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Central-Verein-Zeitung · 1922-06-15 · 7 (15.6.1922) · p. Seite 86

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1 (1922)
Issue
7 (15.6.1922)
Date
1922-06-15
Page
Seite 86 (sequence 2)
Language
German
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86 wir, wenngleich mit einiger Verspätung, in der Lage, ihn hier wiedcrzugeben. Hanns Heinz Ewers schreibt: „Die Osternummer Ihres Blattes brachte an erster, leitender Stelle einen Aufsatz des Professors Dr. Martin Spahn: Wiedergeburt. So sehr ich mit dem Grundgedanken dieses Aufsatzes sympathisiere, so sehr ich die heiße Sehnsucht des Verfassers nach einer deutschen Wiedergeburt teile, seinen starken, ehrlichen Glauben an eine Auferstehung unseres elend darniederliegenden Volkes und seine glühende Hoffnung auf ein neues Ostern für unser armes Land — ebenso sehr muß ich feine falsche Argumentation verirrteilen. Professor Dr. Spahn erwähnt zwar nicht einmal das Wort „Juden" — dennoch läßt er feinen Zweifel darüber aufkommen, daß seiner Ansicht nach die Inden und die jüdische Einstellung unser Volk zugrunde gerichtet hätten. Er führt drei jüdische Namen auf: Heine, Börne, N a t h e n a u, und ihnen gegenüber drei christlich deutsche: Eichendorff, Go er res, Bismarck. Und er argumentiert: die guten Namen Eichendorss und G o e r r e s sind im Gedächtnis unseres Volkes von den schlechten, Heine und Börne, verdrängt worden; R a t h e n a u steht im Begriff, den Glanz Bismarcks uns zu verdunkeln. Solche Ungeheuerlichkeit darf in der Vaterstadt Heines nicht unwidersprochen bleiben. Professor Dr. Spahn behauptet, daß wir Jahrzehntelang Eichendorsss kaum geachtet hätten; ruhmredig sei uns Heine als der begabteste Lyriker deutscher Zunge gepriesen , worden. Eichendorfs sei gegen Paris gezogen; Heine nach Paris. Heine habe sein Leben lang die Heimat verspottet und „westirischem" Wesen das Wort geredet; E i ch e n d o r f f habe nichts von alledem getan. Das wäre Grund genug gewesen, Eichend o r f f herabzusetzen und Heine hochzuloben. Dos alles, denke ich, stimmt nicht ganz. Wo jemals ^st Eichend o r f f herabgesetzt worden? Von S ch u b e r t und S ch u mann bis zu Psitzner ist kein Dichter — nicht nur Deutschlands, sondern der ganzen Welt» — jemals so viel vertont und gesungen worden wie Eichendorss. Nicht ein Komponist ist an ihm vorübergegangen; manches seiner Lieder ist Hunderte von Malen in Musik gesetzt worden. Es gibt keinen Deutschen, der nicht E i ch e n - dorffs Lieder immer wieder singen hörte oder selbst sänge.' Und gerade umgekehrt: welcher - deutsche Dichter ist mehr angegriffen worden als Heinrich Heine?? Nicht nur, von mehr oder weniger antisemitischer Seite, sondern gerade auch von jüdischer Seite — ich erinnere nur an die neuesten, überaus scharfen Angriffe des Wiener Karl Kraus. Heine „hochgelebt"? Wir in Düsseldorf, seiner Vaterstadt, die ihm bis heute ein P l ä tz ch e n Erde für ein Denkmal verweigert, wissen es anders! Gewiß hat Heine manchmal manches verspottet, was ihm in Deutschland nicht gefiel; war er doch ein Spötter sein Leben lang. Aber hat er nicht England, Amerika, Italien, Frankreich genau so mit seinem Spotte übergossen? Dennoch liebte er seine Heimat, liebte Deutschland mit einer glühenden Liebe, und hat auch diesem Empfinden oft genug in der ergreifendsten Weise Ausdruck gegeben. Nein, Herr Professor, wir wollen Eichendorss lieben, aber darum Heinrich Heine nicht weniger! Und nun G o e r r e s und Born e.