Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1 (1922)
- Issue
- 7 (15.6.1922)
- Date
- 1922-06-15
- Page
- Seite 85 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Einzelnummer 1 M. Serlin, 15* Juni 1922 I. Jahrgang ❖ Nr. 7 Blätter sürfteutscktum unt-luoentuMl Postscheckkonto: 3S472 .vryan ües timtrat-Vereins üeutirker^ StaatsvüryerrüöiscKen VlrmvenÄÄ) . ■■■IHM III umiIBiiiiiiiiiiIBHIIMIIIBll Bill Allgemeine Zeitung des Oudenlums verlas «nü Schriftleitung: öerlin SMH8, LinSenstraße 13 ■> Fernsprecher: ftmt Moritzplatz 11595, 19318, 7877 Die Zeitschrift ist nur durch die zuständige Po ft an st alt zum Preise von vierteljährlich M. 7,50 zu beziehen Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen-Expedition Rudolf Mosse, Berlin SW 19, und deren Filialen. Anzeigenpreis: M. 12,— für die 6gespciltenß Zeile nach Rudolf Mostes Normalzeilenmesser Nr. 4, Familienauzeigen und Stellengesuche M. 6,—, die 90 mm breite Reklamezeile M. 60,— ■■■MHMMBHBHHSSBnaRi Ein Mahnwort an Me! Der Allgemeine RabKinerverband in Deutschland hält es für seine Pflicht, sich mit einer ernsten Mahnung an die deutschen Juden zu wenden. Das Bedürfnis der Erfrischung und Ausspannung führt viele unserer Glaubensgenossen, zumal in den Sommermonaten, hierher und dorthin. In der Art der Erholung tut sich genau wie bei der Arbeit da« Wesen des Menschen kund. Bei der einen wie bei der andern wird er von seinen Mitmenschen gesehen, an der Ltätte der Erholung noch mehr als an der Ztätte seiner Arbeit. Das Arteil über ihn, über den Juden und di« Jüdin, ist dann rasch gefällt und wird zum Arteil über das Judentum, Auf a 11 en feinen Wegen sollte sich jeder von uns dessen bewußt bleiben, daß die Würde dev Juden» tums ihm, seinem Dun und Lassen, feinem sprechen und Treiben anvertraut ist. Wir rühmen uns unserer Geschichte; Geschichte ist Adel, ist Vollkommenheit. Wahre Vornehmheit zeigt sich in der Zchlicht» heit, in der Würde des Lebens. Legt alle überall und stets Zeugnis davon ab, wie der wahre Jude, die wahre Jüdin ist. Der Vorstand des Allgemeinen Rabbinerverbandes in Deutschland. Hanns Heinz Ewers gegen Martin Spahn. Heine — Hörne — Rathenau Etwas spät, doch immer noch früh genug, erfahren wir von einer interessanten Polemik, die sich Zwischen dem bekannten deutschnationalen Politiker Professor D r. M attin S p ah n und dem Nomanschriststeller Dr. HannsH e i;i z E w e r s in Düsseldorf entwickelte. Dort hatte in der Osternummer der „Düsseldorfer Nachrichten" Professor Spahn unter dem Titel „W i e d e r g e b u r r" einen Artikel veröffentlicht, in kern er, an das neue Oratorium. Hans Psitzners „Von deutscher Seele" — dem bekanntlich Eichendorffsche Verse Zugrullde liegen — anknüpfend, seinem schmerzlichen Bedauern darüber Ausdruck gibt, daß dieser große schlesische Lyriker schon seit Jahrzehnten nur wenig geschätzt und der Jugend als Dichter zweiten Ranges dargestellt werde, während man Heinrich Heine mit um so lauterer Bewunderung bedenke. Denselben Heinrich Heine, der keineswegs in jugendlicher Begeisterung gegen Paris ausgezogen, sondern nach Paris gegang-en sei und seine deutsche Heimat iminer wieder verhöhnt und verspottet habe. Professor Spahn kommt im Verlaufe dieses