Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1 (1922)
- Issue
- 4 (26.5.1922)
- Date
- 1922-05-26
- Page
- Seite 54 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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der Anstalt .zeugten davon,' daß der Weg zweckmäßig und. das. Ziel, das auch später nie aus den Augen, verloren wurde, richtig war. Männer, wie Moritz Lazarus und Ludwig Philippsohn, Abraham Geiger und Israel Lewh, David Cassel und Hajim. Steinthal, arbeiteten hier gemeinsam ohne störende Betonung der starken Gegensätze, die zwischen manchen von ihnen bestanden, an der Durchforschung und Bereicherung der jüdischen Wissenschaft, in dem Streben, ihren Zuhörern die Quellen des Glaubens zu erschließen und einen großen Teil von ihnen zu begeisterten Lehrern und Führern jüdischer Gemeinden herauzübilden. Denn wenn auch die Pforten der .Hochschule, ähnlich wie die der Universitäten allen Lernbegierigen, die eine gewisse allgemeine Borbildung hatten, auch Frauen und Nichtjuden, In- und Ausländern, ofsenstanden," so bestand doch naturgemäß der überwiegende Teil der Hörerschaft aus Männern, denen die theologische Laufbahn vorschwebte, eine Tatsache, welche in immer stärkeren Maße in die Erscheinung trat und auch auf die Gestaltung der inneren Einrichtungen der Anstalt nicht ohne Einfluß geblieben ist. Die wissenschaftliche Höhe, ans der das Dvzentenkolleginm bis auf der: heutigen Tag steht, die große Zahl einstiger Schüler, die heute als Rabbiner die Saat der Religion, die Begeisterung für deren hohen Ideale in Tausende von Herzen senken, als Gelehrte im Kampfe für den Bestand n-nd die Ehre des Judentums mutig und erfolgreich die Waffen sichren, sichert ihr das warme Interesse aller Kreise der Judenheit, denen das „Erbe der Väter" noch heilig ist. Als Bindeglied zwischen Oft und West, zwischen rechts und links, zwischen Fachmännern und Laien, zwischen Wissenschast und Leben bewährt, hat sie in langer segensreicher und hingebender Arbeit ihr Anrecht ans Fortdauer und Weiterentwicklung bewiesen. Und wenn der Zusammenbruch der deutschen Währung ihren stetigen Kampf um die Befestigung ihrer materiellen Grundlagen verschärst, so-verdient sie — und wir wünschen und hoffen es von Herzen — d a ß es ihr an ve rst äu d n i s volle n u n d o pfe r w i 11 i g cn F untnbe n n i ch t fehle n m ö g e, die ihr auch in Zukunft eine gedeihliche Wirksamkeit ermöglichen zur Ehre Gottes, zur Förderung, der jüdischen Wissenschaft, zum Heile des Judentums, zu Schutz und Schirm seiner Bekeuuerschast. Die offizielle Jubiläumsfeier wurde am 21. Mai vormittags durch einen erhebenden Festakt im großen Hörsaale der Hochschule begangen. Der Saal faßte kaum die von nah und fern herbeigeeilten Freunde und Förderer, ehemaligen und gegenwärtigen Hörer der Anstalt. Auch hohe Behörden und die theologische Fakultät der Universität Berlin hatten Vertreter entsandt. Nachdem Justizrat S e l i gso h n im Namen des Kuratoriums die Gäste begrüßt hatte, hielt Professor El bog en die Festrede, an welche sich Ansprachen von Vertretern der Behörden (Ministerium, Regierung. Stadt) und Körperschaften ln. a. Breslauer Seminar, frühere und jetzige Hörerschaft) und die Proklamieruug von Ehremnitgliedern anschlossen. Blumenschmuck, Musik, Gesang, Chargierte studentischer Vereine in Wichs gaben Lein feierlichen Akte auch äußerlich ein festliches Gepräge. Am Abend vereinigte die Teilnehmer ein feuchtfröhlicher Kommers. Unmittelbar vor angegangen war ihm der Zusammenschluß der früheren Hörer zu einer fest organisierten Bereinigung, an deren Spitze Herr Rabbiner Dr. Blumeuthal trat. 4> ♦♦ Der Haudwcrkcrverbaudstag irr Frankfurt. Unter starker Teilnahme aus ollen Teilen des Reiches hielt der Z e n t r a l v e r - b a n d s e l