Bar Kochba
- Journal
- Bar Kochba
- Volume
- 2 (1920-1921)
- Issue
- Heft 23-24 (Juni 1921)
- Date
- 1921-06-01
- Page
- Seite 380 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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txn warmen Sommermonaten von der Familie als Wohn-, Etz. und Schlafzimmer benutzt wird.' Ein» besondere Küche findet sich nur in den befferen Häusern; ärmere Leute haben einen transportablen, kleinen 'Lehmofen, auf dem die Holzkohle in Brand gefetzt, und der dann zum besseren Anfachen des ,Feuers »och für kurze Zeit ins Freie getragen wird. Das Esten, von der Frau oder Dienerin hergestellt, nimmt der Mann allein oder mit seinen erwachsenen Söhne«», auch wohl mit seiner kleinen Tochter ein; die weiblichen HauSbeivohner effön später, was übrig bleibt. Schon diese Gewohnheit zeigt, das; von einem Familienleben in einem »noslennsche» Hause käuin die Rede ist. Ei» besandercs Schlafzimmer gibt eS gewöhnlich nicht. Tie „Bellen", bestehend in einer dünnen Matratze und 'wollenen Decke, »verden auf dem Fußboden des Wohnzimmers hergcrichtet. Zum Schlafengehen zieht man sich nicht ganz aus, sondern entledigt sich teilweiS der Obcrklcider und lockert den Gürtel. Man benutzt die Nacht d»«rchaus nicht nur zum Schlafen oder Ruhen; nachdem man dies einige Stunden getan hat, steht man auf, raucht eine Zigarette, trinkt einmal Wässer und schläft dam» »vieder: so verbringt man dieNacht abwechselnd mit Schlafen und Wachen. Trotzdem sind alle Frühaufsteher, gehen allerdings auch zeitig zu Bett. Ein Nachtleben, wie in vielen unsrer Großstädte. kennt der Orientale nicht. Der Wassermangel verbietet zu HauS zu baden, und darin»» benutzt man die öffentlichen Bäder, in denen bestinnnte Stunden des TageS für die Frauen reserviert sind. In dieser Zeit ist dann vor dem Eingang der Badeanstalt ein weißes Tnch guer über die Straße gespannt. Ein sehr beliebter Aufenthaltsort der HauSbeivohner ist seit alters bis heute das Dach Hier sucht man im . Winter die warnte Mittagssonne, hier erguickt mai» sich in» Sommer an der kühlen Morgentust und geiüeßt des Abends den Sonnenuntergang oder später den funkelnde» Sternenhimmel. - Die Häuser der Fellachen, sind nach Aussehen und Einrichtung je nach der Gegend verschieden. Die Dörfer der Ebene mit ihren schmutziygelbei» Backsteinhütten »nachen einen unsäglich traurigen Eindnick. Man sieht es ihnen an. daß ein Stoff mit der Hand oder mit dem Fuß genügt, um ein Loch zu schäffen. durch das man hindurch gehen kann. Im Gebirge und an den Bergabhängen haben die mit' unbehauenen Steinen erbauten Häuser — und sie sind, in der Mehrzahl — ein niinenhafteS Gepräge, welches noch dadurch verstärkt »vird, daßdie einzelnen Gebäude ohne Ordnung »ind Planmäßigkeit dastehe». Wo nicht Wein- Pflanzungen, Oliven- oder Feigengärten dem Ganzen einen freundlichen Anstrich geben, erweckt auch solch ein Dorf nur wehmütige Empfindungen. Wenn die Armut den Bau eines Gewölbes verbietet, »verden die vier Mauer»» mit rohen Baumstämmen, Ästen und Reisig überdeckt. Darüber lvird eine etwa einen Fuß dicke Erdschicht äusgebrcitet und gut festgestämpft. Das Ganze pflegt man da«»» mit einem aus Lehm und Stroh bereiteten Brei zu überziehen, der sehr häld an der Sonne trocknet. Bor Beginn der Regenzeit muß solches Dach jedesmal ausgebessert und aufs neue festgewalzt »verden, sonst wird die Situation unter Um» stänhen für die Bewohner lebensgefährlich. Auf, so einen» Dache »nächst im Frühjahr Gras, und manchmal sieht man dort ei»»e Ziege auf die Weide gehen. Sehr oft wird-hier oben auch durch hingebreikete und ausgerichtete Matte»» ein Gemach hergestellt, in den», wie schon in alter Zeit der Gast einlogiert wird. Bezüglich der Einrichtung eines Fellachen- Hauses ist zuvor zu bemerken, daß feine Bewohner ja fast den ganzen Tag im Freien zubri»»gen: während einiger Monate des Jahres lebt manche Familie überhaup» im Weinberg oder auf bet Tenne. Darum kann man im Hause Licht und Luft entbehren. Dem Bedürfnis darnach genügt »»eben der inedngeN Tür eine kleine fensterartige Oeffnung; Fenster mit Glasscheiben gibt es nicht. Das Bauenrhaus im südlichen Palästina diesseits wie jenseits des Jordan zeigt in der Regel folgende Einteilung: daS einzige Stockwerk besteht aus einem Raume. Der dem Eingang zunächst gelegene Teil zu ebener Erde ist für das Vieh und zuweilen auch für das Ackergerät bestimmt. Vielleicht eine Kuh. sicher ein Esel, ein paar Schafe und Ziegen, Hühner und eine Katze lmben dort ihren Platz. Eil» höher gelegener Teil, zu den» man auf einer Leiter oder Treppe hinaufsteigt, »vird von der Familie bewohnt und hat einen festen Zenlentboden. Hierhin führt man den Gast.