Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1 (1922)
- Issue
- 3 (18.5.1922)
- Date
- 1922-05-18
- Page
- Seite 41 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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41 Berlins mit, deren Tendenz sich mit der 'des Centräl-Derems deckt und die in unserer Jugendkommission Mitarbeiten. Wir empfehlen unseren Mitgliedern, ihre Kinder diesen Jugendorganisationen zuzuführen, bemerken jedoch ausdrücklich, daß'wir irgend welchen Einfluß aus die Sonderbestrebungen wie die Tätigkeit dieser Vereine dem Wesen der Jugendbewegung entsprechend nicht -ausüben. Zu jeder weiteren Auskunft hierüber ist das Jugenddezernat des Eentrat-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, SW 68, Lindenstraße 13, gern bereit. Deutschjüdischer Wanderbund „Kameraden", Ortsaruppe Grosz-Berlin. (Näheres durch Aumndus Abraham, SW 47, Möckernsrratze 70.) Jüdischer Jugendbund „Kameraden". (Näheres durch Herrn Bruno Oppenheim, Teael, Brunvwstratze 8.) Jüdische JugLN-daememschaft Berlin. (Näheres durch Herrn Wilth Easpary, 770 55. Winsstratze 18.) Jüdisch-liberaler Juaendverein Berlin. (Näheres durch Herrn Referendar Lilienthal, W 50. Eislebener Strotze 4.) Jüdisch-liberaler Juaendverein Potsdam. (Näheres durch Herrn Paul Bloch. Potsdam. Neue Koni atz ratze 405.) Jüdischer Turnverein 1905. (Näheres durch Herrn Rudolf Henn, 6, Sophien st ratze 23.) Juaendbund der Ortsgruppe Weitzeusec des Centräl-Bereius deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Weitzensee und anarenzende Bezirke. (Näheres durch Herrn Wilhelm Lewinsky, Weitzensee. Streustoatze 11.) Studentisch Ortsgruppe des C. D. (Bureau SW', Lindeusrratze 13.) Verbindung im K. V. „Sprevia" und „Vineta". (Bureau Charlottenburg, Englische St ratze 27. K.-E.-Henn.) Jugendveranftaltung -es E. V. Nicht ungebört verklang der Mahnruf in der E. V.-Jeituna, der Cinladung zu einer Jugendversammlung Folge zu leisten. Jugend und Alter fand sich Montag den 8. Mai, nm Sitzungssaal der Jüdischen Gemeinde ein. Der Saal konnte fcntm die herheiströnlendeu Ätädchen und Iringen fassen. Nicht nur die bereits organisierte deutschjüdische Jugendb>eweguna war durch ihre särntlichen Organisationen vertreten, auch Zionisten und Naumannianer halten sich eingesunden. Durch eine kurze Begrützungsansprache eröünete Herr Tr. Woyda die Versammtring. Von den jugendlichen Referenten sprachen Fr. G. L e n n h o f f. Arthur L i l i e n t l) a l . Brrrno Lenk, Adolf K r i st e l l e r und Friedrich B r o d fr i tz. An die Referate schlvtz sich eine sehr angeregte Aussprache an. Cs stietzen jedoch nicht nrrr die verschiedensten jugendlichen Meinungen auseinander, sondern bedauerlicherweise mischten sich ältere Herrschaften in die Diskussion, die als Gegner des Central-Vereins dessen Politik kritisieren. Insbesondere durch die Volksversarumlungsreden v o n 5t n h ü nger ir des Verbandes n a t i o n a l d e n t s ch e r Juden wurde die Debatte -in das übliche ParteigezÜnke hineingesteuert. Wo war die Jugend dieses Verbandes, die doch allein das Recht gehabt hätte, in dieser Bersammluna das Wort zu ergreifen? Bemerkenswert waren noch die Ausführungen einiger Mädchen. wie die von Edith Peritz. von Elten L i t t m a n n und von Grete K o - watsch. Scharf ins Gericht mit den Nanmanniancrn ging Dipl.