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Central-Verein-Zeitung · 1922-05-04 · 1 (4.5.1922) · p. Seite 5

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1 (1922)
Issue
1 (4.5.1922)
Date
1922-05-04
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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5 MMtut Hsv . An unsere Freunde! Es ist nur Zu verständlich, daß sehr viele unserer Freunde das Bedürfnis haben, den Vorsitzenden des Vereins zu sprechen. Dieser steht selbstverständlich Zur Rücksprache in jeder ernsten Vereinsangelegenheit zur Verfügung. Bei der starken Belastung des Vorsitzenden bittet er aber jeden, bevor er bei dem Vorsitzenden Persönlich vorstellig wird, sich zu fragen, 1. ob die Unterredung mit dem Vorsitzenden notwendig und Zweckmäßig ist und nicht viel Zweckmässiger durch eine Unterredung mit dem Syndikus ersetzt wird, .' . 2. ob es nicht zweckmäßig ist, die Unterredung mit dem Vorsitzenden durch eine Unterredung mit dem Syndikus vorzubereiten, damit das erforderliche Material dem Vorsitzenden zur Verfügung steht. Der C. V. und Keren hajessod. Es ist unverständlich, daß wir immer noch hin und wieder, auch in neuester Zeit, um Aeußerung über unsere Stellungnahme zum Keren hajessod (Aufbausammlung für Palästina) gebeten werden. Unsere Stellungnahme ist in unseren Beschlüssen klar niedergelegt. Der Standpunkt des Central-Vereins verbietet es, solange in unserem Vaterlande, insbesondere auch .die jüdischen Einrichtungen, wie Krankenhäuser, Bildungsanstalten, Bibliotheken usw., unter schwerster Not leiden, die Aufsorberung zu unterstützen, Geld anders als Zur Erfüllung der Wiederaufbauarbeiten in unserem deutschen Vaterlande zu verwenden. Diese Erwägung ist so entscheidend, daß sie uns aller sonstigen Stellungnahine zu der Frage des Keren hajessod überhebt. Osijrrderrsrage. In der antisemitischen Presse erscheinen phantastische Zahlen 'von bis N4 Millionen Zuwcmderern aus dem Osten, die der besseren Stimmungsmache wegen insgesamt als Ostjude n bezeichnet sind. Wir haben mit Hilfe des Arbeitersürsorgeamtes sestgestellt, daß die Zahl der Zuwanderer aus dem Osten höchstens 200 000 beträgt, Christen und Juden zusammen. Hiervon find höchstens 60- bis 70 000 Juden. Von diesen ist mehr als die Hälfte (rund 35 000) während des Krieges zu Arbeiten in Munitionsfabriken nach Deutschland meist Zwangsweise gebracht worden. Ein erheblicher Prozentsatz der Zuwanderer betrachtet Deutschland nur als Durchgangsland und bleibt nur solange hier, bis der Abtransport geregelt ist. Wir haben in einem Aufsatz an die „Vossische Zeitung" diese Tatsachen veröffentlicht. Ein eingehender Artikel als Erwiderung auf eine im Dezember v. I. erschienene Besprechung dieser Angelegenheit in der „Kölnischen Zeitung" ist bereits zur Drucklegung sertiggestellt. Zahlreiche Privatpersonen und Beamte bis in -die höchsten Stellen hinauf sind von uns orientiert worden. Schutz- und Trutzbund. Der Deutschvölkische Schutz- und Trutzbund hat in den letzten Monaten fünf Flugblätter gemeinster Art teils durch Verschickung im geschlossenen Umschläge, teils durch Verteilung aus Straßen, teils durch Anschlag, kurz beinahe ans jede erdenkliche Weise verbreitet. Wir haben diese verhetzenden Flugblätter dem Ministerium des Innern, dem Reichskommissar für die öffentliche Ordnung und der Oberstaatsanwaltschaft übergeben. Verfolgung ist uns Zugesagt. Eindrucksvoller wird wirken, daß wir diese Flugblätter christlichen Freunden und objektiv denkenden Persönlichkeiteri in den verschiedensten Gegenden