Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1 (1922)
- Issue
- 5 (1.6.1922)
- Date
- 1922-06-01
- Page
- Seite 65 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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G5 ♦ ♦♦ Neue Ehrenmitglieder der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums. Die Hochschule für die Wissenschaft des Judentums hat aus Anlaß ihrer jüngsteir Feier folgende PKr-sön.lichkeiiten zu Ehrenmitgliedern ernannt: Den berühmten Kliniker Professor Dr. August v. Wassermann, der seit dem Tode Professor Dr. Leopold Landaus das Präsidium der Akademie für die Wissenschaft des Judentums i.nmhat, den großen hebräischen Dichter Eh. N. B i a l i k, Dr. Liebermann von der Universität Berlin-, Oberrabbiner Dr. Jmanuel Löw in Szegedin, einen der ältesten Schüler der Hochschule, bekannt durch seine zahlreichen loissenschastlichen Arbeiten, insbesondere aus dem Gebiete biblischer und talmndischer Botanik. Außerdem wurden noch zu Ehrenmitgliedern ernannt: Frau B r ü n n (Berlin) und Fabrikbesitzer G a r d a t y - R o s e n t h a l, die der Hochschule große Mittel zur Verfügung gestellt haben. Heranbildung jüdischer Landwirte. Der B e r e i n z u r Verbreitung der Bodenkultur u n t e r d e n I u b c n Deutschlands hat auf dem von der hiesigen jüdischen Gemeinde zn Beerdigungszwecken erworbenen Gelände in Buckow (bei Britz) ein Le h r g u t e r r ichtet, um jüdische junge Leute, die sich der Landwirtschaft berufsmäßig widmen wollen, fachmännisch ansbilden Zu lassen. Der Vorstand des Bodenkulturvereins ist überzeugt, daß diese seine Bestrebungen mittelbar auch den Zielen des Eentral- Vereins zugute kommen und bittet dessen Mitglieder und Freunde um Interesse und Förderung. Der Bodenkulturverein unterhält bereits in Halbe (Mark) eine Lehrfarm und hat sich auch anderweitig bereits mit Erfolg betätigt. Nähere Auskünfte erteilt Herr Ritter-- gntsbesitzer Brandt, Berlin, Bleibtrenstraße 40. Schwedische Hilfe fin die ukrainischen Juden. Aus Göteborg in Schweden erhielten wir folgende Inschrift: „In Nr. 2 der „C. B. - Zeitung" las ich eine kurze Notiz über das Elend unserer Glaubensgenossen in der (Ukraine) Krim, betitelt: „Der Hunger unter den Juden in der Krim". Ich habe die Notiz mehreren unserer Glaubensgenossen zugehen lassen mit dem Resultat, daß augenblicklich eine Sammlung" stattfindet, über deren ich. Erfolg ich freilich noch keine Auskunft, geben kann." Eine antisemitische „Gedenkfeier". An: Sonntag, den 21. Mai, fand zu Ehren der gefall-enen aberschlestfckM Kampfer eine Feier in Berlin statt, an der studentische Korporationen, Jugendbünde und völkische Bereinigungen teilnahmen. Zunächst gruppierten sich die Teilnehmer zu. einem Festzuge, der sich durch Vorantragen schwarzweitzroter Fahnen und anderer, d i e e i n Hakenkreuz enthielten, durch die Hardenbergsiraße und Berliner Straße bewegte. Im Anschluß hieran fand im Restaurant Tiergartenhof eine Feier statt, bei der a n t i s e m i t i f ch e Lieder gefangen sowie Schmähschriften schlimmster Art verteilt wurden, während im Garben die Hakenkreuzfahne gehißt war. Merken diese „Deutschvölkischen" denn gar nicht, wie sehr sie das Andenken gefallener Helden besudeln, wenn sie eine Gedächtnisfeier zu hetzerischen Zwecken ausnützen? Ein Rabbiner als erfolgreicher Dramatiker. Im Berliner Neuen Volkstheater wurde das Drama „A n n a Boley n" des Bonner Rabbiners Dr. Emil Cohn mit Erfolg aufgeführt. Die Kritiker der -großen Berliner Blätter — auch derjenige der „Deutschen Zeitung" — äußern sich übereinstimmend sehr günstig über das Stück. Dr. Cohn, der früher ' in Berlin und Kiel amtierte, hat auch schon bisher Bühnenerfolge erzielt. So