein Hauptmann H e i ß. Festgestellt sind bisher außer der Leitung eine Ortsgruppe in Nürnberg, München und Fürth. Die Satzungen des Vereins fordern b i c A it s s ch l i e ß u n g de r Jude n. Wir bitten^ um Mitteilung, falls auch in anderen Orten die Bildung von Ortsgruppen dieses Vereins bekannt geworden ist. Mnfragr. -Wer kann uns 'die jetzt gellende Adresse des früheren SJMeuet Lehrers Hans Richert mitteilen? Nackricht «n das Central-Vereins-Bure-au, Berlin 87V. H8, Lindenstraße 13, zu den Akten 639/71L erbeten. Die 7. Tagung ües jüdischen Lehrerverbanöes. Won Mittelschültehrer H. Stern (Berlin), Vorsitzendem -des Verbandes der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche. Nach fast, neunjähriger Pause, verursacht durch die Kriegs- und Nachkriegswirren, nicht zuletzt auch durch dm finanziellen Schwierigkeiten des Verbandes, versammelten sich;n den Psingstferren die Delegierten der jüdischen Lehrerschaft Deutschlands endlich wieder einmal, diesmal in der Neichshauptstadt, um in Gemeinschaft mit ihrem Vorstande und im Einvernehmen mit den Vertretern der großen jüdischen Organisationen die wichtigen ideellen und materiellen Probleme zu erörtern, die nicht nur die Lehrerschaft, sondern auch die ganze jüdische Beamtenschaft und noch darüber hinaus die gesamte deutsche Judenheit bewegen oder doch wenigstens in ihren Wirkungen aufs tiefste berühren müssen. Nachdem der Vorabend -der Tagung den Begrüßungen und dem Gedächtnis der Gefallenen und im Frieden Verstorbenen, vor allem des unvergeßlichen Gcheimrats Dr. A d le r , gewidmet worden war, gehörten die beiden folgenden Tage ungeschmälert der angestrengtesten sachlichen Arbeit, an der auch die Vertreter der drei großen Organisationen, die Herren Professor Dr. K a l i s ch e r und Professor Türk für den Deutsch-Israelitischen Gemeindebund, Dr. Pauk Nathan für den Central-Verein lind Dr. Fackel für die Großloge mit regstem Interesse uub auch aktiv teitnahmen. Besonderer Dank gebührt der jüdisch-theologischen Anstalt in Breslau, die in Würdigung der allgemein-jüdischen Bedeutung der Tagung ihren derzeitigen Rektor, Herrn Dr. Nabin, entsandt hatte. Um auch in der Zeit schwerster materieller Bedrängnis das unentwegte Festhalten der Lehrerschaft an ihren ideellen Aufgaben und Zielen zu bekunden, hatte der Vorstand an die Spitze der Verhandlungen ein wissenschaftliches Thema gestellt, das den Notwendigkeiten der jüdischen Erziehung der Gegenwart wie kein zweites gerecht wurde: „Der Religionsunterricht im Lichte der modernen Psychologie". Das Referat war dem Verfasser dieses Berichtes übertragen worden, und der praktische Zweck seiner Ausführungen ging dahin, die pädagogisch-psychologischen G r undlagen für eine G e st a 11 u n g d t s j ii d i s ch e n N e l i g i o n §- u nterri ch t s i m S i n n c u n d i ni R a h m c n des n c u z e i tl i ch e u U n t e r r i ch t s - und E r z i e h u u g s w e s e n s z u s 4 affe n. Danach kamen Schul- und Organisatiousfrageu zur Sprache. Fm Anschluß au das Referat von Lehrer Goldschmidt (Dortmund) über) „Das Reichsschulgesetz in seiner Bedeutung für die jüdische Schule" nahm die Versammlung eine Resolution an, die zwischen den Standpunkten der Anhänger der Gemeinschaftsschule imb der Freunde der jüdischen Bekenntnisschule vermittelt', indem sie sich grundsätzlich, auf den Boden einer Gemeinschasrsschule stellt, die allen berechtigten. Ansprüchen der Judenheit entspricht, bis zur Durchführung dieser Genreinschaftsschule jedoch an der Forderung der jüdischen Bekenntnisschule scsthält. — ^emiuardirektor Dr. G u t ui a u u stBerlm) sprach über die durch die Auslösung der in et fron jüd ischen' Seminare vue durch die völlige Umgestaltung der Lehrerbildung- 6stäl) rdete A usbi l düng de § L e h r e r n a ch lo u ch s e §. Im Hinblick darauf, daß