Bar Kochba
- Journal
- Bar Kochba
- Volume
- 2 (1920-1921)
- Issue
- Heft 22 (Mai 1921)
- Date
- 1921-05-01
- Page
- Seite 342 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Mendel. „Zieh da, mon ami*), wie gefällt es Ihm in Berlin?" Mendel gefällt es gut, er ist dem König sehr dankbar. Da fragt ihn der König, ob er noch einen Wunsch habe. „)a," sagt Mendel, „einen Wunsch habe er noch, aber er getraue sich nicht, ihn zu sagen. „Li was," meint der König, „ich habe doch in seiner Bettlade gelegen und Lr hat drei Bussen untergekriegt. Hab Lr nur courage." Da tritt Mendel ganz dicht an den König heran, sodaß dessen Begleiter ihn nicht hören können und sagt: „Ich möchte wissen, was Lw. Majestät sich gedacht haben, als der Kosak mit dem Säbel durch den Vettsack stach." „Schön," antwortet der König, „ich will ihm das ganz genau sagen, aber nicht jetzt und nicht hier. Komme er heut Nachmittag mit dem Glockenschlag drei auf den Schloßhof." Um drei geht der neugierige Schneider zum Schloß. Bus dem Hof ist eine Linde, unter der steht der König mit ein paar Offizieren und Soldaten. „Lr kommt pünktlich," sagt der König, und dann zu einem der Soldaten: „hat Lr den Strick? So klettre er herauf." Der Soldat klettert auf den Baum befestigt einen Strick an dem Untersten Bst, so, daß eine Schlinge herunterhängt Mendel begreift nichts, da packen ihn ein paar Fäuste, schleppen ihn zum Baum, stecken seinen Kopf in die Schlinge. Lr spürt den trockenen Hanf auf seiner haut, er weiß jetzt, daß er sterben muß - er hat den König beleidigt, die Worte des Sündenbekenntnisses drängen sich auf seine Lippen. Noch einmal öffnet er die Bugen, da sieht er den König dicht vor sich stehen: . „So, jetzt weiß er, was ich mir gedacht Habe damals ... . genau dasselbe nämlich, wie er jetzt vermeinet hat. Laß er sichs eine Warnung sein Und stelle er fürderhin keine fürwitzigen Fragen. Wenn Er's aber partout nicht lassen kann, so geh er zum Juden Mendelssohn, der hört das Gras wachsen!" Und damit ging der König von dannen. *)-Ittein Freund. Bisher haben Spenden eingesandt: Sarah Schönfeld in Berlin, Alexander Heiser in Leipzig, F) a m m in Stettin, TD. Kojen* thal und f) Cranslateur in Neustadt a.fy, zusammen 160.— Mk. Kußerdem haben die Erfurter geschrieber. daß sie 7000 — Mk gesammelt haben. Ein Bravo den Erfurtern! wo aber bleiben die übrigen Bar Hochbaleset? Ihr wollt uns doch nicht etwa im Stich lassen, denke ich. Hl so: strengt Euch an! - 342