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Central-Verein-Zeitung · 1922-05-04 · 1 (4.5.1922) · p. Seite 12

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1 (1922)
Issue
1 (4.5.1922)
Date
1922-05-04
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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12 — ab-er damals war Herr Bartels eben noch jünger; heute stört es ihn so erheblich, daß ihm beim bloßen Namen Heinrich Manns schlotternde Angst befällt, und er nur zu stammeln vermag: „Gott behüte mich, über diese Werte etwas Näheres zu saßen!" Aehnlich geht es ihm bei Else Jerusalem, die bekanntlich den Nom an „Der heilige Skorabäus" geschrieben hat, dessen Schauplatz ein Hans ist, das man vor Adolfs keuschen Ohren gar nicht näher zu bezeichnen wagt. Er teilt von ihr nur mit: „Else Jerusalem lebt setzt als Frau Widakow in Buenos Aires Möge sic in B u e u v s. A i r e s bleiben!" So sieht Barkels „LiteraLurkritik" aus, die sich u. a. zu der ganz ernsthast gemeinten Behauptung; versteigt, daß „nicht das Talent entscheidet, sondern der Wille, der hinter dem Talent siebt... der Künstler hat vor allem ein Mann zu sein — und deutsch!" Nun, der Wille, der hinter Bartels uns nicht erkennbarem Talent steht, ist leicht erkennbar: Darzutun, daß die ganze deutsche Literatur der Gegenwart verjudet und also wertlos ist. Diese Selbstverständlichkeit mit der sich Bartels, ohne eine Ahnung von jüdischer Geistesart zu haben, erdreistet, jüdische Abstammung und literarischen Unwert Zn verquicken, die groteske Naivität, mit der hier Schriftsteller vom Range Artur Schnitzlers und Jakob Wassermanns abgetan werden, weil sie Juden sind, übersteigt alles Maß -der in Druckerschwärze austreten dem. Dummheit und Gesimnmgsschübigkeit. Doch man kann nicht recht empört sein, denn immer wieder muß man über diesen „Professor" lachen,. der da im deutschen Dichterwald aus die Judenjag-d geht und wo er nicht zum Schuß kommt, Inden erfindet. Wobei es ihm nichts ausmacht, anständige Leute der. Lüge zu verdächtigen, oder doch durchscheinen zu lassen, daß er ihnen mißtraut.. So, wenn er erklärt: „Meyrink hat geleugnet, Jude zu sein". „Alfred N. Meyer bestreikt mir gegenüber, Jude zu sein". „Bernhard Kellermann, der nach eigener Aussage von fränkischen Bauern abstammt, diesen Eindruck aber eigentlich nicht hervorruft." Und wo er, wie bei Thomas Mann (Kritik: „Nirgend Lebensdarstellung, überall nur Mache"!) nicht umhin kann, christliche Herkunft vorauszusetzen, leistet er sich — über Thomas und- Heinrich Mann — den Satz: „Brüder, die. weil sie eine portugiesische Mutter haben, -dem Judentum so nahe gekommen sind." Genug? Ich könnte Seiten lang fortfahren. Aber immer neue, reizvollere Purzelbäume dieses Clowns zwingen zur Betrachtung. Da er — wie so viele, denen nichts emsällt und die nichts erfinden können — versucht hat, historische Romane und ein Lnther-Drama zu verfassen, kann er natürlich „nicht umhin", sich ausführlich mit diesen Werken zu besassen und der „historischen Schule" kräftig das Wort zu reden. Wobei er den tiefsinnigen Ansspruch tut: „Es stecken alle wirklichen historischen Dramen in der Geschichte, und wer sic berausreisten kann, der hat sie." Man könnte variieren: Es stecken alle denkbaren Albernheiten in Adolf Bartels — -- aber sie alle herauszureißen, wollen wir uns doch lieber