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Bar Kochba · 1921-05-01 · Heft 21 (Mai 1921) · p. Seite 333

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bar Kochba
Volume
2 (1920-1921)
Issue
Heft 21 (Mai 1921)
Date
1921-05-01
Page
Seite 333 (sequence 13)
Language
German
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Der wirKirche St eg er Achtzehnhundert sechsundscchzig war es, und Krieg »och dabei. Seit zwei Tagen, meine Geschichte beginnt mit Crew Sckmbbos hatte» wir den leilchaftige» Krieg in unmittelbarster iUähe kennen gelernt Und zwar so weit als ein großes. fröhliches Ereignis. Wenn ich von „wir" spreche, so meine ich damit die eben der Schule entronnenen Altersgenossen und die noch in Schnlhaft befindlichen jüngeren Knaben und Mädchen, denen der Krieg schon deshalb viel Freude bereitete, weil die Schulen sämtlich geschlossen waren. Die Kriegsereignisse hatten sich bisher friedlich vor /unseren Angen entrollt, und selbst die Eroberung meiner Vaterstadt vollzog sich mehr grotesk als krieg»isch und bereitete n»s jungen Bürschchen ungemein viel Freude. Air einem Mittwochnachmittag, zwischen fünf und sechs Uhr wurde meine Vaterstadt, die schon Römer- und Allemannenkämpfe gesehen, von den „feindlichen" Preuße» ohne Schwertstreich, und ohne daß ein Tropfen Blut dabei geflossen wäre, erobert. ES war die letzte Woche im Juni. Von einem Landwehrmajor geführt, war ein Trupp Landwehrleute vom jenseitigen Bingerbrück herübermarschiert, etwa achtzig Mann. Keine Barrikade, keine Schanze brauchte erstürmt zu werden,' und keine Truppengattung stellte sich der Invasion der feindliche» Preußen an der westlichen Grenze Rheinhcssens entgegen. Run herrschte an unserer Landesgrenzc, au der meine Vaterstadt liegt, nicht der große Preußcnhatz wie mehr rhcinnuswnrtS, und die ,,Preußen" »nd die „Hessen" hatten bisher alv friedliche Grenznachbarn auch ohne Handelsvertrag gegenseitig ihre Waren von einander bezogen. Die in preußischen Rachbardörfern wohnenden Mischer brachten jeden Freitag ihre schuppigen Waren auf den Markt des hessische» Städtchens, ohne daß man sich gegenseitig . patriotische Rechenschaft darüber ablegte, daß man jenseits preußische Fische für hessische Feinschmecker lieferte »nd diesseits hessisches Geld in das ohnehin schon übermächtige Preußen fließen ließ. Von dem Augenblick an, wo der Krieg entflammt' war. fing man erst an sich daran zu besinnen, daß man hessisch, respektive preußisch war - aber ohne daß sich eine kriegerische Stimmung auslöste, denn in diese»»'.Teile der Rheinlandsprovinz waren die Leute gar nicht so stolz darauf Preußen zu sein wie etwa in Brandenburg und Pommern. Auch wußte man eigentlich noch nicht recht, ob die beide» Nachbarstaaten sich schon den Krieg erklärt hatte» oder nicht. Handel lind Verkehr blühten weiter, obgleich die preußischen Armeen bereits in Böhmen eingedrungen und am oberen Maiulauf mit de» Bundcstruppen feindlich zusanilnengestoßen waren. Selbst die Bahnzüge fuhren »weiter vom hessischen in den preußischen 'Bahnhof und zurück, wie im tiefsten Friede». Dann, aber kam der erste Gewaltakt vor, der von Preußen ausging. Eine hessische Lokomotive fuhr mit einem hessische» Pcrsyncnzug »ach Bingerbrück und wurde nicht mehr zurückgelasscn. Das gleiche Schicksal hatten zwei Gülerzuglokoylotiven. Das war doch dem tapfer» Toussaint, dem hessischen Bahnhofsinspektor zu viel. Er ließ sofort telegraphisch einen Personcnzng an der zweitnächsten Station anhaltc». »,»kehren und samt der preußischen Lokomotive und verschiedene preußische Waggons zurück und tiefer in das „Innere des Landes" fortfahren. Von dieser Stunde an. begann die Spchnnulg und zugleich die VcrkeyrSlinterbrechung. Aber auch dieser flagrante Fricdensbrnch vermochte nicht, die friedlich-nächbarlichen Beziehiingen zu trüben. Wer von den hessichen Beivvhnern eine Reise in, „Feindeslaiid" zu machen hatte, giilg an den preußischen Bahnhof, löste sein Billct und fuhr nach Herzenslust dahin, wo er zu tun hatte. . Dieser Zustand wäre sicher während der ganzen Kriegsdaucr erhalte» geblieben, wenn nicht eben an jenem Mittwochnachmittag es wm im Juni ei» preußischer Major an der Spitze von achtzig Landwehrleuten als Eroberer cingezogen wäre. Bereits hatte er die Brücke passiert ohne sonderliches Aufsehen zu erregen und näherte sich schon der erste» Straße des Städtchens, bis der aus dem freien Plan an der Allee an einem riesige» Faß arbeitende Küfernieister von der Arbeit ausblickte und maßlos erstaunt die Kriegsmänner lwraiunarschieren sah 333

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