Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1 (1922)
- Issue
- 2 (11.5.1922)
- Date
- 1922-05-11
- Page
- Seite 25 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Einzelnummer 1 M. vlültrr füröerUscUlum unOLrwentum Serlin, 11. Mar 1022 L Jahrgang ❖ Nr. 2 Vrymr Oes fiajtralVmms üeuticker GtmrtsdürnerMMrdenAaubens'?« Allgemeine Zeitung des Oudenlums Verlag und Schriftleitung: Serlin SMbb, Linöenstraße 13 ❖ Zernsprecher: Mmt Moritzplatz 11595, 1031$, 7$77 Die Zeitschrift ift nur durch die zuständige PoftansLalt zum Preise von vierteljLhrlich M. 7,50 zu beziehen Alleinige SLr.zergenqnnalime: Annoncen-Expedition Rudolf Mofse, Berlin SW 19, und deren Filialen. Anzeigenpreis: M. 8,— für die 6 gespaltene Zeile nach Rudolf MosseS Normalzerlenmeffer Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche M. 4,50, die 60 nun breite Reklamezeile M. 35,— Eine Erklärung Minister Rathenaus. Protest des Deutschen Schutz- und Trutzbnndes gegen die Ernennung RathenauS. Der Geschäftsführer des Deutschen Schutz- und Trutzbundes hat an den Reichspräsidenten und an den Reichskanzler angesichts der Ernennung Rat Henaus zum Außenminister ein Telegramm gerichtet, in dem es heißt: „Der Bundesvorstand, dessen Mitglieder aus allen Teilen Deutschlands versammelt sind, erhebt scharfen Einspruch gegen die Wiederkehr Walter Rathenaus in die Reichsregierung, Ein Mann, der zu Beginn des Krieges nach seinem eigenen Eingeständnis erklärt hat, die Weltgeschichte hätte ihre «Sinn verloren, wenn Deutschland siege «würde, i st unter keinen Umständen berufen, bei der Führung der Geschäfte des deutschen Volkes mitzuwirken." Der Vorsitzende der Deutschen Demokratischen Partei in Rexingen, Lauptlehrer Spatz, fragte bei dem Außenminister Rathenau an, ob er die ihm zur Last gelegte Aeußerung getan habe, und erhielt darauf die nachstehende Antwort: Berlin W8 Auswärtiges Amt. Sehr geehrter Herr! Für ihre freundliche Anfrage bin ich Ihnen dankbar. Der von Ihnen zitierte Satz: „Wenn Deutschland siegen würde, hätte die Weltgeschichte ihren Sinn verloren", ist das Produkt einer, bewußten Fälschung. Der authentische Satz findet sich in der kleinen Schrift „Der Kaiser", von der ich einen Abdruck beifüge, auf Seite 28; er betrifft eine Voraussage, die ich im Jahre 1914 gemacht habe, und lautet wie folgt: „Nie wird der Augenblick kommen, wo der Kaiser als Sieger der Welt mit seinen Paladinen auf weißen Rossen durchs Brandenburger Tor zieht. An diesem Tage hätte die Weltgeschichte ihren Sinn verloren. Rein! Nicht einer der Großen, die in diesen Krieg ziehen, wird diesen Krieg überdauern." Daß dieser Satz sich lediglich auf die Aussichtslosigkeit der damaligen Führer, den Krieg zu gewinnen, bezieht, geht aus dem folgenden Satz hervor: „Moltke stürzte und starb, Falkenhayn, Bethmann, Iagow, Tirpitz stürzten, im letzten Jahre war nur der Kaiser übrig und zum Schluß stürzte auch er." Als zum erstenmal eine Entstellung meiner Ausführungen in der Presse erschien, schrieb mir ein befreundeter Mann, der im Kriege eine hohe und verantwortliche Stellung im Kriegsministerium bekleidet hatte, er erinnere sich genau meiner Aeußerimg und könne auf seinen Eid jederzeit bezeugen, daß sie in dem Sinne zu verstehen sei, den ich soeben dargelegt habe. In Ergebenheit gez. Rathenau. Antisemitismus an einer bahre. Empörendes Verhalten der Leipziger Handelshochschulen Bei der Trauerfeier für dm verstorbenen Rektor der Leipziger Handelshochschule Geheim rat Professor T)r. A b r a h a m Adler ereignete sich ein Zwischenfall/der auf unsere heutigen akademischen Verhältnisse ein bezeichnendes Licht wirft. Die Verbindungen an der Handelshoch sch u l e, die natürlich stramm völkisch orientiert sind, ver.weig erlen demonstrativ dem Entschlafenen die letzte studentische Ehrung und unterließen es, ihre Chargierten nach akademischer Sitte zu der Feie r in Wichs zu ents-end ern Adler war eben Jude! Man mag über den Wert derartiger Äußerlichkeiten denken, wie man will; der Geist, der aus solcher Denkweise spricht, verdient Beachtung. Wir bezweifeln, daß jemals in Deutschland akademische Verbindungen von der Beerdigung des'Rektors ihrer eigenen Anstalt ferngeblieben sind. Die jungen Herren haben es bei seinen Lebzeiten keinesrvegs unter ihrer Würde gehalten, sich von ihrem jüdischen Professor, der eine anerkannte Autorität war, unterrichten und prüfen zu lassen; sie haben es nicht zurückgewiesen, wenn er ihnen für ihren Lebensweg Ratschläge und Empfehlungen gab. Seinen Tod aber zu einer antisemitischen Demonstration auszubeuten, halten sie für richtig, und mit ihrer so ose betonten deutschen Mannesehre vereinbar! Es sei nun aber die Frage gestattet, ob die antisemitischen Herren, die ja schließlich alle Kaufleute werden wollen, im späteren Lehen-wenigstens-so Konsequent sein werden, keine Stellung in einem jüdischen Hause anzunehmen.