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Central-Verein-Zeitung · 1922-05-04 · 1 (4.5.1922) · p. Seite 9

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1 (1922)
Issue
1 (4.5.1922)
Date
1922-05-04
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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9 weniger bekannten Namen. — In Targu-Maresului kam es zum erstenmal in Rumänien vor, daß jüdische Rekruten in he bra i s ch e r S p rachebeeidet wurden, da sie der rümänischen Sprache nicht mächtig waren. Die Formel lautete: „Harenu ... nischha schelvuat emunim lemelech Ferdinand harischon." — Könnte man aus diesen beiden Nachrichten daraus schließen, daß die bisherige judenfeindliche Politik Rumäniens besserer Einsicht gewichen ist, so wird man anderseits wieder skeptisch, wenn man erfährt, daß sich bei den jüngsten Wahlen die Juden in den nunmehr rumänischen Teilen Siebenbürgens der Sti m m a bgabe enthalten haben, um so ihren Protest gegen die Streichung zahlreicher Glaubensgenossen von den Wählerlisten zu bekunden. Die „Jacov-Schiff-Stratze" in Frankfurt a. Main. Die Hinterbliebenen des amerikanischen Philanthropen Jacob Schiss, der aus Frankfurt stammt, haben der. Stadt -die Summe von zwei Millionen zur Verfügung gestellt zum Dank dafür, daß die Stadtverwaltung eine Straße Jacob-Schiff-Straße genannt hat. Die Hülste dieser Summe erhält das Wohlfahrtsamt, die andere Hälfte der „Israelitische Almosenkasten" zur Verwendung für Alters- und Jnvalidensürsorge. Der Hunger unter den Juden in der Krim. Herr Veilenson, Delegierter der jüdischen Organisation in der Krim, ist soeben hier eingetrosfen und äußerte sich einem Berichterstatter des JCB. gegenüber folgendermaßen: Die Hungersnot unter den Juden in der Krim hat ihren Höhepunkt erreicht. Täglich sterben zirka 300 Inden den Hungertod. In Simseropol sind allmorgendlich die Straßen mit Leichen übersüt. Die Lage der jüdischen Handwerker, die den größten Teil der Bevölkerung bilden, ist jedoch am allertraurigsten, da es ihnen an Handwerkszeug fehlt. Während des Krieges hat sich durch Zuwanderung die Zahl der Juden in der Krim bedeutend vermehrt. Herr Beilenson schützt die augenblickliche jüdische Bevölkerung in dieser Provinz auf 100 000 und fordert die jüdische Welt auf, dieser großen notleidenden jüdischen Siedlung baldigst Hilfe zu bringen. Zum Ableben Eugen Parwfstys. Aus dem Anlasse des Ablebens unseres langjährigen Vorstandsmitgliedes und verdienstvollen ' Mitkämpfers, des Stadtrates und Bankiers Eugen Vnnofsk h, hat unser Vorstand folgendes Schreiben an die Witwe gerichtet: „Sehr verehrte gnädige Frau! Tiefbetrübt stehen wir an der Bahre Ihres hochverehrten und geliebten Gatten, des Stadtrates und SLadtältesten Eugen Panofsky. Seit Juni- 1919 dem Hauptvorstande des Central-Vereins an gehörend, hat Eugen Panofsky in allen wesentlichen Fragen unserer Tätigkeit, insbesondere in allen wirtschaftlichen und finanziellen Fragen, uns stets zur Seite gestanden. Er war ein Mann von reinstem Streben, von peinlich ehrenhafter Gesinnung, beseelt von einer unvergleichlichen Liebe zu seiner jüdischen Gemeinschaft, getragen von höchsten Idealen der Menschheit, begabt mit klarem Verstände und beglückt mit einem cdeldenkenden, guten Herzen. ' Sein weiser Rat, seine ständige Hilfsbereitschaft wurden von uns überaus häufig in Anspruch genommen. Wenn unsere Vertreter ihn in seinem Geschäfte besuchten, hatte er trotz aller Inanspruchnahme stets