Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1 (1922)
- Issue
- 5 (1.6.1922)
- Date
- 1922-06-01
- Page
- Seite 64 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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64 oder des Scholastikers Scotus. Im Originale hat er die Stelle nie nachgesehen, sie nie verglichen, nie den Zusammenhang zu Rate gezogen, nie den Wortlaut zu verstehen gesucht. Blindlings legt er der Stelle seine eigene Meinung oder die „autorisierte Version" der genannten Gesellschaft unter und bietet sie kühn dem englischen Publikum, das darüber sofort nicht weniger außer sich gerät, als er selbst . . . Alles ist verblüffend und grotesk, wenn man es aus seinem Zusammenhänge reißt und ohne Rücksicht auf das Ganze betrachtet. Die Vollkommenheit der Teile liegt in ihrer zweckmäßigen Unterordnung unter die Gesamtheit, und oft haben sie gar keine Bedeutung, außer in ihrer Wechselbeziehung. Wie könnt ihr sagen, eine Sache sei schlecht oder gut, wenn ihr ihre Bestimmung nicht kennt? Die Protestanten fassen unsere Angaben ganz getrennt von den Gelegenheiten, wobei, und den Zwecken, wozu sie gemacht wurden, und fragen dann die Welt, was ihr Sinn oder Gebrauch sein könne. Das ist klar für jeden, dessen Sinn nicht ganz durch ihre Privatvorurteile gefesselt ist, und der sich nur die Mühe geben will, katholische Lehren zu betrachten, nicht wie sie mit den Wurzeln ausgerissen und das Unterste zu oberst gekehrt erscheinen, sondern wie sie in unseren eigenen Gärten zu finden sind." — Soweit Newman. Ich wüßte nicht, was sich heute besseres gegen den politischen Mißbrauch von Talmudzitaten sagen ließe! — Und wenn es wirklich irgendein Wort in den Tausenden von Talmudseiten gäbe, das dem verzärtelten Ohr des modernen Menschen allzu hart klingt, was beweist das? Parlamentarisch sind die Ausdrücke auch nicht gewesen, mit denen ein Luther, ein Arndt, oder ein Kleist ihre Gegner und Bedrücker bedacht haben! — Wer Worte des Haders und Hasses aus dem Schutt versunkener Jahrhunderte für Parteizwecke hervorsucht, schändet den Frieden der Toten. Eine Politik, die sich dazu herbeiläßt, kann man nur als Leichenfledderei des Geistes bezeichnen. Berichtigung«. Im -ersten Aufsatz von Professor Goldstein ist aus Seite 52, 1. Spalte, 4. Abschnitt von oben ein entstellender Irrtum unterlausen. Es muß in dem betreffenden Satz heißen: „Die Autorität ihrer Namen ist nicht leiäst zu nehmen. Diese Autorität darfjedoch nicht davon abhalten. ihre Urteile auch sachlich zu prüfen. Nun sind zwar durchaus nicht alle ihre Urteile einfach als antisemitisch im heutigen Sinne anzusprechen." tut S. tz Jrrdenhatz in Reinkultur betreibt wieder einmal das offizielle Organ des Deutschnationalen Handlungsgehilfenverbandes, die „Deutsche H a n d e l s w a ch t", in ihrer letzten Ausgabe vom 17. Mai. Da wir allwöchentlich mehrere Briefe von Mitgliedern des Central-Vereins erhalten, in denen diese um Material bitten, aus dem hervorgeht, daß der Deutschnationale Handlungsgehilfenverband ein Stoßtrupp des Judenhasses ist, während die Lei Juden beschäftigten D. H. V.