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Bar Kochba · 1921-06-01 · Heft 23-24 (Juni 1921) · p. Seite 355

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bar Kochba
Volume
2 (1920-1921)
Issue
Heft 23-24 (Juni 1921)
Date
1921-06-01
Page
Seite 355 (sequence 3)
Language
German
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Die f r omm e Kuh (Es lebte einmal ein jüdischer Mann, der besaß eine Ruh Die spannte er Tag für Tag ein und sie zog ihm Wagen und Pflug. Km Schabbos aber ließ der MaNn, wie befohlen ist, auch seine Tiere keinerlei Arbeit tun und die Ruh blieb im Stalle stehn und durfte von der Arbeit der Woche ausruhen. So ging es lange Zeit, bis eines Tages der ManN sehr arm nmtol und ihm nichts übrig blieb, als feine Ruh zu verkaufen. Sie kam zu einem Nichtjuden und zog nun dessen Wagen und dessen Pflug genau so treu und fleißig, wie sie es bei ihrem alten Herrn getan hatte. Als aber der Schabbos kam, wollte ihr neuer Herr sie auch einspannen, denn er war ja kein Jude und hielt das Gebot des Schabbos nicht. Die Ruh lag im Stroh und sah ihn mit ihren großen Augen verwundert an, aber sie erhob sich nicht. Lr nahm die peitsche und schlug sie sehr, aber die Ruh rührte sich nicht. Da lief der Mann zu dem Juden und rief : „Du hast mich belogen und betrogen, eine brave Ruh hast Du mir verkauft, und jetzt liegt sie im Stall und will nicht arbeiten". Der Jude aber wußte gleich, welche Bewandtnis es mit der Ruh hatte. „Ich will mit vir gehen", sagte er „und die Ruh wird vir wieder gehorchen". Als er in den Stall kam, fing die Ruh vor Freude an zu brüllen, va ging er zu ihr hin, beugte sich über ihr rechtes Dhr und sagte ganz leise: „Liebe Ruh, solange vu bei mir warst, lebtest vu in einem jüdischen Hause, wo man den Schabbos halt und durftest darum auch am siebenten Tage ruhen, wie Gott uns befohlen hat. Aber Gott hat mich für meine Zünden gestraft und ich bin arm geworden, so daß ich dich verkaufen mußte, und nun bist vu die Ruh dieses Mannes geworden, der kein Sohn Israels ist und dem die Thora auf dem Berge Sinai nicht gegeben wurde. Darum bitte ich Dich, tue, was er von vir verlangt, damit ich nicht als Lügner und Betrüger vor ihm stehe, denn ich habe gesagt, vu seiest eine brave und sanftmütige Ruh und um dessenwillen hat er Dich gekauft". Als er das gesprochen hatte, stand die Ruh auf und stellte sich dahin, wo ihr Joch Hing. Der Nichtjude aber drang auf den Juden ein und schrie: „Gestehe, vu hast die Ruh verhext, sage mir, was Du ihr angetan hast". Als der Jude nun seinen Zorn sah, erzählte er ihm alles, warum die Ruh nicht habe arbeiten wollen und wie er ihr zugeredet habe. Als der Nichtjude das hörte rief er aus: „Dieses unvernünftige Tier hat seinen Schöpfer erkannt und ich sollte es nicht tun?" Fortan war er ein Jude, Hielt den Schabbos und auch die Ruh ließ er am Schabbos ruhen. Man nannte ihn aber Thaninah, mit dem Beinamen „bar Tortha", d. h.: der Sohn der Ruh. 355

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