Zeit für sie. Sie kamen niemals vergebens, und immer und immer wieder erfreuten wir uns seiner Güte und seines Interesses. Er war ein wahrhaft edler Zaddik im Sinne unserer ehrwürdigen Väter. Allzufrüh ist er uns entrissen worden. Möge Gott Sie, sehr verehrte gnädige Frau, trösten und erheben, wie er uns im Andenken an den Dahingeschiedenen zu immer neuer Arbeit und reinstem Streben begeistern möge. Von einer Kranzspende haben wir in seinem Sinne Abstand genommen. Wir haben den Betrag von 1000 Mark unserem „Fonds für notleidende Angestellte" im Andenken an Eugen Panofsky Angeführt, weil wir wissen, daß wir auf diese Weise seinen Namen am besten ehren können. Bei der Beisetzung wird unser Ehrenvorsitzender, Herr Geheimer Justizrat Dr. Eugen Fuchs, den Vorstand des Central-Vereins vertreten; der Unterzeichnete Vorsitzende wird, falls es ihm seine dringenden Verufsgeschäste möglich machen, ebenfalls anwesend sein. In ausgezeichneter Hochachtung Der erste Vorsitzende '-des Central-Vereins. Frau Henriette May, die langjährige Mitarbeiterin in unserem Central-Verein und Mitglied des Hauftworstandes, feierte kürzlich ihren 60. Geburtstag. Mit allen großen jüdischen Organisationen Deutschlands, insbesondere -den Frone norganisati-one.n, begrüßte und beglückwünschte sie zu diesem Tage der Central-Verein und überreichte ihr die Urkunde über die Ernennung zum Ehrenmitglied. Möge unsere hochverdiente Freundin noch jahrzehntelang Unserer Arbeit erhalten bleiben. Bon der Züricher Universität. Aus Zürich wird uns berichtet: Unsere Stadt wird in kurzem durch eine hervorragende jüdische Persönlichkeit bereichert, die nicht nur eine Zierde der Wissenschaft darstellt, sondern zugleich eine bedeutsame Vergangenheit im Dienste des Judentums und auch insbesondere des Palästinagedankens ausweist. Professor Dr. E u g e n Täub l e r, der frühere Leiter des Gesamtarchivs der deutschen Juden und Direktor der Akademie für die Wissenschaft des Judentums, zugleich Dozent in Berlin, hat einen Ruf als außerordentlicher Professor der alten Geschichte an die Universität Zürich erhalten und angenommen. Professor Tüubler, der sich in wissenschaftlichen Kreisen durch seine Forschungen auf dem Gebiete der römischen und griechischen Geschichte bereits einen Namen erworben hat, trat sein neues Amt am 15. April an. Wie wir erfahren, wird er im Rahmen seiner. Vorlesungen über die „Anfänge des Volkes Israel" lesen. W Der Kampf öes -euMeri Studenten Mischen Glaubens. Von Herbert Goldschmidt, siuck. für. el rer. pol. (Berlin-Dahlem). Antisemitismus ist Verrat am Geiste, Zumal am deutschen Geiste. Hierfür gibt es keine Ausflüchte und Entschuldigungen; dem Vorurteilslosen ist dies Tatsache. Studenten sollen Geistestrüger sein, sie sollen die Schicht des Volkes darstellen, die dem Geiste dient. Und deutsche Studenten sollen vor allem dem deutschen Geiste dienen! Antisemitisches SLudententum ist demnach zugleich Paradoxon und Verräterei. Logisch Paradoxon. Faktisch Verräterei. Auch hiergegen^ kann kein Einwand erfolgreich sein. Denn dies ist eine rein ver-> standesmäßig gezogene Folgerung. Wenn weit über die Hülste der deutschen Studierenden antisemitisch verseucht ist, so ist das ein Zeichen dafür, wie es um die Zukunft des wahren deutschen Geistes steht: Die Mehrzahl derer/ denen die Aufgabe zusteht, ihm zu dienen, haben ihn verraten, haben ihm die Gefolgschaft verweigert. Das Heer des deutschen Geistes hat zu erheblichen Teilen gemeutert, hat