Bar Kochba
- Journal
- Bar Kochba
- Volume
- 2 (1920-1921)
- Issue
- Heft 19-20 (April 1921)
- Date
- 1921-04-01
- Page
- Seite 311 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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ver L ha g i g al ' von 3uliu* Ein Teilnehmer, der 1913 die Turnfahrt nach Erez Israel mitgemächt hat, schildert nachfolgend das Volksfest in Rxchoboth in den Zwischcnfciertagen des PeßachfesteS: Der Weg nach Rechoboth führte mich über Ekron, das ich vordem nicht gesehen hatte. Als wir kamen, traten gerade die Makkabim (Turner) an, pm in frischem Marsch und mit frohem Lied nach Rechoboth zu ziehen. ES war eine Freude, die prächtigen Gestalten in guter Haltung, netter Tracht und in bester Stimmung auf diesem Boden und bei diesem Marsch zu treffen. So ist an jenen. Tage im ganzen Land aus den meisten jüdischen Kolonien die Jnngmannschaft aufgebrochen, um auf dem Fcstplatz sin männlichen Kampfspiel die Kräfte zu messen. Manche kamen auch durch Kolonien, die keine Makkabim zu entsenden hatten. Dieser Durchmarsch verfehlte seine Wirkung rucht. Beschämt stand in solchen Plätzen die Jugend dabei: man ist sofort daran gegangen, neue Vereine zu gründen oder schwach gewordene neu zu beleben. Am Tage vor der Feier trafen wir in Rechoboth ein, das uns schon vordem lieb geworden war, weil es am stärksten den gesunden Geist des neuen freien jüdischen Jischub und wirtschaftliche Selbständigkeit erkennen ließ. ' — Mit Mühe fanden wir ein bescheidenes Unterkommen. In beiden Hotels war alles überfüllt. Und es bedürfte eifrigen Zuredens, bis wir einen Wirt bewegen konnten, uns noch aufzunehincn. Dann gingen wir, so schnell es der tiefe Sand der Straßen erlaubte, zum Festplatz. Der Weg führt über die „Birkah", das -große Wasserreservoir auf der Höhe des den Ort beherrschenden Berges, der mich die.schöne Synagoge und das Beth- Am (Volkshaus) trägt. Da oben sehen wir die ganze Ansiedlung vor uns äuSgebreitet, die sich teils in geschlossenen Straßenzügen, teils in einzelnen Gehöften über die weit ausladenden Hügel erstreckt. Am Horizont verliert sich der Blick im Kranz der ringsumher liegenden reichen Orangenbojaren. Unmittelbar zu unseren Füßen dehnte sich der Festplatz. i i n R e ch o b o t h Heilbrunn Schon heute äni Vortage zeigte sich ein lebhaftes Gewimmel. Die Makkabim üblen noch einmal ihre Gerät- und Freiübungen Die Fußballgrupprn fochten die ersten Vor kämpfe aus. die Reiter führten ihre Pferde vor, waren stolz, wenn sie bewundert wurde» und liefen einige Privatrennen untereinander. ES ist eine Lus», die feurigen, gut-?>ebauten Tiere und die schneidige» Reiter zu ehe», frische Jungen, Schomrm, tWächter» und Kolonisteiisöhnc, ein wildeö, ungebärdiges Volk,, denen die Freude am Reite» und Schießen aus den blanken Augen blitzt, wunderhübsch in ihren, schmucke» weißen, weit über den Rücken fallenden Kopftuch, das sie von den Beduinen übernommen haben, weil es ebenso schön wie praktisch ist. Zum erstenmal hatte niaii aus Anregung des Kolonialarztcü D'r. Moskowitz, der die Organisation des ganzen Festes mit geschickter und energischer Hand leitet, eine Ausstellung von landwirtschaftlichen und industriellen Erzeügnissen versucht. Es war ei» tleiner, aber wohlgclungener Anfang. Das Syndikat de, Weinbauern hatte sein Zelt mit freiem WeinauSschank, einzelne Kolonisten hatten besonders große, gut geratene Früchte ausgestellt, ein Holzwarenfabrikant zeigte sehr interessante Produkte der Verwendung des Eukalyplusholzes, ein Aussteller landwirtschaftliche Maschinen mit eigenen Erfindungen und VerbesserUngen, die den Bedürft,isjen des Landes «„gepaßt waren. Wir trafen »och alles in voller Vorbereitung an; die Frauen der leitenden Männer waren bemüht, die Auöstellungszelte mit dem Schmück des Landes, mit Blüten und mit über mannsgroßcn Palmblättern zu verschöner». Nicht ungern stellte» wir beschäftigungslosen Ausstellungsbummler »ns ihnen bei dieser Arbeit zur Verfügung. Es wurde mich nicht vergessen, für die leiblichen Bedürsnissc des kommenden Tages zu sorgen. Große Zelte wurden aufgeschlage», in denen es später Tee. den inan dort trotz dcS guten Weines viel. und leidenschaftlich gern trinkt, sowie Obst Und mancherlei Speisen gab.