Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1 (1922)
- Issue
- 2 (11.5.1922)
- Date
- 1922-05-11
- Page
- Seite 27 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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D 27 MSN Professor RahrsteSt mit Ser Iu-eahaß. Unser Blatt will nicht nur dem unvermeidlichen Kamtzf gegen Unvernunft rrnd Roheit, sondern stets auch dem Geist der Versöhnlichkeit und Verständigung dienen. Deshalb erachten wir es als unsere Pflicht, hier all jene Männer des gegnerischen Lagers Air Wort kommen zn lassen, die sich Gerechtigkeitssinn, Wahrheitsliebe und Objektivität zu bewahren wußten und trotz -konservativer Gesinnung vom blindwütigen Judenhaß der Deutsch-Völkischen nicht angesteckt wurden. Einer dieser — leider allzu spärlichen — „Gerechten" ist Professor Dr. Ulrich Kahrstedt, der Hauptrnitarbeiter der rechtsstehenden „Eisernen Blatter". Wir geben nachstehend einige seiner Aoußerun-gerr über die Juden - frage wieder. „Eiserne Blätter" Nr. 50, 1. Jahrgang, Seite 865/866: .Der einzige Unterschied, der den Wählern zum Bewußtsein gekomrnen ist, ist die Stellungnahme 31t der Judensrage, nicht die anüliche der Parteileitungen, denn hier ist eigentlich kein Unterschied, aber im Verhalten der Parreiangehörrgen bei der Propaganda im Lande. Hier hat sich bei den Deutschnationalen vielerorts ein scharfer Antisemitismus breit gemacht, der bei der Deutschen V 0 lk § partei gefehlt hat. Es ist unmethodisch und unlogisch, den Zusammenhang zu leugnen Zwischen denn besseren Erfolg der Deutschen V 0 l k s p a r t e i und dem einzigen in die Augen der Wähler springenden Unterschied zwischen beiden Parteien. Wenn ein Unterschied da ist, und der Erfolg ist so verschieden, dann wird dieser Unterschied wohl an dem Erfolg schuld sein. lind das wird bestätigt durch die angeführte Einzelbcobachtung ■in Berlin und anderen großen Städten. Es liegt hier offenbar etwas vor, das die gebildeten Elemente kopsscheu macht, ohne die Arbeiter 31t gewinnen. Auch das kann nur der Antisemitismus in der Form der deutsch-völkischen Bünde aller Art sein. Sonst ist beim besten Willen kein Grund zu erkennen. Der tosende Beifall, der durch judenfeindliche Aeußerungen in Versammlungen' erzielt wird, darf darüber rächt hinwegtäuschen: die Partei hat sich, wo die lokalen Stellen in Händen von Deutsch- Völkischen waren', oder diese gewähren ließen, nicht nur -die e n g e n K r eise der Intelligenz v e r g r a u l t — das wäre unter einem demokratischen Wahlrecht ziffernmäßig zn ertragen, wenn auch die Gewinnung von Führern genau so wichtig ist wie die von Wählermassen —, sondern sie hat sich die a nständige n Ele m e n t e im B ü r g e r t n m, b i c e s mit R c i n I i d) i c 11 u n b D c b n u n c\ et* n st n e h m e n, in s 0 l ch e n ^>1 affen abspenstig gemacht. daß auch der Griff in die dichtbevölkerten Industrieviertel die Zahl nicht immer wettmachen konnte. „Eiserne Blätter" Nr. 3, 2. Jahrgang, Seite 52* Der Philosemit in Deutschland lebt in den Kreisen, die chm nicht durch Abstammung oder Verschwägerung ohnehin verfallen find. Zum guten Teil von der Vorstellung, die diechüdische Presse geschickt zu nähren weiß: e i n a n st ü n d i g e r M e n s ch k a n n unmöglich Antisemit sein, denn alle deutschvölkisch sich betätigenden Politiker haben schlechte Manieren oder Scheuklappen oder beides. Ich habe oft mit Leuten aus der Gemeinde des „Berliner Tageblatts" über diese Frage debattiert und ihnen immer den Leiter der „Deutschen Zeitung" vor Augen gehalten: da habt ihr einen Deutsch- Völkischen, der wirklich anständig polemisiert und zugleich einen, der nicht verbohrt alles Unheil in der Welt nur auf die Juden zurückführt, sondern daneben die großen Fragen der auswärtigen lind der Wirtschaftspolitik in ihrer selbständigen Bedeutung erkennt. Und ich habe oft bei dieser Art von antisemitischer Propaganda Erfolg gehabt. Diese Waffe ist mir jetzt Zerschlagen, nach diesen Ausfällen und Schimpfworteu bin ich in Verlogenheit. # „Eiserne Blätter" Nr. 3, 2. Jahrgang. Seite 52: Es ist grotesk, für den Panslawismus, «den Drang Rußlands zum warmen Meere, den französischen Revanchedurst, den englischen Handelsneid, den Nationalitüteustreit in Oesterreich, die Balkanwirren und die Einmischung der Vereinigten Staaten in die internationale Politik einen Oberbegriff suchen zu wollen und alles das aus das Judentum zurückzuführeu. II K. .»