b st ü n d i g e r j ü d i s ch e r H andwerker Deuts eh - Lands seinen ö. Verbandstag vom 14. bis 16. Mai in Frankfurt am Main ab. Nach warmen Willkonnnensworten des Vorsitzenden der Frankfurter Ortsgruppe, Schneidermeister Weishaupt, erftattele der Verbaudsvorsitzeude Glasermeister M a r c u s, Neukölln, einen kurzen Geschäftsbericht. Nene Ortsgruppen seien seit der letzten Tagung gegründet,' die MitgliedcrzahL wachse ständig, aber noch lange nicht zähle der Verband die etwa 1 ä 0 0 0 j ii d i s ch e n H an d w e r ker De u t s ch l a n d8 alle in seinen Reihen. Hier sei noch eifrige- Arbeit zu leisten. Der Berbandsvorsitzende beklagte sich über die mangelhafte Unterstützung in manchen Gemeinden und auch bei jüdischen Organisationen. Rühmend dagegen müsse er anerkennen, daß der C e n trnl - V e r e i n deutscher S t a a t s - bür g e r jüdis ch e n G l a n b e n s nie versagt habe, wenn es ein Zusammenarbeiten galt. Tapezierermeister Wolf, Berlin, zeichnete in seiner Festrede die Aufgaben und Ziele des Verbandes. Bis zur Einführung der Emanzipation sei bcn Juden die Ausübung eines Handwerks verboten gewesen. Aber bald danach sei der Verein z n r F ö r d e r n n g des H a n d w e r k s und des A ckerbans unter den Juden gegründet worden.. Es war schwer genug, dem Handwerke zwangsweise entwöhnte Geschlechter wieder Zuzuführen, zumal bei den Juden eine ungesunde Überschätzung der geistigen Berufe herrsche. Trotzdem ist der Keim in jahrzehntelanger Arbeit .' langsam ansgegangen. ' He b u n g de s H an d w e x f § d u r ch B c k ä m P f n ii g des V o r n r t e i l s / H e r ä n b si! d n n g e i n e s i n L eilige n t e n H a n d tv e r k e r - st a n d e s : d it x ch' Z u {ü h r u n g g e e i g u e Len L e h r l i n gß - m a t erials , E r r i n g u n g der w i r t s ch a f t l i ch e n it n d g cf c 11schaftlichen Gleich b e r echtig u n g, das erstrebe der Handwerkerverband. Unerbittlicher Kampf gelte allen, die sich Deutsche nennen, und sich nicht schämen, das unwahre Geschwätz von der jüdischen „Unproduktivität" zu verbreiten. Im Mittelpunkt der - Ged c n kfeie r f ü r d i e g e s a l l e n e n H a n d w e r k e r stand die ergreifende Rede des Herrn Rabbiners.Tr. ^alzberger, Frankfurt, früherem Feldrabbiner. In den Tagen der verlorenen deutschen Freiheit, 31t der stunde, wo man an dem Riesengottesacker all der für das Vaterland gefallenen jüdischen Helden stehe, steige die bange Frage ans: Wofür? Sie sind gestorben für eine der höchsten Ideen der Menschheit: Vaterland. Sieehren, heißt nicht, ihnen Gedenktafeln hinstellen, sondern dafür leben, daß diese Aufopferluuzsfähigkeit für ein Ideal im deutschere Judentum erhalten bleibe. Eine endlose Reihe von Vereinen und Korporationen brachte der Tagung ihre guten Wünsche: Die Frankfurter Gemeinde durch die Herren Sommer und K l a n b e r g, Rabbiner Dr. H 0 r 0 w i tz für den R a b b i nerve r b a n d und das Ll r b e i t e r f ü r sorg e a m t, Dr. S a l z - b e r g e r für den Deut s ch - I s r a e l i t i sch c n G e m e i n d e - b n u d , Dr. -Öl c r z b a ch für die G r 0 ß l 0 g e, Direktor Dr. D x t es e n für die Phil a n t h r 0 p e n und zahlreiche andere. Im Namen der H a u b vu e r k s k a m m e r d e. 8 R e g i c r u n g § b c z i r k s W r e 8 b a d e n führte Stadtverordneter B 0 n v e r e t, Frarlkfnrt, ans: Es sei ihm eine besondere Freude, hier ausznsprechen, daß die jüdischen Kollegen stets, was Leistungen und Standesbewnßtsein anbetrifft, immer i h r e n M a n n g e st a n d e n h a b e n. Die Handwerkslanuner habe nnt den jüdischen Meistern und ihrer Mitarbeit für Standesinteressen nur die besten. Erfahrungen gemacht. Gerade in dieser Zeit sei der ZnsanuucnschLrlß des Handwerks notwendiger als l.enkals. Er wisse, daß er sich dabei auf die jüdischen Kollegen verlassen könne.