Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1 (1922)
- Issue
- 2 (11.5.1922)
- Date
- 1922-05-11
- Page
- Seite 26 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Zeutsche „Gchesna". Nicht anders als mit diesem Namen der russischen und Polnischen Pvgromrotten muß man bereits die stetig wachsende Sippe jener üentschvölkischen Jngendgarden bezeichnen, die immer häufiger die Straße zum Schauplatz gemeinster Antisemitenexzesse macht. Von brutalster Rauflust getrieben, ohne die geringsten Hemmungen des Anstandes und der Ueberlegung, rottet sich dieses Pack überall zusammen, wo es Gelegenheit wittert, jüdische Mitbürger zu attackieren und zu beschimpfen. Die Leipziger Handelshochschüler, die sich nicht schämten, ihrem toten Rektor die letzte Ehre zu verweigern, sind die Gesinnungsgenossen anderer, weit verrohterer Burschen, die nach kräftigerer Betätigung ihres Judenhasses dürsten und mit Stöcken und Knüppeln bewaffnet ausziehen, um ihr „Deutschtum" zu bekunden. Neulich erst sahen wir sie vor der Herrenhausversammlung des Frontbundes geschlossen aufmarschieren — auch der bekannte Nürnberger Schlosser Preßl, ein Führer der sogenannten „Deutschsozialisten", fehlte nicht — und alle Teilnehmer des Abends konnten erst durch die Kloake niederträchtiger Flegeleien den Saal erreichen. Und eine Versammlung, die unsere Ortsgruppe Nürnberg kürzlich mit einer Reihe christlicher Mitbürger veranstaltete, sah sich gleichfalls diesem nichtswürdigen Haufen gegenüber, aus dem ihr Worte wie „Indensöldling", „Judenknecht" zugegröhlt wurden, und der alle Anstalten machte, eine Schlägerei herbeizuführen, vor dem Erscheinen der Polizei'aber — feige wie der Pöbel es ist — die Flucht ergriff. Was soll Europa, was soll die Welt von deutscher Kultur, von deutscher Sitte denken, wenn solche Vorfälle sich fast täglich wiederholen, und wenn sich Menschen als die Kerntruppe deutschgesinnter Jugend aufspielen, vor denen in Wahrheit jeder wahrhafte Deutsche, jeder anständig Fühlende entrüstet abrückt? Wir werden nie müde werden, ihr widerliches Treiben immer wieder anznprangern, und wir hoffen so nicht nur zu erreichen, daß sich die deutschen Juden der Gefahr bewußt werden, die ihnen droht, sondern auch, daß alle, denen der Ruf und die Zukunft Deutschlands am Herzen liegt, dieser „deutschen Ochrana" entgegentreten, ehe es zu spät ist. Knüppd-Ktinäe braucht Gelö. Erst beschimpfen, dann anpumpen! Herr Richard K u n z e, der unrühmlichst bekannte Held von Gardelegen, hat es sich, wie man weiß, zur Lebensaufgabe gemacht, die deutsche Arbeiterschaft in seine „deutschsoziäle" Partei zu locken, um sie derart „von den jüdischen Führern zu befreien." Allein die deutsche Arbeiterschaft geht nicht so leicht auf den Leim, wie Herr Kunze sich das dachte, und er muß eine sehr rege und daher sehr kostspielige Propaganda betreiben, um mir eine Handvoll Dumme zu ködern. Bei dieser Propaganda brüstet er sich natürlich stets als Feind des Kapitalismus jeglicher Art und Konfession und er beschimpfte in öffentlichen Versammlungen wiederholt auch Herrn Stinnes, diesen weithin sichtbaren Vertreter des Großkapitals. Nun aber ist ihm das Geld für seine Werbearbeit ausgegangen und wenversuchteranz u p n m p e n? Herrn S t i n n e s. Wer Herrn Kunze kennt, wird dieser neuerliche Beweis deutschvölkischer Charakterstärke zwar nicht in Erstaunen setzen. Allein der Fall verdient auch aus anderen Gründen Beachtung. Herr Kunze also verkriecht sich hinter der auf den Namen „Heilo" hörenden „Lesegemeinde" seines „Deutschen Wochenblattes" und streckt Stinnes die offene Hand hin. Dieser aber, gewohnt, sein Geld in solideren Unternehmungen zu investieren, hält die Tasche zugeknöpft und läßt dem Strohmann Kunzes, einem Herrn Jrmisch, folgende Antwort geben: Hugo S t r n n c s. B e r! i n , den 6. Sevt. 1920. Wteiluna: N. Berlin. 81V 18, Wilhelmstr. 30/31. B.