Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1 (1922)
- Issue
- 7 (15.6.1922)
- Date
- 1922-06-15
- Page
- Seite 88 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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88 mtex dem Eindruck solcher Ausführungen erst einmal ein Herr v. Wrisberg, ein Herr v. Lüdersdorfs und andere, die den deutschen Juden nicht mit Fälschungen und Entstellungen gegenübertreten wollen, über „Gediegenheit" der Fritschschen Handbücher, der Schuh- und Trutzbundschristen und gleicher Leistungen stutzig werden, so wäre damit schon ein bescheidener Vorteil erzielt. WU«»s tut 77 Obevschlestevr Die oberschlesischen Frerrnde sprachen die Befürchtung aus, daß beim Einmarsch der Reichswehr und Umwandlungder Sipo in Schupo bei der begreiflichen- Erregung, in allen Volksschichten die Möglichkeit nicht von der Hand zu weifen sei, daß gewissenlose Elemente die Stimmung des Volkes zu Ausschreitungen benutzen könnten. Die Erfahrungen mit schlechten. Elementen des seinerzeit in Oberschlesien tätig gewesenen" Selbstschutzes lassen solä)e Erwägungen als berechtigt erscheinen, besonders 'wenn von Truppen, Vereinen oder auch einzelnen Pertonen provozierende Abzeichen, wie z. B. das Hakenkreuz, geführt werden. Wir sind deshalb im Reichswehrministerium und im Ministerium des Innern vorstellig geworden, die beteiligten Stellen anzuweiscn, alles zu vermeiden, was etwa provozierenden Charakter haben könnte und haben zusagende Antworten erhalten. Unsere F x e it n b e bitten w i r , ihrerseits die möglichste Z u - r ü ck h a l t u n g z u ü b e n. Oberstaatsanwalt van Clausewitz und der Nadarrpöbel. Im März dieses Jahres kam es, wie bekannt, in den Straßen Berlins zuhöchst widerwärtigen antisemitischen Ausschreitungen. Ein Hausen der bekannten! Radaubrüder aus dem Lager der Kunze und Mulle rottete sich im Lustgarten zusammen, zog dann, eine schwarzwcißrote Fahne schwingend, über die Linden nach dem Westen und pöbelte alle indischen und jüdisch anssehenden Passanten in der gemeinsten Weise an. Hierbei tatsich ein gewisser Dr. Mar K r h m besonders hervor, de O durch fortwährende Rufe: „Schlagt die Juden tot" zu- Gewalttaten aufreizte. Zwei jüdische Herren, die zufällig in den- Tcmonstrantenzug geraten waren, sahen sich ernstlich bedroht, und als der eine von? ihnen an jenen Krym herantrat, um ihn zur Rede zu stellen, wurde er in unflätiger Weise beschimpft. Ter Beleidiate veranlagte durch einen Schutzmann die Feststellung der Personalien jenes Rädelsführers, gegen den wir dann gemeinsam mit bcm Beleidigten beim Landgericht I die Klage lvegen Aufreizung und Ehrenbeleidigung einreichiteu. Trotzdem für beide Vergehen mehrere glaubhafte Zeugen namhaft gemacht w ir r d e n , verfügte der O b e r st a a t s a n w a l t van Clausewitz d i e E i n st e l l u n g des Versa h r e n s!! Er hält, wie es in der Motivierung dieser überraschenden Verfügung heißt, den Nachweis. nicht für erbracht, daß die Aeußerunaen des Beschuldigten den öffentlichen Frieden gefährden konnten-, ist also o f f c nb a x der A n si ch t, daß die A u f f o r d e r u n g „Schlagt die Jude rr t o t'" v ö l l i gh a r m los s c i. Wegen der Beleidigungen verweist der Oberstaatsanwalt den Klagesteller auf den Weg der Privatklage. Gegen diese Einstellungs-Verfügung, die wohl jeden gerecht Denkenden ohne Unterschied der. Konfession auf das lebhafteste befremden muß, weil sie den rohesten, antisemitischen Straßenerzessen geradezu Schlitz angedeihen läßt, ist unverzüglich B e s ch werde eingelegt w o r d e n. Wirksames Einschreiten gegen Antisemitismus in Badeorten. Wie in einer ganzen Anzahl von Badeorten, so hatte auch im Ostseebad Heringsdorf der Antisemitismus, genährt durch die verhetzende Agitation der Dentschnatjonalen