Bar Kochba
- Journal
- Bar Kochba
- Volume
- 2 (1920-1921)
- Issue
- Heft 22 (Mai 1921)
- Date
- 1921-05-01
- Page
- Seite 340 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Säbel und in der linken die Kosakenpeitsche, die hat neun Schnüre statt einer und heißt deshalb auch die russische Katze mit den neun Schwänzen. Er schwingt den Sabel und droht mit der peitsche: „)ud, wo hast Du den preußischen Offizier?" - „Der )pd ist ein Schneidet und der Schneider ist ein Iud, Offiziers lassen ihre Nocke bei mir nicht machen, ist lange her, daß ich den letzten gesehen habe." „)ud, wo hast Du ihn? Ich peitsche Dich erst und spalte Dir dann den Kopf, wenn ich ihn bei Dir finde!" „)a, tu das nur, such, Brüderchen, such tüchtig." Und der Kosak sucht, wie er es gewohnt ist. Cr ist gewissenhaft, und nichts entgeht seinem Blick. Er guckt unter den Schneidertisch, aber da sitzt nur der große schwarze Kater Mauz und steckt ihm die Zunge heraus. Er sieht die Flickenkiste und rührt mit dem Lanzenschaft in ihr herum, wie die Köchin im Eierkuchen, es liegt aber kein Preuße darinnen. Dann sieht er in den Wandschrank, es steht aber nichts darin als ein Harles Laib Brot und ein Stück Schafkäse, der riecht nicht fein. Dann kommt der Ziegenstall an die Reihe. Die Ließ meckert vergnügt, aber der Kosak haut mit einem Säbelhieb den Strick vom Pfosten und führt sie zu seinem Pferd, denn er will sie zum Andenken mitnehmen. .Herr", flüstert indes der Schneider dem König zu „Ihr dürft getrost einmal niesen, er ist jetzt draußen". „Ries er selbst," knurrt der unter dem Veitsack, aber nicht zu laut, und das ist gut, denn schon ist Freund Wladimir wieder, in der. Stube. Cr geht gradewegs auf das Bett zu und setzt sich auf den gut gepolsterten Sack. „Jud", sagt er, „Du hast den Preußen versteckt, aber Väterchen Zar soll mir den Kopf abschlagen lassen, wenn ich ihn nicht finde." Und vor lauter Wut beginnt er, mit der scharfen Klinge in den Bettsack hineinzustechen, daß es Risse gibt wer weiß wie groß und das Heu in der Stube herumfliegt. „Mein Gott" denkt der Schneider Und merkt selbst, wie er bleich wird, „wenn er ein wenig tiefer sticht, kann er den Offizier gleich in der Bettstatt begraben. Es muß gehandelt werden, Mendel, zeig, was Du über einen Kosaken vermagst." Damit geht er an ein verborgenes Wandspind, holt eine Flasche und ein Glas heraus und läßt den Schnaps in das Gläschen gluckern. Der Kosak vergißt das Stechen, er springt auf, reißt dem Schneider die Flasche aus der Hand, setzt sie an den Mund — und oh, wie kann eine Kosakengurgel schlucken. Die halbe Flasche ist leer, mit der zweiten Hälfte setzt er sich auf den gestampften Lehmboden, wo man auch im tiefsten Rausch schön sicher ist und trinkt langsam und bedächtig weiter. 340