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Bar Kochba · 1921-05-01 · Heft 21 (Mai 1921) · p. Seite 323

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bar Kochba
Volume
2 (1920-1921)
Issue
Heft 21 (Mai 1921)
Date
1921-05-01
Page
Seite 323 (sequence 3)
Language
German
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brechen wollte, ihn so in Todesgefahr zu wissen. Und nun saßen sie beide und berieten, was zu tun sei. - > „So lange er noch ganz klein ist und ein dünnes Stimmchen hat," meinte Frau Iochebed, „will ich ihn schon im Haus verstecken, wenn sie nach ihm suchen, Aber was soll dann werden?" Amram senkte kummervoll das Haupt. „Uch ich fürchte sehr, es wird uns schlimm gehen. Drei Monate ist der kleine Bub alt, gesund und kräftig ist er auch, seine Stimme kann ihn schon jetzt verraten. Und die Aufseher, die solange nicht in unsere Gegend kamen, werden auch nicht mehr lange auf sich warten lassen. —" 3n diesem Moment stürzte Mirjam aufgeregt ins Zimmer. „Denkt Euch nur, beim Nachbarn Abraham haben die Aegypter eben den kleinen Benjamin fortgenommen,' morgen wollten sie weiter suchen, hörte ich sie sagen. —" Da sahen sich beide Eltern kummervoll an, und Jochebeth sagte leise: „Jetzt ist das Unglück da. Mas können wir tun?" * * * , „Meine Domen", sagte die königliche Prinzessin von Aegypten zu ihren Hoffräuleins, „ich komme um vor Hitze. Der Palast ist heute nicht zum Aushalten. Wie wär's, wenn wir ein Bad im Nil nehmen würden?" „herrlich, wundervoll, reizend", riesen die Hofdamen voll Begeisterung — denn damals wußte man nichts davon, daß sich so etwas für Prinzessinnen nicht schickte. Und schnell war alles Nötige eingepackt, ein paar Damen, nahmen Mückenwedel aus Pfauenfedern mit, und bald zog das ganze Gefolge hinter der Prinzessin zum Nil herunter. „Aber liebe Gberhofmeisterin, bitte suchen Sie eine recht schattige Stelle aus, wohin bestimmt keine Sonne Kommt", sagte die Prinzessin. Die Frau Gberhofmeisterin ging mit einer tiefen Verbeugung voran und schritt tiefer ins Schilf am Ufer hinein, wo man schon ganz feuchte Sandalen bekam. . Aber plötzlich beugte sie sich tiefer hinab und Holte ihre Lorgnette heraus, um besser zu sehen. Da stand etwas, wie ein großes, rohrgeflochtenes Ei sah es aus — dar mußte die Prinzessin zuerst sehen. Eilig ging sie zurück und berichtete von ihrer Entdeckung. „Gott, wie interessant, — sagte die prinzessin erfreut, „mir war schon so langweilig . - vielleicht gibt's da eine Ueberrafchung. Man bringe mir das Ding her." Zwei Damen gingen das Körbchen holen, wobei sie sich etwas mit Pech deschmierten, denn das Ding war von außen mit Ton, Pech oder ähnlichem wasserdichtem Zeug verklebt. Alle beugten sich neugierig über den Fund, - und niemand hörte das Schilf zur Seite rascheln, und niemand sah zwei schwarze Augen, die einem braunen schlanken Mädchen gehörten, durch die Halme schimmern. „hier kann man es öffnen" sagt« ein kleines hoffräulein und schob einen Finger in die Geffnung, die rings um das Körbchen lief. Der Deckel hob sich — und ein allgemeiner Schrei des Erstaunens ertönte.' „Ein Kind - ein Bub — ein ganz kleines - ach wie herzig - seht nur wie er strampelt" — so schwirrte es durcheinander. - „Aber meine Damen," meinte die prinzessin ganz hilflos, „was tun wir denn nun? was ist das für ein Kind? wer legt sein Baby denn so ins Wasser? Es wird sich gewiß hier erkälten, wem mag es nur gehören?" Ein ernstes schönes Mädchen vom Hofstaat sagte da sehr leise: „Ich habe gehört, daß der große Pharao alle hebräischen Knaben töten läßt, vielleicht hat die Mutter dieses Kindes gehofft, der Nil würde barmherziger fein als der König . . . ."

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