^ Für den Hauptvorstand des C e n t r a l - V e r e i 118fetertc der stellvertretende Tyndikils Tr. Wiener, Berlin, die Handwerker als die beste-n VortümPser gegen den Judenhaß. „Hat man je einen Juden arbeiten oder Handwerken gesehen", schreien die Judengegner dem deutschen Volk in die Ohren. Weit über 10 000 jüdische Arbeiter verdienen sich in den Bergwerken und Hütten des rheinisch-westfälischen Bezirks inr Schweiße des Angesichts ihr Brot. A n 1 5 0 0 0 j ü d t s ch e H a n d iu erke r arbeiten an Ainboß und Backofen, mit Kelle und Pinsel, mit Tapeziernadeln und Glaserdiamanten. Habe man soeben in erhebender Form der Frontsoldaten des Krieges gedacht, so wollen wir mit Stolz unsere jüdischen Handwerker die „F r 0 n L s 0 l d a t e n d e s Friede n s" nennen.- Frau Henriette Fürth, Frankfurt, brachte die Grüße der F r a n k s urterOrt s g r u p p e d e s Cent r a L - V e r e i n s. Die Handwerker seien beneidenswert. Könnten sie doch jede Minute ihres handwei'tLicheu Daseins schweigende, aber eindringlichste Arbeit, gegen den Jttdenhach verrichten, w'ührend der Central-Berein notgedrungen mehr vom trockenen Holze ans Vorgehen müsse. Unter den Referenten, die im Laufe der Verhandlungen zur Sprache kamen, heben wir hervor: W 0 l f, Berlin: Wirtschaftliche Handwerkerfragen; Heine m a n n, Hamburg: Welche Beden tun g h a b en d i e j ü d i sch e n H a n d w e r k e r f ü r das I n d e n - t u m? Gold m a n n, Hannover: L e h r l i n g s f r a g e n it n d Berufsber a t n n g. Ix. Der Vorsttzende des Tisza-Ekziärcr Prozesses gestorde». Die vortrefflich redigierte ungarische jüdische Wochenschrift „Eghenlösög („Gleichheit") berichtet das Ableben des Gerichtspräsidenten von Nyireghhäza, Franz Korn i ß, der vor vierzig- Jahren jenen, heute noch unvergessenen RiLualmordProzeß leitete, in welchern ein irregeführier,- halluzinierender/jüdischer Knabe als Kronzeuge gegen den eigenen Vater anftrat. Nicht zum mindesten war es der streng sachlichen, nur auf die Ersörschung der Wahrheit gerichteten Art zu datiken, in der Franz Kovttrß die Verhandlung leitete, wenn dank dem genialen Plädoyer KM/Evivös' die Gerechtigkeit siegte und die furchtbare Pogromgesähr,- chie danials Ungarns-iJ-udenschaft bedrohte, in letzter Stunde abgewehrt wurde. Achtunddreißig Jahre lang gab es fortan in Ungarn keinen Judenhaß. Bis dieser vor zwei Jahren mit denn lveißen Terror fürchterlicher ansbrach, als es die schlimmsten Pessimisten je befürchten, konnten. Ungezählte jüdische Opfer sind den Mord- und Raribzügen der Horthy-Ofsiziere und der „Erwachenden Ata gyn reu" schon zum Opfer gefallen, und das Blut der weitan.s meisten schreit ungesühnt zum Himmel.' Wo aber dem. Auslände zuliebe versucht wird," eines dev vielen Verbrechen gerichtlicher Sühne znznsühren, dort sitzt auf dem Prästdentensitz stets ein Mann, der mit den RichterLngenden des jetzt verstorbenen Franz Korniß nichts gemein hat. Und auch auf der Verteidigerbank erstand leider noch kein zweiter. Karl Eötvös. ttebernahmc der Jacobsott-Schute in Seesen durch den braunschweigischen Staat. Mit dem 1. April d. I. ist die Jacobson-Schllle an den braunschweigischLn Staat übergegangen. Diese Tatsache fand, kürzlich in einer Schulfeier, die das neue Schuljahr eiuleitete, ihren Ausdruck. Lehrer und Schüler, zahlreiche Acitglieder des StadlparlauienLs und des Rates der Stadt Seesen nebst Herrn Bürgermeister Finke und als Vertreter des Staates Herr Landesschulrat Tr. S t oe l ze-l hatten sich in der Aula der Jacobson- Schule versammelt. Der Regierlttig.sve-rtret'er heg-rützt.e die Bersatrnnlnug liub gedachte mit Taut und Alnerkeunung, der letzten Verwalter der Stiftung, insbesondere''des' Herrn Justizrat Dr. Jacobson.