diese äußerst schloierig-e Frage noch gar nicht spruchreif.und auch nur im engsten Konnex mit zahlreichen anderen jüdischen Instanzen zu lösen ist, wurde die Einsetzung einer Kommission beschlossen, in die neben Vertretern des Lehrer- und Kautoreuverbandes auch Delegierte der noch bestehenden Seminare, der drei theologischen Anstalten, einzelner beut Verbände fernstehender Lehrer gruppen des T. I. G. V., der Konfereuzgeineiuschast der jüdischen Großgemeiuden und der Gemeinde Berlin berufen werden sollen. — Organes a - tionsfragen der Beamten behandelten Lehrer F r e u deu - th a l (Luckenwalde), Lehrer E h r eure i ch (Fürth) und Dr. H ö x t e r (Frankfurt a. M.). Eine Hauptrolle spielte dabei die Frage, ob der Lehrerverband in eine Gewerkschaft umgew-andelt werden oder ob sich die gesamte jüdische Beamtenschaft in einer solchen organisieren solle. Man entschloß sich, dem Verbände seinen bisherigen Charakter zu wahren, dagegen dem in Vorbesprechungen bereits gesicherten Zusammenschluß der drei großen Beamtenverbäude — Rabbiner-, Lehrer-, Kantorenverband, Bayerischer Lehrerverein und Bund gesetzestrelier Lehrer den Charakter einer wirtschaftlichen Jnteressenvertre-t-ung zu geben. Waren die Verhandlungen in diesen Fragen verhältnismäßig richig verlausen, so brach die nervöse Spannung durch, als Steinhardt (Magdeburg) über die Gesamtorganisation der deutschen Inden sprach. Die Erbitterung über die furchtbare Not in weiten Kreisen der Kultusbeamten, die bittere Enttäuschung über die Verzögerung der Gesamtorganisation machte sich .-in heftigen Anklagen Luft, die um so berechtigter erscheinen mußten, als die Mitteilungen der bayerischen Vertreter bewiesen, wie leicht und schnell die ganze Frage zu lösen sei, wenn rurr der gute Wille vorhanden ist, wie es in Bayern tatsächlich der Fall gewesen ist. Erschütternd wirkten die Mitteilungen der Delegierten mi§ den verschiedeneü Landesteilen über die unglaubliche Verelendung in großen Teilen der Beamtenschaft, vom Rabbiner bis zum letzten Kultusbeamten, von Fällen schimpflicher Pftichtvergessenheit leistungsfähiger Gemeinden. Es war ein Toi; teils resignierter Klage, teils tiefster Erregung, der die -ganze Tagung durchzitterte. Den Abschluß der Verhandlungen bildete die Vorstandswahl. Da der verdienstvolle Leiter des Verbandes, Herr Rektor Feiner (Hamburg), sich nach fünfzehnjähriger Tätigkeit veranlaßt sah, den Vorsitz niederzulegen, wurde der Berichterstatter zum Vorsitzenden gewählt. Unter dem unmittelbaren Eindruck der auf dem Verbandstage gewonnenen Einblicke in die verzweifelte materielle Lage weiter Kreise der jüdischen Beamtenschaft berief der Vorsitzende des D. I. G. V., Herr Professor K a l i s ch e r, für den nächsten Tag, den 8. Juni, -eine sogenannte Notstandskommission nach den Räumen de8 Gemeindebundes ein, die sich aus dem genannten- Vorsitzenden deS Gemeindebundes, Vertretern des Rabbiner-, Lehrer- und Kantoren- Verbandes und den Herren Professor Türk und Emil Cohn von der Repräsentanz der jüdischen Gemeinde Berlin zusammensetzte. Ursprünglich dazu bestimmt, über die Verteilung einer dem Gemeindebund zur Verfügung stehenden Summe zu beraten, entschied sich die Kommission zu einer weitergehenden Aktion. Esgikt, alle möglichen Mittelzuergreisen, alle nur denkbaren Wege zu b es ch reiten, die eine Entspannung der un - erträglichenLage, eineNeuordnungdervolligversahrenen Gehaltsverhältnisse in den jüdischen Gemeinden gewährleisten. Da die Herren die Ueberzeugung zum Ausdruck brachten, daß es unmöglich so weit hätte kommen können, wenn die maßgebenden Stellen wie die weitere jüdische Oeffentlichkeit den ganzen Ernst der Situation erfaßt hätten, wurde beschlossen, einen g r o ß z ü g i g e n A u f k l ä r u n g s f e Lb * z u g zu unternehmen, um der jüdischen Welt die furchtbare Not der