-AngestellLen mit der ehrlichsten Miene behaupten, ihr Verband sei streng neutral, werden wir fortan an dieser Stelle ein Laternchen anzünden und dem D. H. V. ein wenig ins Herz leuchten. Die „Deutsche Handelswacht" also charakterisiert aus Seite 236 der oben genannten Nummer die Stellung der Angestellten zu den Juden folgendermaßen: „Die Angestellten sind zumeist weniger radikal antisemitisch als die Arbeiter. Sie stehen, da sie vielfach Gelegenheit haben, mit Juden geschäftlich zu verkehren, diesen meist mit ruhiger Reserve gegenüber. Ohne antisemitisch zu sein, suchen sie nicht gerade jüdischen Verkehr. Da sie wissen, daß die Juden kalt rechnende Menschen zu sein Pflegen und innerlich jedem sozialen Empfinden f e r n st e h e n (!) . . Folgt eine Polemik gegen die linksradikalen jüdischen Führer, die uns nichts angeht. Wir stellen fest, daß hier das Leiborgan der deutschnationalen Handlungsgehilfen ganz allgemein die Juden und damit auch die jüdischen Arbeitgeber als jeden sozial Empfindens bar bezeichnet. D i e jüdischen Prinzipale, die bisher unserem K a m p s gegen eine der bedeutendsten Brutstätten des Judenhasses, den D. H. V., zum Teil recht interesselos gegen üb er ge standen haben, werden hoffentlich künftighin energischer als bisher dafür sorgen, daß die Hakenkreuzler nicht mehr Gelegenheit er halte n, bei einem herzlosen Juden in „Frondienst" zu treten. Warum sollte auch diesen Jünglingen das Paradies des allein sozial empfindenden christlichen Arbeitgebers verschlossen bleiben? Jüdische Arbeitgeber! Befreit die im D. H. V. organisierten Angestellten von diesen Qualen. Girr alntrsemitisches Bankhaus. Der Vorsteher der Hirschberger Filiale der Breslauer Banksirma Eichborn u. C o., ein Herr Beckert, hatte die Angestellten der Filiale angewiesen, offen im Geschäft antisemitische Tendenzen zu zeigen. So wurde auf seine Veranlassung von einzelnen Beamten ßüher Hakenkreuze getragen. Auch hat er den Angestellten gegt, sie behandelten die jüdische Kundschaft zu zuvorkommend. Ihm liege an der jüdischen Kundschaft gar nichts. Auf das Verhalten des Bankvorstehers hin hatte der Vorstand unserer Hirschberger Ortsgruppe eine Eingabe an das Stammhaus der Firma nach Breslau gerichtet und um Auskunft darüber gebeten, ob sie das Verhalten ihres Vorstehers billige, oder ob sie ^Gegenmaßnahmen treffen wollte. In dem Antwortschreiben der Firma an den Vorstand wurde diesem mitgeteilt, daß für die Firma keine Veranlassung vorliege, näher darauf einzugehen, und daßsiesich nicht fürverpslichtethalte, dem Cent ral-Vereinirgen dw e l ch e A u f k l ä r u n g e n z u g e b e n. D ie j ü d i s ch e K u n d - fchaft des Bankhauses Eichborn u. Co. wird die ent - sprechenden Konsequenzen Ziehen müssen. „Deutscher Herold". Die aus der „Deutschen Zeitung" bekannte Leservereinigung „Deutscher Herold" beabsichtigt ihre Ausgaben zu erweitern. Nach zwei von Reinhold Wulle bzw. vom Hauptvorstand des „Deutschen Herold" Unterzeichneten Flugblättern soll diese Erweiterung sich auf folgende Punkte beziehen: 1. Schaffung eines christlich-völkischen Pressevereins Zwecks Brechung der Macht der jüdischen Presse. Der Erfolg wird begründet durch das Ergebnis einer in Ungarn stattgefundenen Sammlung von über 50 Millionen Kronen für denselben; Zweck. Beabsichtigt ist die Schaffung einer großen Berliner Zendie völkische Presse des ganzen Landes angegliedert werden soll, fo daß auch die kleinen Blätter konkurrenzfähig bleiben. 2. Der durch die Presse gewonnene Einfluß soll politisch ausgeuutzt werden. Ausgesprochen ist ganz positiv die Eroberung der politischen Parteien, soweit sie nicht irgendeiner Internationale dienen. Der „Herold" will ein neues Geschlecht heranbilden, das politisch zu denken und zu handeln imstande ist und Männer schasst, die eine Führerrolle übernehmen können. 