Gedankenganges sodann auf Joses Go er res zu sprechen, den Publizisten, dessen begeistertes Wort viel Zum Sturze Napoleons -beigetragen hätte und den man mm ebenfalls.totschwiege, während sein Widersacher Ludwig Börne immer noch ungerechtfertigten Ruhm g-enieße. Diese Parallele wird dann in recht überraschender Weise fortgesetzt, indem Professor Spahn von Bismarcks Werk erklärt, daß es in Trümmer gelegt werden konnte, weil sich seine Fundamente im staatlichen Bewußtsein und im Gefühlsleben der Nation als Zu schwach erwi-efen und er fragt: „W i e lange mag es noch dauern, bis sich das deutsche Volk auch an S t e l l e d e s Name n s B i s m a r ck e r n e n a n d e r e n schieben läßt? H e i n e, Börne, Rathenau — alle drei sind Symptome. Nicht jedoch um ihrer Herkunft willen werden sie hier vor anderen genannt, sondern weil uns keine anderen Namen so deutlich wie diese die Bestrebungen vergegenwärtigen, westlerischon (Herr Spcchn meint Wohl „westlichen?" D. Red.) Geist in unser Volkstum einzuführen und es mit Hilfe westlerischer Ideen um fein Selbst zu betrügen.^ Obwohl in diesen Ausführungen das Wort Jude kein einziges Mal vorkommt, ist ihre antisemitische Tendenz doch so offenkundig, daß unsere Ortsgruppe in Düsseldorf nur eine selbstverständliche Pflicht erfüllte, wenn sie gegen den Dfteiwtiiifd Professor Spahns Stellung nahm und den „Düsseldorfer Nachrichten" eine Entgegnung zugehen ließ, die, wenngleich mit einigen Kürzungen, auch zum Abdruck gelangte. In dieser Entgegnung wird mit Recht darauf hingewiesen, daß Eichendorsfs Bedeutung als dichterischer Berklürer seiner schlesischen Heimat gewiß nicht -darunter leide, wenn man auch den Dichter der „Loreley" und der „Wallfahrt nach Kevelaar" als großen Poeten gelten laßt. Heines Lieder seien von nicht weniger deutschen Musikern vertont worden, als die Eichendorsfs, und auch die Liebe Heines zu seiner deutschen Heimat ist unbeZweiselbar, mag er immerhin gegen das damalige Deutschland der Reaktion gewettert haben. Daß er anno 1814 nicht mit den Verbündeten gegen Paris zog, darf ihm wohl kaum verübelt werden: er war damalserst 1 5 Iah re al t. Von Goerres hebt die Entgegnung richtig hervor, daß er, der Bewunderer der französischen Revolution, dem amtlichen Preußen nicht minder als Revolutionär galt, als Börne, dem selbst sein ärgster Feind, Heine, die Anerkennung, zollt, daß er Patriot vom'Wirbel bis zur Zehe war. Auch verließ Börne fein deutsches Vaterland nicht freiwillig, sondern erst, als man ihm, weil er Jude war, sein kleines Amt in Frankfurt genommen hatte. Was endlich die Gegenüberstellung Bismarcks und Rathen.a.us angehe, die sich Herr Spahn leistet, so nennt unsere Entgegnung Spahns Besorgtheit, das deutsche Volk könne sich statt Bismarck Rathenau als neuen Heros ausschwatzen lassen, mit R e ch t u n b e g r e i f l i ch. Daß aber der Artikel Professor Spahns auch bei nichtjüdischen Lesern Verwunderung und Widerspruch weckte, zeigt am besten eine andere Entgegnung, die der bekannte Schriftsteller D r. HannS Heinz Ewers verfaßte und den „Düsseldorfer Nachrichten" einfattdte. Die Redaktion dieses Blattes aber lehnte es merk- ' würdi-gerweise ab, den Artikel Ewers zu veröffentlichen und so sind