- Ebenso wie E i ch e n d o r s f und Heine noch heute leben, ebenso sind diese beiden aus dem Gedächtnis des Volkes verschwunden; haben nur in den Literaturgeschichten den ihnen gebührenden Platz. Es ist einfach nicht wahr, daß Goerres Name eben durch Börne verdunkelt und aus dein Gedächtnis verwischt wurde. Gerade Heine war es, der G o e r r e s vaterländisches Tun als Herausgeber des„R h e i n i sche n M c r f it r" aufs höchste anerkannte; freilich -als Goerres später in München sich so völlig umwandelte, war es wieder Heine, der ihm den treffenden Hieb versetzte: „Goerres, d i e H y ä n e!" Und B ö r n e kämpfte nur recht leise gegen Goerres, aber mit dem äußersten Haß und steigender Erbitterung gegen H eine! Dieser aber, H e i n e, war es, der Börne literarisch totschlug! Wenn heute — außer in Literaturgeschichten — beide, Goerres wie Börne, uns gelegentlich noch interessieren, so tun sie es doch nur, weil sich ein Großer, H e i n r i ch Heine, mit ihnen beschäftigte! Das dritte Paar: Otto Bismarck und Walter R a t h e n a u! P r o fe s s o r D r. Spa h n meint: „Wie lange mag es nun noch dauern, bis sich das deutsche Volk auch an die Stelle des Namens Bismarck einen anderen schieben läßt?" — Einen anderen — nämlich: N a t h e n a u! Befürchtet Professor D r. Spahn das wirklich? Und glaubt er im Ernste,, daß es auch nur einen einzigen Deutschen gäbe, der solche Furcht teilen würde? So wenig wie Heine den Glanz Eichen dorffs verdunkelt hat, so wenig wird N a t.h e n a u Bi s-ma r ck 8 Ruhm ans dem Gedächtnis des Volkes wischen! Wenn aber — zum Heile Deutschlands — fein Stern neben dem Bismarcks so hell aufleuchten sollte wie der H eines neben dem Eichendorsss, nun, dann wollen wir Deutsche uns herzlich darüber freuen! Denn dann wären wir ja der nationalen Wiedergeburt viel, viel näher, als wir alle glaubten — dann dürfte die große Hoffnung Professor Spahns, wie unser aller, bald in Erfüllung gehen! Gerade in diesen traurigen Tagen sollten wir Deutsche uns hüten, irgendeinen unserer Großen gegen den anderen anszuspielen, ihn auf Kosten des anderen herabzusetzen. Es ist auch ein christlicher Ostergedanke, wenn er auch aus heidnischem Munde kam, aus dem der Antigone des Sophokles: „Nicht mitzuhassen — mitzulieben bin ich da!" Gberschlegen und die deutschen Juden. EineU nt e r r e d u n g mit dem Abgeordneten Herrn Pfarrer U l i tz k a. (Bericht unseres nach Oberschlesien entsandten Mitarbeiters.) R a t i b o r , den 10. Juni 1922. Die Alteudorser Pfar' rkir ch e an der Peripherie des jetzt von Polen dicht nmsäumten schönen Oderstädtchens ziert ein Gärtchen, das in einer Zeit, in der die Sonnenstrahlen senkrecht ans die Erde fallen, den erschöpften Besucher doppelt wohltuend als kleines paradiesisches Idyll begrüßt. Abgeordneter Pfarrer N l i tz k a, weit über die Grenzen Oberschlesiens als einflußreicher Politiker und geschickter Unterhändler bekannt, der von seinen Gegnern als der „ungekrönte König Oberschl-esiens" bezeichnet wird, und dessen Name mit dem Begriff der oberschlcstschen Autonomie in letzter Zeit fast identisch geworden ist, dieser irische, tatkräftige und kluge Pfarrer Ulitzka hatte die Liebenswürdigkeit, mich in