■ .„Eiserne Blätter" Nr. 4 vom 25. Juli 1920, Seite 53: Ich nehme an, daß Clemenceau solche deutsche Pressefehden nicht verfolgt, sonst hätte er eine Freude mtb eine Beruhigung mehr. Solange sich die Deutschen vor allem Für das Juden- Problem interessieren, sind sie für die Macht Frankreichs am Rhein ungefährlich. # „Eiserne Blätter" Nr. 4 vom 25.. Juli 1920, Seite 53: Wenn die Deutschen nur der: Rassenhaß Pflegen statt des Staatenhasses, schneidet Frankreich dauernd gut ab.' * : „Eiserne Blätter" Nr. 4 vorn 25. Juli 1920, Seite 53: Der Antisemitismus operiert mit einer Solidarität des Ariertums ähnlich wie der Sozialismus mit der des Proletariats. Beide lenken die Fähigkeit des Hasses gegen den Nachbar im Innern, statt gegen den auswärtigen Fronvogt, gegen die Juden, gegen den Arbeitgeber, statt gegen den Engländer und Franzosen. * „Eiserne Blätter" vom 25. Juli 1920 Nr. 4, Seite 54: Man vergesse nicht, daß die verderblichste Geistesrichtung, deren sich der Landesfemd Zur Uuierwühlung des Reiches bedient hat und noch bedient, der Pazifismus, durchaus nicht jüdisch oder rein jüdisch ist, daß seine Hauptvortreter in Deutschland Germanen sind: Foerster, Schütting, Quidde. Die einseitige Einstellung zur Ablehnung des Judentums läßt also gerade die gefährlichsten Gegner ungeschoren. Man soll eine Formel finden, runter der man die Verderblichkeit, von Eisner, Kautsch und Schütting, faßt, diese aber rnuß offenbar weiter sein, als die deutsch-völkische. * „Eiserne Blätter" vom 25. Juli 1920, Nr. 4, Seite 54: Ich habe nicht immer das Gefühl, daß die, die alles Nebel in der Welt aus der einen so oft genannten Quelle herleiten, das Maß von Philologischer und historischer Bildung haben, das ich als Grundlage jedes Urteils dieser Art wenigstens von mir selbst verlange. * „Eiserne Blätter" vom 25. Juli 1920. Nr. 4, Seite 55: Ich bin Antisemit, war es, solange ich in der Politik stehe, aber ich lehne zweierlei ab: erstens die einseitige Einstellung der Meuschen aus den Judenhaß, so daß sie in Gefahr kommen, die Feinde unseres Staates über den Gegnern unseres Volkstums zu übersehen, und die Idee, daß mem altes Heuet in der ganzen Welt unb alle Schattenseiten einer tausendjährigen Geschichte au§ einer Quelle herleiten kann, heiße sie wie sie wolle, lind das nicht um des Judentums, sondern um seiner Bekämpfung willen: eine solche V o r st e l l n rr g st i r b t au i h x ex ei g e n e n 2 ä ch ec« “ i ch k e i t * „Eiserne Blätter" Nr. 18 vorn 31. Oktober 1920, Seite 284: Der Liberalismus alter Art hat auf bäuerliche Gebiete nie gewirkt, weder in Oesterreich noch anderswo, und der Antisemitismus bat nur in Wien gezogen, wo mau deu lebenden Einladungen zur Judenfeindschaft tagtäglich aus der Straße begegnet. Man hat offenbar die Wirkung des skandalösen Zustandes in Wien ans das 'flache Land überschätzt. Auf ihm sind die November-Sozialisten umgekehrt unb die im Heeresdienst oder sonst verärgerten Bauernsöhne sind zn ihren Frauen und zn ihren Priestern zurückgetehrt, das ist alles. S „Eiserne Blätter" Nr. 21 vom 21. November 1920, S. 333: Man erkennt, wie vollständig das historische Ungarn dahingeschwunden ist: die Magnaten werden zerrieben im Kamps zwischen dein sozialistisch-jüdischen ltnb bem bäuerlich-antisenntischerr Element Beide gehöre dem Großgrundbesitz gleichermaßen zu Leibe. „Der ftnüfemitwmm ift Re Sdtmadr de# Jafjefundeet#/' Kaiser Friedrich III,