Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1 (1922)
- Issue
- 3 (18.5.1922)
- Date
- 1922-05-18
- Page
- Seite 40 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2277379-2277380-2277383--00044-2279136- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
40 mit Juden. Er forderte insbesondere die Ausschließung, der- Juden aus der Negierung. Demgegenüber gelang es Herrn Rabbiner Dr. Lewin in überzeugender Weise, auf die Unhaltbarkeit derartiger Schlußsorderungen hinzuweisen. Er deutete in beredten Wörter: auf die zahllosen BluLopser hin, welche die deutschen Juden ihrem Vaterlande gebracht haben-. Von den weiteren Ausführungen verschiedener Redner sei insbesondere die Bemerkung des sozialistischen Parteisekretärs Schulz hervorgehoben, der auf die Notwendigkeit hinwies, daß unsere jüdischen Glaubensgenossen die vielfach gezeigte Scheu deutjchvölkischen Versammlungen gegenüber abtegen und in diesen selbst das Wort zu ihrer Verteidigung nehmen sollten. Der warme, allseitige Beisall zeigte, daß derartige Versammlungen einen nachhaltigen Eindruck bei allen Hörern hervorzurusengeeignet sind. Aufklärung in der Reichswehr. Der Versammlung im Herrenhaus, in der unlängst der Oberstleutnant v. Albert ans Gotha das Referat hielt, wohnten eine Reihe von hohen Ministerialbeamten und Offizieren Lei. Wir haben diesen die Schrift von Segall „Tie deutschen Juden als Soldaten im Kriege 1914 bis 1918" zugesandt mit den: Hinweis darauf, wie irreführend die unsere Soldaten herabsetzende Schrift von Armin und die Ausführungen des Generals v. Wrisberg in seinen Kriegserinnernnger: sind. 'Die Juden im Heer. In der „Frankfurter Zeitung" vom 16. April 1922 bringt Prof. Franz Oppenheimer eine eingehende Besprechung der Kriegserinnerungen Wrisbergs. Das Kapitel über die deutschen Juden als Soldaten bespricht er mit folgenden Worten: „Diese Statistik ist ein Kapitel für sich und an anderer Stelle behandelt worden. Nur soviel sei hier gesagt, daß sie für jeden, der auch nur die ersten Anfangsgründe der statistischen Kunst kennt, eine Quelle der ungetrübtesten Heiterkeit sein würde, wenn es nicht so unendlich traurig wäre, daß hochgebildete Männer wie der Verfasser in so plumpe schlingen lausen und dadurch in einer Zeit von. solchen: Ernst neue Keime der Zwietracht in unser schon so arg zerspaltenes Volk tragen können." Heimatbnnd. Der Sekretär des Heimatbundes Ostpreußen hatte öffentlich für den Dentschvölkischer: Schutz- und Trutzbund Partei ergriffen. Die Provinzialstelle des Heimatbundes Ostpreußen antwortete auf eine Beschwerde unseres Landesverbandes, daß der betreffende Sekretär nur als Privatmann gesprochen hätte, der Heimatbund dagegen sich nicht mit den Bestrebungen des Schutz- und Trutzbundes identifiziere. Eine unterbliebene Versammlung. Die kommunistische „Note Fuhne" forderte ihre Jugend zum Besuch einer deutschvölkischen Versammlung auf. Unser Pressedezernent veranlagte sofort den „Vorwärts", diese kommunistisch-deutschvölkische Verbrüderung aufzudecken und die „Freiheit" (U. S. P. D.) widmete dem Ausruf in der „Roten Fahne" eine halbe Spalte. Die geplante Versammlung fiel ins Wasser. Niederlassungsmöglichkeit. Nn: unserer: Freunden ans den abgetretenen Gebieten zu Helsen und gleichzeitig den jüdischer: Gemeinden zur Stärkung des jüdischer: Lebens möglichst viele Kräfte zuzuführen, bemühen wir uns auf das eingehendste, Bewerber;: geeignete Stellen namhaft zu machen. Auch bei einem aus irgendwelchen Grunde erforderlich gewordenen Wechsel des Wohnsitzes