3. Der „Deutsche Herold" will den R asse g ed ank e n den breiten Schichten unseres Volkes wieder nahebringen und den Gedanken der Rassereinheit neu erwecken. Er glaubt dieses Ziel durch die Aufnahme engerer Beziehungen zu den völkischen Freunden in den übrigen germanischen Ländern zu erreichen. Durch Verwirklichung dieser Aufgaben wird der „Deutsche Herold" seiner Ansicht nach die größte politische Macht im deutschen Völker werden und weiter hinaus auch Einfluß in den übrigen germanischen! Ländern gewinnen. Die vorher erwähnte Berliner Zentrale will! der „Deutsche Herold" in ähnlicher Weise wie Moste, Ullstein und^ andere jüdische Häuser im „Deutschen Wullehaüs" vereinigen. Wenn man die antisemitische Tendenz der „Deutschen Zeitung"; und des „Deutschen Herold" mit seinen Bestrebungen vergleicht, dann: muß es für unsere Mitglieder und für unsere Leser ein Ansporn? sein, keine Gelegenheit vorübergehen zu lassen, das Aufklärungsmaterial, das wir in der „C. V.-Zeitung" und in unseren sonstigen Schriften bringen, aus das gewissenhafteste zu verwerten. Den Antisemiten stehen bekanntlich ungeheure Kapitalien zur Verfügung.' Die Mahnung an unsere Glaubensgenossen darf daher nicht ungehört verhallen. Die opferbereite Landwirtschaft. In neuer Zeit setzt erfreulicherweise der Kampf unserer Ortsgruppen auch gegen den Judenhaß auf dem Lande lebhafter und umfangreicher ein. So wird" von Breslau aus in dieser Richtung geradezu vorbildliche Arbeit geleistet. Wie es ja überhaupt stets die vornehmste Ausgabe der? städtischen leistungsfähigeren Ortsgruppen sein wird, den auf dem Lande wohnenden, dem konzentrischen Druck des Judenhasses ausgesetzten Glaubensgenossen beizuspringen. Wir wissen, daß der' Radauantisemitismus schlimmster Sorte seine Hilfsquellen auf dem' Lande hat. Und wir brauchen es wahrhaftig nicht zu bedauern, wenn? gelegentlich die Opferwilligkeit antisemitischer Bauern von deutschvölkischen Gaunern mißbraucht wird. So lesen wir in den „Pressenachrichten der Zentralstelle zur Bekämpfung der Schwindelfirmen" vom 1. Mai 1922, die in Lübeck erscheinen, folgende erbauliche Notiz: „Deutschvölkische Arbeitsgemeinschaft. Der Zweck dieses im. November 1621 in Magdeburg gegründeten Unternehmens? besteht angeblich darin, die Bevölkerung, namentlich des^ flachen Landes, im deutschvölkischen Sinne aufzukläven und zu be-'' arbeiten. Die Vorstandsmitglieder, Schlosser Franz K o i t k a. Kaufmann? Eduard Bartling und Handelsmann Walter Blei sehen jedoch? tatsächlich ihre Ausgabe lediglich darin, die auf dem Lande oh ne b e-e h ö r d l i ch e Genehmigung gesammelten Gelder für si ch u n d ihre Fa,m il i-e n z u ve rbr a u ch eit. Es schwebt gegen die Vorstandsmitglieder das Strafverfahren wegen Betruges." q Es soll sich bei diesen Unterschlagungen um Hunderttausend^ hau-? dein. Die Landwirte geben mit vollen Händen für die Aufklärung? im „deutschvölkischen Sinne". Unsere Glaubensgenossen haben leidew für die Gegenausklärung des Central-Vereins oft allzu wenig übrig/ Unsere Ortsgruppen und Vertrauensmänner werden gebeten, alle in ihren Orten bestehenden Jugendorganisationen mit Namen, Tendenz, Art der Arbeit und Adressen dem Jugenddezernat des C. V. anzugeben.