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Bar Kochba · 1921-06-01 · Heft 23-24 (Juni 1921) · p. Seite 356

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bar Kochba
Volume
2 (1920-1921)
Issue
Heft 23-24 (Juni 1921)
Date
1921-06-01
Page
Seite 356 (sequence 4)
Language
German
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(E l n Pechvogel In einem Städtchen lebte unter einem puriz ein Melamed. Lein gai»es Leben hatte er in großer Not verbracht, unb was er auch anfangen mochte, nichts wollte ihm glücken. Der puriz aber war ein guter Mensch, der Mitleid mit dem Melamed hatte und ihm gern helfen wollte. Er pflegte ihm öfters Geld und Kleider zu schenken, doch dies alles nutzte wenig. Endlich beschloß der puriz, einmal auszuprobieren, ob unser Melamed, wie dieser behauptete, wirklich von Gott zum Schlemiel bestimmt wäre. Eines Tages legte er auf den schmalen Fußweg, der zum Schloßhof führte, einen Beutel mit Geld hin und ließ dem Melamed befehlen, sofort auf demselben Wege zu ihm zu kommen. Als der Melamed erschien, fragte ihn der puriz: „Wie geht es, Moschko, bist du vielleicht inzwischen reich geworden?" „Nein, gnädiger Herr," antwortete der Melamed, „ich werde wohl schon mein Leben lang ein armer Schlucker bleiben." „Moschko, du lügst; bist du auf dem Wege gekommen, den ich dir vorgeschrieben habe?" „Selbstverständlich, gnädiger Herr, wenn der puriz befiehlt, muß man doch gehorchen." „Und du bist da auf nichts gestoßen?" forschte der puriz weiter. „Nein, nein, gnädiger Herr, so wahr Gott mir und euch helfe." „Das ist schon ganz gewiß gelogen," schrie der puriz voller Wut, packte den Melamed am Kragen pnd schleppte ihn auf den Weg, wo er den Beutel niedergelegt hatte. Und wirklich lag der Beutel noch da. „Wie ist es nur möglich," wunderte sich der Puriz, „wie bist du denn eigentlich gegangen?" Der Melamed bekam einen Schteck. Er dachte, der puriz hätte wer weiß welchen verdacht gegen ihn. „Gnädiger Herr," begann er sich zu recht» fertigen, „Gott kennt die Wahrheit, ich bin unschuldig. Wie ich zu euch ging, überlegte ich mir, daß ich eigentlich gegen Gott nicht murren dürfte. Es gäbe doch viele, die es noch schlimmer hätten als ich. Zum Beispiel, dachte ich mir, wie soll nebbich ein Blinder seinen Weg finden? Ich schloß die Augen und wollte ausprobieren, wie so ein Blinder geht. Und so bin ich aufs Schloß gekommen, lieber gnädiger Herr." Da sah nun der puriz, mit welch einem Schlemiel--er es zu tun Hatte. „Mojsche," sagte er, „ich will es noch einmal mit dir versuchen, hier schenke ich dir den Beutel, mit allem, was darin ist, das sind fünfhundert Gulden; fahr damit zur Messe und fange an zu handeln wie alle Juden." Reb Mojsche bedankte sich sehr beim puriz, nahm das Geld und fuhr damit nach Leipzig zur Messe. Die Verkäufer merkten gleich, was das für einer war und redeten ihm ein, daß die beste Ware, die er kaufen Könnte, Schwänze aller möglichen Tiere wären. Er könnte sie zu Hause zehnmal so teuer verkaufen. Reb Mojsche

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