sich von der Führerschaft des wahren deutschen Geistes losgesagt. Wer das nicht wahr haben will, beschäftige sich ehrlich und vorurteilslos mit den Großtaten deutscher Geisteshelden, die als Führer allgenrein anerkannt sind, und er wird' alsbald von der Richtigkeit dieser Aussage überzeugt sein. Wer aber den deutschen Geist verrät, verrät das deutsche Volk, dessen höchstes Gut dieser deutsche Geist ist. Deshalb versürwigt sich der „deutschvölkische" Student an seinem Volke; deshalb ist es der „deutschvölkische" Geist, der von jedem wahren Deutschen verachtet und bekämpft werden muß. , . Der Kampf der deutschen Studenten jüdischen Glaubens ist der' Kampf gegen diesen. Geist, der nicht nur für ihn, sondern für deutschen Geist und für deutsches Volk überhaupt eine große Gefahr bedeutet. Es gibt viele Arten Antisemiten,, aber die gefährlichsten sind die akademischen. Denn sie treffen das deutsche Volk in seinem Lebensnerv, sie verseuchen seinen Geist, dem von aller Welt gehuldigt wird. Daher ist der Kampf des deutschen Studenten jüdischen Glaubens der wichtigste, aber auch der schwerste. In diesen: Kampf hat er zwei Aufgaben zu erfüllen, die aufs engste miteinander verknüpft sind: ' 1. Er hat zu kämpfen um seine akademische Gleichberechtigung; die man anzntasten wagt. ' , 2. Er hat zu kämpfen gegen sonstige Einflüsse des ankisemitischen Studenten!ums, er hat der lebhaften und verleumderischen Agitation jenes undeutschen Geistes enlgegenZutret-en, die jener —- anscheinend finanziell gut unterstützt! — energisch betreibt, um immer neue Reihen zu verseuchen und die Zahl der Abtrünnigen vom wahren deutschen Geiste zu vermehren. Indem er die erste Aufgabe auf sich nimmt, kämpft der deutsche Student jüdischen Glaubens für den deutschen Juden. Er'kämpft gegen den Antisemitismus, gufosern dieser die Rechte der deutschen Judenheit verletzt.. Er wehrt sich dagegen/ daß ihm seine. Rechte geschmälert werden/daß er, dem Deutsch sein nicht eine äußere Forma- . lität sondern eine innere NoLwe'n-digkeit ist, zu einem akademischen .Bürger zweiter Klasse erniedrigt werden.soll. Und er sieht seht wohl ein-, daß ereine -solche Ungerechtigkeit und Erniedrigung schon darum nicht Anlassen kann, weil die Folgen, die sie für die Staatsbürgerrechte der deutschen Juden nach sich zöge, unabsehbar wären. Mit der Uebernahmeder zweiten Aufgabe kämpft, der. deutsche Student jüdischen Glaubens für das deutsche Volk und für den in aller Welt verehrten deutschen Geist. Hier gewinnt ein Kamps allgemeinere Bedeutung, hier wird er geistig, hier wirkt er kulturell! . ... Der einzelne, der sich als deutscher Student, jüdischen Glaubens bezeichnet, wird naturgemäß ganz verschieden eingestellt, sein. .Man verfiele in -den Fehler der Gegner, wenn man hier verallgemeinerte. Er. kann voll des wahren deutschen Geistes sein und zwar in .viel höherem Maße als mancher blauäugige „Langschädel", der mit seiner körperlichen-Konsti tution — was hat er Wohl für sie getan? — .den Gipfel der Teutschheit erreicht Zn haben glaubt. .Er kann, aber auch eine Lebenseinstellung vertreten, .die alles andere als deutsch ist und die vielfach hervorgerusen wird durch den Drang nach Assimilation an das jämmerliche Gehabe „rein-rassiger" Germanen.' Kurz gesagt, er kann so deutsch und. so undeutsch sein, wie jeder andere, der unter . den geschtchllichen und politischen Begriff -des- Deutschen fäN. e MrrHenv

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