Volkspartei, immer mehr Boden gewonnen. Biele Pensionsinhaber und Zimmervermieter waren mit fliegenden Fahnen in das antisemitische Lager übergegangen. Unsere S io i n e m ü n b c r O r t s g r n p P e, die für Heringsdorf mit zuständig ist, veröffentlichte daraufhin in der Lokalpresse ein „Eingesandt". in dem sie der Annahme Ausdruck gab, daß alle die Villeninhaber, die im deutschvölkischen Lager ständen, großen Wert darauf legten, keine B a d e g ä st e jn di s ch en Gl au b ens bei üch zn sehen. Die Ortsgruppe bäte deswegen die Dillenbesitzer um Angabe ihrer Rainen, damit sie weiteres au zuständiger Stelle veranlassen könne. Der Erfolg dieser Ertlä r u n g w a r verblüffend. Tie zweite Vorsitzende der Heringsdorser Ortsgruppe der Dentschnationalen Bolksparter legte sofort ihr A in t nieder. Ac eh re re christliche Ortsansässige nahmen gegen die antisemitischen T r e i b e r e i e n S t e l l it n <3 , und der G e m e i n d e v 0 r st e h e r erklärte in einem ofsiziellen Schreiben ausdrücklich, daß das verwerfliche Treiben nur von einigen neu Hinzugezogenen ausginge, w ä h r e u d die H e r i n g s d 0 r s e r B ü r g e r nichts d a m itzutu lr h ä t t e n n n d n a eh w i e v 0 r gern jüdische B a d e g ä st e sähe n. Es bestätigt sich wieder einmal, daß der Antisemitismus am besten da eingedämpft wird, wo unsere Ortsgruppen auf dem Posten sind und ihn im Keime ersticken. Das Vorgehen der verdienstvollen Lwinemünder Ortsgruppe verdient nachgeahmt zu werden. Mitglieder aus dem Elsas; und Posen. Unsere früheren Elsaß-Lothringischen lind Posener Mitglieder sind zum großen Teil in Städte des delltschen Reiches verzogen, aber nur wenige haben sich dort als Mitglieder gemeldet. Wir sind nun seit längerer Zeit bemüht, ihre Adressen allssindig zu machen, und haben auch schon einige Erfolge erzielt. Angesichts der vielen Schwierigkeiten aber. die uns dabei entgegentreten, bitten wir nicht nur alle Ortsgrupp e n v 0 r st ä n d e und Vertrauensleute hierdurch nachzusorschen, wer ans dein Elsaß oder aus anderen abgetretenen Gebieten eingewandert ist und die zugezogenen jüdischen Mitbürger für uns zu gewinnen, sondern ersuchen auch alle Mitglieder, uns Wohnort und Adresse der ihnen bekannten West- und Ostdeutschen, die geflüchtet sind, mitzuteilen. Mitgliederbewegung. Tie bisher zahlreich eingetroffenen Mbrechnungen mit den Ortsgruppen des Central-Vereins un Reiche ergeben die h 0 ch e r f r e u l i ch e Tatsache, daß die Mitgliederzunahme im Jahre 1921 und im ersten Drittel 1922 weit stärker rst als wir je erwarteten. Besonders ansehnlich ist der Zuwachs in Groß-Berlin, wo uns unsere Freunde dank der Aufforderung im letzten Rundschreiben zur Einziehung der Beiträge schon wieder Hunderte neuer Mitglieder in den letzten drei Wochen anmeldeten. Diesen Getreuen bringen wir an dieser Stelle die Mitteilung des schönen Erfolges als besten Dank. Alle unsere Mitglieder in Groß-Berlin, wie in allen übrigen Ortsgruppen bitten wir dringend, die fälligen, noch nicht gezahlten Beiträge für 1 9 2 2 s 0 s ch n e l l w i e möglich ihren Ortsgruppen einznsenden. (Für Groß-Berlin: Postscheckkonto Berlin 30 472 oder Dresdner Bank, Filiale 0, Lindenstraße 7). Müssen wir schriftlich mahnen oder gar Boten senden, so erwachsen uns erneute und beträchtliche Kosten, die wir in diesen wirtschaftlich so schweren Zeiten unbedingt vermeiden wollen. Den Beitrag bitten wir aus eine Höhe zu bringen, die der gewaltige n Geldentwertung gerade des letzten Jahres und der steigenden Notwendigkeit unseres schweren Kampfes entspricht. Möge weiter jeder unserer Freunde eine Ehre darin sehen, uns mindestens ein neues Mitglied mit angemessenem Beitrage zuzusühren, auf daß wir jeden jüdischen Deutschen, ob Mann und Frau, der sein Deutschtum