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Central-Verein-Zeitung · 1922-06-08 · 6 (8.6.1922) · p. Seite 74

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1 (1922)
Issue
6 (8.6.1922)
Date
1922-06-08
Page
Seite 74 (sequence 2)
Language
German
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74 so fortgesetzt das Feuer-schürt, wird sich nicht wimoeru, wenn die Aufgehetzten schließlich zu entscheidenden Schritten drängen und nach der Judenverfolgung im wahren Sinne des Wortes schreien. Früher sind Herr Maurenbrecher und seine Freunde solchen Schlußfolgerungen wohlweislich ausgewichen. Sie haben stets versucht, es bei den Anschuldigungen bewenden zu lassen; mochten die Leser sich selbst ihre Gedanken über das machen, was hier tückisch vorbereitet wurde. Nachgerade aber genügte das nicht mehr. Man mußte deutlicher werden: Diesmal zieht denn auch Herr M a u r e n b r e ch e r mit einer Ehrlichkeit, die wir herzlich begrüßen, die K o n s e q u e n z e n seiner Ausführungen. Er sagt wörtlich: „Selten hat die Rassekraft des Judentumssichsodeutlichundzugleichfoverhänguisvoll gezeigt, gerade bei einem Manne, der früher als Kantianer die unbedingte Wahrhaftigkeit in den Mittelpunkt seiner Sittenlehre gestellt hatte. Darum ist der „Fall EiZuer" nicht damit erledigt, daß mau ihn als einen Halbverrückten darstellt, der aus persönlicher Krankhaftigkeit plötzlich unzurechnungsfähig geworden sei. Vielmehr muß das Urteil bis auf die Wurzel gehen: e § i ft c t n @ r b trieb j ü d i sch er Rasse, d er i n dieser S ch andt a t z u m A u s b r n ch k a m! Es ist der Gipfel aller jüdischen Schuld am deutschen Volke, der in dieser Tat geschah, j Darum gibt es auch keine andere Sühne für diesen Frevel, als daß das ganze Judentum für diese aus seinem echtesten Schoß herausgeborene Schandtat zur Verantwortung gezogen werde. Hat jüdischer Haß und jüdische Rachsucht uns zürn Zusammenbruch getrieben und dann noch den Feinden das Messer zu unserer Abschlachtung geliefert, so wird bei Wiedererwachen der deutschen Kraft das g a n z e I u beut u m gemeinsa m für diese Verschuld u n g hast b a r ge m a ch t werde n m ü s f e n. D i e Aushebung der staatsbürgerlichen Gemeinschaft zwischen De u tschen it n d I u den u it b d i e E n t f e r n u n g d es ho ch Verräter i s ch e n Volkes a u s unserer Mitte: das wird die einzige Sühne sein, die die jüdische Schuld wirklich zu sühnen vermag." Jetzt wissen wir es. Entrechtung der Juden ist d a s Z i e l. A e n d e r u n g d e r V e r f a s s u n g, V e r - t r e i b u n g der I u d e n a u s D e u t s ch l a n d — das ist es, was Herr Maurenbrecher wünscht. Hält man sonst in öffentlichen Versammlungen ihm und seinen Freunden diese ihre Endziele vor, so pflegen sie sie in der Regel zu leugnen, weil sie wissen, daß d a s d e u t s ch e V o! k d e n u d o ch z u viel gesunden S i n n b e s i tz t, u m s o l ch e F o r d e - j r u n g en n i ch t m i t E u t r ü st u n g v onsichz u w eise n.! Jetzt gibt man endlich das Le ug uett a u f und j wird deutlicher. W ir lvissen e s ge n au : In den 1 Vereinigungen des „Herold", die meist geheim in einzelnen ) Städten tagen, w i r d das Gift gesät, das zu z Pogromen führen soll. Wir kennen die Weisen,? w i r kennen den Text und w i r kennen auch die Hemmungen, die heute Herrn Maurenbrechers Gesinnungsgenossen bisher vor strafbaren Handlungen noch bewahrt haben. Doch die ganze Welt soll es wissen: Nicht nur Kurt Eisner hat gefälscht, sondern i n w e i t verwerflicherer Weise fälscht Herr Maurenbr echer, indem er uns Juden vor der ganzen Welt besudelt und v e r l e u m d e t! In jede m anderen K u l t u r l a n d e der Welt — Polen und Horthy-Ungarn etwa ausgenommen — würde ein Schriftsteller und ein Blatt, das solche Dinge zu schreiben wagt, von der einhelligen Entrüstung der O e f f e n t l i ch k e i t h i n w e g g e s e g t werden. Eisner hat dem deutschen Volke unendlich geschadet. Er ist tot und inag sich vor dem ewigen Richter verantworten. Herr Maurenbrecher aber lebt, hetzt, wühlt und schadet täglich. Wann werden ihn seine Freunde endlich darüber ausklären, daß das Judentum seine Angriffe zwar überstehen j wird, daß aber das gesamte deutsche Volk just zu solch schlimmer Zeit, wie die jetzt durchlebte, in seinem Ansehen aufs schwerste leiden und im Urteil der Kulturwelt sinken muß, wenn Kreaturen von der Niedrigkeit eines Maurenbrecher die deutschen Juden mit Beschimpfungen, Lügen