Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1922-06-01 · 5 (1.6.1922) · p. Seite 68

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1 (1922)
Issue
5 (1.6.1922)
Date
1922-06-01
Page
Seite 68 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2277379-2277380-2277385--00074-2279168
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

68 Macht in ihren Händen vereinte, sondern es cmd) verstand, die Positive Wissenschaft in ihren Dienst zu stellen, verlieh ihr jene kulturelle Ueberlegenheit, die es ihr ermöglichte, die politischen Institutionen nach ihren Bedürfnissen nmzngestalten. Die politischen Fortschritte sind also nur eine Folge der wirtschaftlichen. An einzelnen Stellen macht Saint-Simon sogar den Versuch, die M e t a P h y s i k der achtzehnten Jahrhunderts in Zusanunenhang zu bringen mit den Inte r e ssen de r em P o r st r eb e n d e n - i n d u st r i e l l e n (b ü r g e r l i ch e n) Klasse, also die ideellen E r s ch e i n u n g e n als Spiegelungen, als N e f l e x w i r k!l n g e n, als U e b e r b a u der Wirt s ch a s t l i ch e n Tat s a ch e n u n d Wandlungen h i n - z u st e l l e n. Wir Hab en hier L n 0 vo den ganzen marxistischen h i st 0 r i s ch e n M a t e r i a l i s m u s. Dieser enthält in seiner catSgcxetften Fassung aber noch eine Anzahl'anderer Jngredenzien. Ludwig Feuer buch hatte in seinem „Wesen des Christentums" (1841) den Satz aufgestellt: „Nicht Gott hat den Menschen nach seinem Ebenbilde geschaffen, sondern der Mensch schafft Gott nach seinem Ebenbilde." Diese Umkehrung des biblischen Wortes klingt wie ein frivoler Witz, und wäre Feuerbach ein Jude gewesen, so wäre der Satz ein untrüglicher Beweis für die Frivolität und Pietätlosigkeit der Juden geworden. Indessen enthält er ein Körnchen Wahrheit: die Gottesvorstellung jedes einzelnen Menschen entspricht seinen intellektuellen und moralischen Fähigkeiten. Goethe sagt: „Wie der Mensch, so ist sein Gott, darum ward Gott so oft zum Spott." Die religiöse Höherenkwicklung des Menschengeschlechts beruht darauf, daß das einzelne überragende religiöse Genie seine Goltesvorstellung ganzen Völkern aus Jahrtausende hinaus nuszwingt. Aber Feuerbach irrte, wenn er glaubte, mit diesem Witz die Religion totgeschlagen zu haben. Damit nämlich der Mensch imstande sei, Gott nach seinem EbenLilde zu schaffen, überhaupt etwas rein Geistiges, Ideelles, Abstraktes zu konzipieren, mutz Gott ihn zuerst nach seine m Ebenbilde geschaffen haben. Immerhin drückt dieser Satz aus, daß eine Idee, und zwar eine der obersten Ideen, ja das ganze Jdeensystem der^ Religion eine Hinausprojizierung des menschlichen Bewußtseins ins Ewige ist, oder, in Marrens Sprache, eine Nestexwirkung, des menschlichen Wesens. Was istchber das Wesen des Menschen? Hier gewann Marx feinen Standpunkt in der Auseinandersetzung mit der Hegel scheu Rechtsphilosophie. Von Hegel lernte er, daß der Mensch sein Wesen erst in der Gesellschaft voll entfalte, der Emzelmensch dasMaterial sei, aus -dem die Geschichte die Menschheit forme. Was aber ist es, das die Einzelmenschen aneinander kittet und aus ihnen die menschliche Gesellschaft bildet? Darauf antwortet Marx: Die Arbeit. Das ist der Tiegel, in denen die Menschen zu Völkern, die Völker zur Menschheit umgeschmolzen werden. Die Arbeit hat zum Zweck, die Güter des Lebens zu produzieren. Die produktive Arbeit ist demnach die Grundlage der Gesellschaft, in der erst das Wesen des Menschen voll zur Geltung kommt. Fü r Marx i st es also nicht der Einzel men sch, der die Idee Gott und die ganze Ideenwelt nach seinem Ebenbilde schafft, sondern