-Jng. Bruno Wohda vom jüdisch-liberalen Jugendverein. War Jesus Germane? lieber dieses von den deutschvölkischen Rassesanatikern aufs Tapet gebrachte Thema sprach — wie wir int „Israelitischen Familienblatt" lesen — Professor R. Kittel von der Leipziger Universität in Nordhausen. Der gelehrte protestantische Theologe hob zunächst hervor, daß diese Frage, ob Jesus Germane, Jndogermane oder Arier sei, recht jungen Datums sei. Früher galt es als selbstverständlich, daß er nach Religion und Herkunft Jude gewesen sei. Zweifel an dieser Tatsache wurden erst in jüngster Zeit laut. Sie gehen hervor aus zwei Motiven: aus einem politisch-nationalen und aus einem religiösen oder einem des Gemüts. Aus völkischen Gründen sähe man gern, daß der gewaltigste aller Religionsstifter nicht jüdischen, sondern germanischen Geblüts sei. Bei der Begründung ging man nicht rein wissenschaftlich vor. Meist war der Wunsch der Vater der so sehr anfechtbaren Gründe. Beim zweiten Motiv gründete man auf die Tatsache der Gegnerschaft Jesu zum Judentum die These, daß ein solcher Mann, der in dauerndem Konflikt mit dem traditionellen Judentum gestanden habe, auch seiner Abstammung nach wohl keilt Jude gewesen sei. Diejenigen, die Jesus für einen Germanen erklären, weisen Zunächst daraus hin, daß Palästina in seiner ältesten Vorgeschichte germanische oder indogermanische Völkerschaften Nachweisen könne. Wenn man Indogermanisches in Palästina suchen wolle, dann könne man (nach Professor Kittel) sehr, sehr weit Zurückgehen. Es wird schon von David berichtet, er sei blondhaarig gewesen. Beweisen läßt sich hier auch nichts. Die größere Wahrscheinlichkeit spricht dafür, daß Jesus und seine Eltern jüdischen Geblüts w a r e n. Man soll gerade hier mit nicht zu beweisenden Behauptungen sehr vorsichtig sein. Wichtiger ist jedenfalls die Frage: „Was lvar Jesus seinem Geiste nach?" Da war er Jude durch und durch, wenn er dann auch innerlich über das Judentltm hinausgewachsen ist. Jesus lebte und webte im Judentum. Die Frage nach dem Geblüt Jesu verschwindet hiergegen ins Wesenlose. Bei den meisten echten Jesnworten läßt sich die alttestmnentarische Herkunft beweisen. Religiös war er also ganz und gar ein Kind seines Volkes. Ihm' steht das Alte Testament turmhoch über dem religiösen Kleinkram seiner Zeit. Ein jüdisches Gymnasium mit Oesfentlichteitsrecht in Ungarn. Einer amtlichen Verlautbarung zufolge hat der Unterrichtsminister dem jüdischen Gymnasium in Debreezin das Oesfentlichkeitsrecht verliehen. Dies ist die erste jüdische Mittelschule mit Oeffeutlichkeitsrecht in Ungarn, die wohl die ungarische Unterichtssprache für alle Gegenstände beibehält, in der aber auch hebräische Sprachltnb jüdischer Geschichtsunterricht als obligate Lehrfächer erscheinen. Judentum und Patriotismus. „Bekanntlich" ist der Jude in seinem innersten Fühlen „landfremd" und stets geneigt, sein Tun und Lassen dem augenblicklichen Vorteil anzubequemen. Die beste Illustration für die Stichhaltigkeit dieser Behauptung bietet das Verhalten der Juden in den durch den Machtsprnch der Entente von deutschen Mutterlanden losgerissenen Gebieten. In Posen-West- Preußen-Danzig wie in Oberschlesien haben die Juden alle Kraft für die deutsche Sache eingesetzt und bilden heute noch wie stets eine der festesten Stützen, des Deutschtums. K e i n Pastor Gaigalat oder G e n e r a l s u p e r i n t e n d e n t Bursche, kein Graf Oppersdorfs findet sich in ihren Reihen. Und wie in den uns geraubten Gebieten, so ist es auch in dem ehemaligen O e st e r r e i ch. Keine antisemitische Hetze der deutschen Antisemiten hat es vermocht, die deutschen Juden in der Tschechoslowakei in das Lager der dtrrchaus nicht antisemitischgesinntert Tschechen