wurde sein Drama „Der Brief des Urias" in: Leipziger Stadttheater mit--gutem Erfolge aufg-eführt. Die Freizügigkeit der Inden in Polen. Der Posener Wojwode hat eine Verfügung betreffend des Ausenthaltsrechtes der Juden in Pommerellen und Polen erlassen, in der bekanntgegeben wird, daß das Verbot des Bromberger Magistrats, in Bromberg dauernden Aufenthalt zu nehmen, aufgehoben wird, da ein solches Verbot der polnischen Konstitution vom März 1921 widerspricht. Die Konstitution hat allen polnischen Bürgern ohne Unterschied des Glaubens die freie Wahl des Wohnortes gelassen. Jeder polnische Bürger kann demnach in sämtlichen Provinzen der Republik Polen Aufenthalt nehmen. Lord Robert Ceciit über die Juden. Auf einer am Montag, dem 15. Mai, abgehaltenen Versammlung des Londoner Komitees der jüdischen Rabbiner hielt Lord Robert Cecil eine längere Ansprache, welche die Lage der Juden in manchen Ländern Mittel¬ und Osteuropas zum Gegenstand hatte. Er betonte, eine der Ursachen, die am meisten zu dem -unsicheren- Zustand in diesen Ländern beitragen, sei die Unterdrückung der religiösen und R a s s e ni i n d e r h e i t e n, sowie die gegen sie angewandten falschen Regiernngsmethoden. Er habe häufig gehört, daß die Juden mit allerlei revolutionären Bewegungen in Zusammenhang gebracht werden. Wenn dies -auf Wahrheit beruhen würde, so wäre es dadurch zu erklären, daß die Inden durch die Verfolgungen seitens der -anderen Völker zn dieser Haltung, getrieben werden. Es war eines der erfreulichsten Resultate der Pariser Friedenskonfrenz, daß die Unterzeichnung einiger Verträge zugleich die Gleichberechtigung für die Minderheiten garantierten. Der Völkerbund hat eine Grundbedingung ausgestellt, nach der kein Land Mitglied des Völkerbundes sein kann, welches keine a n s r e i ch ende n Garantie n f ü r den S ch u tz der auf seinem T e r r i t o r i u m w o h n enden Nt i n verheil e n bietet. Die Beschlagnahme der Synagogenschatze in Rußland. Während der Requisition von Synagogenschmuck für die Hungernden in der Synagoge zu Minsk kan: es zu einem blutigen Zus a mm c n ft o ß z w i s ch e n bet >e n d e n I u d e n u n d j ü d i s ch e n K o rn m u n i st e n. Wie von dort berichtet wird, waren jüdische Kommunisten während des Gebetes in die Synagoge eingedrungen, nu: zu requirieren. Einige der betenden Inden sollen den Kommunisten Widerstand geleistet haben, wodurch es zu dem Zusammenstoß kam. Nach den bisherigen Berichtenwurde einer der betenden Inden getötet, vier der eingedrungenen Konnnnnisten wurden schwer verletzt. — In der Stadt Skmbirsk hat 'die Sowjetbehörbe gegen drei Mitglieder der dortigen Synagoge die Anklage erhoben, sie hätten wertvolle Gegenstände ans der Synagoge entfernt und verborgen, um. ihre Beschlagnahlne zu verhindern. Ter Prozeß findet in aller Oessentlichkeit statt. Das Inserat mit dem Hakenkreuz. Glaubwürdige!: Nachrichten zufolge hat ein oberfchlesisches Blatt ein Inserat des deutschvölkischen Schutz- und Trutzbundes, das mit dem Hake n k r e n z versehen war, abgelehnt, es dann allerdings ohne dieses abgedruckt. Eine Nachfrage ergab, daß die Ablehnung damit begründet wurde, daß die oberschlesischen Redakteure übereingekommen seien, kein c P a rtei o d e r Religio n s g e m e i u } dj et f >t v o r den Kops zu stoßen, die deutsch denk e. Ein erfreuliches Zeichen — wenn es sich bewahrheitet —, daß in Oberschl-esien wenigstens die Erkenntnis dämmert, ein wie wertvolles Glied die oberschlesische Judenheit in der Kette deutscher Arbeit ist. Das Verbrechen des Samuel Reiß. Samuel Reiß war seit vierzehn Jahren Lokomotivführer bei den ungarischen Staatsbahnen. Am 31. März wurde er von der Direktion, ohne