dem Garten feines Amtsbereiches zu einem Plauderstündchen zu empfangen. Ohne Umschweife sagte ich ihm, weshalb ich gekommen wäre. Dev C e n t r a l - V e r e i n d e n t s ch e r Staatsbürger jüdischen Glaube n s, dessen Mitarbeiter ich sei, habe mich gebeten, nach Oberschlesien zu fahren, um dort an Ort und Stelle lebendige Eindrücke darüber zu sammeln, wie es um' die Zukunft der deutschen Juden in dem deutschbleibenden Teil dieser Provinz bestellt fei. Hier und da wäre in Briefen unserer Mitglieder an die Zentrale zum Ausdruck gekommen, daß nach dem Abzug der i n t e r a l l i i e r - t e n K o m nt ission mit der dann wieder einsetzenden lebhaften Vereins- und Versammtungstätigkeit die j u d e n fe i nd l i ch e B e - weg nn g von ihren Führern auch nach Oberschlesien hiueingetragen werden würde und dadurch das bisherige gute Verhältnis zwischen christlichen und jüdischen Mitbürgern zum Schaden einer weiteren gesunden Entwicklung des deutschbleibenden Gebietsteiles erheblich getrübt werden könnte. Ich wäre Hochwürden sehr dankbar, wenn er, dessen rechtlicher und vorurteilsloser Sinn von allen oberschlesischen Inden ohne Unterschied der Partei geschätzt würde, sein maßgebendes Urteil der deutschen Judenheit nicht vorenthalten würde. Pfarrer Ulitzka antwortete dom Sinne nach — ich habe mir schriftliche Aufzeichnungen nicht gemacht — etwafol g e n des: Ich kann diese Befürchtungen keineswegs teilen u n d i ch h a l> e a u ch in der Richtung dieser Bes it r ch - t n ngen bisher noch nichts bemerk t. Von ausschlaggebender Bedeutung sind gegenwärtig in Oberschlesien in erster M die Mitglieder des €. v.l Sehr vielen unserer Mitglieder ist es noch unbekannt, daß unsere „C. B.-Zeitung" nur durch das Postzeituugsamt zugestellt und nicht, wie es bisher mit der Zeitschrift „Im deutschen."Reich" der Fall war, unter Kreuzband zum Versand gebracht wird. Die erstgenannte Znstellunasart ist bei einer viermal im Monat erscheinenden Zeitung allein des erheblich niedrigeren Portos wegen die einzig gebotene. Leider sind nun im ersten Monat aus allen Teilen Deutschlands Klagen über die Versendung eingelaufen, die in den meisten Fällen begründet waren. Für die umgehende Abhilfe dev Fehler ist alles geschehen, wie auch künftighin jeder Beschwerde peiulichst nachaeaangen werden wird. Doch wir bitten auch unsere Mitglieder herzlich,'im eigenen Interesse zur Heilung dieser Kinderkrankheiten beizutragen. Allen Mitgliedern, Freunden, Förderern und Mitarbeitern in Berlin wie im ganzen Reiche empfehlen wir, falls sie die Zustellung der Zeitung zu bemängeln haben, sich zun ä ch st an das zuständige P o st a> m t z n wende n. Aus. Grund eines von uns gelieferten Mitgliederverzeichnisses ist jede Postanstalt in der Lage anzugeben, ob dieser oder jener Beschwerdeführer als Empfänger der „C. B.-Zeitung" geführt wird oder nicht. Erst dann, wenn sich der Name in der Liste nicht finden sollte, :ft dies auf einen Fehler der Berliner Zentralkartothek zurückzuführen, aus den wir aufmerksam gemacht werden müssen. Die Zustellung der Zeitung und Berichtigung der Listen erfolgt in solchen- Fällen sofort durch uns. Dagegen können kleinere Mängel, unpünktliche oder doppelte Lieferung usiv., bei dellr zuständigen Briefträger angemeldet werden. Die Expedition der „E. V.-Aeitung".

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