konnten wir häufig erfolgreich dazu beitragen, daß die betreffender: Personen im neuen Wohnort entsprechende Verdienstmöglichkeiten fanden. Arbeitsausschuß deutscher Verwände. Aus verschiedene, in letzter Zeit besonders häufig an uns gerichtet Anfragen stellen wir fest, daß der „Arbeitsausschuß deutscher Verbände" zu Berlin sich vom Antisemitismus völlig sernhält. Eine ideelle und materielle Förderung seiner Bestrebungen erachten wir für die Pflicht jedes deutschen Juden. ^üöische Weltherrschaft", Knechtung Ser Völker". Tendenziöse Auslegung alter Schriften. Von Rabbiner Dr. I. Loevh. In antisemitischen Büchern, Zeitungsartikeln und Flugblättern werden als Beweis für die Behauptung, die Juden wollten die übrigen Völker beherrschen und knechten, Zitate aus Bibel und Talmud angeführt. 1. Für die Bibel dienen ihnen als Fundgrube hauptsächlich Stellen arrs dem zweiten Jesaja, wie: „Fremde werden deine Mauern ausbauen und ihre Könige dich bedienen" (60, 10); „Deine Tore sollen ständig geöffnet sein. Tag und Nacht nicht verschlossen, um dir zu bringen den Reichtum der Völker und ihre Könige herbeigesührt" (60, 11); „Denn das Volk und das Reich, das dir nicht dienen will, wird untergehen, und die Völker werden vernichtet werden" (60, 12); „Fremde werden stehen und euer Kleinvieh weiden, und junge Ausländer werden eure Pflüger und Winzer sein" (61, 5); „Den Reichtum der Völker werdet ihr genießen und ihre Herrlichkeit werdet ihr eintauschen" (61, 6). Solche Steller: und andere, in welchen dasselbe Thema variiert wird, finden sich bei verschiedenen Propheten aus der Zeit Zwischen der Zerstörung des ersten und dem Aufbau des Zweiten Tempels. Sie sind weit davor: entfernt, von einer jüdischen Weltherrschaft und einer Unterjochung aller Völker zu reden, richten sich vielmehr, wie sich aus den: Zusammenhang völlig klar ergibt, lediglich gegen jene Völker, unter deren grausamer Knechtschaft und Gefangenschaft das jüdische Volk damals seufzte, und enthalten einen glühender: Trostruf, dessen Hoffnungen man in das Gewand phantastischer Vorstellungen und Ausdrücke kleidete, die im Sinne nicht anders aufzufassen sind, als etwa der 19. Vers desselben Kapitels 60: „Nicht mehr wird dir fortan die Sonne zur Leuchte des Tages dienen und der Mond dir zu Hellen: Glanze, sondern der Ewige wird dir zu ewigem Lichte werden und dein Gott zu deiner Herrlichkeit." 2. Aus den: Talmud wird mit Vorliebe das Wort des N. Simon b. Lakisch in Traktat Sabbat, Fol. 32b, zitiert: „Wer das Gebot der Schanfäden beobachtet, der wird einst von 2800 Knechten bedient werden." Dieser Ausspruch ist eine Phantastische Auslegung des letzten Verses ans d-em achten Kapitel des Secharja, wo es im Hinblick auf die messiüuische Zeit heißt: „In jenen Tagen werden zehn Männer ans allen Nationen der Völker den Zipfel eines jüdischen Mannes ergreifen und sprechen: „Wir wollen mit euch gehen." Die Zahlenspielere: des Auslegers (Traktat Sabbat 32, 6) rechnet nun folgendermaßen: Siebenzig Nationen gibt es nach der biblischen Vorstellung, zehn Mann aus jeder — siebenhundert, vier Zipfel aber hat das Gewand, an welchem die Schanfäden befestigt sind, also sind es rrn ganzen vier mal siebenhundert — Zweitausendachthundert, welche in der Zeit des Messias sich jedem Juden anschließen würden, der das Gebot der Schaufäden beobachtet. Dieses Gebot (III. B. Kap. 15, V. 39 s) lautet: „Ihr sollt sie ansehen, aller Gebote Gottes gedenken und sie erfüllen und nicht nachgehen eurem Herzen und euren Augen, denen ihr nachirret, damit ihr so heilig seid eurem Gotte." — Schon die Art, wie im Jalkut Schimoni zu Jesaja, Kap. 60, die Zahl 4800 herausgerechnet wird und mehr noch die ganze Schilderung der messianischen Zeit, in welche diese Deutung eingesügt ist, weist klar auf den völlig legendenhaften Charakter der ganzen Ausführungen hin. Ein Zitat daraus mag genügen: „Wenn der König Messias kommt, wird ein großer Kampf unter den Völkern sein, und auch die Israeliten werden voll Schrecken niederfallen und rufen: .Wohin sollen wir gehen?