Bar Kochba
- Journal
- Bar Kochba
- Volume
- 2 (1920-1921)
- Issue
- Heft 22 (Mai 1921)
- Date
- 1921-05-01
- Page
- Seite 339 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Der alte Zrltz, der Kofaft und der Schneider Mendel Einmal führte der alte Fritz Krieg mit den Nüssen und war eines Morgens in der Frühe fortgeritten aus seinem Lager, um die Stellung der Feinde zu erspähen. Nicht einmal einen Reitknecht hatte er mitgenommen und kam so ganz allein in ein Dorf, das zwischen oen Preußen und den Russen lag. wie er in die vorfstraße hineinreitet und fast schon in der Mitte ist, sieht er am andern Ende drei Rosaken daherkommen. „Die brauchen mich nicht zu sehen," meint der König, „drei auf einen ist zuviel und es wäre schade, wenn die Burschen den Rönig von Preußen fingen." Also dreht er um und gibt seinem Pferd die Sporen. Rber die Rosaken haben ihn schon gesehen und klabaster, klabaster! jagen sie hinterher. Ihre Pferde sind klein, aber sie können unheimlich laufen, des Rönigs Pferd hat just ein Lisen verloren und strauchelt bei manchem Sprung. Da macht die Straße eine Biegung, der Rönig springt runter vom Gaul und rennt in das nächste Haus, der Gaul läuft weiter bis eine schöne grüne Wiese Kommt, da bleibt er stehen und beginnt zu grasen und denkt weder an die Rosaken, noch an den Rönig. Der ist inzwischen in die Stube des Schneiders Mendel getreten, denn just der ist es, der in dem Hause an der Straßenecke wohnt. (Er sitzt auf seinem Schneidertisch und näht der Frau vom Schulzen ein Sonntagskleid, dabei muß er aufpassen und so sieht er garnicht gleich hin, wie etwas in seine Stube getrabt kommt. „He, Sud'" ruft ber König, dems pressiert, „hock Er da nicht wie ein Kümmeltürke! Seh er zu, daß er mich gut verstecke, die Russen. sind hinter mir und ich Hab kein Pläsier, nach Sibirien zu kommen. Sein Schade wird's nicht sein, wenn er mich salviert." Der Schneider Mendel hat schnell begriffen. Wo soll er den Herrn hinjun? In den Ziegenstall? Die Bleß, das unvernünftige Vieh, wird zu meckern anfangen, da machen ihr die Rosaken sogleich einen Besuch, i In den Backofen? Der ist vor einer Stunde geheizt worden für den Schalet, denn es ist Freitag. Da hört man schon „klabaster, Klabaster" und ein russischer Fluch tönt durch die Gasse. Im Nu ist Mendel vom Schneidertisch herunter: „Also krieche der Herr geschwinde unter den Bettsack. Es liegt sich zwar besser drauf als drunter, aber in der Not. . ." Da ist sein Besuch schon in die Lade gesprungen und wirft sich den Strohsack über, daß das frischgestopfte Heu aus allen Nähten hervorkommt. Draußen springt der Rosak Wladimir von seinem Klepper und öffnet die Türe mit einem Fußtritt. Cr hat in der rechten Hand feinen gebogenen '■-'n 339 :