Bar Kochba
- Journal
- Bar Kochba
- Volume
- 2 (1920-1921)
- Issue
- Heft 23-24 (Juni 1921)
- Date
- 1921-06-01
- Page
- Seite 379 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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nämlich an der Sonne getrocknete Backsteine und ciniye Sykomorcnbalken. wenig . widerstandsfähig, eine Erklänkng dafür, das; manche Orte, deren Namen uns die Bibel überliefert hat, spurlos vom Erdboden verschwunden sind. Nur die Reichen konnten sich Bauten aus Ouadersteinen und Zedcrnholz Herstellen lassen. DaS Baumaterial ist heute im wesentlichen dasselbe , wie früher: die Ebenen liefern den Lehm, das Gebirge den Kalkstein. Nur der Holzmangel ist wohl noch weit empfindlicher als ehedem, und die wirtschaftliche Lage der Eingeborenen hat sich im allgemeinen verschlechtert. Der Umstand, daß das Bauholz, weil importiert, sehr teuer, ist, trägt dazu bei, daß die Fußböden aus Zement oder Steinplatten, die Treppen aus Stein, die Türen vielfach aus Eisen sind. Jener Mangel führt weiter dahin, in die Wände Nischen einzubauen, die als Schränke dienen, oder an der Wand entlang Bänke aufzumauer», die mit Kissen und Teppichen, belegt werde». Die Stadtlind die besseren Fellachenhäuser im Gebilde, wo das Material leicht zu beschaffen ist, sind aus behauenen, weißenKalksteinen anfgcsührt: soiist kommen für den annercu Gebirgssellachen in der Regel nur unbehauene Steine als Baumaterial, und in der Ebene gar nur »nt Häcksel vermischter Lehm in Betracht. Hier und da findet man auch einen Säulettschast oder sonstige Nberreste etiva eines Kreuzfahrerbaues verwertet: in Ramallah sah ich die Ruinen einer Kirche zur Wohnung hergerichtet. Eines eigenartigen Baumaterials, das die Neuzeit ins Land gebracht hat' sei hier iioch gedacht, der leeren Petroleumblechknsten. Sie werden nut Erde gefüllt und hon» als Bausteine verwendet, Übrigens sieht man sie auch als Blumentöpfe auf den (Halene» der Dächer. Schließlich spielt beim Bau eines Hauses in Palästina noch eins eine bedeutende Rolle: der Aberglaube. Es herrscht bei Städtern lind Fellachen gleicherweise die llberzrugung. daß an oder unter den Türschwellen böse Geister wohnen. Baut sich jeinand ein. Haus, so versäumt er sicherlich nicht, beim Einfügen . der Schwelle zugegen zu sein, um unter diese irgend eine Münze es genügt die kleinste, nur darf sie nicht von Kupfer sein zu legen. Ferner wird ei» Hahn am besten ei» weißer geschlachtet, um sein Blut an der Türlchwelle auSrinnen zi» lasse». Vielfach ivrrde» auch noch die Pfosten damit bestrichen. Die Absicht ist, durch all dieses den bösen Geistern das Wohnen an der Schtvelle de« Hauses möglichst zu verleiden. Wenn beim fortschreitenden Bau ein Gewölbe' fertiggestellt ist, so wird über die Tür rin Knochen, meist ein Kamcelkinnbacken oder ein Hundeknochen gehängt, daneben auch große, blaue Glasperlen, eine Knoblochzwiebel oder ein Stück Alaun. Das alles soll de» „bösen Blick" abwenden. Hierbei gilt die blaue Farbe als besonders wirksam: darum sieht man als derartiges Schutzmittel an alten moslemischen Häusern über der Tür ein. auch mehrere blaue Teller oder weiße Teller mit. blauer Malerei eingeinauert. Dasselbe bezwecken die auSgestrecktcn Hände, die sich: manchmal in Metergröße, mit blauer Farbe auf die Front jüdischer Wohnstätten gemalt finden. Ein besonderes Kennzeichen sind die flachen Dächer, deren platter Boden nur hier und da durch daS Kuppelgewölbe ejneS Zimmers unterbrochen wird: nach der Straße hin sind sie durch eine Brüstung bewehrt. Schon da« Alte Testament bestimmt, daß aus dem Dach ein Geländer angebracht werde (vgl. 5. Mos. 22, H), über dessen Form es aber keine nähere Angabe macht. Heute besteht diese« in einer etwa meterhohen Mauer, in die reihenweise übcreiirandergeschichtete Röhren in der Art eingesügt sind, daß sie Dreiecke mit nach oben gerichteter Spitze bilden. Diese Röhrendreiecke ermöglichen einen freien Lustzug und gestatte» zugleich einen Ausblick, oh»e daß man selbst gesehen wird. Die Wohnräume sind des Klimas wegen durchschnittlich größer und vor allem, höher als bei uns. Die Wände sind meistens weiß getäuscht und mit Geweihen. Decken und Teppichen geschmückt. Bon der Anorvming der Zimmer in einem orientalischen Sladthausr ist sehr schwer eine Beschreibung zu geben. Eü macht mitunter den Eindruck, als sei ganz nach Bedarf ein Raum nach dem andern Hinzugebaul: Gange, Treppenstufen, kleine Vorplätze und dergl. verursachen einen den Abendländer überraschenden Wirrwarr. Hervorgehoben seien unter den Räumlichkeiten daß Gemach der Frau bezw. der Frauen, da» möglichst abseits oder abgeschlossen gelegen ist : dann ein Wohnraum. (Borzimmcrj genannt. Es ist das eine geräumige, offene Halle, ettva unsrer Diele entsprechend. die»ame»tlich in 379