des Reiches übergeben haben. Die von diesen zum Ausdruck gebrachte Entrüstung wird zweifellos unserer Absicht gemäß dem Schutz- und Trutzbund Abbruch tun. Dr. Frankel »ISaZ Frenzel. Während der Wahlperioden in den vergangenen Jahren hat sich Dr. Frenzel als antisemitischer Agitator im Interesse der Deutschen Volkspartei in und um Berlin betätigt. Es ist uns gelungen, festznstellen, daß derselbe von Geburt Jude ist, früher Frankel hieß, daß seine Frau katholisch ist, seine Töchter zur christlichen Religion übergetreten sind. Dr. Frenzel wohnt jetzt in Nikolassee. Kriegsstatistik. Vielen Freunden ist die Segallsche Schrift „Die deutschen Juden als Soldaten im Kriege 1914/18" nicht faßlich genug geschrieben und nicht populär genug gehalten. Letzteres war überhaupt nicht beabsichtigt. Sie war von vornherein nur für den gebildeten Teil unserer Freunde bestimmt. Um allen Anforderungen «zu genügen, haben wir im Verein mit dem Reichsbund jüdischer Frontsoldaten die Aufstellung eines namentlichen Verzeichnisses der gefallenen und vermißten jüdischen Soldaten, wie auch die Herausgabe einer entsprechenden populären Schrift in Angriff genommen. Die außerordentlich schwierige Arbeit hoffen wir bis spätestens Jahresende zum Abschluß gebracht Zu haben. Auslobung von 10VV0 Mark. Theodor Fritsch in Leipzig hatte vor längerer Zeit die genannte Summe für den Nachweis ansgesetzt, daß er Talmudstellen nicht sinngemäß übersetzt hat. Wir sind dabei, eingehendste Beweise zu beschaffen. Der Nachweis wird in Leipzig und München zusammengestellt, die Unterlagen liefern wir. Die Fertigstellung wird wahrscheinlich geraume Zeit in Anf-PruA nehmen.. Die Angelegenheit steht dicht vor der Klageerhebung. Ehrung der gefallenen jüdischen Soldaten. Wir haben angeregt, die jüdischen Gemeinden zu veranlassen, uns Denkschriften, Photographien, Berichte über Gottesdienste usw. zu Ehren der gefallenen jüdischen Soldaten einzusenden. Eine große Anzahl solcher Berichte sind bei uns schon eingegangen. Wir versenden;e ein Exemplar an die Staatsbibliothek und an den Neichsbund jüdischer Frontsoldaten, je ein Exemplar Heben wir im Tresor und in unserer Bibliothek auf. Sobald genügend Denkschriften gesammelt sind, werden dieselben in einem im Zimmer des Syndikus aufzustellenden Ehrenschrein vereinigt werden. Rechtssachen. Es laufen eine ganze Anzahl von teils von der Zentrale, teils von den Landesverbänden, Ortsgruppen und einzelnen Mitgliedern betriebene Strafprozesse wegen Beleidigung, Gotteslästerung, Aufreizung zum Klassenhaß, Bekämpfung antisemitischer Flugblätter usw. Der Erfolg unserer Bemühungen ist in den letzten Monaten größer gewesen als bisher. Wir haben auch bei den maßgebenden Stellen mehrfache Fragen des Strafrechts erörtert und die Vorbereitungen getroffen, eine Eingabe zur Aenderung des Strafgesetzbuches über die Kollektivbeleldigungen einzureichen. In Privaten Rechtsangelegenheiten ohne, spezifisch antisemitischein Einschlag haben wir vielen Freunden Rat' erteilt. Zahlreiche Beschwerden über antisemitisches Verhalten von Beamten, Lehrern usw. sind in einem für uns günstigen Sinke entschieden worden. Antisemitismus im Deutsch-österreichischen Alpenverein. Vor längerer Zeit machten sich in einzelnen Gruppen Bestrebungen geltend, Juden aus dem Verein ausznschtießen. Die Bestrebungen gingen von den österreichischen Gruppen aus. Auf der Hauptversammlung wurde ein diesbezüglicher Antrag abgelehut. Trotzdem setzten ihn einige Ortsgruppen auf ihre Tagesordnung. Auf einer Versammlung des Gaues Rheinland wird