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Central-Verein-Zeitung · 1922-05-04 · 1 (4.5.1922) · p. Seite 10

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1 (1922)
Issue
1 (4.5.1922)
Date
1922-05-04
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Aber die Gesamtheit derer,, die, sich mit Stolz als „Deutsche Studenten jüdischen Glaubens" bezeichnen, ist nicht nur deutsch aus innerstem Herzen und aus tiefstem Gefühle, sondern macht sich auch durch ihre Kampseinstellung gegen den undeutschen Geist — denn nichts anderes ist, wie oben dargelegt, letzten Endes der Antisemitismus — in hohen: Maße um das Deutschturn verdient. Inmitten einer Gemeinschiast, deren größter Teil den Geist ihrer Väter und Urvater nicht mehr.anerkennt und sich offen von ihm lossagt, steht die Gemeinschaft deutscher Studierender jüdischen Glaubens und kämpft mit diesen Abtrünnigen vom wahren deutschen Geiste. Der Anlaß dieses Kampfes ist egoistisch; denn unter dem Verrat des deutschen Geistes, den sich ein großer Teil der deutschen Studentenschaft zu schulden kommen läßt, leidet niemand mehr als der deutsche Student jüdischen Glaubens. Aber mit diesem egoistischem Kampfe verbinden sich zugleich allgemeinere Tendenzen, die ihn zu etwas Höherem und Größerem erheben. Der Antisemitismus hat sich zu einem neuen Kulturkämpfe ausgewachsen. Die Endentscheidung dieses Kampfes wird richten, ob die alte, in jahrhundertelangem Ringen ausgebaute, verinnerlichte deutsche Kultur, deren Kern und Gipfel der deutsche Geist unserer Klassiker ist, weiter bestehen kann, oder ob sie Platz zu machen hat einer neuen äußeren, oberflächlichen „deutsch-völkischen" Kultur, die im großen und ganzen doch nichts anderes wäre als ein riesenhafter Rückschlag oder eine jähe Dekadence. Der deutsche. Student jüdischen Glaubens steht im Zentrum dieses Kampfes und befindet sich der Kerntruppe der gegnerischen Bewegung gegenüber. Tie Mehrzahl der deutschen Studentenschaft — alle, die eigentlich Geistesträger sein sollen — ist Träger jener angeblich vorwärts und auswärts, in Wahrheit rückwärts und abwärts führenden geistlosen KulturbewegunH geworden. Nicht nur Träger, sondern sogar Führer! Der Kampf des deutschen Studenten jüdischen Glaubens ist der Kampf gegen diese Studentenschaft. Von seinem Ausgange wird nicht nur zu einen: erheblichen Teile die weitere Entwicklung des Antisemitismus und die Aussicht auf seine völlige Bezwingung für den deutschen Inden abhängen; an ihm wird man auch, nicht zun: geringsten, das Schicksal des wahren deutschen Geistes und das Schicksal der wahren deutschen Kultur für das gesamte deutsche Volk zu erkennen vermögen. jüdische Jugend muß in jüdische Jugendvereine. Ein Mahuwort an die C. V. - E l L e r n>. Wir sind uns wohl alle einig, daß der Besuch der . Kinos und Bars durch unsere Jugend für das kommende Geschlecht einen nicht gutzumachenden Schaden bedeutet. Wir können die Jugend nur dadurch davon abhalten, daß wir sie irgendeinem Jugendverein, verfechte er nun geistige oder sportliche Ziele, anschließen. Das wünschenswerteste wäre nun, daß wir in die massenhaft bestehenden deutschen Turnvereine, Wanderbünde usw. eintreten könnten. In den meisten Fällen wird uns aber, sofern nun: uns überhaupt aufnnnmt, der Aufenthalt in diesen Vereinen durch