Bar Kochba
- Journal
- Bar Kochba
- Volume
- 2 (1920-1921)
- Issue
- Heft 21 (Mai 1921)
- Date
- 1921-05-01
- Page
- Seite 324 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Prinzessin war sehr, erschrocken, — davon hatte sie bisher nichts gewußt. Und wenn sie das süße Kind dort in dem nassen vettlein anschaute, dann schämte sie sich sogar ein bischen für ihren Vater.- Und plötzlich hatte sie einen schönen Einfall. „3di weiß etwas ganz Reizendes," sagte sie mit froher Stimme „wir haben dar Kind gefunden, also gehört es mir: ich nehme es mit nach Haufe und will es erziehen, als ob es mein eigenes wäre - " hier unterbrach sie ein dünnes Krähen, das aber bald kräftiger wurde, und nun brüllte das Kerlchen so energisch und durchdringend, daß alle ganz bestürzt dastanden. - „Mein Gott, was tun wir jetzt mit ihm?" fragte die Prinzessin ratlos. Die Gberhofmeisterin beguckte das Kind . genau durch's Lorgnon und sah, das; es krampfhaft sein Fäustchen lutschte. „Ich glaube, Hoheit," meinte sie weise, „es hat einfach Hunger. Es muß wohl mal trinken." Vas war ein unvorhergesehenes Hindernis. Trinken! wer sollte dem Kind zu . trinken geben? Keine der Damen wußte Rat. In diesem Augenblick rauschte es im Schilf, und „ganz zufällig" kam ein junges hebräisches Mädchen auf die Damen zu. Als sie das schreiende Kind erblickte, ging ein Zucken über ihr schönes Gesicht - dann verneigte sie sich tief vor der Prinzessin. „Hoheit, das Kind schreit "vor Hunger. Ich kenne eine Frau, die verstecht mit Kindern umzugehen, wollen Hoheit sie vielleicht als Rmme für den Kleinen nehmen?" Der Prinzessin fiel ein Stein vom Herzen. „Du bist ein gutes Mädchen," sagte sie erfreut, „und klug bist Du auch. Wie heißt Du, Kind?" Werbt Ihr „Ich heiße Mirjam, Tochter des Rmram und der Jochebed." „So geh, gute Mirjam, und bring mir eine Rmme für den Knaben. Ich will ihn für mich erziehen und er soll mein Sohn sein." Mirjam eilte fort, und zu Hause fiel sie der betrübten Mutter vor Freude weinend um den hals. „Mutter, schnell komm mit, die" Prinzessin braucht eine Rmme für unseren Jungen - sie hat ihn am Nil gefunden, wo wir ihn heute früh hinstellten. Ich stand in der Nähe und Hab ausgepaßt, daß ihm nichts passiert — aber auf d a § Glück war ich nicht gefaßt! Er soll ihr Sohn sein, hat sie gesagt—." Frau Jochebed faltete die Hände. „Gott hat die Kinder Israels nicht vergessen — er rettet sie vor Tod Und Feinden. Aber i h r Sohn nie wird ein hebräisches Kind ein ägyptischer Prinz werden — nie wird sich sein Blut verleugnen. Und daß er sein Volk nicht vergißt — dafür will ich schon sorgen. Komm Mirjam, bring die „Rmme" zur Prinzessin!" * * * . , So wurde der kleine Moses gerettet und wuchs auf — unter der Glchut der Mutter, als Pflegesohn der Prinzessin. Aber in der Pracht des Palastes und im Glanz der königlichen Krone — nie vergaß Moses, .welches fein Volk war und was seine Brüder zu leiden hatten. Venn er hatte eine hebräische Mutter, und immer haben unsere Mütter ihren Kindern die Liebe und die Treue zu ihrem Volk als heiligstes Erbe eingepflanzt.. So wurde auch Moses, der Prinz von Egypten, der Schüler egyptischer Priester, ein treues Kind seines Volkes, sein Retter und sein größter Sohn. tu* ttfttl