und Verdächtigungen' gemeinster Art verunglimpfen dürfen. Ein Hrief Zritz Engels. Herr Redakteur Fritz Engel sendet uns folgendes Schreiben: Sehr geehrte Herren! Sie hatten die Güte, mich auch Ihrerseits auf Angriffe hinzuweisen, die sich gegen eine Wendung in dem von mir im „Berliner Tageblatt" vom 15. Mai veröffentlichten Aufsatz richten. In einem Referat über mehrere dichterische Werke habe ich dort die Tatsache sestgestellt, daß der alte Gegensatz zwischen „Vater und Sohn", der schon in der griechischen Mythe seinew Ausdruck findet, in unserer jüngsten Literatur wieder besonders polemisch betont wird. Als beinahe einziges Gegenbeispiel zog ich das eben in Oberammergau gesehene Passionsspiel heran, „wo einmal umgekehrt der Sohn seine Seele in des Vaters Hände befiehlt". Dieser Hinweis und das Zitat werden mir nun als „Kränkung des christlichen Gefühls" ausgelegt. Von wem? Von Herrn Maurenbrecher, dem Wotanspriester, der in seiner „Deutschen Zeitung" der gleichgesinnten Presse die Fahne vorantrügt. Erlauben Sie mir, mich sachlich ganz kurz zu erklären. Mehrere Male war ich in der letzten Zeit beruflich verpflichtet und als deutscher Schriftsteller berechtigt, über künstlerische Behandlungen des Jesusthemas zu sprechen. Erst wurde in Hannover das fromme Nachlaßwerk Strindbergs „Christus" aufgeführt, dann reiste ich nach Oberammergau zur „Passion" und schrieb da wie dort, wie mir selbst die verlogenste Bosheit nicht abstreiten kann, mit Achtung und Anerkennung, ja, mit Begeisterung. Ich schrieb, wie mir ums Herz war im Anblick eines hohen Menschheitsdramas und seiner eigenartig reizvollen Wiedergabe. Ich weiß auch, daß ich in sehr Vielen den Wunsch geweckt habe, Oberammergau zu besuchen. Höchstens ein Glaubensgenosse, der in Lessings ironischem Sinne „nichts als Jude" istz könnte mir aus dieser Haltung einen Vorwurf machen. So war ich in den jüngst vergangenen Wochen literarisch und innerlich von den Bildern und Worten, die ich gesehen und gehört hatte, dergestalt erfüllt, daß mir von selbst die Nückerinnerung die Feder lenkte, als ich das Vater-Sohn- Thema behandelte. Ein feierlicher Sah, der im Oberammergauer Theater vor Lausenden, zum Teil recht profanen Zuschauern gesprochen wird, ohne daß man ihn entheiligt fände, wurde von mir lviedergegeben. Auch die geringste Andeutung fehlte, daß er mir irgendwie mißbehagt. Ich weiß auch nicht, woher mir ein Widerspruch dagegen hätte kommen sollen. Ich habe, was täglich unzählige Male vorkommt, die Bibel zitiert, in würdigster Form, was nicht täglich geschieht. Und nun schreien sie laut und heimlich jubeln sie. Die knarrige Parteimaschine braucht Oel — vielleicht geht es mit Ersatzöl. Stoffnot! Gedankennot! Aus so irdischen Mängeln züchten sie dann Seelennot. Sie entdecken in sich „gekränktes Gefühl", sie, die durch ihre besondere Art von Feinfühligkeit Deutschland in der ganzen Welt verhaßt gemacht haben. Ihr sehr ergebener F r i tz E n g e l. $ Wir haben diesen Worten Fritz Engels, die sich mit unseren Anschauungen vollkommen decken, kaum etwas hinzuzufügen.' Keinem unbefangenen Leser wäre jene Zeile im Theaterbericht des „Berliner Tageblatts" irgendwie ausgefallen, keinen gläubigen Christen hätte die Anwendung jenes allbekannten Bibelzitats verletzen können. Nur im Lager derjenigen, die sich tagtäglich gegen die Christengebote der Duldsamkeit und Nächstenliebe vergehen, wird sooft ein Jude — und sei es, wie hier, in der würdigsten, behutsamsten Weise — an christlichen Dingen rührt, die Gelegenheit gern wahrgenommen, um unter dem Vorwand beleidigten Neligionsempsindens den p o li tt sch en Gegner zu treffen. Ein wirklicher Angriff auf die christliche 'Religion würde von uns auf das entschieden st e verurteilt werden. . or ■"i,ii^iOTiiir»MVTnwOTBT,,^’mifwm . ■im. rmmm Die Geschichte unseres letzten Krieges wider Frankreich hat bereits bewiesen, dass die Juden des Staats, der sie in seinen Schoss aufgenommen, durch treue Anhänglichkeit sich hervortun. Die jungen Männer jüdischen Glaubens sind die Waffengefährten ihrer christlichen Mitbürger gewesen, und wir haben unter ihnen Beispiele des wahren Heldenmuts und der rühmlichsten Verachtung der Kriegsgefahren aufzuweisen, so wie die übrigen jüdischen Einwohner, namentlich auch die Frauen, in Aufopferung jeder Art den Christen sich anschlossen. Friedrich Karl August von Hardenberg am 21. Januar 1815.

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