antisemitische Pöbeleien verleidet, und wir werden, sofern man uns nicht offen heraussetzt, langsam herausgegrault. Dagegen gibt es nur Selbsthilst, und diese besteht im ko n ses s i o'n e l l e n I u g e n d v e r e i n'. Wie wir z. B. die katholische Quickborn-Bewegung und evangelische Jünglingsvereine haben, so muß unsere jüdische Jugend in die jüdischen Jugendvereine hinein. Diese setzen sich zum Ziel, der jüdischen Jugend das zu geben, was der Religionsunterricht heute leider noch versäumt, nämlich ein Positives Wissen und ein Ers ü l l tsein vom Judentum. Alle jüdischen Eltern mühten es als Ehrenpflicht betrachten, ihre Kinder einem dieser Vereine zuzujühren. Es liegt mir selbstverständlich fern, hier für einen besonderen Verein Propaganda zu machen, es muß aber gesägt werden, daß für jede Richtung innerhalb unserer Gemeinde, sei sie nun jüdisch-politisch oder religiös, ein besonderer Verein existiert. Unser Hauptaugenmerk müssen wir darauf richten, diesen Vereinen junges Blut, das heißt Schüler und Schülerinnen Zuzusühren. Mit bewundernswerter Tatkraft sind sowohl die Zionisten als auch neuerdings die Naumannianer bemüht, ihren Jugendgruppen neue Mitglieder Zuzusühren. Dieses Bestreben wird ihnen durch die Gleichgültigkeit der C. V.-Eltern leicht gemacht. Unsere C. V.-Mitglieder wachen gewöhnlich erst dann auf, wenn ihre Kinder bereits fest im „Blau-Weiß" verwurzelt find, und in die Familien jüdisch-politische Streitfragen hineintragen werden. Dann kommen sie mit ihren Klagen zum C. V. und beschweren sich, daß dort keine Jugendgruppen bestehen, beziehungsweise daß sie von deren Existenz nichts wissen. Demgegenüber muß immer wieder gesagt werden, daß es mit zu den Erziehungsausgaben der Eltern gehört, sich rechtzeitig Leim C. V. zu erkundigen, welcher Jugend- Verein für ihre Kinder der empfehlenswerte sei. Es ist ein unhaltbarer Zustand, daß die jüdischen Jugendvereine, die auf dem Boden des E. Bestehen, in der Millionenstadt Berlin, einschließlich der neutralen Jugendvereine, höchstens 2000 Mitglieder haben. Man sehe sich dagegen kleinere Gemeinden an, in denen sämtliche Jugendliche von den verschiedenen jüdischen Jugendvereinen erfaßt sind. Die Folge davon ist ein viel lebhafteres Gemeindeleben und ein tatkräftiges Zusammenarbeiten gegenüber deutschnationalen Anrempeleien. Das müßte in Berlin mit guten: Willen auch zu erreichen sein. Es ist aber den Jugendvereinen unmöglich, nur aus sich heraus diese Werbearbeit zn leisten, da ein Teil der Eltern allen Jugendbestrebungen völlig gleichgültig, ein anderer Teil aus Kleinlichkeit direkt ablehnend gegenübersteht. Der häufigste Einwurf, der erhoben wird, lalltet: „Mein Kind wird durch den Jugendverein dem Elternhause entfremdet." Abgesehen davon, daß dieser Einwand kleinlich egoistisch ist, stimmt er auch nicht, da die Kinder, die keinen: Jngendverein angehören, nicht eine Minute mehr zu Hanse sind als Jngendvereinsmitglieder; denn es ist naturgemäß nicht als inniges Familienleben zu betrachten, wenn die Kinder, selbst gemeinschaftlich mit ihren Eltern, Vergnügungen oder öffentliche Gaststätten besuchen. Im Gegenteil, dieses Leben schadet nicht nur dem jüdischen Hause, sondern bringt die Jugendlichen auch körperlich und seelisch in die größte Gefahr. Man betrachte sich dagegen