je eine Disziplinarstrafe erhalten zu haben, i n d e n N u h e st a n d v e r s e tz t. Warum, ist ans folgendem ersichtlich: Samuel Reiß war zur Zeit des Oktober- Königsputsches in Raab stationiert, wo der Stationschef die Leitung des das Königspaar nach Budapest führenden Zuges Reiß anvertraute. Reiß führte den Zug bis Biatorbägy, von wo das Königs- Paar die Fahrt wegen der Befürchtung, daß die Schienen des weiteren Weges aufgerissen werden könnten, auf der Lokomotive fortsetzte. Als der König die Lokomotive bestieg, fragte er den Lokomotivführer, ob er nicht vor dem Gewehrseuer Angst habe. Reiß erwiderte ruhig: „Majestät, ich werde den Eid, den ich Eurer Majestät geleistet habe, auch um den Preis meines Lebens erfüllen." Samuel Reiß hielt Wort: er verharrte während der ganzen Zeit mitten im Feuer an der Seite des Königs und bediente pflichtgemäß seine Lokomotive. Das war das Verbrechen, dessentwegen Reiß pensioniert werden mußte. Es ist wohl überflüssig, besonders zn erwähnen, daß Samuel Reiß Jude ist. Abfuhr eines Schutz- und Trutzredners. Aus Gilgenbürg wird uns geschrieben: Am 30. v. M. fand hier eine össtntliche Versammlung der Deutschvölkischen statt. Redner des Abends war Major v. B o r r i s , Gauwart der Ortsgruppe des Schutz- und Trnhbundes Osterode (Ostpreußen). Trotzdem er die ärgsten Schauermärchen über die Juden anstischte, fand er keinen Glauben und keinen Beifall. Die vielen- Einwendungen und Entgegnungen, die er weckte, brachten! ihn ganz ans der Fassung. Als Diskussionsredner standen ihm außerdem drei Herren entgegen, die ihn haarscharf widerlegten, so daß sich Borris vollständig bezwungen sah und in seinem Schlußwort notgedrungen ausries: „Lasset uns doch alle einig sein, einig, einig!" Die drei Gegenredner waren: Parteisekretär S t r e i ch e r t der Deutschen dem:okratischen Partei Tilsit, Kantor Schloß (Gilgenburg) und ein Vertreter der Arbeiterpartei Osterode. Der Tod Dr. Streichers. Am 1. April fand in Tiflis das Begräbnis des hervorragenden Vertreters des kaukasischen Judentums, Dr. Streicher, statt. Mehr als Zehntausend Menschen erwiesen dem Verstorbenen die letzte Ehre. Neue Maltechrnk eines jüdischen Künstlers. Auf der Durchreise nach Amerika weilt hier gegenwärtig der junge Odessaer Maler Elyahu Jak nbo w i z, der in Künstlerkreisen schon von früher her wegen seiner neuen Maltechnik bekannt ist. Jatubowiz verwendet für seine Genrebilder und Porträts Naturblumen statt Farben. Die Blumen werden von ihn: mit großer Virtuosität geschuttten und in das Gemälde eingefügt. So entsteht eine or-ginelle Farbenwirkung. Ein Bild von Ch. N. Bialik hat der Künstler nach dieser Methode hergestellt, das große Porträtahnli-chkeit hat. Mehrere seiner Bilder wurden Jakubowiz beim Ueberschrciten der Grenze von den bolschewistischen Behörden unter der Begründung des Verbotes der Ausfuhr von Kunstwerken abgenommen. Die soZialhygrernscherr Maßnahmen der Stadt Berlin und der Orden Bnie-Brlss. Die Stadt hat Zur Förderung der Gesundheitspflege die Anlage neuer Sport- und Spielplätze für jung und alt ins Auge gefaßt. Mit Rücksicht auf die mangelnden Mittel wird versucht, die Kosten aus privaten Kreisen aufzubringen. Der Oberbürgermeister hat sich nunmehr auch an den Groß-Prüsidenten des deutschen Distriktes des Ordens Bne-Briss mit der Bitte um Unterstützung, des Planes gewandt. Die Zentralstelle der Berliner Logen hat darauf den Brüdern des Ordens die t a t k r ä f t i g st e U n t e r st ü tz n n g dieses sozialen Werkes in einer dringenden Aufforderung warm empfohlen. Deutsch-österreichischer ALpenverein. Wir bitten in Grosi-Berlin wohnende jüdische Mitglieder dieses Vereins um Angabe ihrer Adresse.