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Central-Verein-Zeitung · 1922-05-26 · 4 (26.5.1922) · p. Seite 53

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1 (1922)
Issue
4 (26.5.1922)
Date
1922-05-26
Page
Seite 53 (sequence 5)
Language
German
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SS AStut-LV * Cctttv<i)*fe«etn” Abschaffrmg -es Talmuds? Die unter dieser Ueberschrist in Nr. 2 unserer Zeitung erschienene Notiz ist leider durch Fortsall einiger Einleitungssätze, die auf einen dahingehenden Vorschlag des „Hammer" Bezug nahmen, unverständlich geworden. Für die'Mitglieder unseres Vereins braucht nicht erst hervorgehoben zu werden, daß wir nicht „von der talmudischen Ethik abrücken" müssen oder wollen. Zum Ausdruck sollte durch unsere Erwiderung gebracht werden, daß schon rein formale Gründe zwingen, die vom „Hammer" gestellte Zumutung zurückz u w eise n. Aber sachlich und inhaltlich kann für einen Zudem welcher Richtung er immer angehört, kein Zweifel darüber bestehen, daß nach der Dhora der Talmud die erste und vorzüglichste Religionsquelle des Judentums war und bleibt. Niemand ist eifriger, als der Eenträt-Verein in feinen Schriften und seinen Maßnahmen dafür eingetreten, daß der das talmudische Sittengesetz erfüllende Geist auf einer Höhe steht, welche die zeitgenössische Ethik in vielfacher Hinsicht überragt und auch den Vergleich mit der gegenwärtig geltenden nicht zu scheuen braucht. Deutschnationaler Handlnngsgehilfenverband. Der deutnationale Handlungsgeh ilsenverband ist inuner zur Stelle, wenn es sich darum handelt, das Judentum zu verletzen und die Juden verächtlich zu machen. Diese Gesinnung ist gerade in den letzten Wochen ..in den offiziellen Vereinsvorschristen des Verbandes deutlicher denn je zutage getreten. Vielleicht gibt uns die „S ü d w a ch t", das amtliche Organ des deutschuationalen Handlungsgehilfenverbandes in Schwaben, Aufklärung, weshalb wir derlei Beobachtungen gerade in neuerer Zeit machen können. Sie teilt nämlich frohlockend mit, daß der Paragraph, demzufolge Juden nicht in den Verband ausgenommen werden können, durch e i n st i m m i g e n Verbandsbeschluß auch in das neue Statut ausgenommen worden sei, und jfahrt dann fort: „Im allgemeinen kümmern sich jüdische Prinzipale heute nicht mehr viel d a r u tu, o b ihre Mitglieder im D.H.V. sind oder n icht. Ihnen »st vernünftigerweise die Arbeitsleistung die Hauptsache. Derjenige Verbandskollege, der zu einem Juden oder einer vom jüdischen Kapital finanzierten Gesellschaft in Stellung geht, tut das aus dem Boden von Leistung und Gegenleistung (Ei! Ei! Die Red.) und der Handlungsfreiheit in außerbetrieblichen Belangen für beide Teile. Früher war cs bekanntlich anders. Da hatten wir ctnen nicht geringen Teil der jüdischen Arbeitgeber zu ausgesprochenen persönlichen Gegnern." Unsere Aufklärungsarbeit im Central-Verein geht nun in verstärktem Maße dahin, den jüdischen Prinzipale n klar zu machen/w re gefährlich es ist, Nattern an der eigenen B rust zu nähren. Der Hakenkreuzjüngling bleibt ein Hakenkreuzler, auch wenn er das Hakenkreuz während der Geschäftsstunden ablegt. Ein hartnäckiger Kampf. Immer und imrner wieder können wir beobachten, daß in ausgesprochen antisemitischen Blättern Inserate jüdischer- Firmen erscheinen. So haben wir feststellen können, daß ein deutschvölkisches Blättchen in der Umgebung Berlins, das auf der zweiten Seite seinen Lesern 'mit dem Ritualmordmärchen auswartete, auf der vierten Seite ein großes Inserat einer angesehenen jüdischen Berliner Firma brachte. Hs handelte sich hier um einen Irrtum. Das betreffende Blatt sollte das Inserat gar nicht erhalten, hak