-Nr. Kr./Hp. Amt Nollendorf 1783-88. 420. Sehr flccfjrter Herr Jrmisch! Ihr Schreiben vom 28. August an Herrn H n a o Stinnes nüm mir zur sachlichen Erledigung zu. Ich habe mit Interesse von Ihren AussührunMN Kenntnis genommen. Gerade weit ich in vielen Punkten m i t I h n e n übereinftim m e . halte ich mich jedoch für verpflichtet. Ihnen mitzustilen, daß die von Ihnen gewählte Kampfesweise doch nicht zweckmäßig ist. Die Mittel Ihrer Propaganda sind Ihren Gegnern allmählich schon .zu bekannt geworden und haben Gegenmittel erzeugt, deren Kraft augenblicklich stärker ist. Es gilt meiner llederzengung nach neue Kamps mittel zu finden und für deren weiteste Derbreitung. zu sorgen. Eine Un ter ftü t] u n g I h re r Be st r e b n n g nt glaube i ch daher e x ft d a n n i n A ussicht st e l l e n> z u d il r s e n , iucmi ich überzeugt bin, dstß Ihr Kampf 3mu Ziele führen wird. Mit vorzüglicher Hochachtung Ihr sehr ergebener aez.: Hu mann. Wobei immerhin sehr beachtenswert ist, daß ein so Prominentes Mitglied der Deutschen Volkspartei, wie Herr Stinnes, einen Radaumacher vom Schlage Kunzes, mit dem selbst der rechteste Flügel der Deutschnationalen nichts 31t tun haben will, seines Interesses und seiner Uebereinstimmung versichert. Doch mit solcher Versicherung ist dem Knüppelhelden nicht gedient und er läßt ein weiteres, ausführliches Pumpgesuch an Stinnes abgehen, diesmal von einem Herrn Wittstock unterzeichnet. Da. ihm aber unterdessen doch einige Bedenken darüber aufgestiegen zu sein scheinen, ein und denselben Mann erst zu begeifern und dann um Unterstützung anzugehen, läßt er Herrn Wittstock schreiben, d aß er — K nnze — v 0n d em S ch r e i b e n a n S t i n n e s g a r k e i n e K e n n t n i s habe, weil er — Kunze! -- Wert d a r a ll f lege, nach außen v ö lli,g,-nn ab h ün gi g d a z ll fteh en! Ob sich Stinnes diesmal erweichen ließ, wissen wir nicht. Wir wissen nur, daß der Knüppel-Kunze jetzt die letzte seiner Masken verloren hat lrnd daß der deutsche Arbeiter nun klar erkennen wird, wer der Mann ist, der sich ihm als Führer anbietet. Iuöen in Zer Regierung. E i n e a m t l i ch e S t a 1i ft 11 Gegenüber den Behauptungen, daß die Juden in den Negierungen des Reiches und der Länder-einen unverhältnismäßig großen Prozentsatz ausweisen, dürfte folgende sorgfältige Statistik von Jnt-eresse sein, die den Stand vom 1. April 1922 angibt: Minister A b g e 0 r d n e t e Id) jüdischer Abstamnnuig 1 jnd. Ab-. davon Juden 1 ftarnmung j Inden! Dissid. Christen. Ne ick) « « a »9 « 1') ,0 4h 9 h 0 Preußen , , . . « 0 0 45) 10G) 17) Bayern . , , 0 0 0 0 0 Sachsen . . 9 * 9 0 0 2«) 0 I9) Württemberg „ # * 0 0 0 110) 0 Baden 0 0 0 211) 0 Mecklenburg-Schwerin 0 212) 0 113) 114) Mecklenburg-Strelitz. 0 0 0 0 0 Oldenburg * * # . v 0 0 0 0 Anhalt « * & g « 0 115) 0 0 Vraunschweig » . .. 0 0 116) 0 ü Thüringen , 4 9 f 0 0 0 0 0 Lippe 0 0 0 0 0 Schaumburg-Lippe » 0 0 0 0 0 Waldeck . , 9 - , 0 0 0 ' 0 0 Lübeck.. y * » * 0 0 0 0 0 Hamburgs , . , , . 2 t?) 0 618) 0 219) Bremen . » z . > 0 0 0 0 0 la) In Anhalt Staatsröt. Id) In Hamburg Senatoren, ln Hansestädten Bürgerschaftsmitglieder genannt. 2) D. D. P. 3) 1 D. D. P., 3 A S. P. D. 4) 3 S. P. D., 3 tl. S. P. D., 2 K. P. D., darunter gezählt auch «in Abgeordneter der D. V. P., der. Religion nicht angegeben hat. 5) 2 D. D. P., 2 A. S. P. 6) 4 S. P. D., 3 U. S. P. D., 3 K. P. D. 7) D. D. P. 8) 1 D. D. P., 1 S. P. D. (beide weiblich). 9) Zentrum. 10) S. P. D. 11) S. P. D. 12) identisch mit den beiden Abgeordneten; 1 S. P. D., 1 D. V. P. 13) S. P. D. 14) D. V. P. 15) SLaatsrat und Abg. identisch; D. D. P. 16) D. D. P. 17) 1 D. D. P., 1 S. P.. D., beide gleichzeitig Bürgerschaftsmitglieder (Abg.). 18) 3 D. D. P., 2 S. P. D., 1 K. P. D. 19) D. D. P. 111er ehrlich leinen weg durchmißt, 1" Dem wünsch ich nichts ruleiüe; Lin schlechter Iuü', ein böser christ — Der ZtvLftX W sie beide! Victor Blinkten»