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Central-Verein-Zeitung · 1922-06-08 · 6 (8.6.1922) · p. Seite 73

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1 (1922)
Issue
6 (8.6.1922)
Date
1922-06-08
Page
Seite 73 (sequence 1)
Language
German
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Einzelnummer 1 M. Serlin, $. ^uni 1tz22 I. Jahrgang ❖ Nr. 6 Kötter färitaiifchbim mrvIluvenwM Postscheckkonto: 3D472 vrym» des fenirol-Vmins ösutscder StMLsvürtzerjMWisnKmrVsns'Ä». 2\ll^emeine Zeitung des Oudenmms Verlag und Schriftleitung: Serlin SWHS, Linöenftraße 13 » Fernsprecher: finit Moritzplatz 11S-5, 1HZ1S, 7877 Die Zeitschrift i ft nur durch die zuständige Po st an st alt zum Preise von vierteljährlich M. 7,50 zu beziehen Alleinige Anzeigenannahme: Amwncen-Expedition Rudolf Mosse, Berlin SW 19, und deren Filialen. Anzeigenpreis: M 12,— für die 6gespaltene Zeile nach Rudolf Blosses 9lormalzeilenmesser Nr. 4, FamUienanzeigen und SkeUengeüiche M. 6,—, die 90 mm breite Rektamezeile M. 60,— Möifthe Zälfthung und antisemitifthe IäWung. Eisner ein Stümper. — Maurenbrecher ein Meister. Von L u ö w r g In der „Deutschen Zeitung" vom 1. Juni 1922 behandelt der bekannte Mar Maurenbrecher unter der Ueberschrift „Die jüdische Fälschung" Kurt Eisners Tat. Er erwähnt den bekannten Prozeß Fechenbach, in welchem erwiesen wurde, daß Eisner durch Veröffentlichung zurechtaestntzter, .infolgedessen falscher Urkunden dem deutschen Volke in der Kriegsschuldsrage unendlichen Schaden zugesügt hat. Kurt Eisner hatte bereits Jahrzehnte vor seinem Tode das Judentum verlassen und jüdischen Dingen nie die geringste Zuneigung gewidmet; er war vielmehr immer bestrebt, die Erinnerung an das angeborene Judentum zu verdrängen. Bekannt wird noch fein, daß er mit Hohn und Spott die von jüdischer Seite an ihn gerichtete Aufforderlrng zurückwies, sich von der Politik zurückzuhalten, um der jüdischen Gemeinschaft nicht zu schaden. Er war ein Fanatiker seiner Ideen, ein Mann, dem bei ehrlichem Wollen leider jede politische Einsicht fehlte, und der den realen Forderungen der Wirklichkeit verständnislos gegenüberstand. Wäre er aus jüdischreligiösem Boden gestanden, so wären seine Lebensauffassung und sein Tun nicht möglich gewesen, wie immer man sich auch zu einzelneu seiner Gedanken stellen mag. Herr Maurenbrecher zeichnet Eisner übrigens weit günstiger, als es im allgemeinen von dessen jüdischen Zeitgenosse»r geschah und noch geschieht. Man lese die Charakteristik, die Maurenbrecher von Eisner gibt: „Er war kein Jude vom Schlag der Noscnseld oder Levh, kein kaltblütiger Menschenverächter, der die Massen lediglich aufputschte, rnn sich damit an die Herrschaft zu bringen. Er hatte früher auch nicht zu denen gehört, die blindwütig auf der äußersten Linken des Marxismus standen, wie Rosa Luxemburg oder Kautsky. Vielmehr ist er 1905 bei dem berühmten „Borwärts-Skandel" von Bebel ans der Schriftleitung des „Vorwärts" beseitigt worden, weil er ihm zu „revisionistisch", zu „ethisch-ästhetisch", zu „kantianisch" und zu wenig marxistisch war. Er hat auch niemals zu jenen Schlemmern und Prassern gehört, die bei -einem Glase Wein und in Lebemann-Umgebung sich über die Arbeiter lustig machen und dann in die Volksversammlung -gehen, um die blutrünstigsten Reden zu halten. Er hat sich früher mit seiner großen Familie in kümmerlicher Armut redlich durchgeschlagen. Er war Schüler des jüdischen Philosophen Hermann Cohen in Marburg, der einzige meines Wissens aus dieser weitverbreiteten Philosophenschule, der in die Politik gegangen ist. Er hat immer den kategorischen Imperativ und die Kraft des sittlichen Willens gegenüber den Marxisten betont, die nur Von der Macht der Verhältnisse sprachen. Er hat, euch wenn er mit seinen Partei- Holländer. genossen darüber in mannigfachen Streit geraten ist. Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit zur Grundlage auch seiner persönlichen L e b e n s f ü h r u n g ge m acht. Wie kann ein solcher Mensch in solcher Stellung und in solcher Stunde eine solche Fälschung begehen? Gerade weil es nicht ein gewähnlicher Fälscher und Klopffechter war, wie das Parteileben sie immer wieder hervorbringt, gerade darum ist diese Frage besonders bedeutsam. Was bricht in Wahrheit aus dieser Fälschung eigentlich heraus? Mit einem Wort gesagt: Der w i l d e, u n b e z ä h in bare, b i s zur Raserei verblendete Haß der jüdischen Nasse gegen das K a i s e r t u m der H o h e n z o l l -e r n , gegen das deut s che Heer u nd g egen die G r o ß - •m a cf] t ft c t f u n g des D euts ch cn N eiches ' Solange ich Eisner persönlich und politisch gekannt habe, ist mir dieser Haß, der seinem sonstigen Wesen so wenig entsprach, als das hervorstechendste Merkmal seiner politischen Eigenart erschienen." Eisner wird hier über Gebühr gepriesen — mit am Ende in ihm das Judentum zu schmähen. Auch wenn man nach den vielerlei Wandlungen des Herrn Maurenbrecher dessen politischen Scharfsinn nur sehr gering einschätzt, wird man sich fragen müssen, wie ein Mensch mit fünf normalen Sinnen zu der Behauptung gelangt, die jüdische Rasse sei von einem wilden, unbezähmbaren, bis zur Raserei verblendeten Haß gegen das Kaisertum der Hohenzollern, gegen das deutsche Heer und gegen die Großmachtstelluug des Deutschen Reiches erfüllt gewesen. M a u r e u b r e ch e r fälscht hier in der niedrigsten Weise. Weiß er denn nicht, daß auch heute noch Juden, die kulturell und gesellschaftlich an hervorragender Stelle stehen, ü b e r z e u g t e M o n a r ch i st e n sind? Weiß er nicht, daß die Mehrzahl der deutschen Juden vor der Revolution alles andere als Radikalsten waren? Ist ihm nicht bekannt, daß am politischen und wirtschaftlichen Aufbau des neuen Deutschen Reiches Juden an weithin sichtbarem Posten und in ersprießlicher Weise Mitarbeiten? Maurenbrecher steht viel zu lange im öffentlichen Leben, um das alles nicht zu wissen. Doch er braucht den Hast, um die Kreise, die der „Deutschen Zeitung" nahestehen, politisch zu befriedigen. Die Zeitung wäre langweilig, die politische Beweisführung wäre lahm, wenn Herr Maurenbrecher darauf verzichten wollte, durch immer neue ungeheuerliche Verdächtigungen viele taufenb deutscher Juden zum ständigen Ziel fanatisch geifernden Hasses zu machen. Wer

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