und Judentum nicht ungestraft antasten kästt, in unseren Kämpferreihen sehen. Dev Lügner Gustav Windmeiev. Ein antisemitischer Agitator namens Gustav Windmeier, der Herausgeber der „Völkischen Rundschau" in Frankfurt a. M., hält seit einigen Wochen im Austrage des „Schutz- und Trutzbundes" in kleinen und kleinsten Gemeinden Hessens und Hessen-Nassaus Versammlungen ab, in welchen er folgende Geschichte erzählt: Er sei früher nicht Antisemit gewesen, es aber geworden, seitdem er als Insasse des Vereinslnzaretts des israelitischen Krankenhauses in Frankfurt a. M. mit angehört habe, wie etti anderer jüdischer Krankenhausinsasse beim Tode des christlichen Dienstmädchens Maria geäußert habe: „Schadet nichts, wieder ein Christenschwein weniger aus der Welt." Er, Windmeier, habe am gleichen Morgen um 9 Uhr wegen dieser Bemerkung Beschwerde bei-den Aerzten Dr. Günzburg und Dr. Ansbach er geführt; diese hätten sich aber gegenseitig angeschaut, gelacht und seien sortgegangen, ohne einzuschreiten. Diese Erzählung i st v 0 n W i n d m e i e r s r e i e r f 11 n b e n. In einer von der Ortsgruppe Frankfurt im März 1921 veranstalteten Versammlung, bei der Windmeier diesen angeblichen Vorfall ebenfalls zum Besten gab, bezeichnet^ der Vorsitzende, Herr Dr. Mainzer, seine Aeußerungen als etne offenbare 11 n Wahrheit und forderte Windmeier auf, den Namen des betreffenden Krankenhausinsassen, der die Aeußernng getan habe, zu nennen oder seine Persönlichkeit kenntlich zu machen. Windmeier antwortete damals: „Das ist mein Geheimnis", redete sich also aus den „großen U n - b e i a nute n" aus. Als er vom Rednerpodinm herunterkam, empfing ihn der zufällig anwesende Krankenhausinspektor A h r e n s. in Gegenwart einer ganzen Reihe uns namentlich bekannter Zeugen mit den Worten: „Herr Windmeier, mich kennen Sie doch! Warum haben Sie mir seinerzeit von der Aeußernng keine Meldung gemacht, wenn sie wirklich gefallen ist", woraus Windmeier erwiderte: „Ihnen habe ich sie auch gemeldet!" Darauf erklärte Ahrens laut und vor Zeugen: „Sie sind der größte Schwindler, Berte u m b c x un b L u m P auf Gottes Erdboden! Ich Erkläre Ihnen das vor allen Z e u g e n! Verklagen Die m i ch, dann werde ich den W a h r h e i t s b e w e i s erbringen!" Windmeier antwortete: „Ich werde Sie verklagen!" Herr A h r e n s wartet noch heute auf die Klage. In seinen! Schlußwort bezeichnet^ der Referent des Abends, Herr Tr. Jsmar Freund (Berlin) die Erzählung Windmeiers als „Lüge von abgrundtiefer Gemeinheit", ohne daß Windmeier wegen dieser in beinahe sämtlichen Frankfurter Zeitungen wörtlich wiedergegebenen Aeußernng gegen den Referenten vorgegangen wäre. Nur den angegriffenen Aerzten ein strafrechtliches Vorgehen zu ermöglichen, bittet die Ortsgruppe Frankfurt, in allen Fällen, in denen Windmeier deren Namen in beleidigender -Form nennt, um sofortige Mitteilung unter genauer Angabe der in Frage kommenden Aeußernng und Benennung von Zeugen. Landtagsaögeovdneter Iwan Katz. In der Presse findet dieser Lan'dtagsabgeordnete vielfach unrühmliche Erwähnung/ und es wird behauptet, er sei Ostjude. Diese Angabe ist unzutreffend. Katz ist jüdischer Herkunft, von Geburt an, wie schon sein Vater, in Deutschland ansässig gewesen, aber längst-aus d e m I 11 dentu m ct u s ge t r e t e n. Lein persönliches Auftroten in der Oesseutlichkeit, insbesondere sein Benehmen gegenüber dem greisen Abgeordneten' Herold, entspricht durchaus nicht dem, was das Judentum an Ehrfurcht gegenüber den: Alter verlangt. Nufere Stellung ihm gegenüber soll hierdurch gekennzeichnet werden. Das Hakenkreuz als Nennfarbe. Wir berichteten jüngst, daß ein Herr Erich V 0 n g e h r die Dreß seines Jockeis vorn und hinten mit je einen! Hakenkreuz schmückte, und daß wir uns mit der Frage