hinüberzutreiben, trotzdem ihnen natürlich auf dieser Seite erhebliche materielle Vorteile winkten. Man sollte nun annehmen, daß wenigstens Politische Klugheit und Verantwortnngsbewußtsein gegenüber der deutschen Sache die Antisemiten dies anerkennen läßt. Weit gefehlt! Wenn es gilt, den Juden zu treffen, bleiben Lüge und bewußte Entstellung bewährte Waffen. Und so veröffentlicht der saubere „Völkische Beobachter" in München neulich einen Artikel mit der Ueberschrist „Warum Oberschlesien verloren ging?" und ist unverfroren genug, darin zu schreiben: „Es ist dem Einsichtigen längst klar, daß das Judentum seinen Teil ausgiebig getan hat, damit O b e r s ch l e s i e n zerrissen w e r d e n k o n n t e." Daneben gegriffen! Die „Deutsche Zeitung" bringt in Nr. 198 eilt in kriegerischer Begeisterung erglühendes Gedicht über die Schlacht bei Gorlice, das de nt nächstens erscheinenden Buch „Gorlice 1915" des Generals v. Francois entnommen ist und den Rechtsanwalt und früheren Osnzier Bruno Kleyss zum Verfasser hat. Ob wohl die „Deutsche Zeitung" die so gern von jüdischer Flaumacherei und Drückebergerei spricht, weiß, daß Herr Rechtsanwalt Kleyss Jude, sogar selbstbewußter Jude und tätiges Mitglied des Bundes jüdischer Frontsoldaten ist —? Ern Rückzug des Generals Ludendorff. General Ludendorff hat bekanntlich in seilten Schriften gegenüber dem Ordelt Bne-Briß schwer beleidigende Aeußerungen getan, .insbesondere hat er ihm V a te r t a n d s v e r r a t vorgeworsen. Seitens der Deutschen Großloge des Ordens ist .daraufhin ein Verfahren gegen General Ludendorsf -bei den zuständigen Berliner Gerichten anhängig gemacht worden. Wie wir erfahren, soll General Ludendorsf neuerdings erklärt haben, daß er die d e u t s ch e n Glieder des Ordens nt i t seine n B o x w ü r f c n n i ch t gemeint h a b e. Diese Erklärung ist um so unverständlicher, als nicht einzusehen ist, inwiefern die nichtdeutschen, also etwa der amerikanische oder rumänische Distrikt, die von Lud-endorfs erhobenen Vorwürfe verdient haben. Die ältesten hebräischen Manuskripte. Gelegentlich eines Vortrages, den der Universitntsprofessor Minders Petrie kürzlich vor der Gesellschaft für jüdische Geschichte in Manchester hielt, zeigte er einige kleine -braune Papyrusfetzen vor, die, wie er erklärte, von Steininschriften abgesehen, die ältesten hebräischen Handschriften darstellen. Es handelt sich um Bruchstücke von vier Briefen, die vor einigen Wochen in Mittelägypten ausgefnnden worden sind. Sie stammen ans dem dritten oder vierten Jahrhundert: es sind gewöhnliche Geschüstsbriese wie die Mehrzahl der griechischen Papyri aus der gleichen Zeit. Einer enthält eine Bestellung auf Salz und Zimt; ein anderer war teilweise auf eingriechisches Dokument geschrieben, das wahrscheinlich aus dem dritten Jahrhundert stammt. Ueberfall auf einen Syndikus des E. B. In Stettin hielt dieser Tage der bekannte Alfred Roth eine seiner üblichen Pogromreden. Als dann die Sitzung geschlossen wurde ohne chaß man eine An alle Freunde! Unser Blatt gelangt noch häufig in mehreren Exemplaren in eine Familie, wenn sich in ihr eine Reihe von Angehörigen als Mitglieder finden. Auch sonst sind Mehrversendungen an eine Anschrift festgestellt. Dadurch erwachsen dem Verein ausserordentliche Kosten. Lasst es Euch nicht verdriessen, uns diese Fälle sofort mitzuteilen. Im übrigen: Sorgt für Verbreitung unseres Blattes in nichtjüdischen Kreisen. Berlin, 16. Mai 1922. Oer Vorstand des C. V. der Staatsbürger jüdischen Glaubens Dr. Holländer.