einen Jugendlichen, der in einem Jugendverein organisiert ist. Er treibt vor allem Sport, ein Punkt, der sowohl für die allgemeine Volkswohlsahrt als auch für seine Gesundheit von größter Wichtigkeit ist. Er hört zum anderen Vorträge allgemein-wissenschaftlicher Natur und besonders jüdischen Inhalts, die ihn befähigen, jeden antisemitischen Vorwurf sofort treffend zurückzuwsistn. Die bisher dargelegten Gründe sollten für jedes Elternpaar überzeugend genug sein, ihre Kinder einem jüdischen Jngendverein zuzusühren. Wir richten daher an die Eltern die Aufforderung, Namen und Alter ihrer Kinder, sofern diese noch nicht organisiert sind, dem I u g e n d d e z e r n a L des C. V. m iLzuteilen, der dann alles weitere Veranlassen wird. Nur auf diese Art ist es möglich, für den C. V. einen Nachwuchs heranzubilden, der sowohl im Deutschtum wie im Judentum gleichmäßig fest verankert ist. ^§0. W J'ngendveeansLalLung. Am 8. Mai d. I., pünktlich Uhr abends, findet im Plenarsitzungssaal der Jüdischen Gemeinde zn Berlin, Rosenstraße 2/4, ein Jngendabend statt. Thenn:: „Die jüdische Jugendbewegung, ihre Arbeit und ihre Ziele". Au diesem Abend werden jugendliche Referenten zur jüdischen Jugend sprechen. Jüdische Eltern! schickt Eure Kinder zu dieser Veranstaltung, damit Eure Gesinnung auch die Eurer Kinder wird. Jüdische Jungen und-Mädel! Organisierte und Nichtorganisierte! Kommt zu diesem Jugendabend, um Euch über die Fragen der jüdischen Jugendbewegung im größeren Kreise anszusprechen. Die Jngendkommission für Groß-Berlin des CenLral-Veveins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. « rr Die Iuöen in Rarpatho-Nußlanö j. Von Dr. Ernst Leben hart. Jüdische Bauern und Handwerker. — Das. Schiedsgericht. —. Der Wunderrabbi. — Die Städte Karpatho-Nußlands haben einen starken jüdischen Einschlag. Ungwar zählt bei 22 000 Einwohnern 8000 Inden, Munkacs bei 22 000 Einwohnern 14 000 Juden, Beregsäsz bei 15 000 Einwohnern 4000 Juhen. Der Jude ist in allen Berufen vertreten, ist Handlanger, Handwerker, Geschäftsmann. Der jüdis che K u t s ch e r, H 0 t e l d i e n e r , R a s e u r, Ke l l ner, Sch nst e r usw. sind alltägliche Gestalten. Zu Hunderten begegnet mran den Juden in den Straßen und Samstag füllen sie in Gruppen alle Straßen und'Plätze. Im Komitat Marmaros siedeln. etwa 10 000 jüdische Kleinbauernfamilien. Sie leben in den ärmlichsten Verhältnissen in niedrigen, einfachen Holzhütten mit Schindeldächern. Nur die wohlhabendsten haben mehr als eine Stube. Ein Tisch, Zwei Betten, eine alte Truhe und ein paar Stühle sind das ganze Inventar, KukuruzbroL und Kartoffeln ihre Nahrung; nur an: Samstag gibt es Fleisch. Zn weißem SabbatbroL langte es seit dem Kriege nicht mehr, der hier schwer aus der Bevölkerung lastete. Seit dieser Zeit ist hier der Hungertyphus zu Hanse. Es gibt keine Familie, in der man nicht für ein in den letzten Jahren verstorbenes Mitglied daß TotengebeL sagte. Als Taglöhner, Holzfäller, Fuhrleute trachten ch Karpatho-Nußland lügt in: äußersten nordöstlichen Winkel des früheren Ungarn. Dir kulturelle Rückständigkeit dieses vorwiegend von Ruthenen Lewoh nten Landstriches macht ihn zum Sorgenkind der Tschechv- SlvwMischen Republik, in deren Staatsgebiet er fällt. Die Red.

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