ersparen. Und dieser Mann, unwissend, leichtfertig und bösartig wie er ist, glaubt, weil er ein. Gewäsch produziert, das er für deutsche Prosa hält, im Namen des Deutschtums, im Namen des deutschen Volkes sprechen zu können — dem er in Wahrheit geistig, ethisch und kulturell so fern steht wie der Literatur und der Llteraturkritik. L. O. Verrat am Deutschtum. Eine Streitschrift zur Judensrage von W i l h. M ichel. Paul Steegemcmu, Verlag, Hanuover u. Leipzig. Diese prächtige, temperamentvolle Schrift ist aus einer einzigen Empörung geboren: Aus der Empörung, die jeden rechtlich, reinlich und Patriotisch empfindenden Deutschen erfassen muß, erfassen müßte, wenn er sieht, wie brutales, hirnloses, unwissendes Gesindel die wüstesten Pöbelinstinkte im Antisemitismus austoben läßt und sich hierbei als Erbpächter und Repräsentanten deutschen Wesens, deutscher Gesinnung ausspielt. „Deutsch fühlen", — sagt Wilhelm Michel an einer Stelle —, „heißt alle Dinge, Fragen, Acer.scheu, Sonnen und Planeten aus ungeheurer Liebeskräft umfassen. Deutsch denken heißt welthaft und lebensschöpserisch denken. Probleme wie die Judensrage (die in Wirklichkeit eine Antisemiteufrage ist) werden aus deutsche Weise gelöst durch ein übermächtiges Eiubeziehen aller Gesonderten in den großen, liebenden Zusammenhang." lind weiter: „Nichts Reines kann ohne Unreines bestehen. Auch das edelste Volk wird immer seine K l o a k e n r e g i o n haben. Aber es i st u n - leidlich, daß sich der unreine Bestandteil auswirst zum Repräsentanten des Ganzen. Der Judenhaß begeht diesen Frevel. Deshalb muß zwischen ihm und dem Deut sch t u m d a s T a s e l t u ch e n d l i ch ei n m a I zers.ch nitt en. werden . . ." „Es gibt keinen- Ausweg: Ares alles mögen sich die Antisemiten berufen, aus gekränkte Interessen, auf den bestialischen Untergrund der Me nsche rinnt!! r . . aus sämtliche Schwächen und Erbärmlichkeiten eines verächtlichen Nationalwahns, — nur aus das Deutschtum n i ch t." Eine Erkenntnis, so klar und beherzigenswert, daß sie aus dem Bewußtsein anständig Gesinnter kaum mehr wegzudenken ist. In logischer Beweisführung zeigt Michel den Antisemiten dann, wie der Judenhaß immer ein Gradmesser ber einem Volke innewohnenden Barbarei ist. Fertige, gefestigte ^Laatengebilde im Westen und Süden Europas kennen ihn nicht. Judenhaß aber bedeutet Mangel an nationaler Gefestigtheit, und wer Judenhaß als deutschen Zug hinstellt, ist ein Schädling des deutschen Lolkscharakters, zieht Deutschland auf die Kulturstufe Polens und Rumäniens herab. Aber die Antisemiten schädigen und fälschen diesen Volkscharakter auch sonst. Sie entstammen Fast ausschließlich dem Lager jener, die im Kriege den größten Appetit -auf Annexionen verrieten, die alle schon ganz Belgien und Polen, das Erzbecken von Briey und die deutschen Teile Böhmens in die zukünftige Karte Deutschlands eingezeichnet hatten. Womit sie zwar ihre Unfähigkeit, Politisch zu denken/daneben aber auch die Ueberzeugung bekundeten, daß ein großes Bolk fähig se in müs s e, e i n g e g l i e d e r L e, sre m de Bestand- Elsen-, Mineralu n d M v o r b a d. M a d i« m Bäder und Einarmungshalle. Trinkkuren, Glaubersalz,welle. neuSittiches Jribatatoriilin, mcd cb-mechanisches Institur, Frauenklinik, neues TheaUr (Operette. Schauspiel). LOl) m ü. d. 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