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Bar Kochba · 1921-05-01 · Heft 22 (Mai 1921) · p. Seite 341

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bar Kochba
Volume
2 (1920-1921)
Issue
Heft 22 (Mai 1921)
Date
1921-05-01
Page
Seite 341 (sequence 5)
Language
German
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Mittlerweile kommen seine beiden Kameraden, die in den andern Häusern nach dem Preußen, gesucht haben, sich aber schließlich mit ein paar Hühnern und Gänsen begnügen mußten. Mendel wartet garnicht erst ab, bis sie Schnaps fordern, er gibt jedem gleich eine Flasche in die Hand. Sic fetzen sich neben Wladimir und trinken ihr Fläschchen. Nach einem kleinen Ltündlein liegen sie am Boden und schnarchen zu dritt. Da hilft der Schneider Mendel dem Offizier wieder aus der Bettlade. Der reckt und streckt sich, schüttelt die hälmchen aus der blauen Montur und merkt, daß ihm die Kehle trocken ist. „hat Gr noch so eine bouteiile*)?" fragte er. Nein, der Schneider hat keine mehr, allen Schnaps haben die Russen im Bauch. So trinkt der König einen Becher Wasser. Dann will er fort. Lein Pferd weidet ein paar hundert Schritt vom Haus, ein pfiff, und es kommt angetrabt. Schon sitzt der König im Sattel, da fragt er den Schneider: „Weiß Lr, wer ich bin?" .„Einer von den Offiziers des Königs von Preußen." „Nicht einer von den Offiziers - der König selbst bin ich!" Dem Schneider Mendel ist es recht. Mag her Herr ihn nur zum Vesten halten, er will sich denRerger nicht merken lassen. Da fragt der König weiter: „Vas fordert Er von mir als Lohn? Er hat was bei mir zugute und den Schnaps, den die Kerle gesoffen haben, werde ich ihm außerdem bezahlen. Er hat seine Sache gut gemacht und courgße gezeigt, ich will ihm das nicht vergessen. Also, was wünscht Lr sich?" „Nun," antwortet der Schneider Mendel spöttisch, „wenns der König selbst war, der in meinem Vettstroh gelegen, so wird er wohl gestatten, daß der Hude Mendel nach Berlin ziehen darf und dort sein ehrlich Handwerk treiben." „hat Lr Familie?" . „Ja, eine Frau und zwei Söhne." „So halte Lr sich bereit, in einer kleinen Stunde lasse ich ihn und seine Leute abholen." , Und damit trabt der König ab. Nach einer Stande aber galoppiert ein Zug Seydlitz'scher Kürassiere ins Dorf, sie haben Befehl, drei Russen und den Schneider Mendel samt Familie aufzugreifen. So behält der Schneider Mendel seine Vleß und kommt nach Berlin. * ' - * . : : . '' ' ' ■ Der Feldzug ist aus und der König ist von Potsdam nach Berlin herübergekommen. Wie er durch die Straßen reitet, begegnet er dem Schneider *) Flasche. 341

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