Bar Kochba
- Journal
- Bar Kochba
- Volume
- 2 (1920-1921)
- Issue
- Heft 22 (Mai 1921)
- Date
- 1921-05-01
- Page
- Seite 348 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Tel ftböas. Da wohnen die Arbeiter der Rwuzah mit Arabern in einer Häusergrupp«. Tel Addas hat in der Geschichte des Iischuws seinen eigenen Platz. Dort lebten die Witwen der gefallenen Schomrim'). Ls hat einen eigenen Klang dort alles, hier in Daganiah sah ich das Grab von Moscheh Darskin. Eine lange Reihe von Gräbern ist es am Ufer des Jordan, ganz im Grünen verwachsen, am Abhänge elftes Hügels mit Eukalyptus. Kurz sind all die Inschriften. Dussel, einer der Gründer von Daganiah, ertrank im See, ein anderer starb vor Durst im Gefängnis Dschemal Paschas. Ein Mädchen starb an Cholera, und so geht es weiter, eine lange, lange Reihe. * ' pessach. Ich muß sagen, mir hat der richtige Leder sehr. gefehlt, hier hat man gut gegessen, gesungen und getrunken, und in Daganiah fragte ein Junge sogar Rasches**)! Aber es ist alles nichts gegen den richtigen' Leder, orthodox oder nicht. In Daganiah war noch so eine Art Rinderfest, sehr niedlich all die Vorführungen von den Rindern zu sehen, aber nichts weiter. — — Und noch was. Der wunderbare See und Hein Iehudi schwimmt, keine Farm hat ein Doot oder ein Netz, keiner angelt, keiner segelt/ wasserscheu wie im Golus. Ich sitze draußen im Rerem (Weinberg) und sehe tagelang kein menschliches Wesen außer dem Araber, der mir Essen bringt und lauere auf ein menschliches Lebenszeichen wie der Teufel auf eine arme Seele. Line der wenigen nützlichen DeschSftigungen hier ist Traubenessen. Einmal schmeckts gut, und dann ist es wirklich eine ganz geruhsame und gedankenfördernde Deschäftigung. Man sitzt, Wächter. •♦) |oU wohl heißen, «r sagte „mah nischtanöh". meistens nachts (denn dann sind sie kalt upd mit Tau bedeckt), eine schhne volle Traube auf den Rnieen, steckt langsam eine Deere nach der andern in den Mund, saugt den Saft aus und spuckt gedankenvoll die Schalen in die Nacht hinaus. Ja, hie Gedanken gehen gleichmäßig vorwärts wie eine gutgeheizte Maschine; vorausgesetzt, daß die Trauben nicht mittendrin aufhSren. Ls hat so seine zwei Seiten, das Schomer zu sein. Einmal hat man so ziemlich alles was man sich wünscht, wenn man schwer arbeitet, wie jetzt in der Ernte. Tags nichts zu tun, lesen, schreiben, molschen. Nachts spazieren gehen, mit oder ohne Mondschein. (Schlafen, solang du willst, aber länger als von 3—8 oder 9 gehts von selber nicht), Traubenessen; und Menschen stören dich auch nicht. Aber nach ein bis zwei Wochen schmecken die Trauben nicht mehr ganz so. Die verbrauchten Mengen nehmen beträchtlich ab. Lesen und schreiben geht auch nicht den ganzen Tag. Allmählich bangt man sich sogar' nach Menschen und freut sich, daß man mit dem Araber reden kann, der das Essen bringt. Und unter verbrauch beträchtlicher Traubenmengen kommt man Zu der Entschließung, daß die Forke (Mistgabel) doch allerhand Vorzüge vor der Rnarre (Gewehr) hat. Die Nächte sind jetzt wunderbar hier, voller Mondschein Und Musik. Ihr könnt euch die Lichtfülle nicht vorstellen, die vom Monde ausströmt, und jedem Ding selber fast ein eignes silbernes Funkeln verleiht. Und überall funkeln Glühwürmchen, fliegen wie leuchtende Funken, verlöschend und aufleuchtend, dunkel, hell, dunkel, hell durch die Nacht. Und von den Dergen leuchten die Lagerfeuer mit rotem Schein, klingt Gesang, Musik. Musik macht eigentlich alles hier, hauptstimmen haben ich und die Schakale. Ich trommel auf einen Dlechpott und sie