aber gierig danach geschnappt, als es ihm irrtümlicherweise zugestellt worden war. Sehr bezeichnend für die Anständigkeit der antisemitischen Presse! In einem anderen Falle haben wir eine größere Berliner Firma endlich davon überzeugen können, daß sie Blätter, die offen zu Gewalttätigkeiten gegen die Juden aufsordern, nicht durch ihre Inserate unterstützen dürfe. Es lausen noch einige Jnseratenverträge mit Zeitungen dieser Richtung, die aber nicht erneuert werden sollen. Unsere Aufklärungsarbeit wird weiter sortgeführt werden. Wir leisten sie ja letzten Endes nichllzuletzt auch im Interesse der antisemitischen Presse, die endlich von diesem jüdischen Pfeil in ihrem arischen Fleisch befreit werden soll. Die antisemitische Hochflut in Berlin zeigt sich in ihrer ganzen Gefährlichkeit, wenn man nur ein einziges /Mitteilungsblatt des Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbundes" zur Hand nimmt. Fast täglich finden in irgendeiner Ortsgruppe Berlins deutschvölkische Versammlungen statt, an manchen Abenden sogar mehrere. Neben bekannten Größen wie Wulle, Roth, Bruhn usw. verschreibt man sich neuerdings auch gesinnungstüchtige schriststellernde Militärs, wie den General Wriesberg. Wenn durch Redner dieser Art die deutschvölkischen Radikalen auch nicht ganz aus ihre Kosten kommen, der Zweck der Uebung, neue Anhänger zu gewinnen, wird erreicht. Unsere Gegenausklärung durch eigene Versammlungen, durch Aufklärungsversammlungen zwischen Juden und Christen und durch Diskussionsredner in gegnerischen Versammlungen kann natürlich die Wirkung dieser antisemitischen Hetze in Berlin nur mildern, aber nicht ausheben. Es mutz Ehrensache beherzter Glaubensgenossen sein, überall da, wo sie Gelegenheit haben, den Verleumdungen des Judenhasses in der Oeffenilichkeit sachlich entgegentreten zu können, das von sich aus ohne besondere Aufforderung zu tun. Für einen kurzen Bericht über den Verlauf solcher Versammlungen sind wir dankbar. Arbeiterschaft und Antisemitismus. Aus allen Teilen des Reiches wird uns übereinstimmend' gemeldet, daß die nationalsozialen, deutschsoziälen und. deutschvölkischen Kräfte vereint an btt Arbeit sind, die Arbeiter für ihre Ziele zu gewinnen. Mit Freuden können wir feststellen, daß gerade in neuerer Zeit der Widerstand wachst, der von den Ortsgruppen des Central-Dereins diesem demagogischen Treiben des vereinigten Judenhasses entgegengesetzt wird. So hat der „gewaltige" Herr Roth in einigen Orten eine böse Schlappe erlitten; so mußte Herr Kunze wiederholt wie der Lohgerber abziehen, dem die Felle weggeschwommen sind, und selbst Herr Dinier hat nicht ungestraft zu dem „begeisterten Volke" sprechen können. Nicht immer können wir Gegenredner von der Zentrale aus entsenden, und es wird nach wie vor Ausgabe der Landesverbände bzw. der Ortsgruppen blerben, sich nach geeigneten Kräften, die für die Aussprache in gegnerischen Versammlungen in Betracht kommen, umzusehen. Abwehrmaierial steht in ausreichendem Maße von der Zentrale aus zur Verfügung. Born Sozialismus der dummen Kerls hieß ein Vortrag, den Dr. Paul Nathan kürzlich in Meiningen hielt, und in dem er gründlich und eingehend sämtliche antisemitischen Lügen, Vorwürfe und Fälschungen von der Nassentheorie bis zu den „Weisen von Zion" logisch und sachlich widerlegte. Der Vortrag war auch von Nicht)uden reich besucht und fand lebhaften Beifall. Verein für das Deutschtum im Ausland. Trotzdem dieser Verein jode antisemitische Tendenz ablehnt, hat er unsere direkte Anfrage, ob auch die jüdischen Kinder deutscher Eltern in Böhmen und Polen der Segnungen des Vereins in gleicher Weise wie die christlichen teilhaftig