demnächst die Sache zum Austrag kommen. „Diplomierte" Antisemiten irr Polen. Bekanntlich hat der, verstorbene Antisemit Andrej Nienwjewski die Initiative zur Gründung einer I ud e n k e n u e r a k a d e m i e gegeben. Nach der bekannten Judenkennnerkonferenz, die im Dezember vorigen Jahres im Warschau stattgefnnden hat, wurden durch den Antisemitenverein „Nozwoj" Jndenkennerkurse gegründet. Am 26. Mürz hat der „Rozwoj" 94 Personen, die die Kurse beendet haben, Diplome als Kenner der Judenfrage erteilt. Welche Befugnisse den Inhabern dieser Diplome zustehen, wird leider nicht verraten. Jedenfalls beweist Polen auch hiermit seine bekannte Eignung zum europäischen Kultur sta-at. Jüdische Dozenten an Universitäten. Nachdem wir über die Zähl jüdischer Mediziner an einer Reihe von Universitäten berichtet hatten, war der Wunsch geäußert, wir möchten dahin kommen, aus eine Anfrage angeden zu können, welcher Konfession irgendein Dozent angehört. Heute sind wir in der Lage, bei einer Reihe von Universitäten die konfessionelle Zugehörigkeit und Abstammung der Dozenten anzugeben. Zentralarchiv. Längst schon strebten wir nach einem aus der Praxis geborenen Archiv, das' uns ermöglicht, aus Anfordern denkbar schnell alles in Frage kommende Material zu übersenden oder zusammenzustellen. Der richtige Weg ist nunmehr beschritten. Von Tag zu Tag wächst das Archiv. Nach einer gewissen ZeK wird es nicht mehr zeitraubender Arbeit bedürfen, umgehendste Antwort im Bedarfsfälle erteilen zu können. Verein Jnngftrrrm. Diese Schüler-Vereinigung in Berlin, Abteilung Charlottenburg, hatte den Ausschluß von jüdischen Schülernbeschlossen. Eine Beschwerde des ElLernrats an die Bundesleitung blieb ergebnislos. Wir haben infolgedessen die Angelegenheit dem preußischen Kultusminister unterbreitet und gefordert, daß der Verein für Schüler staatlicher und städtischer Lehranstalten verboten wird. Entscheidung ist noch nicht eingegangen. Parteipolitisches. Eingegangenen Nachrichten zufolge sollen Bestrebungen zur innigeren Verschmelzung der Deutschnationalen, der Deutschvölkischen, der Orgesch, überhaupt aller rechtsgerichteten Organisationen im Gange sein. Wir haben sestgestellt, daß die Nachrichten an sich richtig sind. Nicht geglückt ist eine Feststellung, von wo oder wann die Sache ausgegangen ist, wie weit sie gediehen ist und ob die Behörden hieraus aufmerksam geworden sind. Auskunft über Persönlichkeiten für Besetzung wichtiger Aemter. Sehr häufig hängt für uns viel davon ab, welche Stellung zum Antisemitismus gewisse Persönlichkeiten einnehmen, die sich um ausgeschriebene Stellen beworben haben. Wir haben es erreicht, in vielen Fällen die erforderlichen Unterlagen zu erhalten. Nach den gemachten Erfahrungen ist es aber nötig, das etwaige Anfragen möglichst frühzeitig an uns gelangen. Rabbrnerkonferenz. Eine ständig wiederkehrende Behauptung der Antisemiten geht dahin, es bestünden nicht,zn kontrollierende jüdische Geheimvorschriften. Obgleich von jüdischer Seite schriftlich und mündlich, öffentlich und privatim vielfach das Anerbieten gemacht ist, alle unsere Schriften durch eine unparteiische, des Hebräischen mächtige Kommission prüfen und übersetzen zu lassen, haben wir trotzdem dahin gewirkt, daß eine Nabbinerversammlung Zunächst in Berlin, später vielleicht im größeren Kreise, Zusammentritt, um die vorerwähnten Ausgaben zu lösen. Ist die begonnene Arbeit vollendet, dann müssen alle Vorwürfe über jüdische Geheirnlehren oder -gesetze verstummen.

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