der soziale, der schaffende u n d a r be i t e n de Mensch. Es ist nicht zu verkennen, daß diese Auffassung ungleich höher steht als die Feuerbachs. Drei Grundgedanken, die von Saint-Simon, Hegel, Feuerbach herrühren, sind also in der Konzeption von Marx verschmolzen, der ihnen durch den Begriff der sozialen Arbeit die formal logische Synthese gab nnb so eine philosophisch durchgebildete Methode der Geschichtsbetrachtung schuf. An der Liefen Fälschung, die vernichtend in die geschichtsempfindliche Schicht der Völker eingreift, haben also neben dem „Juden" Marx mindestens drei N1 chtj u d e n mitgearbeitet. Von Engels ganz zu schweigen, denn dieser war ja sicherlich durch den Juden Marx „verseucht", der übrigens tatsächlich der überlegene Geist war. Gegen die von der positivistischen Philosophie August Eomtes "in Anlehnung an Saint-Simon durchgesührte Anwendung der naturer/mee THüglküet, tjaht if)t eure Beikäge fdjm ge$afj(t? wissenschaftlichen Methode auf die Geschichte hat H e r m a n n Cohen protestiert: dadurch werde die Geschichte in die Natur „nivelliert". Zu erwähnen ist noch folgendes: Alle Verteidiger des Privateigentums gegen den Sozialismus — und hier stehen die Nationalen und Konservativen in der vordersten Reihe — versichern, wer das Privateigentum antaste, zerstöre die Grundlagen aller höheren Kultur, als da sind: Familie, Sitte, Religion, Idealismus, er vernichte also die heiligsten Güter der Menschheit. Die heiligsten Güter der Menschheit werden von etwas so grob Materialem wie der Besitz eines Stück Bodens oder eines Bankkontos in eine so Liese Abhängigkeit gebracht, daß, wer letzteres aushebt. Zugleich jene, die heiligsten Güter nämlich, vernichtet. Hier haben wir ein Stück des a l l e r g r ö b st e n hist 0 rrschen M a t e r i a l i s m u s, aber diesmal ist es offenbar nicht ein „torruptiver, jüdischer Gedankengang" . . . Eines aber ist besonders bemerkenswert: Seit mehr als hundert Jahren haben wir eine jüdische Geschichtsforschung im modernen Sinne des Wortes. Alle Epochen der jüdischen Geschichte werden durchforscht und zum Teil in groß angelegten Werken dargestellt. Aber die Wirtschaftsgeschichte wurde bis vor kurzem nirgends berücksichtigt, sehr zum Schaden der historischen Entwicklung. I m m e r war es die Entwicklung des rein Geistigen, der KamPs der Ideen, der unsere Forscher interessierte. Nur hier und da in der Geschichte des Mittelalters, wo es in vielen Fällen kraß auf der Hand lag, daß z. B. die Judenpolitit der Fürsten von habgierigen Motiven geleitet wurde, haben vereinzelte Forscher daraus hingewiesen. Als Abraham Geiger, fast um dieselbe Zeit, da Karl Marx seinen historischen Materialismus endgültig formulierte, den Kamps zwischen Pharisäern nnd Snduzüern als einen rlcuicLzt>h.vtz:r f'Jzirijzn-cMZcL' > Ujz&LLcUnihzKzi- , Leinen, Wäsche, Ausstattungen von der einfachsten Art bis zur vornehmsten Prunkausführung Waschstoffe jeder Art ZtTLl für Kleider, Blusen, Röcke, Morgenröcke,Kinderkleider, Schürzen usw. Bitte Probesendung Nr. 7S mit Angabe des Zweckes zu verlangen t Gryßtlt$ Die Preisliste Nr. 72K (mit zahlreichen Abbildungen) wird auf Wunsch zugesandt g/ür uncLfo&schQ Israelitisches Erziehungsheim. Eisenach S ch 0 s; beLg 10 - Fex ns 0 re ch et 10o6 für schwnchbegabte und Kn >bcn und Jünglinge. JrrdlvwrmlttNterricht, Gariei'ban, Hautwerk. Ko:nf§rlcwles Heim. 14 OVO qm Park und Wald. « will e »an,ei ge«) feiler, ge? tttSje ) „ab*. - z°L»p-->» «. 6,-. d m* Ijj., OJ. m. C^ncj^. 1810 ILwiJhvwyvw .-tV (K|tviv/ jjj., (J. wv. 4(?J. W

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.