werden, nicht ganz unzweideutig beantwortet. Germaueubank. Die Presse berichtet hin und wieder von der Gründung deutschvölkischer, also antisemitischer Banken. Hierzu gehört die Germanenbank. Unsere Feststellungen haben ergeben, daß diese Gründungen zwar den Antisemitismus betonen, geschäftlich aber keinerlei Bedeutung haben. Westermanns Monatshefte. Von den Leitern dieser Zeitschrift wurde uns zugesichert, daß die künftig erscheinenden Artikel keine antisemitischen Angriffe enthalten werden. Das Märchen von der Vcrjudung der deutschen Presse. Tagtäglich sehen nur, daß das alberne Märchen von der Derjudung der deutschen Presse inuner wieder autaucht. Wir müssen allwöchentlich aus Wunsch unserer Ortsgruppen mehrere Dutzend „Eingesandt" verfassen, die dazu bestimmt sind, Angriffen in Aussätzen der Ortspresse entgegenzukreten. In vielen, ja in den meisten Füllen werden unsere Erwiderungen selbst in den Zeitungen nicht ausgenommen, die sich liberal nennen, weil man es anscheinend mit den deutschvölkischen Kreisen »acht verderben will. Wir sind jetzt dabei, Herrn Fritsch's Schrift, „Jüdischer Zeitungspolhp", eine Statistik entgegen- Zusehen, die allen nicht voreingenommenen Kreisen klar beweisen wird, wie es in Wirklichkeit mit der „Verjudung der Presse auZsietst. Armer Herr Roth! In Landsberg a. W. hat sich das Entsetzliche Augetragen. Ein fremder Herr, der Herrn Roth nie gesehen, brannte'daraus, ihn persönlich kennen zu lernen. Er irrte im Saale umher und fragte an Tischen, wo er Unbekannte zu sehen glaubte, nach Herrn Roth, und so kam der Fremde auch an einen Tisch heran: „Gestatten Sie, habe ich die Ehre, H e r r n Roth vor mir zu sehen?" „Bedauere sehr/ war die Antwort, „mein Name ist Cohn." Und bitter enttäuscht zog der Jüngling von dannen. Herr Roth ist also von einem Arier mit dem Sohn unseres bewährten Vorsitzenden Cohn in Landsberg verwechselt worden. Es lebe die Rassentheorie des Herrn Roth! Jubiläumsfeier -er Hochschule für öie wrffenschaft -es Ju-entums. Am 6. Mai 1872 wurde die „Hochschule für die Wissenschaft des Judentums" in Berlin eröffnet. Die Vollendung ihres hundertsten Semesters in diesem Frühjahr ist ein festliches Ereignis für die ganze jüdische Wissenschaft, in deren Dienst die Anstalt seit einem halben Jahrhundert ihre Kraft gestellt hat. Auch der C.'V. begrüßt dieses Jubiläum mit herzlichen und dankbaren Empfindungen. Gehört doch die jüdische Wissenschaft zu seinem wichtigsten Rüstzeug in dem ständigen harten Kampfe gegen den Judenhaß und dessen gefährliche Auswirkungen, und befindet sich doch unter denen, die dort lehrten und lehren sowie unter den Vielen, die dort ihre Ausbildung erhalten haben, eine Reihe von bedeutenden Männern, die uns in unserer Abwehrarbeit die wertvollsten Dienste geleistet haben und noch leisten. Der uns vorliegende vierzigste Bericht der Anstalt gibt uns eiy knappes Bild von den Aufgaben, der Entwicklung und der gegen-, wärtigen Lage der Hochschule. Wir heben einiges daraus hervor: Es galt, in der Erfüllung vielfach gehegter Wünsche, eine Pflegestütte für freie, unabhängige Forschung auf dem Gebiete der Wissenschaft des Judentums zu schaffen. Mau dachte sich diese Stätte anfangs als eine jüdisch-theologische Fakultät, die organisch einer Universität angegliedert sein sollte. Die Verwirklichung dieses Gedankens jedoch erfolgte in etwas veränderter Form durch die Gründung einer demselben Zwecke geweihten Anstalt, die völlig selbständig und keiner Partei und Richtung dienend, ein Umversitätsinstitut für dieses Fach ersetzen sollte. Die geistigen Väter wie auch schon der erste Lehrkörper

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