Bar Kochba
- Journal
- Bar Kochba
- Volume
- 2 (1920-1921)
- Issue
- Heft 22 (Mai 1921)
- Date
- 1921-05-01
- Page
- Seite 343 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Der wirkIiche 5 i e g e r (Schluß). . „Trumps!" tief Meyer Laubenheim, der Preuße, und stieß mit seiner harten Fattst dröhnend die Karte niederund „Tn»»npf! und Trumpf!" fuhr er mit Stentorstimme fort und warf jedeSmal mit solcher Kraft die Karte hin. daß der Tisch förmlich krachte. Aber schon hatte sich Mosche Gaulsheim mit zornrotem Gesicht erhöhen, während sein Landsmann Nathe Algesheim, neben dem noch als Sukkurs Schimine Gensingen saß, verblüfft die Karten betrachtete. Mosche Gaulsheim hatte den eben zum . Trumpfniederwerfen erhobenen Arm Meyer Laubenheims erfaßt. „Wo hast Du die Trümpfe auf einmal her'!"'schrie er erregt. „Du hast ja nicht bekannt. Du Achbrosch."') Sonst nicht empfindlich gegen solche, iin Grund auch gar nicht ernst gemeinten Ausdrücke, war der Meyer aber diesmal recht böse, zumal ihn der Mosche in flagranti ertappt und unwiderleglich überführt hätte. Ein Wort gab das andere, bis endlich Mosche dem Meyer Laubenheim wütend zUruft: „Du glaubst wohl, weil Du aus dem Preußischen bist, Du kannst hier wie euer Bismarck Herschche Ganef spielen?" Da fühlte Meyer Laubenheim bei» Preußen in sich erwachen. Er erhob sich mit krebsrotem Gesicht um den Mosche Gaulsheim sofort einen nationalen Waffengang anzubieten. Doch dank der Intervention der neutralen Mächte kam es nicht dazu. Im Gegenteil, als nach einigen Stunden die Gemüter abgekühlt waren, schlossen Hessen und Preußen, vertreten durch Schimme Gensingen und denselben Meyer noch ein Geschäft mit Kleesamen ab, und es war ein so ernster Friede, daß die sämtlichen Parteien gemeinsam den Heimweg bis zur Brücke antraten. Nicht ganz so glatt verliefen die kriegerischen Ereignisse an den folgenden Tagen, außerhalb des Cafes und der Stadt. In verschiedenen Gegenden Deutschlands war es zu blutigen Zusammenstößen gekommen, und ein Gefühl der Unsicherheit bemächtigte sich der Menschen. Immer näher zogen die Kriesiswolken, und bei Lauffach. Aschaffenburg, Würzburg usw. entluden sich die Gewitter in blutigen Gesechten. Dann hörte man nachts Gewehrfeuer. Die Preuße» zogen gegen Frankfurt, und vor Mainz und Biebrich wurden ständig Schüsse gewechselt. Und eines Morgens krachte es gar ernstlich. Am Bahnhof waren hessische Patrouillen auf den preußischen Posten gestoßen. Das es Habei nicht zu Toten kam,, meinten die Leute mit der Unlust .der Soldaten auf Stammverwandte zu zielen, erklären zu können. Ein großes, unföriniges Loch in dem eisernen, das Wort „Eilguterpeditivn" tragenden Schild am Bahnhof in Bingen ist, bis auf den heutigen Tag noch sichtbar*), ein ernstes Erinnerungszeichen an jenen Patrouillengang. Das Gefühl der Unsicherheit wuchs noch mehr als oberhalb Bingens die Schiene» aufgerissen und schließlich eines Abends die Dielen aus der Brücke abgetragen wurden, sodaß nur vorsichtig hinschreitende und schwindelfreie Wagehälse sich über den Fluß wagten. Der Wagenverkehr hörte auf. Nur noch der Teil, der für Bahnverkehr bestimmt war, blieb passierbar. Es lag etwas in der Luft, das selbst die bisher stets fröhlichen Landwehrsoldaten, die eö sehr gut hatten, ernster stimmte. Und dann wurde es von der autoritativsten Seile als bevorstehend verkündet. Ein glühend heißer Freitag lag auf Stadt und Land. Drüben auf dem Ruppertsberg, in Bingerbrück ging etwas Geheimnisvolles vor, obgleich die Brücke wieder gedeckt und gangbar war. Um fünf Uhr nachmittags kamen zwei Reiter über die Brücke gesprengt, ein Offizier, ein Trompeter und in kurzen« Abstand erschien ein Trommler. An jenem freien Platz, an den» ich dem Einmarsch der Preußen beigewohnt. wurde halt gemacht. Der Tronnnler rührte die Trommel und der Trompeter ließ gleich darauf ein Signal ertönen. Bestürzt eilten die Leute herbei. Der städtische AuSscheller mit feinem schönen schwarzen Bart stand dicht am Kopse ---—■ ■ \ > Spitzbube. **) Jetzt emftrot. 343