* Er aber wird zu ihnen sprechen: ,Warum fürchtet ihr euch? Die Zeit eurer Erlösung ist gekommen. Das wird aber nicht eine Erlösung sein wie die erste, welcher neue Sklaverei gefolgt war, sondern eine Erlösung ohne jede nachfolgende Knechtschaft.* ,Zu dieser Zeit erhebt Gott den Messias bis zum höchsten Himmel und breitet über ihn aus der: Glanz seiner Herrlichkeit und sieben Brautbaldachine von Edelsteinen, Perlen und Smaragden und ans jedem fließen herab vier Ströme von Wein, Milch, Honig und reiner Myrrhe, und er ruft den Nord- und Südwind und befiehlt ihnen, alle Düste des Paradieses heranzuwehen und vor dem Messias auszubreiten.*" Aus einem solchen Bilde stammt das Wort von den 4800 Knechten. Mar: wird deshalb keinen Augenblick darüber in: Zweifel sein, daß auch dies nur ein bildlicher Ausdruck für den einzigen Trost der Jahrtausende lang Verfolgten, für die Verheißung sein kann, daß in der messianischen Zeit, welche alle Gegensätze ausgleichen, alle Dissonanzen auflösen soll, die bisher Geknechteten ihren bisherigen Drängern gegenüber als Herren erscheinen werden. Nach Weltherrschastsplänen wird hier ein von Fanatismus nicht ganz Verblendeter vergebens suchen. Wichtig für die ElLernbeiratswahlen: 1. Nach der: Richtlinien des Ministers für Volksbildung muß vor der Wahl an jeder Schule eine zweite Elternversammlun-g stattsinden, in denen der Wahlvorstand gewählt wird. 2. Die Kandidatenlisten sollen mindestens 20 Unterschriften tragen. 3. Die Schulräume stehen El-ternbeiräten und Kandidatenzur freien Benutzung, jedoch nicht für öffentliche Versammlungen, kostenlos zur Verfügung. 4. Die Art des Vorgehens der jüdischen Eltern an den einzelnen Schuten wird verschiedenartig sein. Bei Bedenken jeglicher Art steht das Bureau des Central-Vereins, Berlin 68, jüdischen Eltern zur Verfügung. Jüdische Eltern, tut Eure Pflicht! Besucht die Wahlversammlung! Geht zur Wahl! Wer säumig ist, ver h ilft den: Geg r: e r z u m S -i e g! Der Hilfsvercirr für jüdische Studierende hielt am 1. Mai 1922 seine Geueralversammlung ab. Er verteilte 1921 an nahezu hundert Studierende 69 425 Mark, und zwar etwa der Hälfte nur eine einmalige Beihilfe zu den Prüsungskvstcn. Das laufende Stipendium, jetzt ans 2400 Mark erhöht, deckt leider nur ein Zehntel des hier sür Kost, Wohnung, Kleidung und Studium Notwendigen. Selbst diele Ausgabe, deren Kauftraft weit hinter der 1914 erreichten zurückbleibt, wäre unmöglich ohne die Rückzahlungen früher gewährter Darlehen in Höhe vor: 35 749 Mark, ein Beweis, daß die'Mehrzahl der Snpendicten aus harten Anfängen sich tüchtig emporringt. Vorsitzender ist Jnstizrat Dr. A. Seligsohn, Schriftführer Professor Dr'. F. Lieberrnann, 'VV 10, Vendlerstraße 10. — Wir bringen diese Notiz, weil sich die segensreiche Wirksamkeit des Hilfs- Vereins auf ganz Deutschland erstreckt. Jüdische Jugendorganisationen. Einer Anregung aus dem Kreise unserer Mitglieder folgend, teilen wir die Adressen derjenigen jüdischen Jugendorganisationen Groß-